Freitag, 8. Mai 2026

Wenn Leben mehr zählt als dessen Qualität

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Immer noch sehenswert:
Der Film "Am Anfang war das Feuer"
Unser Ur-Instinkt nötigt uns, zu überleben. Der stammt noch aus der Zeit als der "Mensch mit Erkenntnis", der Homo sapiens also, endlich kapiert hatte, dass vor anderen fort zu rennen, weniger ausrichtete, als der Gefahr durch Keulen oder Steinwürfe aktiv zu begegnen. Diese Wehrhaftigkeit übte er aus, um sich und seine Sippe zu beschützen, aber auch seine Lebensweise zu verteidigen. So weit, so einfach.

Seit Jahresbeginn erhalten 18jährige wieder Briefe zur Wehrerfassung. Damit soll für den Fall vorgebeugt werden, dass die Freiwilligkeit, in der Bundesweht Wehrdienst zu leisten, doch nicht ausreicht, uns wirkungsvoll zu Wehr zu setzen. Viele Empfänger bleiben bislang aber die Rücksendung der Fragebögen schuldig.

Ich bin als anerkannter Wehrdienstverweigerer eindeutig Partei, aber versuche hier aus der Erinnerung meine Beweggründe von damals auf den Prüfstand zu stellen.

Damals - das war 1968 - musste ich formell und schriftlich begründen  weshalb ich den "Kriegsdienst" - oder zumindest den "Dienst an der Waffe" verweigerte. Ich verwendete keine Argumentationskette, wie sie von der Organisation BdK (Bund der Kriegsdienstgegner) empfohlen wurde, sondern verließ mich darauf, dass auch meine ethischen Gründe Anerkennung finden würden.
Mein Vater, Kriegsteilnehmer und Bundesbeamter höheren Ranges, bekam bald darauf einen Brief vom Ministerium, er möge doch auf seinen Sohn einwirken. Quasi mich zur Vernunft bringen.
Was immer mein Vater in seiner Empörung über dieses Ansinnen geantwortet hat, bewirkte, dass ich sehr schnell vor der Kommission zu erscheinen hatte. Meine Begründung baute darauf auf, dass ich nach Lage im anzunehmenden Kriegsfall auf die geknechteten "Brüder und Schwestern" in der DDR schießen müsste. 

Die immer wieder perfide gestellte Fangfrage, was ich denn täte, wenn der marodierende Feind unmittelbar meine Familie bedrohte, machte mich richtig wütend. Wenn der F e i n d schon so weit vorgedrungen sei, wäre ich vermutlich nicht mehr am Leben oder wäre beim Versuch zu meiner Familie zu kommen, als Deserteur standrechtlich hingerichtet worden. In der beschriebenen Situation hätte es nämlich gewiss keinen "Urlaub von der Front" gegeben. Also sei die Frage, ob ich durch meine Gegenwehr riskierte, meine Familie abschlachten zu lassen, doch nur hypothetisch.

Quelle: Amnesty International
In den seltensten Fällen trägt das individuelle
Opfer für Anfang und Ende eines Krieges die Schuld

Ist ein Krieg vorbei, muss jeder nach gegebenen Umständen als Individuum für sich entscheiden ob sein Leben mehr zählt als dessen Qualität unter Fremdherrschart von Siegern über Besiegte

Tatsächlich hielt meine Mutter dann ihre Familie über Wasser, indem sie nach der Flucht im bereits "befreiten" Hamburg eine Anstellung beim Britischen Offiziers-Club erhielt.
Dass aus feinden Freunde werden konnten, hatte ich vor dieser Anhörung ein Jahrzehnt lang in unmittelbarer Nachbarschaft von amerikanischen Spielgefährten und deren Eltern in  München erfahren dürfen.

Von den Erlebnissen jedoch, die ich vor der Wiedervereinigung durch Spitzeleien von Kollegen aus der DDR erfahren musste, konnte ich damals glücklicher Weise noch nicht einmal ahnen.

Heute als alter Mann weiß ich längst, dass die Zeit de facto keine Wunden heilt. Vielmehr müssen Betroffene zum Über- und Weiterleben auch wissen, dass manche der verbliebenen Narben bei jedem "Wind of Change" wieder zu schmerzen beginnen.

Quelle: Freepik
Weil nie wirklich zu bestimmen ist,
woher der "Wind des Wechsels" wirklich weht
und wohin er uns dann treibt, ist er so trügerisch.
Die unmittelbar gegenwärtige Geschichte,
belegt zudem, dass er nie auf Dauer weht.
Es ist schon ein Glück, wenn er einem 
nach dem Abflauen nicht eiskalt ins Gesicht bläst.


Mittwoch, 6. Mai 2026

Erschütternd!

Bei allem, was die Welt gerade in maximale Unruhe versetzt, vergisst man leicht, dass uns die Erde selbst mit ihren Erschütterungen heimsucht. Seit wir in Ligurien auf einem Felsenkamm leben, bin ich dort immer online mit dem Erdbeben-Monitor. Der ist zwar auch kein Schutz vor Erdbeben, aber ein halbwegs verlässliches Frühwarnsystem. Allerdings als unser Haus durch zwei kurze Erdstöße derart erschüttert wurde, dass die Kerzen aus den Leuchtern flogen, hatte ich vorher kein Signal bekommen. Der Computer war abgeschaltet (!?). Schäden am Haus gab es auch keine. Da haben wohl die Erdbeben-Anker, die unsere Außenmauern im inneren mit Stahlseilen durchziehen gut funktioniert.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es kaum ein größeres Gefühl der Hilflosigkeit gibt, als ein Erdbeben zu erleben. Zweimal hätte es mich erwischen können: In Zamboanga auf Mindanao in den südlichen Philippinen war ich gerade in einem Restaurant beim Mittagessen, als ich mit meinem Stuhl vom Tisch geschleudert wurde und zwei Meter versetzt bei anderen Gästen landete. Und dann war da noch der "After-Shock" nach dem großen Kalifornischen Erdbeben von 1996, der mich unweit von Disneyland in Anaheim mitten in der Nacht erwischte...

Quelle: Wikipedia
Seismographische Darstellung des Epizentrums
Immer wieder erinnert uns unsere liebe Erde, dass sie nur aus Schollen besteht, die hauchdünn auf einem brodelnden Meer aus Magma schwimmen. Und typisch für den Menschen ist, so ein Erdbeben möglichst schnell zu vergessen und Zerstörtes an selber Stelle wieder möglichst genauso aufzubauen.

Quelle: visit.gemona

Quelle: Venzone Torismo
Wer dieser Tage in Friaul durch die Städte Gemona, Venzone und Osoppo fährt, sieht kaum noch die Schäden, die heute vor 50 Jahren ein Erdbeben der Stärke 6,5 angerichtet hat und 989 Menschen das Leben kostete. Wer von den 2400 zum Teil Schwerstverletzen heute noch am Leben ist, wird wohl einmal mehr - aber vermutlich immer noch traumatisiert - Geburtstag feiern...
Quelle: Verliebt in Italien
Malerisch wie einst - auferstanden aus den Trümmern:
Gemona del Friuli

Montag, 4. Mai 2026

Ausreden lassen!

In den letzten Tagen muss ich viel drüber nachdenken, wie es wäre, wenn unser Land tatsächlich so kaputt wäre, wie POTUS es gerne hätte. Gerade zum Wochenbeginn nehme ich mir vor, dieses durchgeknallte Riesen-Baby eine Woche lang mal nicht beim Namen zu nennen, und keine Bauchschmerzen zu bekommen, wenn er wieder seine Macht-Blähungen entweichen lässt.

Endlich hat unser aller Kanzler mal nicht um den heißen Brei geredet und deutlich gemacht, wie der Wut-Politiker ohne Konzept und Ausweg die Welt in eine der schwersten Krisen seit dem zweiten Weltkrieg gezwungen hat. Dass er das zunächst ausgerechnet vor einer Schulklasse getan hat, ist aus zweierlei Gründen bemerkenswert:

Quelle: www.sueddeutsche.de
Kanzler eines kaputten Landes mit klarer Kante.
Die haben ihn nämlich ausreden lassen...

Erstens: Weil es zeigt, wie heute im Nachrichten-Fluss aus dem kleinsten Kreis innerhalb von Minuten ein globales Thema wird. Und zweitens: Dass das Ansprechen der für die ganze Welt sichtbaren Faktenlage bei dem selbst ernannten "King of  the World" ins Nerven-Kostüm eingeschlagen hat wie eine Cruise Missile.

Denn die ausgelösten Reaktionen sind ja wenig staatsmännisch, sondern eher ein Revanche-Faul. Denn überhöhte Zölle - das hat schon das vergangene Jahr gezeigt - sind ein Bumerang der auf die USA zurück segelt. Und die USA - das ist gewiss - sind bereits wesentlich kaputter, weil mental zweigeteilt und insgesamt so verschuldet wie ganz Europa zusammen.

Nie und nimmer werden die USA ihre strategisch wichtige Position mit den stationierten Kräften auf dem alten Kontinent ganz aufgeben. Und jeder weitere Schritt in diese Richtung entfernte den Oberbefehlshaber vom Kongress, in dem sich jetzt schon immer mehr führende Köpfe der Republikaner düpiert fühlen dürften, weil POTUS den Iran-Krieg ohne die verfassungsmäßig erforderliche Zustimmung nach 60 Tagen ohne Votum weiterführt.

Der oberste Kaputtmacher erhält bald wohl nur noch Beifall von Zar Putin. Der könnte sich allein durch dieses Signal von der Zerrüttung der NATO vielleicht ausrechnen, sich bis zu den nächsten Wahlen in den USA ungestraft kleinere europäische Staaten einzuverleiben.

Aber hat Friedrich Merz - wie er das auch gestern wieder  bei Caren Miosga für sich in Anspruch genommen hat -  wirklich so schwere Bedingungen zum Regieren wir kein Kanzler vor ihm?https://www.ardmediathek.de/video/caren-miosga/ein-jahr-kanzler-wie-schwer-ist-regieren-herrmerz/ndr/Y3JpZDovL25kci5kZS8zZGFlMGExZS01MGYwLTQyZTYtYTc3Yy00MmFlZTQzNzVjZDBfZ2FuemVTZW5kdW5n. 
Es hat aber auch kein Kanzler mit nur einem Koalitionspartner und Alleskönner-Arroganz den Mund so voll genommen wie er! Er kann es schön reden, so oft er will, er steht nach einem Jahr Regentschaft genauso schlecht da wie sein Vorgänger, aber er ist auf dem besten Weg als Rausrede-Kanzler in die Geschichte einzugehen. Denn er verkörpert eben das Gegenteil von einer Integrationsfigur und ist auf Herrschen eingestellt - und sonst gar nichts. Was Deutschland braucht und gerade nicht hat, ist ein Teamplayer, der auch notfalls moderieren kann - wie Angela Merkel. Tut mir leid, aber Friedrich Merz ist in meinen Augen weder so sym- noch genügend empathisch, aber er ist im Moment der einzige, der uns vor der Machtübernahme der Neofaschisten bewahren kann.

Europas Demokratien zeigen gerade, dass sie dem von US-Money-Mogulen unterstützten Rechtsruck widerstehen oder ihn sogar wieder schwächen könnten. Das geht aber nur mit Kräften, die Willens sind, sich zu bündeln, um gemeinsam aufzustehen. Dass Demokratien streitbar sein müssen, ist für eine stete Erneuerung immanent, aber das darf nicht weiter zur Verlangsamung der Emanzipation gegenüber den USA führen. Der Donaldismus darf nicht länger "America first und sonst nichts" heißen. Sondern es muss klar gemacht werden, wie sehr sich die USA mit diesem Denken isolieren.
Die AfD wird bei uns doch nur immer stärker, weil die Koalitionen ihre Ehestreitigkeiten nicht im Schlafzimmer, sondern auf diversen Bühnen in der Öffentlichkeit austragen. Unsere Demokratie ist derzeit deshalb so anfällig, weil sie sie schon zerpflücken lassen, bevor Ideen im Parlament in treffende Gesetze umgesetzt werden.

Quelle:ZDF

Ich bitte meine Leser dringlich, sich  unter diesem Aspekt Maybrit Illners Talk vom 30. April in Ruhe anzuschauen: https://www.zdf.de/video/talk/maybrit-illner-128/maybrit-illner-vom-30-april-2026-100

Jeder in dieser Runde hat Ahnung und richtige Argumente, aber letztlich lässt niemand den anderen so ausreden, dass  das fürs Publikum auch einleuchtend wird. Deshalb endete die Sendung geradezu exemplarisch, indem alle auf einmal, überkreuz und durcheinander reden.

Wenn etwas in unserem Land kaputt ist, dann ist es dass jeder ums Mitdenken geäußerte Denkansatz gleich mit Streit-Polemik niedergeschrien wird. Ginge es uns wirklich so schlecht wie der Welt-Terrorist im Weißen Haus uns sehen möchte, dann wäre es an der Zeit, denen die etwas substanzielles zu sagen haben, ruhig zuzuhören, um dann daran mit eigenen Argumenten konstruktiv anzuknüpfen. Keiner hat das Wort Kompromiss so oft in den Mund genommen wie gestern der Kanzler.
Noch haben wir dafür "alle Zeit der Welt".
Willy Brandt - gewiss nicht der schlechteste Kanzler aller Zeiten - sprach weiland 1969 von "mehr Demokratie wagen". Damit meinte er aber gewiss nicht, dass Demokratie auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit als Wagnis endet.


Freitag, 1. Mai 2026

"Mei halt"*

 

Quelle: pinterest












Der Mai ist gekommen,
Aber die Bäume schlagen schon seit Wochen aus.
Der Kopf ganz benommen!
Bei diesem Pollenflug bleibt man gern zu Haus.

Der Mai ist gekommen,
Minister schlagen sich seit Wochen vor allem mit Sparen  rum.
Da gibt's kein Entkommen.
Immer mehr Schulden. Das Volk bleibt dennoch arm und stumm.

Der Mai ist gekommen,
Aber hat den Merz  nicht vom Halten seiner kühnen Versprechen entbunden.
Kein  Gipfel wird so erklommen,
Mit klingendem Beil und Reiche gegen Arm wird mit Nullen die Zukunft geschunden.

Der Mai ist gekommen,
An den Zapfsäulen gibt's trotz Rabatt weiter den Totentanz.
Kein Tanker kommt geschwommen,
Weise Wirtschafts-Eulen machen Rabatz** im Talk  bei Lanz.

Der Mai ist gekommen.
Heute, der Erste, ist ein Feiertag für die letzten Helden der Arbeit.
Wann wird er uns genommen? 
Merz klagte ja schon über viel krank Sein und zu große Faulheit!

Der Mai ist gekommen,
Aber Timmy, der Wal, überlagert als Thema all die Dramen und Kriege.
Nicht selbst geschwommen,
Aber frei gebaggert führt Mitleid den Lümmel doch noch zum Siege?

Quelle: Tagesspiegel






Der Mai ist gekommen,
Und Trump bleibt seiner Linie treu. Mit Charlie, und  nicht besser ging's,
die Krönung vorweg genommen, 
Das Foto zu guter Infinie, dass er sich freu': Ein Post auf Facebook  mit "Two Kings"

Quelle: facebook









"Mei halt" ist ein bayerischer Ausdruck, der meist als Füllwort verwendet wird und so viel bedeutet wie „ach ja“, „naja“, „das ist halt so“ oder „ohne besonderen Grund“. Es drückt Achselzucken, Resignation oder eine gewisse Gelassenheit aus.

**„Rabatz machen“ ist eine umgangssprachliche deutsche Redewendung für das Verursachen von großem Lärm, Aufruhr oder lautem Protest. Es bedeutet, Unruhe zu stiften, Krach zu schlagen oder heftig auf sich aufmerksam zu machen. Die Wendung stammt vermutlich aus dem Berlinerischen und wird oft verwendet, wenn Kinder toben oder Menschen protestieren.

Mittwoch, 29. April 2026

Das große Ganze im Blick

 

Peace is the Time between Wars

Wenn die Mächtigen von ihren untertänigen Individuen Opferbereitschaft fordern, dann geschieht das gerne mit dem Hinweis, man müsse das große Ganze im Blick haben.
Mit dem Blick auf den derzeitigen Zustand der Welt tut sich das Menschlein allerdings schwer, zu glauben, dass das Große ganz bei Troste ist. Angesichts vollmundigen Versprechungen der politischen Lügner von oberster Stelle verbietet sich doch ein heroisches Opfer, wenn keiner mehr wirklich weiß, für welche Ziele sein Sacrificium eigentlich erbracht wird.

Als Putin die Ukraine vor nun mehr als vier Jahren überfallen hat, war mir klar, dass mein lebenslanger Pazifismus wohl die falsche Einstellung gewesen ist. Aber da war ich mir im Großen und Ganzen sicher, dass der Westen (historisch betrachtet) für Friedfertigkeit und sicheres Miteinander stünde. Seit Trump aber unter komplexem Vorwand seiner Allmacht souveräne Staaten überfällt und auch Inseln, die den USA historisch nie gehörten,  annektieren möchte, bin ich mir überhaupt nicht mehr sicher, ob es jemals wieder hehre Ziele geben wird, die es zu verteidigen lohnt. Denn in einer Freiheit des Westens nach dem goldsüchtigen Geschmack des "Dons" möchte ich nicht gerne leben.

Quelle: MDR
Im ersten Quartal dieses Jahres und nach Einführung des noch nicht verpflichtenden Wehrgesetzes haben mehr junge Menschen pro forma schon den Kriegsdienst verweigert als im gesamten vergangenen Jahr. Das ist ein deutliches Signal an die noch naiv geplante Freiwilligkeit.
Die weltweiten Rüstungsausgaben haben eine neue Rekordhöhe erreicht, bei der ausgerechnet die ehemalige Kriegstreiber-Nation Deutschland nach den Supermächten nun Rang Vier bekleidet. Und unser aller Kanzler senkt wieder mal sein spitzes Kinn bedeutungsvoll auf die Brust, um anzukündigen, er strebe an,  die stärkste "konventionelle Armee" in der EU uniformieren zu wollen.
Quelle: Focus online
Weil es wir  - oder doch die anderen wollen:
Deutschland wieder die Wehrmacht Nummer 1?

Um das zu unterstreichen hat die Bundesrepublik dafür gleichmal den Anteil der Rüstung gemessen am Bruttosozialprodukt verdoppelt. Da kann wirklich keiner mehr vom Kader-Gehorsam gegenüber Trumps Forderungen sprechen. Da wird (paradox!) über das Ziel hinausgeschossen. Zumal ja allein die Bundes-Beschaffungsbürokratie den Vorgang so verlangsamt, (wenn Putin das altersbedingt überhaupt noch so wollen könnte) dass "der Russe" da längst an der europäischen Atlantik-Küste stünde.
Quelle: Stock-World
Auweia! Die Waffenschmieden, der einzige Deutsche Industrie-Zweig, der noch prosperiert,
müssen jetzt auch wegen der Energie-Krise um die Margen bangen

Wer glaubt dann aber überhaupt noch "konventionelle Kriege" ausfechten zu können, die dann vielleicht KI-gesteuerte Roboter an die Front schicken.

Quelle: wwwsueddeutsche.de
Hat derzeit überhaupt noch einer - außer Papst Leo XIV -  das große Ganze für eine friedfertige Welt im Blick?

Qua KI hier diese Definition:

„Das große Ganze im Blick“ bedeutet, den Gesamtkontext, die langfristigen Auswirkungen oder den Zusammenhang einer Situation zu erfassen, anstatt sich in Details oder aktuellen Problemen zu verlieren. Es fördert Perspektivwechsel, Empathie und strategisches Denken, indem man bewusst den Fokus von kurzfristigen Impulsen abzieht.

Ja, wenn das so ist! Dann lasst doch den Rest die Robies machen!

Quelle: Free3D.com

Montag, 27. April 2026

Über das Jubeln

Zu meinen persönlichen Problemen zählt seit jeher, dass ich mich mitten in großen Menschen-Ansammlungen äußerst unwohl fühle, obwohl es mir nie etwas ausgemacht hat, vor viel Publikum zu reden. Das machte mir in meinen Anfangsjahren als Sportberichterstatter arg zu schaffen. Aber in jenen Tagen galt für den Job ja noch die Neutralität. Es war verpönt, Beifall zu klatschen oder gar parteiisch zu sein. Wenn im Stadion oder anderen Sportstätten kurioserweise ein Block von der Euphorie nicht erfasst wurde, dann war das die Reporter-Tribüne. Heute ist das anders. Die Reporter dürfen aus "Deutscher Sicht" Euphorie vermitteln oder ihrem Kommentieren nationalistische oder lokalpatriotische Tendenzen geben.

Quelle: DWDL
Parteiisch sein als Reporter -vor allem bei Länderspielen -
ist nicht mehr verpönt, sondern Teil der Show

Gestern Nacht hatte ich tatsächlich einen Traum, in dem ich mir vorwarf, nicht jubeln zu können. Dem musste ich nach dem Erwachen in alter Gewohnheit durch Selbstanalyse auf den Grund gehen. Zur Beruhigung dachte ich an alle Beiträge in den Olympia-, Weltmeisterschafts-Büchern sowie an die Sportler-Biographien, an denen ich deshalb erfolgreich mitgewirkt habe, weil ich eben gerade in meine Texte soviel Empathie einbringen konnte.

Aber wie war das in meiner eigenen Erlebniswelt? Was hatte ich genügend Gründe, in Jubel auszubrechen! Aber je länger ich nachdachte, konnte ich mich zwar an viele Glücksmomente und an die Euphorie erinnern, die ich aber meist nur still empfand, wenn ich nicht sogar leise Tränen vergoss. Letzteres ist übrigens im Alter noch schlimmer geworden.

Quelle: Lernplattform Lerntrick

Da folgt dann gleich die Frage: Was stimmt mit mir nicht? War ich vielleicht ein damals noch nicht definierbares ADHS-Kind (Hyperaktivitäts-Defizit-Aufmerksamkeits-Syndrom) oder lag es eher daran, dass ich mit einigem Abstand der Nachzügler von zwei brillierenden Schwestern war, dem sein Vater nichts zutraute, um das Wort Versager zu vermeiden?

Als Vater habe ich deshalb nach bestem Wissen und Gewissen versucht, meinen Kindern emotional soviel Entfaltungsmöglichkeiten zu bieten, wie es eben möglich war. Ich weiß aber nicht mehr, ob wir je gemeinsam bei einem Anlass laut gejubelt hätten.

Quelle: Münchner Zeitung
Stadien in Flammen:
panem et circenses der Gegenwart
Die vergangene Woche war ja, was das Jubeln angeht, nicht gerade prädestiniert. Deshalb ist mir der Kontrast zwischen den kriegerischen Geschehen weltweit, dem politischen Zwist hierzulande und der Fußball-Euphorie im DFB-Pokal-Halbfinale zwischen Stuttgart und Freiburg besonders aufgefallen: Kriegstrommeln und Pyrotechnik und die Chöre der Massen. Das Prinzip panem et circensis lenkt ab, und der Jubel muss raus.

Auf der Zielgeraden meines Lebens habe ich deshalb einmal die KI zu meiner "Psycho-Analyse" herangezogen:

Der Mensch jubelt primär, um überschäumende Freude, Erleichterung und Triumph auszudrücken, oft in gemeinschaftlichen Situationen wie dem Sport, bei Konzerten oder Feiern. Psychologisch und biologisch gesehen erfüllt Jubel mehrere Funktionen:

Quelle: RND
Jubeln animiert zum Mitjubeln.
Sich als Sieger fühlen zu können, steigert das Selbstwertgefühl

Soziale Verbundenheit: Jubel bringt Menschen zusammen, fördert das Gefühl der Zugehörigkeit und stärkt den sozialen Zusammenhalt, beispielsweise im Fußballstadion.

Stressabbau und Dopamin: Gewinnen und das damit verbundene Jubeln können Stress erzeugen, führen aber zu einem "Dopamin-Feuerwerk" im Gehirn, was als Glücksgefühl wahrgenommen wird.

Spiegelneuronen: Wenn Menschen andere jubeln sehen, neigen sie dazu, dies aufgrund von Spiegelneuronen mitzufühlen oder mitzujubeln.

Ventil für Emotionen: Jubel erlaubt, Leid, Anspannung oder Anstrengung (z.B. nach einer langen Durststrecke) in positive Energie umzuwandeln. 

Der Jubel kann auch in extremen Situationen als Ventil für angestaute Spannungen dienen, wodurch aus Begeisterung lautstarke Rufe entstehen. 

Emotionslosigkeit: Bei großer Belastung oder einer negativen Weltlage fällt es schwer, in Jubel auszubrechen.

Fehlende Erlaubnis: Viele Menschen müssen sich erst erlauben zu jubeln, da Freude oft mit Scham oder der Angst vor Neid besetzt ist.

Übungssache: Experten raten dazu, "Jubel-Tage" einzulegen und positive Affirmationen zu nutzen, um die Jubelspirale wieder in Gang zu setzen.

Freitag, 24. April 2026

Mehr oder weniger Merz

Es wäre, denke ich, an der Zeit, dass sich Friedrich Merz bei Olaf Scholz für den Vorwurf, der sei der schlechteste Kanzler aller Zeiten gewesen, entschuldigt. Nach einem Jahr mit nur einem Koalitionspartner schneidet Merz deutlich schlechter ab als sein Vorgänger. Was wäre Merz über Scholz hergefallen, hätte er sich solche verbalen Entgleisungen oder mit dem Brustton der Überzeugung geäußerte Fehleinschätzungen geleistet. Er kann dies auch nicht durch die veränderten "Rahmenbedingungen" entschuldigen, die Trump und Putin seiner Amtszeit beschert haben. Denn er, als Insider, hätte sich schon so siegesgewiss in der Opposition auf eine andere Weltlage einstellen können. Wenn sogar ein Niemand wie ich, sie hier in diesem Blog schon anhand begrenzter Quellen vorhersehend beschreiben konnte.

Die einzige Gemeinsamkeit beider Kanzler ist, dass sie den von ihnen regierten Bürgerinnen und Bürgern zu keinem Zeitpunkt vermitteln konnten, dass es immer und in jeder Lage vorrangig um deren Wohlergehen ginge. Stattdessen wollten sie - vielleicht von außen oktroyiert - mehr Weltpolitiker sein, als innere Gefahren abzuwenden. Wie haben sich die Christlichen über die Zerstrittenheit der Ampel die Mäuler zerrissen. Deren blumigen Ankündigungen gerügt, die dann schon in den eigenen Reihen so zerpflückt wurden, dass CDU/CSU aber auch die AfD sich nur noch darüber lustig machen konnten. Und jetzt? Ist es in der Zweier-Koalition irgendwie anders? Kaum denkt ein Ministerium und ihre jeweilige Führung laut über Reformen nach, werden sie auch schon in den eigenen Reihen so lange konträr coram publico scharf im Ton diskutiert, dass sich ein vernünftiger Gesetzentwurf gar nicht erst ergeben kann. Stichwort: Gesundheits- und Renten-Politik, von den eigentlich die Wirtschaft und nicht das Militär mobilisierenden Maßnahmen aus dem Sondervermögen ganz zu schweigen.

Quelle: Berliner Morgenpost
Nur so fühlt er sich wirklich wohl: Als Boss unter Bossen,
Da kann er auch unter genügend Beifall
- wie vor den Bankern - Sprüche ablassen,
in denen die Rente seiner "zu wenig arbeitenden"
Mitbürger allenfalls noch die Basis
 für die Altersvorsorge darstellen könne

Der stets verschlossen vor sich hin grinsende Scholz war in gewisser Hinsicht wenigstens nahbar. Die Arroganz, mit der Merz einen Hammer nach dem anderen auf sein Volk niedersausen lässt, disqualifiziert ihn als Volkskanzler. Entsprechend schlechter sind die Zustimmungswerte für seine Politik, und umso stärker wird der Zulauf bei der AfD, die ja noch nicht einmal in der Beweispflicht ist. Merz hätte längst beim Streit zwischen Klingbeil und Reich eigene Führungskraft beweisen müssen. Aber vielleicht will oder kann er das nicht, weil er zwar ein Mann großer Worte, aber bislang nicht großer Taten ist. Schon bei der Kriegstreiberei der USA hätte er genauso Tacheles reden müssen wie am Kabinetts-Tisch.

Quelle: RP-Online
Mit zäpfchenhaften drumherum Reden verschafft sich
Deutschland in dieser verzwickten 
Weltlage jedenfalls kaum mehr Gewicht
Da muss dann der Bundespräsident einspringen, um dem Herumeiern der Deutschen Außenpolitik wenigstens ein wenig Richtung zu geben. Während dessen sich der redlich und diplomatisch bemühende Johann Wadephul zulassen muss, dass die abgehalfterte Lusche Armin Laschet in Talkshows über Richtungen schwadroniert, denen kaum einer folgen möchte. Jüngstes Beispiel: Laschet trifft bei dessen Deutschlandbesuch den Sohn des Schahs, während alle anderen Politiker aus gutem Grund auf Tauchstation gehen.

An dieser Stelle habe ich ja oft schon meine Meinung geäußert, dass ein Zerbrechen dieser derzeitigen Regierung ein Super-GAU für Deutschland wäre, weil dann der Durchbruch der AfD zu einer Art "Machtübernahme" drohte. Aber wenn die vollmundig angekündigten Reformvorhaben durch Streitereien auf der Strecke blieben, wäre es bald wohl wirklich besser, es gäbe Neuwahlen.

Es sei denn, der Kanzler spränge über seinen Schatten zu mehr Merz in Machtausübung und weniger Merz mit markigen Meinungsäußerungen.