Freitag, 8. Mai 2026

Wenn Leben mehr zählt als dessen Qualität

Bei amazon auf Lager
Immer noch sehenswert:
Der Film "Am Anfang war das Feuer"
Unser Ur-Instinkt nötigt uns, zu überleben. Der stammt noch aus der Zeit als der "Mensch mit Erkenntnis", der Homo sapiens also, endlich kapiert hatte, dass vor anderen fort zu rennen, weniger ausrichtete, als der Gefahr durch Keulen oder Steinwürfe aktiv zu begegnen. Diese Wehrhaftigkeit übte er aus, um sich und seine Sippe zu beschützen, aber auch seine Lebensweise zu verteidigen. So weit, so einfach.

Seit Jahresbeginn erhalten 18jährige wieder Briefe zur Wehrerfassung. Damit soll für den Fall vorgebeugt werden, dass die Freiwilligkeit, in der Bundesweht Wehrdienst zu leisten, doch nicht ausreicht, uns wirkungsvoll zu Wehr zu setzen. Viele Empfänger bleiben bislang aber die Rücksendung der Fragebögen schuldig.

Ich bin als anerkannter Wehrdienstverweigerer eindeutig Partei, aber versuche hier aus der Erinnerung meine Beweggründe von damals auf den Prüfstand zu stellen.

Damals - das war 1968 - musste ich formell und schriftlich begründen  weshalb ich den "Kriegsdienst" - oder zumindest den "Dienst an der Waffe" verweigerte. Ich verwendete keine Argumentationskette, wie sie von der Organisation BdK (Bund der Kriegsdienstgegner) empfohlen wurde, sondern verließ mich darauf, dass auch meine ethischen Gründe Anerkennung finden würden.
Mein Vater, Kriegsteilnehmer und Bundesbeamter höheren Ranges, bekam bald darauf einen Brief vom Ministerium, er möge doch auf seinen Sohn einwirken. Quasi mich zur Vernunft bringen.
Was immer mein Vater in seiner Empörung über dieses Ansinnen geantwortet hat, bewirkte, dass ich sehr schnell vor der Kommission zu erscheinen hatte. Meine Begründung baute darauf auf, dass ich nach Lage im anzunehmenden Kriegsfall auf die geknechteten "Brüder und Schwestern" in der DDR schießen müsste. 

Die immer wieder perfide gestellte Fangfrage, was ich denn täte, wenn der marodierende Feind unmittelbar meine Familie bedrohte, machte mich richtig wütend. Wenn der F e i n d schon so weit vorgedrungen sei, wäre ich vermutlich nicht mehr am Leben oder wäre beim Versuch zu meiner Familie zu kommen, als Deserteur standrechtlich hingerichtet worden. In der beschriebenen Situation hätte es nämlich gewiss keinen "Urlaub von der Front" gegeben. Also sei die Frage, ob ich durch meine Gegenwehr riskierte, meine Familie abschlachten zu lassen, doch nur hypothetisch.

Quelle: Amnesty International
In den seltensten Fällen trägt das individuelle
Opfer für Anfang und Ende eines Krieges die Schuld

Ist ein Krieg vorbei, muss jeder nach gegebenen Umständen als Individuum für sich entscheiden ob sein Leben mehr zählt als dessen Qualität unter Fremdherrschart von Siegern über Besiegte

Tatsächlich hielt meine Mutter dann ihre Familie über Wasser, indem sie nach der Flucht im bereits "befreiten" Hamburg eine Anstellung beim Britischen Offiziers-Club erhielt.
Dass aus feinden Freunde werden konnten, hatte ich vor dieser Anhörung ein Jahrzehnt lang in unmittelbarer Nachbarschaft von amerikanischen Spielgefährten und deren Eltern in  München erfahren dürfen.

Von den Erlebnissen jedoch, die ich vor der Wiedervereinigung durch Spitzeleien von Kollegen aus der DDR erfahren musste, konnte ich damals glücklicher Weise noch nicht einmal ahnen.

Heute als alter Mann weiß ich längst, dass die Zeit de facto keine Wunden heilt. Vielmehr müssen Betroffene zum Über- und Weiterleben auch wissen, dass manche der verbliebenen Narben bei jedem "Wind of Change" wieder zu schmerzen beginnen.

Quelle: Freepik
Weil nie wirklich zu bestimmen ist,
woher der "Wind des Wechsels" wirklich weht
und wohin er uns dann treibt, ist er so trügerisch.
Die unmittelbar gegenwärtige Geschichte,
belegt zudem, dass er nie auf Dauer weht.
Es ist schon ein Glück, wenn er einem 
nach dem Abflauen nicht eiskalt ins Gesicht bläst.


Mittwoch, 6. Mai 2026

Erschütternd!

Bei allem, was die Welt gerade in maximale Unruhe versetzt, vergisst man leicht, dass uns die Erde selbst mit ihren Erschütterungen heimsucht. Seit wir in Ligurien auf einem Felsenkamm leben, bin ich dort immer online mit dem Erdbeben-Monitor. Der ist zwar auch kein Schutz vor Erdbeben, aber ein halbwegs verlässliches Frühwarnsystem. Allerdings als unser Haus durch zwei kurze Erdstöße derart erschüttert wurde, dass die Kerzen aus den Leuchtern flogen, hatte ich vorher kein Signal bekommen. Der Computer war abgeschaltet (!?). Schäden am Haus gab es auch keine. Da haben wohl die Erdbeben-Anker, die unsere Außenmauern im inneren mit Stahlseilen durchziehen gut funktioniert.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es kaum ein größeres Gefühl der Hilflosigkeit gibt, als ein Erdbeben zu erleben. Zweimal hätte es mich erwischen können: In Zamboanga auf Mindanao in den südlichen Philippinen war ich gerade in einem Restaurant beim Mittagessen, als ich mit meinem Stuhl vom Tisch geschleudert wurde und zwei Meter versetzt bei anderen Gästen landete. Und dann war da noch der "After-Shock" nach dem großen Kalifornischen Erdbeben von 1996, der mich unweit von Disneyland in Anaheim mitten in der Nacht erwischte...

Quelle: Wikipedia
Seismographische Darstellung des Epizentrums
Immer wieder erinnert uns unsere liebe Erde, dass sie nur aus Schollen besteht, die hauchdünn auf einem brodelnden Meer aus Magma schwimmen. Und typisch für den Menschen ist, so ein Erdbeben möglichst schnell zu vergessen und Zerstörtes an selber Stelle wieder möglichst genauso aufzubauen.

Quelle: visit.gemona

Quelle: Venzone Torismo
Wer dieser Tage in Friaul durch die Städte Gemona, Venzone und Osoppo fährt, sieht kaum noch die Schäden, die heute vor 50 Jahren ein Erdbeben der Stärke 6,5 angerichtet hat und 989 Menschen das Leben kostete. Wer von den 2400 zum Teil Schwerstverletzen heute noch am Leben ist, wird wohl einmal mehr - aber vermutlich immer noch traumatisiert - Geburtstag feiern...
Quelle: Verliebt in Italien
Malerisch wie einst - auferstanden aus den Trümmern:
Gemona del Friuli

Montag, 4. Mai 2026

Ausreden lassen!

In den letzten Tagen muss ich viel drüber nachdenken, wie es wäre, wenn unser Land tatsächlich so kaputt wäre, wie POTUS es gerne hätte. Gerade zum Wochenbeginn nehme ich mir vor, dieses durchgeknallte Riesen-Baby eine Woche lang mal nicht beim Namen zu nennen, und keine Bauchschmerzen zu bekommen, wenn er wieder seine Macht-Blähungen entweichen lässt.

Endlich hat unser aller Kanzler mal nicht um den heißen Brei geredet und deutlich gemacht, wie der Wut-Politiker ohne Konzept und Ausweg die Welt in eine der schwersten Krisen seit dem zweiten Weltkrieg gezwungen hat. Dass er das zunächst ausgerechnet vor einer Schulklasse getan hat, ist aus zweierlei Gründen bemerkenswert:

Quelle: www.sueddeutsche.de
Kanzler eines kaputten Landes mit klarer Kante.
Die haben ihn nämlich ausreden lassen...

Erstens: Weil es zeigt, wie heute im Nachrichten-Fluss aus dem kleinsten Kreis innerhalb von Minuten ein globales Thema wird. Und zweitens: Dass das Ansprechen der für die ganze Welt sichtbaren Faktenlage bei dem selbst ernannten "King of  the World" ins Nerven-Kostüm eingeschlagen hat wie eine Cruise Missile.

Denn die ausgelösten Reaktionen sind ja wenig staatsmännisch, sondern eher ein Revanche-Faul. Denn überhöhte Zölle - das hat schon das vergangene Jahr gezeigt - sind ein Bumerang der auf die USA zurück segelt. Und die USA - das ist gewiss - sind bereits wesentlich kaputter, weil mental zweigeteilt und insgesamt so verschuldet wie ganz Europa zusammen.

Nie und nimmer werden die USA ihre strategisch wichtige Position mit den stationierten Kräften auf dem alten Kontinent ganz aufgeben. Und jeder weitere Schritt in diese Richtung entfernte den Oberbefehlshaber vom Kongress, in dem sich jetzt schon immer mehr führende Köpfe der Republikaner düpiert fühlen dürften, weil POTUS den Iran-Krieg ohne die verfassungsmäßig erforderliche Zustimmung nach 60 Tagen ohne Votum weiterführt.

Der oberste Kaputtmacher erhält bald wohl nur noch Beifall von Zar Putin. Der könnte sich allein durch dieses Signal von der Zerrüttung der NATO vielleicht ausrechnen, sich bis zu den nächsten Wahlen in den USA ungestraft kleinere europäische Staaten einzuverleiben.

Aber hat Friedrich Merz - wie er das auch gestern wieder  bei Caren Miosga für sich in Anspruch genommen hat -  wirklich so schwere Bedingungen zum Regieren wir kein Kanzler vor ihm?https://www.ardmediathek.de/video/caren-miosga/ein-jahr-kanzler-wie-schwer-ist-regieren-herrmerz/ndr/Y3JpZDovL25kci5kZS8zZGFlMGExZS01MGYwLTQyZTYtYTc3Yy00MmFlZTQzNzVjZDBfZ2FuemVTZW5kdW5n. 
Es hat aber auch kein Kanzler mit nur einem Koalitionspartner und Alleskönner-Arroganz den Mund so voll genommen wie er! Er kann es schön reden, so oft er will, er steht nach einem Jahr Regentschaft genauso schlecht da wie sein Vorgänger, aber er ist auf dem besten Weg als Rausrede-Kanzler in die Geschichte einzugehen. Denn er verkörpert eben das Gegenteil von einer Integrationsfigur und ist auf Herrschen eingestellt - und sonst gar nichts. Was Deutschland braucht und gerade nicht hat, ist ein Teamplayer, der auch notfalls moderieren kann - wie Angela Merkel. Tut mir leid, aber Friedrich Merz ist in meinen Augen weder so sym- noch genügend empathisch, aber er ist im Moment der einzige, der uns vor der Machtübernahme der Neofaschisten bewahren kann.

Europas Demokratien zeigen gerade, dass sie dem von US-Money-Mogulen unterstützten Rechtsruck widerstehen oder ihn sogar wieder schwächen könnten. Das geht aber nur mit Kräften, die Willens sind, sich zu bündeln, um gemeinsam aufzustehen. Dass Demokratien streitbar sein müssen, ist für eine stete Erneuerung immanent, aber das darf nicht weiter zur Verlangsamung der Emanzipation gegenüber den USA führen. Der Donaldismus darf nicht länger "America first und sonst nichts" heißen. Sondern es muss klar gemacht werden, wie sehr sich die USA mit diesem Denken isolieren.
Die AfD wird bei uns doch nur immer stärker, weil die Koalitionen ihre Ehestreitigkeiten nicht im Schlafzimmer, sondern auf diversen Bühnen in der Öffentlichkeit austragen. Unsere Demokratie ist derzeit deshalb so anfällig, weil sie sie schon zerpflücken lassen, bevor Ideen im Parlament in treffende Gesetze umgesetzt werden.

Quelle:ZDF

Ich bitte meine Leser dringlich, sich  unter diesem Aspekt Maybrit Illners Talk vom 30. April in Ruhe anzuschauen: https://www.zdf.de/video/talk/maybrit-illner-128/maybrit-illner-vom-30-april-2026-100

Jeder in dieser Runde hat Ahnung und richtige Argumente, aber letztlich lässt niemand den anderen so ausreden, dass  das fürs Publikum auch einleuchtend wird. Deshalb endete die Sendung geradezu exemplarisch, indem alle auf einmal, überkreuz und durcheinander reden.

Wenn etwas in unserem Land kaputt ist, dann ist es dass jeder ums Mitdenken geäußerte Denkansatz gleich mit Streit-Polemik niedergeschrien wird. Ginge es uns wirklich so schlecht wie der Welt-Terrorist im Weißen Haus uns sehen möchte, dann wäre es an der Zeit, denen die etwas substanzielles zu sagen haben, ruhig zuzuhören, um dann daran mit eigenen Argumenten konstruktiv anzuknüpfen. Keiner hat das Wort Kompromiss so oft in den Mund genommen wie gestern der Kanzler.
Noch haben wir dafür "alle Zeit der Welt".
Willy Brandt - gewiss nicht der schlechteste Kanzler aller Zeiten - sprach weiland 1969 von "mehr Demokratie wagen". Damit meinte er aber gewiss nicht, dass Demokratie auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit als Wagnis endet.


Freitag, 1. Mai 2026

"Mei halt"*

 

Quelle: pinterest












Der Mai ist gekommen,
Aber die Bäume schlagen schon seit Wochen aus.
Der Kopf ganz benommen!
Bei diesem Pollenflug bleibt man gern zu Haus.

Der Mai ist gekommen,
Minister schlagen sich seit Wochen vor allem mit Sparen  rum.
Da gibt's kein Entkommen.
Immer mehr Schulden. Das Volk bleibt dennoch arm und stumm.

Der Mai ist gekommen,
Aber hat den Merz  nicht vom Halten seiner kühnen Versprechen entbunden.
Kein  Gipfel wird so erklommen,
Mit klingendem Beil und Reiche gegen Arm wird mit Nullen die Zukunft geschunden.

Der Mai ist gekommen,
An den Zapfsäulen gibt's trotz Rabatt weiter den Totentanz.
Kein Tanker kommt geschwommen,
Weise Wirtschafts-Eulen machen Rabatz** im Talk  bei Lanz.

Der Mai ist gekommen.
Heute, der Erste, ist ein Feiertag für die letzten Helden der Arbeit.
Wann wird er uns genommen? 
Merz klagte ja schon über viel krank Sein und zu große Faulheit!

Der Mai ist gekommen,
Aber Timmy, der Wal, überlagert als Thema all die Dramen und Kriege.
Nicht selbst geschwommen,
Aber frei gebaggert führt Mitleid den Lümmel doch noch zum Siege?

Quelle: Tagesspiegel






Der Mai ist gekommen,
Und Trump bleibt seiner Linie treu. Mit Charlie, und  nicht besser ging's,
die Krönung vorweg genommen, 
Das Foto zu guter Infinie, dass er sich freu': Ein Post auf Facebook  mit "Two Kings"

Quelle: facebook









"Mei halt" ist ein bayerischer Ausdruck, der meist als Füllwort verwendet wird und so viel bedeutet wie „ach ja“, „naja“, „das ist halt so“ oder „ohne besonderen Grund“. Es drückt Achselzucken, Resignation oder eine gewisse Gelassenheit aus.

**„Rabatz machen“ ist eine umgangssprachliche deutsche Redewendung für das Verursachen von großem Lärm, Aufruhr oder lautem Protest. Es bedeutet, Unruhe zu stiften, Krach zu schlagen oder heftig auf sich aufmerksam zu machen. Die Wendung stammt vermutlich aus dem Berlinerischen und wird oft verwendet, wenn Kinder toben oder Menschen protestieren.

Mittwoch, 29. April 2026

Das große Ganze im Blick

 

Peace is the Time between Wars

Wenn die Mächtigen von ihren untertänigen Individuen Opferbereitschaft fordern, dann geschieht das gerne mit dem Hinweis, man müsse das große Ganze im Blick haben.
Mit dem Blick auf den derzeitigen Zustand der Welt tut sich das Menschlein allerdings schwer, zu glauben, dass das Große ganz bei Troste ist. Angesichts vollmundigen Versprechungen der politischen Lügner von oberster Stelle verbietet sich doch ein heroisches Opfer, wenn keiner mehr wirklich weiß, für welche Ziele sein Sacrificium eigentlich erbracht wird.

Als Putin die Ukraine vor nun mehr als vier Jahren überfallen hat, war mir klar, dass mein lebenslanger Pazifismus wohl die falsche Einstellung gewesen ist. Aber da war ich mir im Großen und Ganzen sicher, dass der Westen (historisch betrachtet) für Friedfertigkeit und sicheres Miteinander stünde. Seit Trump aber unter komplexem Vorwand seiner Allmacht souveräne Staaten überfällt und auch Inseln, die den USA historisch nie gehörten,  annektieren möchte, bin ich mir überhaupt nicht mehr sicher, ob es jemals wieder hehre Ziele geben wird, die es zu verteidigen lohnt. Denn in einer Freiheit des Westens nach dem goldsüchtigen Geschmack des "Dons" möchte ich nicht gerne leben.

Quelle: MDR
Im ersten Quartal dieses Jahres und nach Einführung des noch nicht verpflichtenden Wehrgesetzes haben mehr junge Menschen pro forma schon den Kriegsdienst verweigert als im gesamten vergangenen Jahr. Das ist ein deutliches Signal an die noch naiv geplante Freiwilligkeit.
Die weltweiten Rüstungsausgaben haben eine neue Rekordhöhe erreicht, bei der ausgerechnet die ehemalige Kriegstreiber-Nation Deutschland nach den Supermächten nun Rang Vier bekleidet. Und unser aller Kanzler senkt wieder mal sein spitzes Kinn bedeutungsvoll auf die Brust, um anzukündigen, er strebe an,  die stärkste "konventionelle Armee" in der EU uniformieren zu wollen.
Quelle: Focus online
Weil es wir  - oder doch die anderen wollen:
Deutschland wieder die Wehrmacht Nummer 1?

Um das zu unterstreichen hat die Bundesrepublik dafür gleichmal den Anteil der Rüstung gemessen am Bruttosozialprodukt verdoppelt. Da kann wirklich keiner mehr vom Kader-Gehorsam gegenüber Trumps Forderungen sprechen. Da wird (paradox!) über das Ziel hinausgeschossen. Zumal ja allein die Bundes-Beschaffungsbürokratie den Vorgang so verlangsamt, (wenn Putin das altersbedingt überhaupt noch so wollen könnte) dass "der Russe" da längst an der europäischen Atlantik-Küste stünde.
Quelle: Stock-World
Auweia! Die Waffenschmieden, der einzige Deutsche Industrie-Zweig, der noch prosperiert,
müssen jetzt auch wegen der Energie-Krise um die Margen bangen

Wer glaubt dann aber überhaupt noch "konventionelle Kriege" ausfechten zu können, die dann vielleicht KI-gesteuerte Roboter an die Front schicken.

Quelle: wwwsueddeutsche.de
Hat derzeit überhaupt noch einer - außer Papst Leo XIV -  das große Ganze für eine friedfertige Welt im Blick?

Qua KI hier diese Definition:

„Das große Ganze im Blick“ bedeutet, den Gesamtkontext, die langfristigen Auswirkungen oder den Zusammenhang einer Situation zu erfassen, anstatt sich in Details oder aktuellen Problemen zu verlieren. Es fördert Perspektivwechsel, Empathie und strategisches Denken, indem man bewusst den Fokus von kurzfristigen Impulsen abzieht.

Ja, wenn das so ist! Dann lasst doch den Rest die Robies machen!

Quelle: Free3D.com

Montag, 27. April 2026

Über das Jubeln

Zu meinen persönlichen Problemen zählt seit jeher, dass ich mich mitten in großen Menschen-Ansammlungen äußerst unwohl fühle, obwohl es mir nie etwas ausgemacht hat, vor viel Publikum zu reden. Das machte mir in meinen Anfangsjahren als Sportberichterstatter arg zu schaffen. Aber in jenen Tagen galt für den Job ja noch die Neutralität. Es war verpönt, Beifall zu klatschen oder gar parteiisch zu sein. Wenn im Stadion oder anderen Sportstätten kurioserweise ein Block von der Euphorie nicht erfasst wurde, dann war das die Reporter-Tribüne. Heute ist das anders. Die Reporter dürfen aus "Deutscher Sicht" Euphorie vermitteln oder ihrem Kommentieren nationalistische oder lokalpatriotische Tendenzen geben.

Quelle: DWDL
Parteiisch sein als Reporter -vor allem bei Länderspielen -
ist nicht mehr verpönt, sondern Teil der Show

Gestern Nacht hatte ich tatsächlich einen Traum, in dem ich mir vorwarf, nicht jubeln zu können. Dem musste ich nach dem Erwachen in alter Gewohnheit durch Selbstanalyse auf den Grund gehen. Zur Beruhigung dachte ich an alle Beiträge in den Olympia-, Weltmeisterschafts-Büchern sowie an die Sportler-Biographien, an denen ich deshalb erfolgreich mitgewirkt habe, weil ich eben gerade in meine Texte soviel Empathie einbringen konnte.

Aber wie war das in meiner eigenen Erlebniswelt? Was hatte ich genügend Gründe, in Jubel auszubrechen! Aber je länger ich nachdachte, konnte ich mich zwar an viele Glücksmomente und an die Euphorie erinnern, die ich aber meist nur still empfand, wenn ich nicht sogar leise Tränen vergoss. Letzteres ist übrigens im Alter noch schlimmer geworden.

Quelle: Lernplattform Lerntrick

Da folgt dann gleich die Frage: Was stimmt mit mir nicht? War ich vielleicht ein damals noch nicht definierbares ADHS-Kind (Hyperaktivitäts-Defizit-Aufmerksamkeits-Syndrom) oder lag es eher daran, dass ich mit einigem Abstand der Nachzügler von zwei brillierenden Schwestern war, dem sein Vater nichts zutraute, um das Wort Versager zu vermeiden?

Als Vater habe ich deshalb nach bestem Wissen und Gewissen versucht, meinen Kindern emotional soviel Entfaltungsmöglichkeiten zu bieten, wie es eben möglich war. Ich weiß aber nicht mehr, ob wir je gemeinsam bei einem Anlass laut gejubelt hätten.

Quelle: Münchner Zeitung
Stadien in Flammen:
panem et circenses der Gegenwart
Die vergangene Woche war ja, was das Jubeln angeht, nicht gerade prädestiniert. Deshalb ist mir der Kontrast zwischen den kriegerischen Geschehen weltweit, dem politischen Zwist hierzulande und der Fußball-Euphorie im DFB-Pokal-Halbfinale zwischen Stuttgart und Freiburg besonders aufgefallen: Kriegstrommeln und Pyrotechnik und die Chöre der Massen. Das Prinzip panem et circensis lenkt ab, und der Jubel muss raus.

Auf der Zielgeraden meines Lebens habe ich deshalb einmal die KI zu meiner "Psycho-Analyse" herangezogen:

Der Mensch jubelt primär, um überschäumende Freude, Erleichterung und Triumph auszudrücken, oft in gemeinschaftlichen Situationen wie dem Sport, bei Konzerten oder Feiern. Psychologisch und biologisch gesehen erfüllt Jubel mehrere Funktionen:

Quelle: RND
Jubeln animiert zum Mitjubeln.
Sich als Sieger fühlen zu können, steigert das Selbstwertgefühl

Soziale Verbundenheit: Jubel bringt Menschen zusammen, fördert das Gefühl der Zugehörigkeit und stärkt den sozialen Zusammenhalt, beispielsweise im Fußballstadion.

Stressabbau und Dopamin: Gewinnen und das damit verbundene Jubeln können Stress erzeugen, führen aber zu einem "Dopamin-Feuerwerk" im Gehirn, was als Glücksgefühl wahrgenommen wird.

Spiegelneuronen: Wenn Menschen andere jubeln sehen, neigen sie dazu, dies aufgrund von Spiegelneuronen mitzufühlen oder mitzujubeln.

Ventil für Emotionen: Jubel erlaubt, Leid, Anspannung oder Anstrengung (z.B. nach einer langen Durststrecke) in positive Energie umzuwandeln. 

Der Jubel kann auch in extremen Situationen als Ventil für angestaute Spannungen dienen, wodurch aus Begeisterung lautstarke Rufe entstehen. 

Emotionslosigkeit: Bei großer Belastung oder einer negativen Weltlage fällt es schwer, in Jubel auszubrechen.

Fehlende Erlaubnis: Viele Menschen müssen sich erst erlauben zu jubeln, da Freude oft mit Scham oder der Angst vor Neid besetzt ist.

Übungssache: Experten raten dazu, "Jubel-Tage" einzulegen und positive Affirmationen zu nutzen, um die Jubelspirale wieder in Gang zu setzen.

Freitag, 24. April 2026

Mehr oder weniger Merz

Es wäre, denke ich, an der Zeit, dass sich Friedrich Merz bei Olaf Scholz für den Vorwurf, der sei der schlechteste Kanzler aller Zeiten gewesen, entschuldigt. Nach einem Jahr mit nur einem Koalitionspartner schneidet Merz deutlich schlechter ab als sein Vorgänger. Was wäre Merz über Scholz hergefallen, hätte er sich solche verbalen Entgleisungen oder mit dem Brustton der Überzeugung geäußerte Fehleinschätzungen geleistet. Er kann dies auch nicht durch die veränderten "Rahmenbedingungen" entschuldigen, die Trump und Putin seiner Amtszeit beschert haben. Denn er, als Insider, hätte sich schon so siegesgewiss in der Opposition auf eine andere Weltlage einstellen können. Wenn sogar ein Niemand wie ich, sie hier in diesem Blog schon anhand begrenzter Quellen vorhersehend beschreiben konnte.

Die einzige Gemeinsamkeit beider Kanzler ist, dass sie den von ihnen regierten Bürgerinnen und Bürgern zu keinem Zeitpunkt vermitteln konnten, dass es immer und in jeder Lage vorrangig um deren Wohlergehen ginge. Stattdessen wollten sie - vielleicht von außen oktroyiert - mehr Weltpolitiker sein, als innere Gefahren abzuwenden. Wie haben sich die Christlichen über die Zerstrittenheit der Ampel die Mäuler zerrissen. Deren blumigen Ankündigungen gerügt, die dann schon in den eigenen Reihen so zerpflückt wurden, dass CDU/CSU aber auch die AfD sich nur noch darüber lustig machen konnten. Und jetzt? Ist es in der Zweier-Koalition irgendwie anders? Kaum denkt ein Ministerium und ihre jeweilige Führung laut über Reformen nach, werden sie auch schon in den eigenen Reihen so lange konträr coram publico scharf im Ton diskutiert, dass sich ein vernünftiger Gesetzentwurf gar nicht erst ergeben kann. Stichwort: Gesundheits- und Renten-Politik, von den eigentlich die Wirtschaft und nicht das Militär mobilisierenden Maßnahmen aus dem Sondervermögen ganz zu schweigen.

Quelle: Berliner Morgenpost
Nur so fühlt er sich wirklich wohl: Als Boss unter Bossen,
Da kann er auch unter genügend Beifall
- wie vor den Bankern - Sprüche ablassen,
in denen die Rente seiner "zu wenig arbeitenden"
Mitbürger allenfalls noch die Basis
 für die Altersvorsorge darstellen könne

Der stets verschlossen vor sich hin grinsende Scholz war in gewisser Hinsicht wenigstens nahbar. Die Arroganz, mit der Merz einen Hammer nach dem anderen auf sein Volk niedersausen lässt, disqualifiziert ihn als Volkskanzler. Entsprechend schlechter sind die Zustimmungswerte für seine Politik, und umso stärker wird der Zulauf bei der AfD, die ja noch nicht einmal in der Beweispflicht ist. Merz hätte längst beim Streit zwischen Klingbeil und Reich eigene Führungskraft beweisen müssen. Aber vielleicht will oder kann er das nicht, weil er zwar ein Mann großer Worte, aber bislang nicht großer Taten ist. Schon bei der Kriegstreiberei der USA hätte er genauso Tacheles reden müssen wie am Kabinetts-Tisch.

Quelle: RP-Online
Mit zäpfchenhaften drumherum Reden verschafft sich
Deutschland in dieser verzwickten 
Weltlage jedenfalls kaum mehr Gewicht
Da muss dann der Bundespräsident einspringen, um dem Herumeiern der Deutschen Außenpolitik wenigstens ein wenig Richtung zu geben. Während dessen sich der redlich und diplomatisch bemühende Johann Wadephul zulassen muss, dass die abgehalfterte Lusche Armin Laschet in Talkshows über Richtungen schwadroniert, denen kaum einer folgen möchte. Jüngstes Beispiel: Laschet trifft bei dessen Deutschlandbesuch den Sohn des Schahs, während alle anderen Politiker aus gutem Grund auf Tauchstation gehen.

An dieser Stelle habe ich ja oft schon meine Meinung geäußert, dass ein Zerbrechen dieser derzeitigen Regierung ein Super-GAU für Deutschland wäre, weil dann der Durchbruch der AfD zu einer Art "Machtübernahme" drohte. Aber wenn die vollmundig angekündigten Reformvorhaben durch Streitereien auf der Strecke blieben, wäre es bald wohl wirklich besser, es gäbe Neuwahlen.

Es sei denn, der Kanzler spränge über seinen Schatten zu mehr Merz in Machtausübung und weniger Merz mit markigen Meinungsäußerungen.

Mittwoch, 22. April 2026

Gelänge der Deutschen Demokratie auch eine "Entorbanisierung"?

 Es gibt ja nicht wenige, die bei den stetig wachsenden Zustimmungswerten der AfD überlegen, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben. Soll heißen, da, wo die Wähler ihnen eine Mehrheit zum Regieren aus kommunaler Ebene ermöglichen, sie machen und womöglich scheitern zu lassen. So gesehen würde der 6. September mit den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt nicht nur ein Prüfstein sein.

Quelle: Ministerium des Inneren
Das Wappen von Sachsen-Anhalt
Denn, wenn es dort für die AfD zu einer Absoluten Mehrheit käme, wie verschiedene Demokopien das in ihren Sonntagsfragen prognostizieren, hätten wir ja bereits den Ernstfall, ohne dass Brandmauern eingerissen werden müssten. Denn CDU und SPD erreichten da weit weniger (31 zu 38 Prozent). Die SPD, der mit 6 Prozent nur die Hälfte der Stimmen von der Linken vorhergesagt werden, müsste ja sogar bangen, überhaupt wieder in den Landtag zu kommen.  FDP, Grüne und BSW kämen nach derzeitiger Stimmungslage nicht in den Landtag. Ein utopisches Koalieren der CDU mit der Linken allein und ohne SPD führte derzeit gerade noch zu einem Patt.

Entsprechend selbstbewusst tritt die als gesichert rechtextrem eingestufte AfD bereits mit einem Entwurf für ein "Regierungsprogramm" auf: https://table.media/assets/berlin/26-01-23_entwurf_afd-regierungsprogramm-2026-sachsen-anhalt.pdf

Quelle: Der Landtag von Sachsen-Anhalt
Das sollte jeder gelesen haben. Auch wenn er nicht in Sachsen-Anhalt oder in Mecklenburg-Vorpommern* lebt, wo am 30. September gewählt wird. Dort könnte nach derzeitiger Stimmungslage Rot-Schwarz eventuell auch noch mit den Grünen regieren, aber da darf der Nachahme-Effekt bei einem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt nicht unterschätzt werden.

Quelle: Wikipedia
Das Wappen von Mecklenburg-Vorpommern
Leider muss das Wahlvolk auf Bundes-Ebene auch davon ausgehen, dass Schwarz-Rot bei der sich ankündigenden Weltwirtschaftskrise nichts von ihren strittigen Reform-Vorhaben gebacken kriegt. Das spielt der AfD dann vor allem bei den unzufriedenen Protestwählern und der perspektivlosen Jugend in die Karten. Die Linke und die Grünen werden dabei vom selbst herbei geführten Untergang der SPD noch ein Weilchen profitieren. Zerbricht die Koalition nicht vor Ende der Legislaturperiode, könnte es 2029 dennoch zu einem verschobenen Kräfteverhältnis kommen, in dem ein Brandmauern-Denken dann obsolet ist.
Der Landtag von Mecklenburg-Vorpommern

Bevor es zu spät ist, empfehle ich allen, die guten Willens sind, eine historisch vergleichende Lektüre zum aktuellen "Regierungsprogramm" der AfD:
http://www.documentarchiv.de/wr/1920/nsdap-programm.html

Die Geschichte lehrt uns, dass wir die Nazis nur schwer loswerden, wenn sie sich einmal in den Parlamenten eingenistet haben. Ich traue der Deutschen Demokratie einfach nicht zu, dass sie - wie die vielfach geschundenen Ungarn - auch nach geraumer Zeit noch eine Art "Entorbanisierung" hinbekommen. Weil nämlich die Generation der Freitag-Demos; "Wir sind das Volk" wohl schon ausgestorben ist, oder nahtlos von "Merkel- zu Merz muss weg!" umgeschwenkt ist.

*https://www.wahlrecht.de/umfragen/landtage/sachsen-anhalt.htm
https://www.wahlrecht.de/umfragen/landtage/mecklenburg-vorpommern.htm

Montag, 20. April 2026

Jesus von Washington

Quelle: Wikipedia
 Eigentlich hatte ich mir vorgenommen auf diesem Blog Trumps blasphemische Selbstdarstellung als göttlicher Wunderheiler einfach zu übergehen. Aber was, wenn er es irgendwie schafft, doch noch POTUS auf Lebenszeit zu sein, um sich tatsächlich Dank seiner atomaren Mächte als Gott zu gebärden?

Wäre dann vor dem Untergang folgendes Szenario denkbar gewesen?
Trump, der Erlöser, wandelt per pedes über das ölverschmierte Wasser der Meerenge von Hormus, erhebt seine vor lauter Leuchtkraft blendend segnende Hand und sagt zu den seit Jahren ausharrenden Tanker-Besatzungen. "Fürchtet euch nicht! Eure Schiffe werden wie Archen sein, denn Morgen werde ich mir die Erde und was dann nach meinem atomaren Fegefeuer von ihr übrig ist, vollends Untertan machen. Dann lauft nach der Blockade die restlichen Gestade an und verkündet meine MAGA-Botschaft":

Ein Mann in seinem Wahn kann tun und lassen, was er kann!

Da sitze ich dann schon brutzelnd in der Hölle der Fake-News-Verfasser und poste diese Schlagzeile auf Truth Social:

Trump beim Versuch, auf dem Wasser zu gehen, ertrunken...

Quellen: Aquarell Claus Deutelmoser, Foto TAZ










Matthäus 14:22 - 33:
In den frühen Morgenstunden kam Jesus über den See zu ihnen. Als die Jünger ihn auf dem Wasser gehen sahen, waren sie zu Tode erschrocken. »Es ist ein Gespenst!«, meinten sie und schrien voller Entsetzen.  Aber Jesus sprach sie sofort an: »Habt keine Angst! Ich bin es doch, fürchtet euch nicht!« Da rief Petrus: »Herr, wenn du es wirklich bist, dann befiehl mir, auf dem Wasser zu dir zu kommen.«  »Komm her!«, antwortete Jesus. (Vollständiger Text: 
https://www.blogger.com/blog/post/edit/5587705271014655148/8560293436349566354)

Freitag, 17. April 2026

Im Zwiespalt mit den Streiks

Beinahe tägliche Berichte über Streiks  könnten den Eindruck erwecken, die Gewerkschaft nutzten den angeschlagenen Staat, um im Namen ihrer Mitglieder auf den Putz zu hauen. Als ver-di in den letzten Tagen die Münchner dadurch, dass U-Bahn, Tram und Busse nicht fuhren, vor nahezu unlösbare logistische Probleme stellte, waren ausnahmsweise auch wir Langzeit-Rentner betroffen. Meine Frau hatte einen kleinen, ambulanten chirurgischen Eingriff im unmittelbar autofreien Zentrum der Landeshauptstadt. Nach dem sollte sie eigentlich nicht Auto fahren . Ich fahre nach meinem schweren Sturz, der eine alte Genickverletzung wieder aktiviert hat, seit Jahren nur noch Autobahn oder Landstraßen. - Wenn überhaupt. Taxis und Uber waren schon durch Vorbuchungen am Sonntag nicht mehr zu reservieren. Also musste meine Frau wohl oder übel ihre Odyssee im Auto antreten.

Quelle: ver.di München

München ist eine hervorragende Stadt für Radfahrer, aber die Verkehrslenkung im Innenstadt-Bereich ist mittlerweile so verzwickt, dass Parkhäuser nur noch durch Zickzackfahren wie in einem Labyrinth   zu erreichen sind. Nur um dann festzustellen, dass eins ums andere belegt ist. Mit der U-Bahn dauert der Weg zur Praxis nicht einmal fünfzehn Minuten. Meine Frau brauchte aber hin zunächst vierzig. Als sie wegen der Narkose nach einer Pause am frühen Nachmittag zurück wollte, war sie mehr als eine Stunde unterwegs. Was selbst ihre gottgegebene Langmut überreizte. Sie, das ehemalige SPD-Mitglied, verfluchte die dauernde "Streikerei", als sie nach meinem ängstlichen Warten endlich zur Tür herein kam.

Ich war gewillt, zu zu stimmen. Vor allem, als sie zum Streik die irrsinnigen ÖNVP-Preise und die Stundenpreise für die Parkgebühren mit einflocht. Ich geriet aber dann schnell in einen Zweispalt. Ganz gewiss kann ver.di nichts dafür, dass meine Frau beinahe ein halbes Jahr auf diesen ambulanten Eingriff warten musste, und dass der Termin ausgerechnet mit einem Streik zusammen traf, der da noch gar nicht abzusehen war. Sogar einige Gäste der 100Jahr-Feier bei der Lufthansa konnten wegen Bestreikung des Flug- und Boden-Betriebs ja ihrer Einladung am selben Tag nicht folgen.

Ich versuchte meine Frau damit zu beruhigen, dass wir ansonsten mit unserem autarken Wohnen im Glashaus doch bislang noch nie unter Auswirkungen von Streiks zu leiden hatten, unsere Renten bislang aber trotz der riesigen Staatsverschuldungen noch immer automatisch angepasst wurden. Was aber de facto schon längst nicht mehr mit der allgemeinen Verteuerung Schritt hält.

Natürlich geht es der Wirtschaft schlecht und die Konzern-Gewinne brechen ein wie seit 2008 nicht mehr. Der Mittelstand, das Rückgrat unserer Wirtschaft, leidet an Produktions-Osteoporose und die marode Infrastruktur fliegt uns verwöhnten Deutschen regelrecht um die Ohren. Wenn dann auch der Millionärs-Kanzler, der einen Teil seines Vermögens mit dem Sitzen in Aufsichtsräten angehäuft hat, von seinem faulen Volk mehr und längere Arbeit verlangt, verstehe ich den Ansporn für Streiks.

Quelle: Bus-bild.de
So ein Ziehharmonika-Bus zirkuliert auch
fast die ganze Nacht unter unseren Fenstern.
Kurz vor dem U-Bahn-Anschluss a Petuelring
sitzt nach 21 Uhr bis 6 Uhr früh oft nicht ein
einziger Fahrgast drinnen

Ich will nur ein Bespiel für das in Schichten arbeitenden Personal des Münchner Verkehrsverbundes anführen. München ist die teuerste Stadt Deutschlands. Mieten sind nahezu unbezahlbar. 3000 bis 3.500 Euro beträgt das Brutto-Einstiegsgehalt eines ONPV-Mitarbeiters. 1.600 bis 2.000 Euro sind im Stadtbereich für die Warmmiete einer 70qm-Wohnung zu berappen.

Wir Rentner, die wir den ÖNPV nur gelegentlich nutzen, müssen für die Einzelfahrt im inneren Zirkel momentan 4,20 Euro zahlen. Zu zweit sind das 16,40 hin und zurück, und immer noch müssen die Verkehrsbetriebe nach letzten Wünschen mit 140 Millionen subventioniert werden...

Der aktuelle ver.di-Tarifabschluss von gestern: 
https://www.zdfheute.de/wirtschaft/tarifeinigung-verdi-laenderbeschaeftigte-100.html

Quelle: Bahnblogstelle
In der Goldgräber-Stadt München wird auf
Bürger geh raus gebaut, was der Säckel
hergibt. Auch wenn sich bald niemand mehr
das Fahren mit den Verkehrsbetrieben
leisten kann, wird das Großbau-Projekt
Bahnblogstelle verwirklicht.
Mal sehen, was der neue und in jeder
Hinsicht grüne Bürgermeister
unternimmt, die Stadt wieder
für ihre Bürger nutzbar zu machen?

D

Dienstag, 14. April 2026

Ein politischer Papst

 Als agnostischer Urbi-at-Orbi-Fan habe ich mir an Ostern auch heuer wieder das Spektakel auf dem Petersplatz im Live-Stream gegeben. Dass ich verspätet darüber schreibe, hängt mit meiner möglichen Fehleinschätzung zusammen, ein "amerikanische Papst" könne sich aus der von den USA dominierten  Weltpolitik dezent heraus halten.
Jetzt auf der ersten Afrika-Reise eines Pontifex seit langem wird offenbar, was Leo XIV schon in seiner Osteransprache erkennen ließ: Er will deutlich ein politischer Papst sein - ob mit konservativem Tenor oder nicht.

Quelle: tagesschau



Zwei Landsleute, die Kritik nun auf den Tod nicht ertragen können, nämlich Trump und Vance, haben entsprechend wütend auf Leos Einlassungen zu Krieg und Frieden reagiert. Aus ihrem Bootlicker-Umfeld, das Historie nicht gerade vorbildlich konsumiert, um daraus etwas zu lernen, kam sogar die drohende Anspielung, es hätte ja schon mal einen (?) "Gegenpapst"* gegeben. Aua!

Da fiel mir von selbst diese von mir umgedichtete Anleihe an Schillers Ballade "Die Glocke" ein:

"Gefährlich ist's, den Leo zu wecken, verderblich ist der Kirche Bann, jedoch der schrecklichste aller Schrecken ist der Trump in seinem Wahn!"

Wer sich bei den folgenden Sätzen Leos herausgefordert fühlt, der entblößt die Allmacht-Allüren dieses sich im Wahlkampf doch so bigott gegeben habenden Machtapparates:

"Wer Waffen in der Hand hält, lege sie nieder. Wer die Macht hat, Kriege zu beginnen, entscheide sich für den Frieden. Nicht für einen Frieden, der mit Gewalt erzwungen wird, sondern durch Dialog. Nicht mit dem Willen, den anderen zu beherrschen, sondern ihm zu begegnen." Leo XIV am 5. April 2026 von der Segens Loggia des Vatikans

Quelle: Stern
Trumps Gebets-Show im Oval Office
damit sich die eigens geprägte
Gedenkmünze der Evangelikalen
mit seinem Porträt drauf
besser Verkauft. POTUS' einziger
Gott ist in Wahrheit allein der Mammon

Meiner Meinung nach hat Trump nicht die geringste Ahnung, wie mächtig die weltweite Vernetzung der Katholischen Kirche noch immer ist. Wie sehr er gerade bei seiner sehr gläubig republikanischen MAGA-Wählerschaft Kredit verspielt. Denn deren Inbrunst für Gott im sogenannten "Bible Belt" übertrifft seine gespielt wirkende Gläubigkeit bei weitem. Wenn er auch noch den Streit mit dem Heiligen Stuhl eskalieren lässt, werden ihm bei den Midterms wohl die Leviten gelesen.


Der Welt im derzeitigen Zustand kann es nur recht sein, wenn der neue Pontifex Maximus auch ein politischer Oberster Brückenbauer ist.

Quelle: Vatican News
In Afrika bewusst zu einer politischen Reise angetreten











*Prominente Beispiele sind Clemens III. (im Investiturstreit gegen Gregor VII. ab 1080) und Clemens VII. (im Abendland-Schisma ab 1378). Gründe waren Machtkämpfe zwischen Kaisertum und Papsttum oder Spaltungen innerhalb des Kardinalskollegiums. Wie auch immer - der Heilige Stuhl hat jede Anfechtung zwei Jahrtausende überstanden.


Montag, 13. April 2026

Von der Langsamkeit der Demokratie

Aus meiner Sicht ist der Grund für den Vormarsch des weltweiten Autoritarismus die Ungeduld von Menschen, die sich nicht für politische Details interessieren. In schweren Zeiten gehen einfachen Gemütern die oftmals mühsamen, demokratischen Entscheidungsprozesse einfach zu langsam. Sie erwarten schnelle und radikale Veränderungen, wie sie aus der Opposition heraus in wohlfeilen Versprechungen leicht zu formulieren sind. Weil jeder, der nicht in der Verantwortung ist, weiß, dass er erstmal nicht beweisen muss, dass man es besser kann. Am leichtesten geht das mit populistischem Opportunismus. Rede dem Volke nach dem Mund, dann wird es dich irgendwann auch wählen. Aber offenbar hat auch der autoritäre Populismus seine Halbwertzeit, die von einem willigen Volk umgedreht werden kann. Wie gestern die Ungarn bewiesen, die nach 16 Jahren den Euro-Spaltpilz Urban abgewählt haben.

Quelle: Spektrum der Wissenschaft

Deutschland befindet sich seit Jahren in der Dauerkrise: Erst musste Merkel weg. Dann funktionierte die Ampel nicht und jetzt steht das schon einmal nur moderierte und nicht reüssierende "Rouge et Noir" kurz vor dem Ende. Die AfD kann weiter wachsen, weil diese Bundesregierung um keinen Deut besser ist als ihre Vorgängerin.  Sie wird mit Gezänk nach dem vorläufigen Scheitern der Gespräche zwischen den USA und dem Iran nicht verhindern können, dass sich die aktuelle Energie-Krise in Windeseile zur Weltwirtschaftskrise auswachsen wird. Eine Krise, die ultraschnelle Entscheidung fordert. Stattdessen demonstriert unsere aktuelle Regierung - ähnlich der Ampel - wie uneins sie im Kampf gegen Inflation und Spritpreise ist. Und das am liebsten vor frei geschalteten Mikrophonen. Dabei sind ja noch nicht einmal die vielzitierten "Wirtschaftsweisen" einer Meinung.

Quelle: Focus online
Kommt bei Finanzministerin
Reiche noch ein
Moment der Erleuchtung?

Natürlich wäre ein vorübergehender Verzicht auf den staatlichen Steueranteil pro Liter Benzin die schnellste Lösung. Aber wegen der schon so enormen Staatsverschuldung geht das nicht. Die schwarz-rote Koalition ist in der Hilflosigkeit gefangen, in der sie schon von Anfang an steckte. Vor allem aber dackelt sie immer noch diesem Psychopaten aus dem weißen Haus hinterher, als könnten die riesigen Rüstungsausgaben Deutschland so wehrhaft machen, dass es dann nicht doch von der einen oder anderen Seite überrollt würde.

Im Vorfeld-Geplänkel werden nur die rechtspopulistischen Kräfte immer stärker. Vielleicht was das ja Trumps Masterplan für seine MAGA-Welt gewesen, als er noch bei Sinnen war.
Denn Kopf-Ab geht allemal schneller, als das Volk lange nachdenken zu lassen. Das Volk  - so war das schon immer - liebt Versprechen, die nicht gehalten werden. Und es vergisst vor allem ebenso schnell, dass sie mal gegeben wurden

Quelle: Cicero
Wie wär's Herr Bundeskanzler,
wenn Sie endlich einmal
Ihre Richtlinienkompetenz ausübten,
ehe es zu spät ist:
Die zwei Luschen Klingbeil
und Reiche gegen zwei
parteilose Weitschafts-Asse
austauschen!

Erst die Weltwirtschaft platt machen und dann Faschismus zu neuerlicher Macht verhelfen.
Kommt historisch betrachtet doch irgendwie bekannt vor...

Freitag, 10. April 2026

Die Langlauf-Legende lebt

 Gar nicht weit vom Glashaus gibt es den Spyridon-Louis-Ring im Schatten des Münchner Olympia-Stadions. Bevor ich einen schweren Sturz mit dem Rad hatte, bei dem ich beinahe unverletzt blieb, aber mein Rennrad regelrecht Schrott wurde, bin ich die nahezu verkehrsfreie Straße ein paar Mal pro Monat auf meinen Trainingsrunden entlang gefahren. Für mich war die Strecke in mehrfacher Hinsicht "merkwürdig": Zu den Olympischen Spielen von 1972 - meinen ersten als Reporter -  hatte und habe ich immer ein zwiespältiges Verhältnis. Sie waren für mich wie ein Rausch, aus dem ich durch einen der brutalsten Anschläge des weltweiten Terrorismus über Nacht ernüchtert wurde. Am Tag bevor die Israelischen Olympioniken als Geiseln genommen wurden, hatte ein Deutscher Teenager mit unendlich lagen Beinen sensationell die Goldmedaille im Hochsprung der Damen gewonnen: Ulrike Meyfarth.

Spyridon Louis
1873 - 1940:
Vom Wasserträger zur
ewigen Legende
Vier Jahre später saß ich mit dem damals während des Terrorüberfalls verantwortlichen Münchner Polizei-Chef Manfred Schreiber und einem Freund von der Deutschen Presseagentur* im Café des Olympischen Dorfes in Montreal und diskutierte darüber, dass die Spiele durch das enorme Aufgebot an allgegenwärtigen Sicherheitskräften wohl ihre Unschuld verloren hätten. Schreiber meinte sarkastisch, dass es die wohl seit Spyridon Louis kaum noch gegeben hätte, weil der Olympische Sport ja von Beginn an auch stets ein Politikum war. Ich warf die nicht ganz ernst gemeinte Frage auf, ob der erste Olympia-Sieger im Marathon 1896, der je nach Quelle (https://de.wikipedia.org/wiki/Spyridon_Louis) eine Pause mit einem kräftigen Schluck schweren Samos-Weines oder aber Branntwein eingelegt hatte, bei den nun obligatorischen Dopingkontrolle überhaupt siegreich gewesen wäre. Jedenfalls las sich das in den Schulbüchern meiner Kindheit, als sei das Rennen über die historische Distanz ab Marathon über 40 Kilometer nach Athen quasi ein Zuckerschlecken gewesen. Dass es heute über die festgeschriebenen 42,195 km geht, ist nämlich erst den Olympischen Spielen von 1908 in London zu verdanken. Da lag der Start beim Schloss Windsor und endete unmittelbar unter der Königsloge im Olympiastadion nach 26,385 Meilen.

Quelle: beide Fotos wikipedia
Spyridon Louis in National-Tracht
 bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin,
wo seine Ehrung gut ins heroische
 Propaganda-Programm der Nazis passte
Mir schnürt es die Kehle zu, wenn ich daran denke, dass dieses, mir immer noch so momentane Gespräch 50 Jahre her ist - und wie unschuldig ich selbst da noch meinen Beruf ausgeübt hatte. Der historische Tag, da Spyridon zur Legende wurde, jährt sich heute zum 130. mal. Die meisten jüngeren Sportinteressierten müssten vermutlich fragen, nach wem überhaupt die Straße rund um den Olympia-Berg benannt wurde
Noch ein Nachsatz zur Statistik: Spyridon benötigte 2:58: 50 für die historische Distanz nach Athen, die Siegerzeit der Olympischen Spiele 2024 in Paris betrug bei den Männern 2:06:26 und bei den Frauen 2:22:55.

*Manfred Schreiber, der fast genau vor 100 Jahren geboren wurde, starb 2015. Mein geschätzter Kollege und Skikamerad Herbert Bögel starb 2012.

Mittwoch, 8. April 2026

Hinterm Mond?

 Historiker könnten im Rückblick auf das Jahr 2026 von Parallelwelten schreiben oder ihr Forschen schrumpft zusammen auf eine historische Duplizität der Ereignisse;

Quelle: Deutschlandfunk

Da droht die Welt ohne Einsicht, in Kriegen sich selbst zu zerstören, während drei Männer und eine Frau auf historischer Mission zur Vorbereitung der Besiedlung unseres Erd-Trabanten sind. Noch nie zuvor waren Menschen so weit von ihrem Heimatplaneten entfernt. Und noch nie waren sie in der Lage "The Dark Side Of The Moon" (https://www.youtube.com/watch?v=k9ynZnEBtvw) aus unmittelbar nächster Nähe ausgiebig zu studieren.

Quelle: NASA

Wenn unser Denken dadurch nicht mehr wie einst "hinterm Mond" wäre, wie erklären wir dann der Geschichte, dass die Forscher-Nation Nummer Eins sich einen Führer gewählt hat, dem das wichtigste an Wissenschaft ist, dass an deren altehrwürdigen Instituten vorrangig von jetzt an sein Name prangt.

Donald Trump hat die Freiheit der Wissenschaft ja nicht nur dort eingeschränkt, wo sie sich weigert, in seinem Namen zu forschen. Er unterdrückt ja gerade auch alle Intellektuellen, die nicht seiner Meinung sind, damit seine primitive Wählerschaft im Glauben verharrt, die seien eben nichts Besseres.

Quelle: Spiegel
Wenn ein Kriegstreiber ausgerechnet
ein ehrwürdiges Institut für
Friedensforschung mit seinem 
Namen verunstaltet
Die Unterdrückung der Denk-Elite war schon immer ein probates Mittel der Herrschenden. Sie bremst die Evolution mindestens genauso wie unsere Überlebensfähigkeit als Menschheit. Aber das interessiert Narzissten, die sich im Hier und Jetzt in der Zustimmung von Claqueuren suhlen, keinen Jota.

Stattdessen werden Stellvertreter-Kriege gegen Jahrtausende alte Kulturen geführt, weil schon andere Generationen die Friedensforschung für nachrangig hielten. Dabei ist Frieden zu erhalten und zu sichern für die Zukunft unseres Planeten viel wichtiger, als den Mond zu besie(u)deln. Man stelle sich nur vor, die nächtliche Wonnekugel würde dereinst von jenem Menschschlag beherrscht, der vor fünf Jahren das Kapitol in Washington gestürmt hat...
Der US-Präsident hätte gewiss die Macht, all seine Widersacher in die Steinzeit zurück zu bomben und nur Gefolgsleute auf seinen Weg ins Universum mitzunehmen.

Quelle: swissinfo
Denen möchten Friedliebende doch
weder auf der Straße noch auf dem Mond
begegnen. Trump jedoch hat sie alle begnadigt

Ach ja, das ginge ja vielleicht gar nicht, weil den "Begnadigten" wie auch den Bootlickern Trumps dann ja bald das notwendige Wissen zum Weitermachen fehlte.