Im Vorfeld der vorgezogenen Bundestagswahl vor über einem Jahr habe ich der SPD als Anhängsel einer neuerlichen Großen Koalition ihren kontinuierlichen Abstieg in die Bedeutungslosigkeit vorher gesagt. Weil für sie in der Mitte eigentlich kein Platz sei. Ich hätte ihr gewünscht mit dem populären Boris Pistorius an der Spitze einen unitären Wahlkampf geführt zu haben. Aber der wollte nicht, und Olaf Scholz hatte sich einmal mehr mit Wumms überschätzt.
Bei dem dann eingefahrenen Ergebnis, war spätestens klar, dass es bei den verbliebenen Luschen und dem Personalmangel in der SPD allenfalls für ein Dauergezänk zu ihren Ungunsten reichen könnte. Aber gewiss nicht für eine Profilierung zur Regeneration. Wieso sind der SPD eigentlich die politischen Talente ausgegangen? Das Desinteressen an der da noch praktizierten "Ochsentour"* hat schon unter dem herrischen Kanzler Gerhard Schröder bei den jungen, charismatischen Sozialisten (Jusos?) begonnen.
Bis beinahe zuletzt hat nur der hochbegabte aber leider im Politikbetrieb verbrannte Kevin Kühnert mit der Ampel durchgehalten. Vier Hoffnungsträger - unter ihnen die brillante Rednerin Katarina Barley - sind lieber ins Europa-Parlament gewechselt. Das ist der Grund, weshalb heute im Kabinett neben dem blutleeren Lars Klingbeil eigentlich nur ebenso farblose SPD-Minister arbeiten, die sich noch nicht einmal neben solchen Dauerblendern wie Katherina Reiche und Alexander Dobrindt profilieren konnten.
Klingelt da etwas? Historiker schreiben der damaligen SPD in jüngster Zeit eine Mitschuld am Scheitern in Weimar zu. Sie hätte nach neuesten Analysen viel mutiger aufstehen müssen.
Aber die haben leicht reden, weil sie ja nicht dabei waren.
Denn jetzt nimmt die ideologische Talfahrt der "Alten Dame SPD" eine derartige Rasanz auf, dass kein noch so begabter Retter mehr aufspringen könnte. Wie lange sie als Puffer gegen die Brandmauer noch gebraucht wird, hängt allein davon ab, wie lange Friedrich Merz Bundeskanzler gegen die diametral zur SPD schnell wachsende AfD bleiben kann.
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| Quelle; TAZ Erst Doppelkopf dann Rübe ab! |
Setzen sich die bereits im EU-Parlament grabenden Tunnelbauer in der populistischen Fraktion unter Manfred Weber und dem Wendehals und sympathisierenden Fraktions-Chef der CDU/CSU, Jens Spahn, durch, dann wird die Brandmauer schneller gesprengt, als alle Pessimisten dies hätten ahnen können.
Sobald die Nazis dann wieder an der Macht sind, wird im heroischen Abgesang auf die Demokratie aus dem geistigen Exil erklingen, die SPD habe sich sehr bemüht, sei aber tapfer als letztes Opfer von der einstürzenden Brandmauer erschlagen worden. Allerdings nur für den Fall, dass das Volk dann überhaupt noch etwas anderes singen darf als "Die Fahne hoch...".
*Als „Ochsentour“ wird bei der SPD metaphorisch ein mühsamer, langwieriger Karriereweg bezeichnet, insbesondere der Aufstieg in politisch höchste Ämter. Dabei müssen Politiker über Jahre hinweg zahlreiche Stationen von lokalen Parteiorganisationen über Gemeinde- und Stadträte bis zur Bundesebene durchlaufen, um sich Ansehen und Netzwerke zu erarbeiten.






















