Als bekennender Agnostiker habe ich Spaß an der Idee, die nicht stoffliche Seele des Menschen habe im Moment des Todes beim Entfleuchen aus dem Körper ein Gewicht. Über die fragwürdige Mess-Methode des Duncan MacDougal, der auf die ominösen 21 Gramm kam, die seither auch im Netz herumgeistern, habe ich ja in einem früheren Post geschrieben.
Heute treibt mich die Überlegung an, dass die Seele dann ja unmöglich so ein Einheits-Gewicht haben kann. Meinem Körper habe ich zwar in den Vergangenen Jahren erheblich Gewicht entzogen. Stattdessen belastet aber eine unkontrollierte Zunahme verwerflicher Gedanken womöglich das, was man bei mir als Seele ausmachen könnte. Bei der derart belastenden Masse ergäben sich vermutlich in dem Moment, in dem ich den Löffel abgäbe, einige Kilo. Auch viel zu viel um beispielsweise durch die Nase zu entweichen - wie die alten Ägypter dies bei ihren Seelen vermuteten.
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| Quelle: Vecteezy |
Was mache ich mir überhaupt Gedanken über die Verwerflichkeit meines Denkens, wo Gedanken doch frei sein sollten? Wer weiß in dieser von KI bedrohten Zeit aber, wie lang noch, wenn es staatlich verordnete Gedankenlese-Programme gäbe? Und was ist an meinem, geheimen Denken im Vergleich zu deren "Realpolitik" dann so verwerflich?
Ein Bespiel:
Denke ich an all die autokratischen Super-Senioren, die gerade das alte Weltgefüge durchrütteln, indem sie Meinung unterdrücken und sich die Justiz zum willfährigen Werkezeug machen, dann käme mir vielleicht dieser Gedanke: Wo sind denn all die Attentäter und Killer, die täglich über den Bildschirm huschen, wenn sie in der wirklichen Welt gebraucht werden?
Oder:
Wenn ich lese, dass Putin seine Hyperschall-Rakete bis an die Westgrenze der Ukraine feuert, huscht dies durch meine Gedanken: Es wäre endlich an der Zeit , ihm mal mit dem "Taurus" eines vor den Latz zu ballern.
Aber es träfe ja nicht allein Putin und einige seiner Paladine. Die Verwerflichkeit beider Gedanken dringen eben immer sofort in mein Gewissen ein, von dem ich echt nicht weiß, wie es mit meiner Seele "connected" sein könnte. Aber es mahnt mich: Das geht doch nicht! Du als Pazifist trachtest Leuten, die du gar nicht kennst nach ihrem einzigen, unwiederbringlichen Leben?
Ich stammle zwar lautlos eine Art Widerrede: Es muss doch einen Grund haben, weshalb Töten erst an fünfter Stelle der zehn Gebote steht. Und überhaupt ist Pazifismus ein Luxus-Denken für Zeiten des Friedens.
Rette sich, wer kann! Das ist derzeit die Devise.
Einst tat noch Volksmund die Wahrheit kund. Aber ob Morgenstern oder "Taurus": Tot ist in jedem Fall tot. Ob jene, die sich wohl für unsterblich halten, je über die Verwerflichkeit ihrer Gedanken nachdenken?![]() |
| Quelle; MDR |
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| Quelle: Edition Staeck |
Die Gedanken sind frei
Altes Volkslied
1. Die Gedanken sind frei,
wer kann sie erraten,
sie fliehen vorbei
wie nächtliche Schatten.
Kein Mensch kann sie wissen,
kein Jäger erschießen,
es bleibet dabei:
die Gedanken sind frei.
2. Ich denke, was ich will,
und was mich beglücket,
doch alles in der Still,
und wie es sich schicket.
Mein Wunsch und Begehren
kann niemand verwehren,
es bleibet dabei:
die Gedanken sind frei.
3. Ich liebe den Wein,
mein Mädchen vor allen,
sie tut mir allein
am besten gefallen.
Ich bin nicht alleine
bei meinem Glas Weine,
mein Mädchen dabei:
die Gedanken sind frei.
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| Quelle: Die Liederkiste |
4. Und sperrt man mich ein
im finsteren Kerker,
das alles sind rein
vergebliche Werke;
denn meine Gedanken
zerreißen die Schranken
und Mauern entzwei:
die Gedanken sind frei.
5. Drum will ich auf immer
den Sorgen entsagen
und will mich auch nimmer
mit Grillen mehr plagen.
Man kann ja im Herzen
stets lachen und scherzen
und denken dabei:
die Gedanken sind frei.





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