Freitag, 17. April 2026

Im Zwiespalt mit den Streiks

Beinahe tägliche Berichte über Streiks  könnten den Eindruck erwecken, die Gewerkschaft nutzten den angeschlagenen Staat, um im Namen ihrer Mitglieder auf den Putz zu hauen. Als ver-di in den letzten Tagen die Münchner dadurch, dass U-Bahn, Tram und Busse nicht fuhren, vor nahezu unlösbare logistische Probleme stellte, waren ausnahmsweise auch wir Langzeit-Rentner betroffen. Meine Frau hatte einen kleinen, ambulanten chirurgischen Eingriff im unmittelbar autofreien Zentrum der Landeshauptstadt. Nach dem sollte sie eigentlich nicht Auto fahren . Ich fahre nach meinem schweren Sturz, der eine alte Genickverletzung wieder aktiviert hat, seit Jahren nur noch Autobahn oder Landstraßen. - Wenn überhaupt. Taxis und Uber waren schon durch Vorbuchungen am Sonntag nicht mehr zu reservieren. Also musste meine Frau wohl oder übel ihre Odyssee im Auto antreten.

Quelle: ver.di München

München ist eine hervorragende Stadt für Radfahrer, aber die Verkehrslenkung im Innenstadt-Bereich ist mittlerweile so verzwickt, dass Parkhäuser nur noch durch Zickzackfahren wie in einem Labyrinth   zu erreichen sind. Nur um dann festzustellen, dass eins ums andere belegt ist. Mit der U-Bahn dauert der Weg zur Praxis nicht einmal fünfzehn Minuten. Meine Frau brauchte aber hin zunächst vierzig. Als sie wegen der Narkose nach einer Pause am frühen Nachmittag zurück wollte, war sie mehr als eine Stunde unterwegs. Was selbst ihre gottgegebene Langmut überreizte. Sie, das ehemalige SPD-Mitglied, verfluchte die dauernde "Streikerei", als sie nach meinem ängstlichen Warten endlich zur Tür herein kam.

Ich war gewillt, zu zu stimmen. Vor allem, als sie zum Streik die irrsinnigen ÖNVP-Preise und die Stundenpreise für die Parkgebühren mit einflocht. Ich geriet aber dann schnell in einen Zweispalt. Ganz gewiss kann ver.di nichts dafür, dass meine Frau beinahe ein halbes Jahr auf diesen ambulanten Eingriff warten musste, und dass der Termin ausgerechnet mit einem Streik zusammen traf, der da noch gar nicht abzusehen war. Sogar einige Gäste der 100Jahr-Feier bei der Lufthansa konnten wegen Bestreikung des Flug- und Boden-Betriebs ja ihrer Einladung am selben Tag nicht folgen.

Ich versuchte meine Frau damit zu beruhigen, dass wir ansonsten mit unserem autarken Wohnen im Glashaus doch bislang noch nie unter Auswirkungen von Streiks zu leiden hatten, unsere Renten bislang aber trotz der riesigen Staatsverschuldungen noch immer automatisch angepasst wurden. Was aber de facto schon längst nicht mehr mit der allgemeinen Verteuerung Schritt hält.

Natürlich geht es der Wirtschaft schlecht und die Konzern-Gewinne brechen ein wie seit 2008 nicht mehr. Der Mittelstand, das Rückgrat unserer Wirtschaft, leidet an Produktions-Osteoporose und die marode Infrastruktur fliegt uns verwöhnten Deutschen regelrecht um die Ohren. Wenn dann auch der Millionärs-Kanzler, der einen Teil seines Vermögens mit dem Sitzen in Aufsichtsräten angehäuft hat, von seinem faulen Volk mehr und längere Arbeit verlangt, verstehe ich den Ansporn für Streiks.

Quelle: Bus-bild.de
So ein Ziehharmonika-Bus zirkuliert auch
fast die ganze Nacht unter unseren Fenstern.
Kurz vor dem U-Bahn-Anschluss a Petuelring
sitzt nach 21 Uhr bis 6 Uhr früh oft nicht ein
einziger Fahrgast drinnen

Ich will nur ein Bespiel für das in Schichten arbeitenden Personal des Münchner Verkehrsverbundes anführen. München ist die teuerste Stadt Deutschlands. Mieten sind nahezu unbezahlbar. 3000 bis 3.500 Euro beträgt das Brutto-Einstiegsgehalt eines ONPV-Mitarbeiters. 1.600 bis 2.000 Euro sind im Stadtbereich für die Warmmiete einer 70qm-Wohnung zu berappen.

Wir Rentner, die wir den ÖNPV nur gelegentlich nutzen, müssen für die Einzelfahrt im inneren Zirkel momentan 4,20 Euro zahlen. Zu zweit sind das 16,40 hin und zurück, und immer noch müssen die Verkehrsbetriebe nach letzten Wünschen mit 140 Millionen subventioniert werden...

Der aktuelle ver.di-Tarifabschluss von gestern: 
https://www.zdfheute.de/wirtschaft/tarifeinigung-verdi-laenderbeschaeftigte-100.html

Quelle: Bahnblogstelle
In der Goldgräber-Stadt München wird auf
Bürger geh raus gebaut, was der Säckel
hergibt. Auch wenn sich bald niemand mehr
das Fahren mit den Verkehrsbetrieben
leisten kann, wird das Großbau-Projekt
Bahnblogstelle verwirklicht.
Mal sehen, was der neue und in jeder
Hinsicht grüne Bürgermeister
unternimmt, die Stadt wieder
für ihre Bürger nutzbar zu machen?

D

Dienstag, 14. April 2026

Ein politischer Papst

 Als agnostischer Urbi-at-Orbi-Fan habe ich mir an Ostern auch heuer wieder das Spektakel auf dem Petersplatz im Live-Stream gegeben. Dass ich verspätet darüber schreibe, hängt mit meiner möglichen Fehleinschätzung zusammen, ein "amerikanische Papst" könne sich aus der von den USA dominierten  Weltpolitik dezent heraus halten.
Jetzt auf der ersten Afrika-Reise eines Pontifex seit langem wird offenbar, was Leo XIV schon in seiner Osteransprache erkennen ließ: Er will deutlich ein politischer Papst sein - ob mit konservativem Tenor oder nicht.

Quelle: tagesschau



Zwei Landsleute, die Kritik nun auf den Tod nicht ertragen können, nämlich Trump und Vance, haben entsprechend wütend auf Leos Einlassungen zu Krieg und Frieden reagiert. Aus ihrem Bootlicker-Umfeld, das Historie nicht gerade vorbildlich konsumiert, um daraus etwas zu lernen, kam sogar die drohende Anspielung, es hätte ja schon mal einen (?) "Gegenpapst"* gegeben. Aua!

Da fiel mir von selbst diese von mir umgedichtete Anleihe an Schillers Ballade "Die Glocke" ein:

"Gefährlich ist's, den Leo zu wecken, verderblich ist der Kirche Bann, jedoch der schrecklichste aller Schrecken ist der Trump in seinem Wahn!"

Wer sich bei den folgenden Sätzen Leos herausgefordert fühlt, der entblößt die Allmacht-Allüren dieses sich im Wahlkampf doch so bigott gegeben habenden Machtapparates:

"Wer Waffen in der Hand hält, lege sie nieder. Wer die Macht hat, Kriege zu beginnen, entscheide sich für den Frieden. Nicht für einen Frieden, der mit Gewalt erzwungen wird, sondern durch Dialog. Nicht mit dem Willen, den anderen zu beherrschen, sondern ihm zu begegnen." Leo XIV am 5. April 2026 von der Segens Loggia des Vatikans

Quelle: Stern
Trumps Gebets-Show im Oval Office
damit sich die eigens geprägte
Gedenkmünze der Evangelikalen
mit seinem Porträt drauf
besser Verkauft. POTUS' einziger
Gott ist in Wahrheit allein der Mammon

Meiner Meinung nach hat Trump nicht die geringste Ahnung, wie mächtig die weltweite Vernetzung der Katholischen Kirche noch immer ist. Wie sehr er gerade bei seiner sehr gläubig republikanischen MAGA-Wählerschaft Kredit verspielt. Denn deren Inbrunst für Gott im sogenannten "Bible Belt" übertrifft seine gespielt wirkende Gläubigkeit bei weitem. Wenn er auch noch den Streit mit dem Heiligen Stuhl eskalieren lässt, werden ihm bei den Midterms wohl die Leviten gelesen.


Der Welt im derzeitigen Zustand kann es nur recht sein, wenn der neue Pontifex Maximus auch ein politischer Oberster Brückenbauer ist.

Quelle: Vatican News
In Afrika bewusst zu einer politischen Reise angetreten











*Prominente Beispiele sind Clemens III. (im Investiturstreit gegen Gregor VII. ab 1080) und Clemens VII. (im Abendland-Schisma ab 1378). Gründe waren Machtkämpfe zwischen Kaisertum und Papsttum oder Spaltungen innerhalb des Kardinalskollegiums. Wie auch immer - der Heilige Stuhl hat jede Anfechtung zwei Jahrtausende überstanden.


Montag, 13. April 2026

Von der Langsamkeit der Demokratie

Aus meiner Sicht ist der Grund für den Vormarsch des weltweiten Autoritarismus die Ungeduld von Menschen, die sich nicht für politische Details interessieren. In schweren Zeiten gehen einfachen Gemütern die oftmals mühsamen, demokratischen Entscheidungsprozesse einfach zu langsam. Sie erwarten schnelle und radikale Veränderungen, wie sie aus der Opposition heraus in wohlfeilen Versprechungen leicht zu formulieren sind. Weil jeder, der nicht in der Verantwortung ist, weiß, dass er erstmal nicht beweisen muss, dass man es besser kann. Am leichtesten geht das mit populistischem Opportunismus. Rede dem Volke nach dem Mund, dann wird es dich irgendwann auch wählen. Aber offenbar hat auch der autoritäre Populismus seine Halbwertzeit, die von einem willigen Volk umgedreht werden kann. Wie gestern die Ungarn bewiesen, die nach 16 Jahren den Euro-Spaltpilz Urban abgewählt haben.

Quelle: Spektrum der Wissenschaft

Deutschland befindet sich seit Jahren in der Dauerkrise: Erst musste Merkel weg. Dann funktionierte die Ampel nicht und jetzt steht das schon einmal nur moderierte und nicht reüssierende "Rouge et Noir" kurz vor dem Ende. Die AfD kann weiter wachsen, weil diese Bundesregierung um keinen Deut besser ist als ihre Vorgängerin.  Sie wird mit Gezänk nach dem vorläufigen Scheitern der Gespräche zwischen den USA und dem Iran nicht verhindern können, dass sich die aktuelle Energie-Krise in Windeseile zur Weltwirtschaftskrise auswachsen wird. Eine Krise, die ultraschnelle Entscheidung fordert. Stattdessen demonstriert unsere aktuelle Regierung - ähnlich der Ampel - wie uneins sie im Kampf gegen Inflation und Spritpreise ist. Und das am liebsten vor frei geschalteten Mikrophonen. Dabei sind ja noch nicht einmal die vielzitierten "Wirtschaftsweisen" einer Meinung.

Quelle: Focus online
Kommt bei Finanzministerin
Reiche noch ein
Moment der Erleuchtung?

Natürlich wäre ein vorübergehender Verzicht auf den staatlichen Steueranteil pro Liter Benzin die schnellste Lösung. Aber wegen der schon so enormen Staatsverschuldung geht das nicht. Die schwarz-rote Koalition ist in der Hilflosigkeit gefangen, in der sie schon von Anfang an steckte. Vor allem aber dackelt sie immer noch diesem Psychopaten aus dem weißen Haus hinterher, als könnten die riesigen Rüstungsausgaben Deutschland so wehrhaft machen, dass es dann nicht doch von der einen oder anderen Seite überrollt würde.

Im Vorfeld-Geplänkel werden nur die rechtspopulistischen Kräfte immer stärker. Vielleicht was das ja Trumps Masterplan für seine MAGA-Welt gewesen, als er noch bei Sinnen war.
Denn Kopf-Ab geht allemal schneller, als das Volk lange nachdenken zu lassen. Das Volk  - so war das schon immer - liebt Versprechen, die nicht gehalten werden. Und es vergisst vor allem ebenso schnell, dass sie mal gegeben wurden

Quelle: Cicero
Wie wär's Herr Bundeskanzler,
wenn Sie endlich einmal
Ihre Richtlinienkompetenz ausübten,
ehe es zu spät ist:
Die zwei Luschen Klingbeil
und Reiche gegen zwei
parteilose Weitschafts-Asse
austauschen!

Erst die Weltwirtschaft platt machen und dann Faschismus zu neuerlicher Macht verhelfen.
Kommt historisch betrachtet doch irgendwie bekannt vor...

Freitag, 10. April 2026

Die Langlauf-Legende lebt

 Gar nicht weit vom Glashaus gibt es den Spyridon-Louis-Ring im Schatten des Münchner Olympia-Stadions. Bevor ich einen schweren Sturz mit dem Rad hatte, bei dem ich beinahe unverletzt blieb, aber mein Rennrad regelrecht Schrott wurde, bin ich die nahezu verkehrsfreie Straße ein paar Mal pro Monat auf meinen Trainingsrunden entlang gefahren. Für mich war die Strecke in mehrfacher Hinsicht "merkwürdig": Zu den Olympischen Spielen von 1972 - meinen ersten als Reporter -  hatte und habe ich immer ein zwiespältiges Verhältnis. Sie waren für mich wie ein Rausch, aus dem ich durch einen der brutalsten Anschläge des weltweiten Terrorismus über Nacht ernüchtert wurde. Am Tag bevor die Israelischen Olympioniken als Geiseln genommen wurden, hatte ein Deutscher Teenager mit unendlich lagen Beinen sensationell die Goldmedaille im Hochsprung der Damen gewonnen: Ulrike Meyfarth.

Spyridon Louis
1873 - 1940:
Vom Wasserträger zur
ewigen Legende
Vier Jahre später saß ich mit dem damals während des Terrorüberfalls verantwortlichen Münchner Polizei-Chef Manfred Schreiber und einem Freund von der Deutschen Presseagentur* im Café des Olympischen Dorfes in Montreal und diskutierte darüber, dass die Spiele durch das enorme Aufgebot an allgegenwärtigen Sicherheitskräften wohl ihre Unschuld verloren hätten. Schreiber meinte sarkastisch, dass es die wohl seit Spyridon Louis kaum noch gegeben hätte, weil der Olympische Sport ja von Beginn an auch stets ein Politikum war. Ich warf die nicht ganz ernst gemeinte Frage auf, ob der erste Olympia-Sieger im Marathon 1896, der je nach Quelle (https://de.wikipedia.org/wiki/Spyridon_Louis) eine Pause mit einem kräftigen Schluck schweren Samos-Weines oder aber Branntwein eingelegt hatte, bei den nun obligatorischen Dopingkontrolle überhaupt siegreich gewesen wäre. Jedenfalls las sich das in den Schulbüchern meiner Kindheit, als sei das Rennen über die historische Distanz ab Marathon über 40 Kilometer nach Athen quasi ein Zuckerschlecken gewesen. Dass es heute über die festgeschriebenen 42,195 km geht, ist nämlich erst den Olympischen Spielen von 1908 in London zu verdanken. Da lag der Start beim Schloss Windsor und endete unmittelbar unter der Königsloge im Olympiastadion nach 26,385 Meilen.

Quelle: beide Fotos wikipedia
Spyridon Louis in National-Tracht
 bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin,
wo seine Ehrung gut ins heroische
 Propaganda-Programm der Nazis passte
Mir schnürt es die Kehle zu, wenn ich daran denke, dass dieses, mir immer noch so momentane Gespräch 50 Jahre her ist - und wie unschuldig ich selbst da noch meinen Beruf ausgeübt hatte. Der historische Tag, da Spyridon zur Legende wurde, jährt sich heute zum 130. mal. Die meisten jüngeren Sportinteressierten müssten vermutlich fragen, nach wem überhaupt die Straße rund um den Olympia-Berg benannt wurde
Noch ein Nachsatz zur Statistik: Spyridon benötigte 2:58: 50 für die historische Distanz nach Athen, die Siegerzeit der Olympischen Spiele 2024 in Paris betrug bei den Männern 2:06:26 und bei den Frauen 2:22:55.

*Manfred Schreiber, der fast genau vor 100 Jahren geboren wurde, starb 2015. Mein geschätzter Kollege und Skikamerad Herbert Bögel starb 2012.

Mittwoch, 8. April 2026

Hinterm Mond?

 Historiker könnten im Rückblick auf das Jahr 2026 von Parallelwelten schreiben oder ihr Forschen schrumpft zusammen auf eine historische Duplizität der Ereignisse;

Quelle: Deutschlandfunk

Da droht die Welt ohne Einsicht, in Kriegen sich selbst zu zerstören, während drei Männer und eine Frau auf historischer Mission zur Vorbereitung der Besiedlung unseres Erd-Trabanten sind. Noch nie zuvor waren Menschen so weit von ihrem Heimatplaneten entfernt. Und noch nie waren sie in der Lage "The Dark Side Of The Moon" (https://www.youtube.com/watch?v=k9ynZnEBtvw) aus unmittelbar nächster Nähe ausgiebig zu studieren.

Quelle: NASA

Wenn unser Denken dadurch nicht mehr wie einst "hinterm Mond" wäre, wie erklären wir dann der Geschichte, dass die Forscher-Nation Nummer Eins sich einen Führer gewählt hat, dem das wichtigste an Wissenschaft ist, dass an deren altehrwürdigen Instituten vorrangig von jetzt an sein Name prangt.

Donald Trump hat die Freiheit der Wissenschaft ja nicht nur dort eingeschränkt, wo sie sich weigert, in seinem Namen zu forschen. Er unterdrückt ja gerade auch alle Intellektuellen, die nicht seiner Meinung sind, damit seine primitive Wählerschaft im Glauben verharrt, die seien eben nichts Besseres.

Quelle: Spiegel
Wenn ein Kriegstreiber ausgerechnet
ein ehrwürdiges Institut für
Friedensforschung mit seinem 
Namen verunstaltet
Die Unterdrückung der Denk-Elite war schon immer ein probates Mittel der Herrschenden. Sie bremst die Evolution mindestens genauso wie unsere Überlebensfähigkeit als Menschheit. Aber das interessiert Narzissten, die sich im Hier und Jetzt in der Zustimmung von Claqueuren suhlen, keinen Jota.

Stattdessen werden Stellvertreter-Kriege gegen Jahrtausende alte Kulturen geführt, weil schon andere Generationen die Friedensforschung für nachrangig hielten. Dabei ist Frieden zu erhalten und zu sichern für die Zukunft unseres Planeten viel wichtiger, als den Mond zu besie(u)deln. Man stelle sich nur vor, die nächtliche Wonnekugel würde dereinst von jenem Menschschlag beherrscht, der vor fünf Jahren das Kapitol in Washington gestürmt hat...
Der US-Präsident hätte gewiss die Macht, all seine Widersacher in die Steinzeit zurück zu bomben und nur Gefolgsleute auf seinen Weg ins Universum mitzunehmen.

Quelle: swissinfo
Denen möchten Friedliebende doch
weder auf der Straße noch auf dem Mond
begegnen. Trump jedoch hat sie alle begnadigt

Ach ja, das ginge ja vielleicht gar nicht, weil den "Begnadigten" wie auch den Bootlickern Trumps dann ja bald das notwendige Wissen zum Weitermachen fehlte.

Montag, 6. April 2026

Rüpel-Rhetorik

Quell: FAZ
Mit der Lupe betrachtet, ist das Bekenntnis von "Truth Social"  der reinste Hohn
Je mehr er unter Zugzwang gerät, desto mehr entgleist seine Sprache und auch, das, was er auf seiner eigenen Plattform "Truth Social" an schriftlichen Statements abgibt. Dadurch aber kann dem US-Präsidenten auf alle Fälle nicht übel nachgeredet werden. Dafür sorgt Trump schon selbst durch seine immer deftiger werdende Sprache. An diesem Oster-Wochenende hat der nach eigenen Angaben acht Kriege beendet haben wollende Oberbefehlshaber seiner Streitkräfte, noch eines drauf gesetzt. Weil die überfallenen Mullahs gar nicht so schnell klein beigeben wollen, wie sich das der "King Of The World" in seinem Allmacht-Rausch vorgestellt hat, schäumt er nun vor Wut

Für den Fall, dass sein mehrfach aus reiner Hilf- und Planlosigkeit verlängertes Ultimatum für die Öffnung der Meerenge von Hormus nicht erhört wird, droht er, die Iraner in "die Hölle zu schicken" oder "zurück in die Steinzeit" zu bomben.

Ich frage mich, was eine derartige Wortwahl mit dem ursprünglich erklärten Kriegsziel, das Iranische Volk zu befreien oder der Verhinderung von Atomwaffen in den Händen der Mullahs noch zu tun hat. Wie soll denn ein befreites Volk dann in der Hölle und zu dem auf dem Niveau der Steinzeit überhaupt überleben können? Ein Volk, das bei der Unverhältnismäßigkeit der Mittel schon längst nicht mehr berücksichtigt wird? Unzweifelhaft haben doch sowohl Israel als auch die USA Waffen, mit denen sie - wie am Anfang des Krieges schon demonstriert - ganz gezielt "persons of interest" ausschalten können. Je länger der Krieg jedoch andauert, desto mehr gerät das unbeteiligte Volk sowohl im Iran als auch im Libanon in eine Mitleidenschaft, die nicht mehr als kollateral bezeichnet werden kann.

Spätestens seit diesem Wochenende wird in einer Wortwahl gedroht - und da schlägt auch Israel Katz ähnliche Töne an - die eher auf totale Vernichtung wie im Gaza-Krieg zielt. So wird gewiss kein Regime-Wechsel erreicht. Vielmehr ist dieser Krieg eher Aufruf zu einer neuerlich Intifada, wenn die Opferbereitschaft mit jedem Einschlag wieder zunimmt.

Quelle: Welt
Die F-15E von McDonnell Douglas
Ja, und dann ist das Iranische Terror-Regime plötzlich auch noch in der Lage, die angeblich unkaputtbare F-15E vom Himmel zu holen. Und mit dem völlig übersehenen Faustpfand "Strait of Hormuz" können die Iraner darüber hinaus sogar noch zusätzlich Druck von unbestimmter Dauer auf die ganze Welt ausüben.

Quelle: pinterest
Statt ihm, steckt der Rest
der Welt gerade hilflos
in einer "Zwangsjacke"
Sprachwissenschaftler, Kryptologen und Verhaltensforscher analysierten ja schon im Wahlkampf vor seiner Wiederwahl Trumps Grammatik, Laute (Phonetik/Phonologie), Bedeutungen (Semantik) und den Kontext (Pragmatik) von Texten sowie auch seine Gesten und Reden, um zu verstehen, wieso seine Kommunikation so erfolgreich funktioniert. Sie erreicht vor allem niedere Instinkte. Alle Warnungen, dass da möglicher Weise ein erheblich gestörter Mensch das mächtigste Amte der Welt erneut anstrebte, wurden aber überhört, vor allem aber weil sein MAGA-Wahlvolk jede Entgleisung großzügig in Schutz nahm. Jetzt ist die Welt mit einer Rüpel-Rhetorik konfrontiert, in der Verwirrungen und Widersprüchlichkeiten mit permanenten Lügen und Falschaussagen einher gehen.
Zeigte ein Patient in psychiatrischer Behandlung derartige Auffälligkeiten, herrschte Alarmstufe Rot.



Als selbstverliebter Poser verführt er die Fotografen geradezu,
ihn unvorteilhaft zu erwischen:
Quelle; Kurier

Quelle; Yahoo Nachrichten

Quelle: Spiegel



Quelle: Wikipedia
Dieses offizielle Foto erinnert daran,
wie Hitler von seinem Leibfotografen
Hoffmann heroisch in Pose gesetzt wurde.
Siehe ganz unten:

Quelle: Stern

Quelle: CBS News

Quelle; Saarbrücker Zeitung

Quelle: Musikexpress




Quelle: Wikipedia aus dem Archiv von Heinrich Hoffmann

Freitag, 3. April 2026

Regelrecht regellos!

Wenn diese Überschrift meines heutigen Posts für manche Leserinnen und Leser keinen Sinn ergäbe, könnte es daran liegen, dass sich meine Schreibe mittlerweile schon wie eine aus alten Zeiten liest. Ich habe das "regelrecht" als verstärkenden Ausdruck für das folgende, genaue Gegenteil benutzt.
Ich kann es einfach nicht lassen, mich um Mitternacht immer wieder in die heillosen Diskussionsrunden zu zappen. Das "heillos" habe ich jetzt für "bringt ja nichts" verwendet, als verspräche sich einer wie ich von diesen mit dem Brustton des Allwissens vorgetragenen Statements irgendeine segnende Orientierung. Eher erlebt der Zuseher ein heilloses Durcheinander, weil es live Sitte geworden ist, den anderen nicht nur nicht ausreden zu lassen, sondern sogar eigene Ansichten in den Redefluss anderer Teilnehmender einzubringen.

Quelle: 123RF

Hör auf zu schwafeln, komm lieber auf den Punkt, Alter!
Tatsächlich sind zwei Sätze in all der "Babylonischen Sprachverwirrung" dieser Tage bei mir hängen geblieben:
"Wir müssen uns wohl von den Regeln, die bislang unser friedliches Zusammenleben geregelt haben, verabschieden."
Und:
"Wird es nach diesem Jahr jemals wieder möglich sein,  zu diesen zurück kehren zu können?"

Naiv wie ich bin, schossen mir sofort zwei Floskeln durch den Kopf.
Erstens: Die Zeit wird schon alles richten.
Zweitens: Die Geschichte wiederholt sich sowieso immer wieder. Egal, wer sie gerade schreibt.
Das könnte bedeuten, dass wer immer Regeln bricht, auf Dauer nicht damit durchkommt. Es wäre dann nur eine Frage der Zeit, bis die Menschen, die derzeit regelrecht unter dieser aufgezwungenen Regellosigkeit litten, den Frieden mit Nachdruck wieder einforderten. Aber ginge das denn überhaupt noch ohne neuerliche Gewalt?

Tatsächlich ist das erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg für den Bereich West-Europa einigermaßen gelungen. Für mehr als sieben Jahrzehnte. Ein historisch bislang einzigartiger Zeitraum für den Frieden. Im Osten hingegen haben die Menschen ihre Forderung nach Wiedererlangung solcher Regeln mehrfach mit ihrem Blut begleichen müssen, ehe sie bislang nur gerade mal drei Jahrzehnte etwas von den Segnungen hatten, die man Demokratie nennt. 

Quelle: Newsweek
Voller Angst: Tägliches Warten,
dass der Imperator
den Daumen senkt
In dieser Gegenwart ist nichts mehr "regelkonform". Und weil gleichzeitig - vom Westen wie vom Osten aus - jeder seine eigenen Regeln mit blutiger Gewalt über fremde Grenzen hinweg durchsetzen will, ist die Politik nur "gegenwärtig". Sie ist nicht auf Generationen ausgerichtet, die diese geschundene Welt vielleicht noch hätten heilen können, wenn ihnen jene Regeln für ein friedliches Zusammenleben noch vorgelebt und vermittelt worden wären. Stattdessen wird gerade der Mond angesteuert, um den es dann auch wieder Streit geben wird...
Quelle: Stern
Wenn der Zar lächelnd
Kriegsbericht erstattet,
gefriert der Baikalsee sogar
im Sommer
Denn es erkennt eigentlich niemand, dass gerade alle Kriege nicht nur Verbrechen gegenüber der Menschlichkeit, sondern in Zeiten des Klimawandel auch die größte Versündigung am Zustand unserer Erde sind.

"All we are saying is give peace a chance"
John Lennon und Yoko Ono bei ihrem Bed In 1969

Quelle: wikipedia