Meinem Enkel habe ich verschiedene Bücher aus der Zeit geschenkt, die mich fasziniert hatten, als ich in seinem Alter war. Er hat sie vermutlich noch nicht gelesen und wird sie auch nicht mehr lesen, weil in ihnen eine Welt stattfindet, die er so nicht mehr sieht und zeitbezogen Handlungen verstehen soll, zu denen er keinen Zugang mehr hat. Von Tom Sawyer, der Roten Zora bis hin zu Robinson Crusoe wird er nie fasziniert worden sein. Dafür kann er aber schon kleine Filme mit seinem Handy produzieren und verschicken sowie im Drei-D.-Drucker Figuren erschaffen. Er ist sehr aufgeweckt und ein guter Schüler. Schon meine Kinder lasen nur noch das, was gerade aktuell war oder in der Schule von ihnen verlangt wurde, weil die elektronischen Medien im raschen Wandel ihre Phantasien im wahrsten Sinne in andere Galaxien katapultierten.
Auf der Leipziger Buchmesse wird wieder viel von der Krise die Rede sein, in der die Verlage, die Autoren und letztlich die Buchhändler nicht nur stecken, weil die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gerade so verheerend sind. Und dann kommt so ein Teflon-Kulturstaatsminister wie Wolfram Weimer auch noch daher und möchte den geschundenen Handel auf rechts drehen. Immerhin hat er durch seinen "Buchhandelspreis" die Sparte überhaupt wieder mal in den Fokus gerückt. Denn am eigenen Schopf wird sie sich nur noch durch ein Wunder aus dem Schlamassel ziehen können. Lesen ist Luxus geworden.
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| Quelle: 123RF Wir Leser bestimmen, ob das Buch auf den Hund kommt |
Heute kostet ein gebundenes Belletristik-Buch zwischen 18 und 23 Euro. Das ist dabei im Schnitt von der Kaufkraft her nicht mehr als zur DM-Zeit, und die ist schon seit einem Vierteljahrhundert vorbei. Die Zahl der Neuerscheinungen soll im Vergleich zur letzten Leipziger Buchmesse von mehr als 90.000 auf rund 70.000 zurück gegangen sein. Im vergangenen Jahrzehnt ist die Zahl der Buchhandlungen - wie der Deutsche Börsenverein vermeldet - um 15 Prozent geschrumpft.
Meinen früheren Lese-Konsum (als gelernter Verlagsbuchhändler) von rund 50 Romanen pro Jahr könnte ich mir heute gar nicht mehr leisten, selbst wenn es "Paperbacks" wären. Die kosten nämlich laut KI auch schon 15 bis 18 Euro im Schnitt. Aber so lange meine Augen das noch mitmachen (mein voll geladener Reader vergammelt bereits in der Schublade, weil mir nach zehn Minuten schon die Augen tränen), erliege ich nicht wie meine Kinder den Hörbüchern. Obwohl, die wären ja zum Streamen in der Jahrespauschale meines Lieferdienstes wie auch die gesamte neue Musik inbegriffen. Was ja wohl auch die Verkaufszahlen tangiert. Buch- und Schallplattenläden wie sie meine Frau einst zu Boom-Zeiten führte, werden durch den Versandhandel sowieso bald obsolet.
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| Foto: Claus Deutelmoser Sentimental Journey: Der Geruch alter Bücher ist vielleicht bald nur noch für die aussterbenden Sammler von Erstausgaben Stimulanz |
In einem Buch mit Phantasie verschwinden zu können, ist auch am Ende aller Tage noch ein einzigartiges Abenteuer, das sich sogar ohne Gefahr jederzeit wiederholen lässt.




















