In den letzten Tagen muss ich viel drüber nachdenken, wie es wäre, wenn unser Land tatsächlich so kaputt wäre, wie POTUS es gerne hätte. Gerade zum Wochenbeginn nehme ich mir vor, dieses durchgeknallte Riesen-Baby eine Woche lang mal nicht beim Namen zu nennen, und keine Bauchschmerzen zu bekommen, wenn er wieder seine Macht-Blähungen entweichen lässt.
Endlich hat unser aller Kanzler mal nicht um den heißen Brei geredet und deutlich gemacht, wie der Wut-Politiker ohne Konzept und Ausweg die Welt in eine der schwersten Krisen seit dem zweiten Weltkrieg gezwungen hat. Dass er das zunächst ausgerechnet vor einer Schulklasse getan hat, ist aus zweierlei Gründen bemerkenswert:
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| Quelle: www.sueddeutsche.de Kanzler eines kaputten Landes mit klarer Kante. Die haben ihn nämlich ausreden lassen... |
Erstens: Weil es zeigt, wie heute im Nachrichten-Fluss aus dem kleinsten Kreis innerhalb von Minuten ein globales Thema wird. Und zweitens: Dass das Ansprechen der für die ganze Welt sichtbaren Faktenlage bei dem selbst ernannten "King of the World" ins Nerven-Kostüm eingeschlagen hat wie eine Cruise Missile.
Denn die ausgelösten Reaktionen sind ja wenig staatsmännisch, sondern eher ein Revanche-Faul. Denn überhöhte Zölle - das hat schon das vergangene Jahr gezeigt - sind ein Bumerang der auf die USA zurück segelt. Und die USA - das ist gewiss - sind bereits wesentlich kaputter, weil mental zweigeteilt und insgesamt so verschuldet wie ganz Europa zusammen.
Nie und nimmer werden die USA ihre strategisch wichtige Position mit den stationierten Kräften auf dem alten Kontinent ganz aufgeben. Und jeder weitere Schritt in diese Richtung entfernte den Oberbefehlshaber vom Kongress, in dem sich jetzt schon immer mehr führende Köpfe der Republikaner düpiert fühlen dürften, weil POTUS den Iran-Krieg ohne die verfassungsmäßig erforderliche Zustimmung nach 60 Tagen ohne Votum weiterführt.
Der oberste Kaputtmacher erhält bald wohl nur noch Beifall von Zar Putin. Der könnte sich allein durch dieses Signal von der Zerrüttung der NATO vielleicht ausrechnen, sich bis zu den nächsten Wahlen in den USA ungestraft kleinere europäische Staaten einzuverleiben.
Aber hat Friedrich Merz - wie er das auch gestern wieder bei Caren Miosga für sich in Anspruch genommen hat - wirklich so schwere Bedingungen zum Regieren wir kein Kanzler vor ihm?https://www.ardmediathek.de/video/caren-miosga/ein-jahr-kanzler-wie-schwer-ist-regieren-herrmerz/ndr/Y3JpZDovL25kci5kZS8zZGFlMGExZS01MGYwLTQyZTYtYTc3Yy00MmFlZTQzNzVjZDBfZ2FuemVTZW5kdW5n.
Es hat aber auch kein Kanzler mit nur einem Koalitionspartner und Alleskönner-Arroganz den Mund so voll genommen wie er! Er kann es schön reden, so oft er will, er steht nach einem Jahr Regentschaft genauso schlecht da wie sein Vorgänger, aber er ist auf dem besten Weg als Rausrede-Kanzler in die Geschichte einzugehen. Denn er verkörpert eben das Gegenteil von einer Integrationsfigur und ist auf Herrschen eingestellt - und sonst gar nichts. Was Deutschland braucht und gerade nicht hat, ist ein Teamplayer, der auch notfalls moderieren kann - wie Angela Merkel. Tut mir leid, aber Friedrich Merz ist in meinen Augen weder so sym- noch genügend empathisch, aber er ist im Moment der einzige, der uns vor der Machtübernahme der Neofaschisten bewahren kann.
Europas Demokratien zeigen gerade, dass sie dem von US-Money-Mogulen unterstützten Rechtsruck widerstehen oder ihn sogar wieder schwächen könnten. Das geht aber nur mit Kräften, die Willens sind, sich zu bündeln, um gemeinsam aufzustehen. Dass Demokratien streitbar sein müssen, ist für eine stete Erneuerung immanent, aber das darf nicht weiter zur Verlangsamung der Emanzipation gegenüber den USA führen. Der Donaldismus darf nicht länger "America first und sonst nichts" heißen. Sondern es muss klar gemacht werden, wie sehr sich die USA mit diesem Denken isolieren.
Die AfD wird bei uns doch nur immer stärker, weil die Koalitionen ihre Ehestreitigkeiten nicht im Schlafzimmer, sondern auf diversen Bühnen in der Öffentlichkeit austragen. Unsere Demokratie ist derzeit deshalb so anfällig, weil sie sie schon zerpflücken lassen, bevor Ideen im Parlament in treffende Gesetze umgesetzt werden.
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| Quelle:ZDF |
Ich bitte meine Leser dringlich, sich unter diesem Aspekt Maybrit Illners Talk vom 30. April in Ruhe anzuschauen: https://www.zdf.de/video/talk/maybrit-illner-128/maybrit-illner-vom-30-april-2026-100
Jeder in dieser Runde hat Ahnung und richtige Argumente, aber letztlich lässt niemand den anderen so ausreden, dass das fürs Publikum auch einleuchtend wird. Deshalb endete die Sendung geradezu exemplarisch, indem alle auf einmal, überkreuz und durcheinander reden.
Wenn etwas in unserem Land kaputt ist, dann ist es dass jeder ums Mitdenken geäußerte Denkansatz gleich mit Streit-Polemik niedergeschrien wird. Ginge es uns wirklich so schlecht wie der Welt-Terrorist im Weißen Haus uns sehen möchte, dann wäre es an der Zeit, denen die etwas substanzielles zu sagen haben, ruhig zuzuhören, um dann daran mit eigenen Argumenten konstruktiv anzuknüpfen. Keiner hat das Wort Kompromiss so oft in den Mund genommen wie gestern der Kanzler.
Noch haben wir dafür "alle Zeit der Welt".
Willy Brandt - gewiss nicht der schlechteste Kanzler aller Zeiten - sprach weiland 1969 von "mehr Demokratie wagen". Damit meinte er aber gewiss nicht, dass Demokratie auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit als Wagnis endet.






















