Freitag, 17. April 2026

Im Zwiespalt mit den Streiks

Beinahe tägliche Berichte über Streiks  könnten den Eindruck erwecken, die Gewerkschaft nutzten den angeschlagenen Staat, um im Namen ihrer Mitglieder auf den Putz zu hauen. Als ver-di in den letzten Tagen die Münchner dadurch, dass U-Bahn, Tram und Busse nicht fuhren, vor nahezu unlösbare logistische Probleme stellte, waren ausnahmsweise auch wir Langzeit-Rentner betroffen. Meine Frau hatte einen kleinen, ambulanten chirurgischen Eingriff im unmittelbar autofreien Zentrum der Landeshauptstadt. Nach dem sollte sie eigentlich nicht Auto fahren . Ich fahre nach meinem schweren Sturz, der eine alte Genickverletzung wieder aktiviert hat, seit Jahren nur noch Autobahn oder Landstraßen. - Wenn überhaupt. Taxis und Uber waren schon durch Vorbuchungen am Sonntag nicht mehr zu reservieren. Also musste meine Frau wohl oder übel ihre Odyssee im Auto antreten.

Quelle: ver.di München

München ist eine hervorragende Stadt für Radfahrer, aber die Verkehrslenkung im Innenstadt-Bereich ist mittlerweile so verzwickt, dass Parkhäuser nur noch durch Zickzackfahren wie in einem Labyrinth   zu erreichen sind. Nur um dann festzustellen, dass eins ums andere belegt ist. Mit der U-Bahn dauert der Weg zur Praxis nicht einmal fünfzehn Minuten. Meine Frau brauchte aber hin zunächst vierzig. Als sie wegen der Narkose nach einer Pause am frühen Nachmittag zurück wollte, war sie mehr als eine Stunde unterwegs. Was selbst ihre gottgegebene Langmut überreizte. Sie, das ehemalige SPD-Mitglied, verfluchte die dauernde "Streikerei", als sie nach meinem ängstlichen Warten endlich zur Tür herein kam.

Ich war gewillt, zu zu stimmen. Vor allem, als sie zum Streik die irrsinnigen ÖNVP-Preise und die Stundenpreise für die Parkgebühren mit einflocht. Ich geriet aber dann schnell in einen Zweispalt. Ganz gewiss kann ver.di nichts dafür, dass meine Frau beinahe ein halbes Jahr auf diesen ambulanten Eingriff warten musste, und dass der Termin ausgerechnet mit einem Streik zusammen traf, der da noch gar nicht abzusehen war. Sogar einige Gäste der 100Jahr-Feier bei der Lufthansa konnten wegen Bestreikung des Flug- und Boden-Betriebs ja ihrer Einladung am selben Tag nicht folgen.

Ich versuchte meine Frau damit zu beruhigen, dass wir ansonsten mit unserem autarken Wohnen im Glashaus doch bislang noch nie unter Auswirkungen von Streiks zu leiden hatten, unsere Renten bislang aber trotz der riesigen Staatsverschuldungen noch immer automatisch angepasst wurden. Was aber de facto schon längst nicht mehr mit der allgemeinen Verteuerung Schritt hält.

Natürlich geht es der Wirtschaft schlecht und die Konzern-Gewinne brechen ein wie seit 2008 nicht mehr. Der Mittelstand, das Rückgrat unserer Wirtschaft, leidet an Produktions-Osteoporose und die marode Infrastruktur fliegt uns verwöhnten Deutschen regelrecht um die Ohren. Wenn dann auch der Millionärs-Kanzler, der einen Teil seines Vermögens mit dem Sitzen in Aufsichtsräten angehäuft hat, von seinem faulen Volk mehr und längere Arbeit verlangt, verstehe ich den Ansporn für Streiks.

Quelle: Bus-bild.de
So ein Ziehharmonika-Bus zirkuliert auch
fast die ganze Nacht unter unseren Fenstern.
Kurz vor dem U-Bahn-Anschluss a Petuelring
sitzt nach 21 Uhr bis 6 Uhr früh oft nicht ein
einziger Fahrgast drinnen

Ich will nur ein Bespiel für das in Schichten arbeitenden Personal des Münchner Verkehrsverbundes anführen. München ist die teuerste Stadt Deutschlands. Mieten sind nahezu unbezahlbar. 3000 bis 3.500 Euro beträgt das Brutto-Einstiegsgehalt eines ONPV-Mitarbeiters. 1.600 bis 2.000 Euro sind im Stadtbereich für die Warmmiete einer 70qm-Wohnung zu berappen.

Wir Rentner, die wir den ÖNPV nur gelegentlich nutzen, müssen für die Einzelfahrt im inneren Zirkel momentan 4,20 Euro zahlen. Zu zweit sind das 16,40 hin und zurück, und immer noch müssen die Verkehrsbetriebe nach letzten Wünschen mit 140 Millionen subventioniert werden...

Der aktuelle ver.di-Tarifabschluss von gestern: 
https://www.zdfheute.de/wirtschaft/tarifeinigung-verdi-laenderbeschaeftigte-100.html

Quelle: Bahnblogstelle
In der Goldgräber-Stadt München wird auf
Bürger geh raus gebaut, was der Säckel
hergibt. Auch wenn sich bald niemand mehr
das Fahren mit den Verkehrsbetrieben
leisten kann, wird das Großbau-Projekt
Bahnblogstelle verwirklicht.
Mal sehen, was der neue und in jeder
Hinsicht grüne Bürgermeister
unternimmt, die Stadt wieder
für ihre Bürger nutzbar zu machen?

D

Dienstag, 14. April 2026

Ein politischer Papst

 Als agnostischer Urbi-at-Orbi-Fan habe ich mir an Ostern auch heuer wieder das Spektakel auf dem Petersplatz im Live-Stream gegeben. Dass ich verspätet darüber schreibe, hängt mit meiner möglichen Fehleinschätzung zusammen, ein "amerikanische Papst" könne sich aus der von den USA dominierten  Weltpolitik dezent heraus halten.
Jetzt auf der ersten Afrika-Reise eines Pontifex seit langem wird offenbar, was Leo XIV schon in seiner Osteransprache erkennen ließ: Er will deutlich ein politischer Papst sein - ob mit konservativem Tenor oder nicht.

Quelle: tagesschau



Zwei Landsleute, die Kritik nun auf den Tod nicht ertragen können, nämlich Trump und Vance, haben entsprechend wütend auf Leos Einlassungen zu Krieg und Frieden reagiert. Aus ihrem Bootlicker-Umfeld, das Historie nicht gerade vorbildlich konsumiert, um daraus etwas zu lernen, kam sogar die drohende Anspielung, es hätte ja schon mal einen (?) "Gegenpapst"* gegeben. Aua!

Da fiel mir von selbst diese von mir umgedichtete Anleihe an Schillers Ballade "Die Glocke" ein:

"Gefährlich ist's, den Leo zu wecken, verderblich ist der Kirche Bann, jedoch der schrecklichste aller Schrecken ist der Trump in seinem Wahn!"

Wer sich bei den folgenden Sätzen Leos herausgefordert fühlt, der entblößt die Allmacht-Allüren dieses sich im Wahlkampf doch so bigott gegeben habenden Machtapparates:

"Wer Waffen in der Hand hält, lege sie nieder. Wer die Macht hat, Kriege zu beginnen, entscheide sich für den Frieden. Nicht für einen Frieden, der mit Gewalt erzwungen wird, sondern durch Dialog. Nicht mit dem Willen, den anderen zu beherrschen, sondern ihm zu begegnen." Leo XIV am 5. April 2026 von der Segens Loggia des Vatikans

Quelle: Stern
Trumps Gebets-Show im Oval Office
damit sich die eigens geprägte
Gedenkmünze der Evangelikalen
mit seinem Porträt drauf
besser Verkauft. POTUS' einziger
Gott ist in Wahrheit allein der Mammon

Meiner Meinung nach hat Trump nicht die geringste Ahnung, wie mächtig die weltweite Vernetzung der Katholischen Kirche noch immer ist. Wie sehr er gerade bei seiner sehr gläubig republikanischen MAGA-Wählerschaft Kredit verspielt. Denn deren Inbrunst für Gott im sogenannten "Bible Belt" übertrifft seine gespielt wirkende Gläubigkeit bei weitem. Wenn er auch noch den Streit mit dem Heiligen Stuhl eskalieren lässt, werden ihm bei den Midterms wohl die Leviten gelesen.


Der Welt im derzeitigen Zustand kann es nur recht sein, wenn der neue Pontifex Maximus auch ein politischer Oberster Brückenbauer ist.

Quelle: Vatican News
In Afrika bewusst zu einer politischen Reise angetreten











*Prominente Beispiele sind Clemens III. (im Investiturstreit gegen Gregor VII. ab 1080) und Clemens VII. (im Abendland-Schisma ab 1378). Gründe waren Machtkämpfe zwischen Kaisertum und Papsttum oder Spaltungen innerhalb des Kardinalskollegiums. Wie auch immer - der Heilige Stuhl hat jede Anfechtung zwei Jahrtausende überstanden.


Montag, 13. April 2026

Von der Langsamkeit der Demokratie

Aus meiner Sicht ist der Grund für den Vormarsch des weltweiten Autoritarismus die Ungeduld von Menschen, die sich nicht für politische Details interessieren. In schweren Zeiten gehen einfachen Gemütern die oftmals mühsamen, demokratischen Entscheidungsprozesse einfach zu langsam. Sie erwarten schnelle und radikale Veränderungen, wie sie aus der Opposition heraus in wohlfeilen Versprechungen leicht zu formulieren sind. Weil jeder, der nicht in der Verantwortung ist, weiß, dass er erstmal nicht beweisen muss, dass man es besser kann. Am leichtesten geht das mit populistischem Opportunismus. Rede dem Volke nach dem Mund, dann wird es dich irgendwann auch wählen. Aber offenbar hat auch der autoritäre Populismus seine Halbwertzeit, die von einem willigen Volk umgedreht werden kann. Wie gestern die Ungarn bewiesen, die nach 16 Jahren den Euro-Spaltpilz Urban abgewählt haben.

Quelle: Spektrum der Wissenschaft

Deutschland befindet sich seit Jahren in der Dauerkrise: Erst musste Merkel weg. Dann funktionierte die Ampel nicht und jetzt steht das schon einmal nur moderierte und nicht reüssierende "Rouge et Noir" kurz vor dem Ende. Die AfD kann weiter wachsen, weil diese Bundesregierung um keinen Deut besser ist als ihre Vorgängerin.  Sie wird mit Gezänk nach dem vorläufigen Scheitern der Gespräche zwischen den USA und dem Iran nicht verhindern können, dass sich die aktuelle Energie-Krise in Windeseile zur Weltwirtschaftskrise auswachsen wird. Eine Krise, die ultraschnelle Entscheidung fordert. Stattdessen demonstriert unsere aktuelle Regierung - ähnlich der Ampel - wie uneins sie im Kampf gegen Inflation und Spritpreise ist. Und das am liebsten vor frei geschalteten Mikrophonen. Dabei sind ja noch nicht einmal die vielzitierten "Wirtschaftsweisen" einer Meinung.

Quelle: Focus online
Kommt bei Finanzministerin
Reiche noch ein
Moment der Erleuchtung?

Natürlich wäre ein vorübergehender Verzicht auf den staatlichen Steueranteil pro Liter Benzin die schnellste Lösung. Aber wegen der schon so enormen Staatsverschuldung geht das nicht. Die schwarz-rote Koalition ist in der Hilflosigkeit gefangen, in der sie schon von Anfang an steckte. Vor allem aber dackelt sie immer noch diesem Psychopaten aus dem weißen Haus hinterher, als könnten die riesigen Rüstungsausgaben Deutschland so wehrhaft machen, dass es dann nicht doch von der einen oder anderen Seite überrollt würde.

Im Vorfeld-Geplänkel werden nur die rechtspopulistischen Kräfte immer stärker. Vielleicht was das ja Trumps Masterplan für seine MAGA-Welt gewesen, als er noch bei Sinnen war.
Denn Kopf-Ab geht allemal schneller, als das Volk lange nachdenken zu lassen. Das Volk  - so war das schon immer - liebt Versprechen, die nicht gehalten werden. Und es vergisst vor allem ebenso schnell, dass sie mal gegeben wurden

Quelle: Cicero
Wie wär's Herr Bundeskanzler,
wenn Sie endlich einmal
Ihre Richtlinienkompetenz ausübten,
ehe es zu spät ist:
Die zwei Luschen Klingbeil
und Reiche gegen zwei
parteilose Weitschafts-Asse
austauschen!

Erst die Weltwirtschaft platt machen und dann Faschismus zu neuerlicher Macht verhelfen.
Kommt historisch betrachtet doch irgendwie bekannt vor...

Freitag, 10. April 2026

Die Langlauf-Legende lebt

 Gar nicht weit vom Glashaus gibt es den Spyridon-Louis-Ring im Schatten des Münchner Olympia-Stadions. Bevor ich einen schweren Sturz mit dem Rad hatte, bei dem ich beinahe unverletzt blieb, aber mein Rennrad regelrecht Schrott wurde, bin ich die nahezu verkehrsfreie Straße ein paar Mal pro Monat auf meinen Trainingsrunden entlang gefahren. Für mich war die Strecke in mehrfacher Hinsicht "merkwürdig": Zu den Olympischen Spielen von 1972 - meinen ersten als Reporter -  hatte und habe ich immer ein zwiespältiges Verhältnis. Sie waren für mich wie ein Rausch, aus dem ich durch einen der brutalsten Anschläge des weltweiten Terrorismus über Nacht ernüchtert wurde. Am Tag bevor die Israelischen Olympioniken als Geiseln genommen wurden, hatte ein Deutscher Teenager mit unendlich lagen Beinen sensationell die Goldmedaille im Hochsprung der Damen gewonnen: Ulrike Meyfarth.

Spyridon Louis
1873 - 1940:
Vom Wasserträger zur
ewigen Legende
Vier Jahre später saß ich mit dem damals während des Terrorüberfalls verantwortlichen Münchner Polizei-Chef Manfred Schreiber und einem Freund von der Deutschen Presseagentur* im Café des Olympischen Dorfes in Montreal und diskutierte darüber, dass die Spiele durch das enorme Aufgebot an allgegenwärtigen Sicherheitskräften wohl ihre Unschuld verloren hätten. Schreiber meinte sarkastisch, dass es die wohl seit Spyridon Louis kaum noch gegeben hätte, weil der Olympische Sport ja von Beginn an auch stets ein Politikum war. Ich warf die nicht ganz ernst gemeinte Frage auf, ob der erste Olympia-Sieger im Marathon 1896, der je nach Quelle (https://de.wikipedia.org/wiki/Spyridon_Louis) eine Pause mit einem kräftigen Schluck schweren Samos-Weines oder aber Branntwein eingelegt hatte, bei den nun obligatorischen Dopingkontrolle überhaupt siegreich gewesen wäre. Jedenfalls las sich das in den Schulbüchern meiner Kindheit, als sei das Rennen über die historische Distanz ab Marathon über 40 Kilometer nach Athen quasi ein Zuckerschlecken gewesen. Dass es heute über die festgeschriebenen 42,195 km geht, ist nämlich erst den Olympischen Spielen von 1908 in London zu verdanken. Da lag der Start beim Schloss Windsor und endete unmittelbar unter der Königsloge im Olympiastadion nach 26,385 Meilen.

Quelle: beide Fotos wikipedia
Spyridon Louis in National-Tracht
 bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin,
wo seine Ehrung gut ins heroische
 Propaganda-Programm der Nazis passte
Mir schnürt es die Kehle zu, wenn ich daran denke, dass dieses, mir immer noch so momentane Gespräch 50 Jahre her ist - und wie unschuldig ich selbst da noch meinen Beruf ausgeübt hatte. Der historische Tag, da Spyridon zur Legende wurde, jährt sich heute zum 130. mal. Die meisten jüngeren Sportinteressierten müssten vermutlich fragen, nach wem überhaupt die Straße rund um den Olympia-Berg benannt wurde
Noch ein Nachsatz zur Statistik: Spyridon benötigte 2:58: 50 für die historische Distanz nach Athen, die Siegerzeit der Olympischen Spiele 2024 in Paris betrug bei den Männern 2:06:26 und bei den Frauen 2:22:55.

*Manfred Schreiber, der fast genau vor 100 Jahren geboren wurde, starb 2015. Mein geschätzter Kollege und Skikamerad Herbert Bögel starb 2012.

Mittwoch, 8. April 2026

Hinterm Mond?

 Historiker könnten im Rückblick auf das Jahr 2026 von Parallelwelten schreiben oder ihr Forschen schrumpft zusammen auf eine historische Duplizität der Ereignisse;

Quelle: Deutschlandfunk

Da droht die Welt ohne Einsicht, in Kriegen sich selbst zu zerstören, während drei Männer und eine Frau auf historischer Mission zur Vorbereitung der Besiedlung unseres Erd-Trabanten sind. Noch nie zuvor waren Menschen so weit von ihrem Heimatplaneten entfernt. Und noch nie waren sie in der Lage "The Dark Side Of The Moon" (https://www.youtube.com/watch?v=k9ynZnEBtvw) aus unmittelbar nächster Nähe ausgiebig zu studieren.

Quelle: NASA

Wenn unser Denken dadurch nicht mehr wie einst "hinterm Mond" wäre, wie erklären wir dann der Geschichte, dass die Forscher-Nation Nummer Eins sich einen Führer gewählt hat, dem das wichtigste an Wissenschaft ist, dass an deren altehrwürdigen Instituten vorrangig von jetzt an sein Name prangt.

Donald Trump hat die Freiheit der Wissenschaft ja nicht nur dort eingeschränkt, wo sie sich weigert, in seinem Namen zu forschen. Er unterdrückt ja gerade auch alle Intellektuellen, die nicht seiner Meinung sind, damit seine primitive Wählerschaft im Glauben verharrt, die seien eben nichts Besseres.

Quelle: Spiegel
Wenn ein Kriegstreiber ausgerechnet
ein ehrwürdiges Institut für
Friedensforschung mit seinem 
Namen verunstaltet
Die Unterdrückung der Denk-Elite war schon immer ein probates Mittel der Herrschenden. Sie bremst die Evolution mindestens genauso wie unsere Überlebensfähigkeit als Menschheit. Aber das interessiert Narzissten, die sich im Hier und Jetzt in der Zustimmung von Claqueuren suhlen, keinen Jota.

Stattdessen werden Stellvertreter-Kriege gegen Jahrtausende alte Kulturen geführt, weil schon andere Generationen die Friedensforschung für nachrangig hielten. Dabei ist Frieden zu erhalten und zu sichern für die Zukunft unseres Planeten viel wichtiger, als den Mond zu besie(u)deln. Man stelle sich nur vor, die nächtliche Wonnekugel würde dereinst von jenem Menschschlag beherrscht, der vor fünf Jahren das Kapitol in Washington gestürmt hat...
Der US-Präsident hätte gewiss die Macht, all seine Widersacher in die Steinzeit zurück zu bomben und nur Gefolgsleute auf seinen Weg ins Universum mitzunehmen.

Quelle: swissinfo
Denen möchten Friedliebende doch
weder auf der Straße noch auf dem Mond
begegnen. Trump jedoch hat sie alle begnadigt

Ach ja, das ginge ja vielleicht gar nicht, weil den "Begnadigten" wie auch den Bootlickern Trumps dann ja bald das notwendige Wissen zum Weitermachen fehlte.

Montag, 6. April 2026

Rüpel-Rhetorik

Quell: FAZ
Mit der Lupe betrachtet, ist das Bekenntnis von "Truth Social"  der reinste Hohn
Je mehr er unter Zugzwang gerät, desto mehr entgleist seine Sprache und auch, das, was er auf seiner eigenen Plattform "Truth Social" an schriftlichen Statements abgibt. Dadurch aber kann dem US-Präsidenten auf alle Fälle nicht übel nachgeredet werden. Dafür sorgt Trump schon selbst durch seine immer deftiger werdende Sprache. An diesem Oster-Wochenende hat der nach eigenen Angaben acht Kriege beendet haben wollende Oberbefehlshaber seiner Streitkräfte, noch eines drauf gesetzt. Weil die überfallenen Mullahs gar nicht so schnell klein beigeben wollen, wie sich das der "King Of The World" in seinem Allmacht-Rausch vorgestellt hat, schäumt er nun vor Wut

Für den Fall, dass sein mehrfach aus reiner Hilf- und Planlosigkeit verlängertes Ultimatum für die Öffnung der Meerenge von Hormus nicht erhört wird, droht er, die Iraner in "die Hölle zu schicken" oder "zurück in die Steinzeit" zu bomben.

Ich frage mich, was eine derartige Wortwahl mit dem ursprünglich erklärten Kriegsziel, das Iranische Volk zu befreien oder der Verhinderung von Atomwaffen in den Händen der Mullahs noch zu tun hat. Wie soll denn ein befreites Volk dann in der Hölle und zu dem auf dem Niveau der Steinzeit überhaupt überleben können? Ein Volk, das bei der Unverhältnismäßigkeit der Mittel schon längst nicht mehr berücksichtigt wird? Unzweifelhaft haben doch sowohl Israel als auch die USA Waffen, mit denen sie - wie am Anfang des Krieges schon demonstriert - ganz gezielt "persons of interest" ausschalten können. Je länger der Krieg jedoch andauert, desto mehr gerät das unbeteiligte Volk sowohl im Iran als auch im Libanon in eine Mitleidenschaft, die nicht mehr als kollateral bezeichnet werden kann.

Spätestens seit diesem Wochenende wird in einer Wortwahl gedroht - und da schlägt auch Israel Katz ähnliche Töne an - die eher auf totale Vernichtung wie im Gaza-Krieg zielt. So wird gewiss kein Regime-Wechsel erreicht. Vielmehr ist dieser Krieg eher Aufruf zu einer neuerlich Intifada, wenn die Opferbereitschaft mit jedem Einschlag wieder zunimmt.

Quelle: Welt
Die F-15E von McDonnell Douglas
Ja, und dann ist das Iranische Terror-Regime plötzlich auch noch in der Lage, die angeblich unkaputtbare F-15E vom Himmel zu holen. Und mit dem völlig übersehenen Faustpfand "Strait of Hormuz" können die Iraner darüber hinaus sogar noch zusätzlich Druck von unbestimmter Dauer auf die ganze Welt ausüben.

Quelle: pinterest
Statt ihm, steckt der Rest
der Welt gerade hilflos
in einer "Zwangsjacke"
Sprachwissenschaftler, Kryptologen und Verhaltensforscher analysierten ja schon im Wahlkampf vor seiner Wiederwahl Trumps Grammatik, Laute (Phonetik/Phonologie), Bedeutungen (Semantik) und den Kontext (Pragmatik) von Texten sowie auch seine Gesten und Reden, um zu verstehen, wieso seine Kommunikation so erfolgreich funktioniert. Sie erreicht vor allem niedere Instinkte. Alle Warnungen, dass da möglicher Weise ein erheblich gestörter Mensch das mächtigste Amte der Welt erneut anstrebte, wurden aber überhört, vor allem aber weil sein MAGA-Wahlvolk jede Entgleisung großzügig in Schutz nahm. Jetzt ist die Welt mit einer Rüpel-Rhetorik konfrontiert, in der Verwirrungen und Widersprüchlichkeiten mit permanenten Lügen und Falschaussagen einher gehen.
Zeigte ein Patient in psychiatrischer Behandlung derartige Auffälligkeiten, herrschte Alarmstufe Rot.



Als selbstverliebter Poser verführt er die Fotografen geradezu,
ihn unvorteilhaft zu erwischen:
Quelle; Kurier

Quelle; Yahoo Nachrichten

Quelle: Spiegel



Quelle: Wikipedia
Dieses offizielle Foto erinnert daran,
wie Hitler von seinem Leibfotografen
Hoffmann heroisch in Pose gesetzt wurde.
Siehe ganz unten:

Quelle: Stern

Quelle: CBS News

Quelle; Saarbrücker Zeitung

Quelle: Musikexpress




Quelle: Wikipedia aus dem Archiv von Heinrich Hoffmann

Freitag, 3. April 2026

Regelrecht regellos!

Wenn diese Überschrift meines heutigen Posts für manche Leserinnen und Leser keinen Sinn ergäbe, könnte es daran liegen, dass sich meine Schreibe mittlerweile schon wie eine aus alten Zeiten liest. Ich habe das "regelrecht" als verstärkenden Ausdruck für das folgende, genaue Gegenteil benutzt.
Ich kann es einfach nicht lassen, mich um Mitternacht immer wieder in die heillosen Diskussionsrunden zu zappen. Das "heillos" habe ich jetzt für "bringt ja nichts" verwendet, als verspräche sich einer wie ich von diesen mit dem Brustton des Allwissens vorgetragenen Statements irgendeine segnende Orientierung. Eher erlebt der Zuseher ein heilloses Durcheinander, weil es live Sitte geworden ist, den anderen nicht nur nicht ausreden zu lassen, sondern sogar eigene Ansichten in den Redefluss anderer Teilnehmender einzubringen.

Quelle: 123RF

Hör auf zu schwafeln, komm lieber auf den Punkt, Alter!
Tatsächlich sind zwei Sätze in all der "Babylonischen Sprachverwirrung" dieser Tage bei mir hängen geblieben:
"Wir müssen uns wohl von den Regeln, die bislang unser friedliches Zusammenleben geregelt haben, verabschieden."
Und:
"Wird es nach diesem Jahr jemals wieder möglich sein,  zu diesen zurück kehren zu können?"

Naiv wie ich bin, schossen mir sofort zwei Floskeln durch den Kopf.
Erstens: Die Zeit wird schon alles richten.
Zweitens: Die Geschichte wiederholt sich sowieso immer wieder. Egal, wer sie gerade schreibt.
Das könnte bedeuten, dass wer immer Regeln bricht, auf Dauer nicht damit durchkommt. Es wäre dann nur eine Frage der Zeit, bis die Menschen, die derzeit regelrecht unter dieser aufgezwungenen Regellosigkeit litten, den Frieden mit Nachdruck wieder einforderten. Aber ginge das denn überhaupt noch ohne neuerliche Gewalt?

Tatsächlich ist das erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg für den Bereich West-Europa einigermaßen gelungen. Für mehr als sieben Jahrzehnte. Ein historisch bislang einzigartiger Zeitraum für den Frieden. Im Osten hingegen haben die Menschen ihre Forderung nach Wiedererlangung solcher Regeln mehrfach mit ihrem Blut begleichen müssen, ehe sie bislang nur gerade mal drei Jahrzehnte etwas von den Segnungen hatten, die man Demokratie nennt. 

Quelle: Newsweek
Voller Angst: Tägliches Warten,
dass der Imperator
den Daumen senkt
In dieser Gegenwart ist nichts mehr "regelkonform". Und weil gleichzeitig - vom Westen wie vom Osten aus - jeder seine eigenen Regeln mit blutiger Gewalt über fremde Grenzen hinweg durchsetzen will, ist die Politik nur "gegenwärtig". Sie ist nicht auf Generationen ausgerichtet, die diese geschundene Welt vielleicht noch hätten heilen können, wenn ihnen jene Regeln für ein friedliches Zusammenleben noch vorgelebt und vermittelt worden wären. Stattdessen wird gerade der Mond angesteuert, um den es dann auch wieder Streit geben wird...
Quelle: Stern
Wenn der Zar lächelnd
Kriegsbericht erstattet,
gefriert der Baikalsee sogar
im Sommer
Denn es erkennt eigentlich niemand, dass gerade alle Kriege nicht nur Verbrechen gegenüber der Menschlichkeit, sondern in Zeiten des Klimawandel auch die größte Versündigung am Zustand unserer Erde sind.

"All we are saying is give peace a chance"
John Lennon und Yoko Ono bei ihrem Bed In 1969

Quelle: wikipedia


Mittwoch, 1. April 2026

April! April!

Quelle: Google
Poissons d'Avril
Für einen Moment war ich versucht, mit diesem heutigen Post meine Leserinnen und Leser einmal so richtig in den April zu schicken. Aber das war wohl ein Anfall von Alters-Infantilität, der sofort von meinen alltäglichen Sorgen durch die Nachrichtenlage überschattet wurde. Ich finde das, was die Mächtigen dieser Welt gerade mit unserem schönen Planeten anstellen, verbietet jegliche Art von April-Scherzen. Was nicht heißen soll, es gäbe keinen Platz mehr für Humoristisches. Schon immer waren es ja in schwersten Zeiten die Hofnarren, die nicht aufhörten, ihren Herrschern den Spiegel vorzuhalten. Aber da wurden Clowns ja nicht wie heute Präsidenten und hatten die Hand am Buzzer.
Max Ernst: Ubu Imperator

Es wird ja viel gerätselt, wieso Mitmenschen in unseren Breiten überhaupt andere am 1. April mit skurrilen oder erfundenen Geschichten in den April schicken.
Wer dem Brauch auf den Grund geht, erfährt wohl manches, das er noch nicht wusste. Es bedurfte zunächst der Hegemonie des "Heiligen Römischen Reiches" und seiner Kaiser, die im 16. Jahrhundert herrschten und einen "europäischen Raum" schufen, in dem es 1564 zu einer Kalender-Reform kam. Bis zu diesem Zeitpunkt begann das Jahr nämlich am 1. April.
Wieso dieser Jahrestag zunächst zu einem Unglückstag wurde, ist auf den Klerus zurück zu führen, der ja seit 1517 durch Martin Luthers Thesen der Reformation unterzogen wurde. Die Kirchengeschichte hatte kolportiert, dass der Verräter an Jesus, Judas Ischariot, sowohl am 1. April geboren war, als dann auch am 1.April verstarb.

Max Ernst: Der Gegenpapst

Vermutlich auf zwei andere Vorkommnisse ist unser Brauch zurück zu führen, jemanden zum 1.April zu verkohlen, obwohl er später mit den Auswanderern auch in die ganze Welt gelangte:
In französisch beeinflussten Regionen - auch bis hinein in die Benelux-Staaten - heftet man, jenen die man necken will, einen aus Papier gebastelten Fisch, den Poisson d'Avril, unbemerkt an die Rückenpartie, damit er damit den ganzen Tage herum läuft und Leute hinter seinem Rücken lachen können.
In Deutschland war es wohl der Münztag-Fehlschlag von1530 in Augsburg.  Wegen der Absage der Prägung zum 1.April standen zahlreiche Spekulanten als Narren da. Eher als weniger wahrscheinlich gilt der Verhör-Hammer, der auf die Mutprobe, ins Wattenmeer zu wandern  - also "jemanden in den Priel schicken" - anspielte.

Bei Amazon auf Lager
Und das nun passt jetzt eigentlich gar nicht zum Vortext:
Heute vor 50 Jahren starb Max Ernst, der Maler, Grafiker und Bildhauer, der bezeichnender Weise am 2. April 191 geboren wurde und der für mich der bedeutendste Avantgardist des Surrealen gewesen ist. Einen Teil seines dramatischen Lebensweges können Interessierte auch in meiner Buch-Empfehlung rechts nachlesen. Falls ich sie schon einmal abgegeben habe, verzeiht!
Die Mächtigen und die Weltgeschichte mögen dem in Brühl Geborenen manch bösen April-Scherz gespielt haben, aber seiner schiefen Sicht auf die Dinge konnten sie nichts anhaben.

Montag, 30. März 2026

Nach der Wahl: Der Wal

Was sagt das über eine Nation aus, der das Schicksal eines gestrandeten Buckelwals mehr Sorgen bereitet als der Zustande der Welt? Respektive des eigenen Landes nach zwei Wahlen, die der AfD beängstigende Zuwächse verschafften. Und dann hat der vorerst befreite Wal auch noch Kurs auf die Küste von "Meckpom" genommen, wo am 20. September diesen Jahres womöglich ein AfD-Kandidat Landtagspräsident durch einen neuerlichen Erdrutsch-Sieg zu Lasten der SPD-Amtsinhaberin Manuela Schwesig werden könnte. Ein Wal als Wahlkampfmaschine und Wahlhelfer - das gab es noch nie! Und er vereint eben die Nation tierliebender Gutmenschen zu einer Zeit, da es gelinde Zweifel an ihrer politischen Ausrichtung gibt.

Quelle: Freepik
Verendet der orientierungslose, jugendliche Meeressäuger trotz aller Rettungsversuche doch noch, könnte er als Menetekel des Untergangs gedeutet werden. Obsiegt er in der durch ihr geringeres Salzgehalt weniger tragfähigen Ostsee, dann könnte er zum neuen Symbol der "Blauen", der oben schwimmenden Neonazis werden.

Es ist in jedem Fall diese Zwiespältigkeit, die mich an meinen Mitmenschen immer wieder fasziniert: Wie können sie bei Chips und Bier eine derart kollektive Empathie für ein einziges, hilfloses Lebewesen entwickeln und gleichzeitig stoisch vor der Glotze Zerstörung und Tod verdauen? In immer tragischeren Zahlen für nix und wieder nix inszeniert von durchgeknallten Despoten!

Da ich diesen Widerspruch leider auch bei mir so entdecke, bin ich zu folgendem Schluss gekommen: Dieser Wal ist ungewollt zum Therapiebegleit-Tier einer ganzen Nation geworden, der ihre Hilflosigkeit immer deutlicher bewusst wird. Ein dämmernde Erkenntnis, die sich nach all dem Wohlergehen in nackte Angst verwandeln könnte...

Aber wie wird er noch als Seelen-Balsam nachwirken, wenn der Problem-Wal wieder aus den Schlagzeilen verschwunden ist?  Wenn er gestorben oder untergetaucht, unser Mitgefühl mit sich genommen hat?

Quelle: Nachrichtenleicht

Freitag, 27. März 2026

Wenn einer die Wahrheit sagt

Wieso hacken jetzt eigentlich wegen seiner Geburtstags-Rede im Außenministerium so viele auf  Bundespräsident Walter Steinmeier rum? Wohl nur, weil er die kriegerische Auseinandersetzung im Joint Venture der USA mit Israel gegen den Iran als Verstoß gegen das Völkerrecht eingestuft hat? Womit er doch keinesfalls das dortige Mullah-Regime in Schutz nahm. Als ehemaliger Chef-Diplomat und Außenminister der Bundesrepublik hat er zweifelsfrei genug Expertise, die zu seiner Einschätzung führte. Seit dem Zweiten Weltkrieg gibt es ja keine offiziellen Kriegerklärungen mehr, weil alle glaubten, das klar formulierte Völkerrecht mache sie überflüssig.
So ist nämlich der Modus Operandi bei einer Einstufung der Lage nach Völkerrecht: Maßgeblich ist die tatsächliche Anwendung militärischer Gewalt, die von Fall zu Fall von Experten dann als völkerrechtswidrig eingestuft wird. Steinmeier ist Experte, auch wenn ihm in seinem heutigen Amt eine "gewisse Zahnlosigkeit" abverlangt wird. Ich bin jedenfalls dankbar dafür, dass wir ein repräsentatives Staatsoberheut haben, dass nicht aus Angst vor Trump herumeiert, sondern bezeichnender Weise "Tacheles redet"*!

Quelle: T-Online

Wären andere Nationen im Spiel gewesen, hätte die Weltöffentlichkeit vermutlich von einem Überfall gesprochen. So traut sich offenbar keiner, die wahren Fakten zu benennen. Tatsache ist, dass es derzeit auf der Welt mehr als ein Dutzend Staaten gibt, deren Bevölkerung von undemokratischen, autoritären Regimes unterdrückt wird. Von einigen weiß man offiziell oder wissen zumindest die Geheimdienste der Großmächte, dass sie bereits über Atomwaffen verfügen. Gegen die müsste dann eigentlich ähnlich vorgegangen werden. Was aber  aus nahliegenden Gründen besser unterlassen wird. Dadurch wird aber die "prophylaktische" Vorgehensweise von USA und Israel gegen den Iran völkerrechtlich ähnlich  wie die seinerzeit gegen den Irak unter Husein ("These arms of massdestruction...").

Wir wissen, die Bomberei und Zerstörung von Infrastruktur hat den Irak nicht wesentlich verändert, denn seine brüchige Scheindemokratie wird immer noch in Teilen des Landes ungestört vom IS regiert. Jetzt zeichnet sich ab, dass sich die von Israel katalysierte erweiterte Zerstörung des nahen Ostens zu einem ähnlichen Armutszeugnis für die US-Außenpolitik im islamisch motivierten Raum entwickelt.

Quelle: NZZ
Ein Unterschied: Hussein wurde offiziell hingerichtet. Die Hinrichtungen islamischer Führer durch Israel und die USA erfolgen jetzt ohne Prozess direkt aus der Luft. Auch wenn dabei Zivilisten, die man ja eigentlich ja von den Mullahs befreien wollte, zu  unkontrollierbaren Kollateralschäden werden.



*Tacheles kommt aus dem Jiddischen und bedeutet Ziel, Zweck oder Ergebnis, also, auch bei unangenehmen Themen, auf ein Ergebnis hin zu diskutieren. Miteinander „Tacheles reden“ heißt, einander die Wahrheit zu sagen.

Mittwoch, 25. März 2026

Vom Opfern an der Brandmauer

 Im Vorfeld der vorgezogenen Bundestagswahl vor über einem Jahr habe ich der SPD als Anhängsel einer neuerlichen Großen Koalition ihren kontinuierlichen Abstieg in die Bedeutungslosigkeit vorher gesagt. Weil für sie in der Mitte eigentlich kein Platz sei. Ich hätte ihr gewünscht mit dem populären Boris Pistorius an der Spitze einen unitären Wahlkampf geführt zu haben. Aber der wollte nicht, und Olaf Scholz hatte sich einmal mehr mit Wumms überschätzt.

Bei dem dann eingefahrenen Ergebnis, war spätestens klar, dass es bei den verbliebenen Luschen und dem Personalmangel in der SPD allenfalls für ein Dauergezänk zu ihren Ungunsten reichen könnte. Aber gewiss nicht für eine Profilierung zur Regeneration. Wieso sind der SPD eigentlich die politischen Talente ausgegangen? Das Desinteressen an der da noch praktizierten "Ochsentour"* hat schon unter dem herrischen Kanzler Gerhard Schröder bei den jungen, charismatischen Sozialisten (Jusos?) begonnen.

Bis beinahe zuletzt hat nur der hochbegabte aber leider im Politikbetrieb verbrannte Kevin Kühnert mit der Ampel durchgehalten. Vier Hoffnungsträger - unter ihnen die brillante Rednerin Katarina Barley - sind lieber ins Europa-Parlament gewechselt. Das ist der Grund, weshalb heute im Kabinett neben dem blutleeren Lars Klingbeil eigentlich nur ebenso farblose SPD-Minister arbeiten, die sich noch nicht einmal neben solchen Dauerblendern wie Katherina Reiche und Alexander Dobrindt profilieren konnten.

Quelle: MAGAZIN
Sie hat ja schon deutliche Risse durch rechtspopulistische EU-Abgeordnete
und Tunnelgräber unter CSU-Mann Manfred Weber davon getragen:
Die metaphorische Brandmauer. Wenn sich die
Wahlergebnisse für die AfD überall derart verdoppeln wie in Rheinland-Pfalz,
werden böse Erinnerungen wach (siehe Ergebnisse für Die NSDAP Anfang der 1930er).
Soll dann keiner wieder sagen, er hätte es nicht kommen sehen
In einer derart dramatischen Phase des Überlebens war die SPD in diesem Super-Wahljahr seit der Weimarer Republik und ihrer anschließenden Vernichtung durch die Nazis noch nie.
Klingelt da etwas? Historiker schreiben der damaligen SPD in jüngster Zeit eine Mitschuld am Scheitern in Weimar zu. Sie hätte nach neuesten Analysen viel mutiger aufstehen müssen.
Aber die haben leicht reden, weil sie ja nicht dabei waren.
Denn jetzt nimmt die ideologische Talfahrt der "Alten Dame SPD" eine derartige Rasanz auf, dass kein noch so begabter Retter mehr aufspringen könnte. Wie lange sie als Puffer gegen die Brandmauer noch gebraucht wird, hängt allein davon ab, wie lange Friedrich Merz Bundeskanzler gegen die diametral zur SPD schnell wachsende AfD bleiben kann.
Quelle; TAZ
Erst Doppelkopf
dann Rübe ab!

Setzen sich die bereits im EU-Parlament grabenden Tunnelbauer in der populistischen Fraktion unter Manfred Weber und dem Wendehals und sympathisierenden Fraktions-Chef  der CDU/CSU, Jens Spahn, durch, dann wird die Brandmauer schneller gesprengt, als alle Pessimisten dies hätten ahnen können.
Sobald die Nazis dann wieder an der Macht sind, wird im heroischen Abgesang auf die Demokratie aus dem geistigen Exil erklingen, die SPD habe sich sehr bemüht, sei aber tapfer als letztes Opfer von der einstürzenden Brandmauer erschlagen worden. Allerdings nur für den Fall, dass das Volk dann überhaupt noch etwas anderes singen darf als "Die Fahne hoch...".

*Als „Ochsentour“ wird bei der SPD metaphorisch ein mühsamer, langwieriger Karriereweg bezeichnet, insbesondere der Aufstieg in politisch höchste Ämter. Dabei müssen Politiker über Jahre hinweg zahlreiche Stationen von lokalen Parteiorganisationen über Gemeinde- und Stadträte bis zur Bundesebene durchlaufen, um sich Ansehen und Netzwerke zu erarbeiten.

Montag, 23. März 2026

Kritik an der Politik Israels ist nicht gleichzusetzen mit Antisemitismus

Das, was die Partei "Die Linke" derzeit beschäftigt, hat eigentlich nichts mit latentem Antisemitismus zu tun. Vielmehr gilt ein Teil ihrer Mitglieder als gesichert pro palästinensisch und macht das sogar durch das Tragen der Kafiya deutlich. Wer bei uns in dem Konflikt des Nahen Ostens politisch Partei ergreift, geht von Haus aus das Risiko ein, in der Widersprüchlichkeit der Argumente zerfleddert zu werden. Wäre das so einfach, hielte dieser Zustand in der Region nicht schon seit dem Zweiten Weltkrieg mit wiederkehrenden, kriegerischen Unterbrechungen und Scheinfrieden unvermindert an. Fest steht, dass die Hamas mit ihrem Überfall auf Israel eine neue Härte der Unvereinbarkeit eingebracht hat. Israel aber durch die Vernichtung Gazas und jetzt mit dem Krieg gegen den Iran und den Libanon eine "Endlösung" anstrebt.

Quelle: TAZ
Allein der Verdacht, dass
in diesem Hotel im Libanon
die Hisbollah Unterschlupf
 gefunden haben könnten,
rechtfertigte für die Israelis,
dass auch Zivilisten, bei ihrem 
Angriff  zu Tode kamen

Ich habe Israel in einer Phase des Friedens Mitte der 1980er vom Mittelmeer bis zum Roten Meer bereist, als dort wieder Hoffnung auf einen ungefährdeten Tourismus aufkeimte. Ich war begeistert davon, was die Israelis diesem Gebiet abgerungen haben, das ja zu einem nicht geringen Teil aus Wüste besteht. Da ich mit jüdischen Mitschülern aufgewachsen war, hatte ich auch keine Mühe mich den religiösen Gebräuchen unterzuordnen. Aber schon damals spürte ich auch, dass vor allem Sabra, die Israelis der ersten Stunde, sich vom Wesen her über ihre palästinensischen Mitbürger stellten.

Ich habe diese lange Einleitung gewählt, damit man mir für diesen Post nicht unterstellen kann, ich sei ebenfalls latent antisemitisch eingestellt.

Quelle: DIE ZEIT
Ob es eine Amerikanische oder Israelische
Rakete war, die 176 Kinder und 14 Lehrer
in  der Mädchenschule von Minab tötete,
wird wohl niemals geahndet werden
Am Samstag sah ich in den Abendnachrichten, wie sich der Israelische Verteidigungsminister Israel Katz samt Gefolge durch einen Kindergarten bewegte, der von einer iranischen Rakete zerstört worden war. Zum Glück waren bei dem Einschlag keine Kinder zugegen. Es wurde auch sonst niemand verletzt. Dennoch sprach Katz vor laufenden Kameras von einem Kriegsverbrechen. Unterschiedlicher kann wohl keiner Raketen-Einschläge zwischen Gut und Böse - gerechtfertigt und frevelhaft - gewichten. Als der Krieg gerade begonnen hatte, wurde im Iran eine Mädchenschule bombardiert, in der wohl weit über hundert Opfer zu beklagen waren. Die Nachforschung ergab, dass der Schlag wohl auf einer fehlerhaften oder veralteten Geheimdienst-Information beruhte. Infolgedessen wurde er als Kollateralschaden bedauert, aber nicht als Kriegsverbrechen eingeordnet...

Quelle: Spiegel
Israels Verteidigungsminister
als potenziellen Kriegsverbrecher
zu bezeichnen, ist nicht antisemitisch

Mich stört, dass die Verantwortlichen in Israel, wie selbstverständlich bei ihrer Betrachtungsweise immer von zweierlei Maß ausgehen, aber bei jeglicher Vergeltung für sich in Anspruch nehmen, dieses Maß an Vernichtung erheblich zu potenzieren.

Als freier Bürger einer partiell noch freien Welt ist es mein gutes Recht, in freier Meinungsäußerung der Israelischen Regierung vorzuwerfen, dass sie nach Nachrichtenlage in den letzten Jahren mehrere Kriegsverbrechen oder Verstöße gegen das Völkerrecht begangen hat. Ich bin absolut gegen die Handlungen von Netanjahu und Katz. Aber deshalb bin ich noch lange kein Antisemit.

1986 nur bewaffnet mit der Kamera:
Ein friedliches Abenteuer mit
Sephi im Negev, und danach zum 
Tauchen ins Rote Meer

Freitag, 20. März 2026

Vom Abenteuer, in einem Buch zu verschwinden!

Meinem Enkel habe ich verschiedene Bücher aus der Zeit geschenkt, die mich fasziniert hatten, als ich in seinem Alter war. Er hat sie vermutlich noch nicht gelesen und wird sie auch nicht mehr lesen, weil in ihnen eine Welt stattfindet, die er so nicht mehr sieht und zeitbezogen Handlungen verstehen soll, zu denen er keinen Zugang mehr hat. Von Tom Sawyer, der Roten Zora bis hin zu Robinson Crusoe wird er nie fasziniert worden sein. Dafür kann er aber schon kleine Filme mit seinem Handy produzieren und verschicken sowie im Drei-D.-Drucker Figuren erschaffen. Er ist sehr aufgeweckt und ein guter Schüler. Schon meine Kinder lasen nur noch das, was gerade aktuell war oder in der Schule von ihnen verlangt wurde, weil die elektronischen Medien im raschen Wandel ihre Phantasien im wahrsten Sinne in andere Galaxien katapultierten. 

Auf der Leipziger Buchmesse wird wieder viel von der Krise die Rede sein, in der die Verlage, die Autoren und letztlich die Buchhändler nicht nur stecken, weil die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gerade so verheerend sind. Und dann kommt so ein Teflon-Kulturstaatsminister wie Wolfram Weimer auch noch daher und möchte den geschundenen Handel auf rechts drehen. Immerhin hat er durch seinen "Buchhandelspreis" die Sparte überhaupt wieder mal in den Fokus gerückt. Denn am eigenen Schopf wird sie sich nur noch durch ein Wunder aus dem Schlamassel ziehen können. Lesen ist Luxus geworden.

Quelle: 123RF
Wir Leser bestimmen,
ob das Buch auf den Hund kommt

Heute kostet ein gebundenes Belletristik-Buch zwischen 18 und 23 Euro. Das ist dabei im Schnitt von der Kaufkraft her nicht mehr als zur DM-Zeit, und die ist schon seit einem Vierteljahrhundert vorbei. Die Zahl der Neuerscheinungen soll im Vergleich zur letzten Leipziger Buchmesse von mehr als 90.000 auf rund 70.000 zurück gegangen sein. Im vergangenen Jahrzehnt ist die Zahl der Buchhandlungen - wie der Deutsche Börsenverein vermeldet - um 15 Prozent geschrumpft.

Meinen früheren Lese-Konsum (als gelernter Verlagsbuchhändler) von rund 50 Romanen pro Jahr könnte ich mir heute gar nicht mehr leisten, selbst wenn es "Paperbacks" wären. Die kosten nämlich laut KI  auch schon 15 bis 18 Euro im Schnitt. Aber so lange meine Augen das noch mitmachen (mein voll geladener Reader vergammelt bereits in der Schublade, weil mir nach zehn Minuten schon die Augen tränen), erliege ich nicht wie meine Kinder den Hörbüchern. Obwohl, die wären ja zum Streamen in der Jahrespauschale meines Lieferdienstes wie auch die gesamte neue Musik inbegriffen. Was ja wohl auch die Verkaufszahlen tangiert. Buch- und Schallplattenläden wie sie meine Frau einst zu Boom-Zeiten führte, werden durch den Versandhandel sowieso bald obsolet.

Foto: Claus Deutelmoser
Sentimental Journey:
Der Geruch alter Bücher ist vielleicht bald
nur noch für die aussterbenden
Sammler von Erstausgaben Stimulanz
Dass ich überhaupt wieder Gedrucktes bis zum Anschlag konsumieren kann, verdanke ich allein im Sommer dem Ringtausch der "alten Burggeister" in dem ligurischen Bergdorf, das uns zur zweiten Heimat geworden ist. Wer was ausgelesen hat, deponiert das im wettergeschützten Alkoven unserer Abfall-Tonnen auf einem Fels-Sims. Oder es geht auch immer häufiger im direkten Tausch von Hand zu Hand gegen ausgesuchte Exemplare aus unseren prall gefüllten Bücherregalen. Dabei hatten wir doch schon beim ersten Umzug vor 25 Jahren tausend Bücher verschenkt oder mussten sie entsorgen, weil sich Antiquariate kaum noch rentierten.
Bücher sind jedoch nur im Kopf kein totes Kapital. Im Rück- und Hinblick darauf ist es nach einer derart langen Lesestrecke wie meiner dann auch völlig egal, ob aus einer gehypten Neuerscheinung von der Shortlist mit kritischem Abstand ein "alter Schinken" geworden ist.

In einem Buch mit Phantasie verschwinden zu können, ist auch am Ende aller Tage noch ein einzigartiges Abenteuer, das sich sogar ohne Gefahr jederzeit wiederholen lässt.

Mittwoch, 18. März 2026

Entamerikanisierung oder Kopf-Versklavung

 Wie weit die von der US-Administration vorgetragenen Ansichten, wie nicht nur Deutschland zu sein hat, um von Trump gelikt zu werden, in die Köpfe der Menschen vorgedrungen ist, konnte jeder am Montag zur besten Sendezeit bei der ARD-Show "Die 100" erkennen. Es ging um die provozierende Frage, ob wir mit Trumps Amerika noch Freund sein wollen:
https://www.ardmediathek.de/video/die-100-was-deutschland-bewegt/wollen-wir-trumps-amerika-noch-zum-freund-haben/ard/Y3JpZDovL25kci5kZS9kOGYwYjYwZC03ZTA4LTQ3YjAtYjg2NS04MDgyNWU0ZGMxMTc

Quelle: TV Movie
Moderator Ingo Zamperoni:
Vom Moderator zum Manipulator?
Wer immer da im Hintergrund wirklich Regie geführt hat, besser konnte der derzeitige Zustand unserer Gesellschaft oder besser noch die aktuellen Strömungen im Wahlvolk nicht dargestellt werden. Die Infiltration durch Influencer und proamerikanische AfD-Narrative entlarvte sich derart, dass zum Teil wortwörtlich Einschätzungen von Vance und Rubio wiederholt wurden. Viel gefährlicher war aber dass das Mittelfeld der 100, die Ansicht der meisten europäischen Spitzenpolitiker widerspiegelte, es handele sich bei Trump um ein vorübergehendes Phänomen, das spätestens nach dessen zweiter Amtszeit wieder zu alten Verhältnissen zurück führe.

Geradezu entlarvend war ja dann die Schluss-Szene dieser Schau, die uns allen vor Augen führte, wie stark wir nach dem Zweiten Weltkrieg und der Befreiung durch die Alliierten amerikanisiert wurden. Keiner der 100 konnte behaupten, er sei irgendwie nicht betroffen vom "American Way o Life" und unabhängig von seiner Master-Mind durch Social Media.

Quelle: Trome.com

Sollte der Eindruck entstanden sein, wir könnten ohne den US-Einfluss nicht mehr sicher existieren, dann hat Trump durch die Rasanz, mit der er und seine Adepten die Weltordnung durcheinander wirbelt, zumindest schon mal in der Deutschen Bevölkerung einen Teil-Sieg errungen.

Quelle: freepik

Wie wird sich das auf anstehende Wahlen nicht nur in unserem Land, sondern auch in der gesamten EU auswirken, wenn die Ultrarechten im Europäischen Parlament unverfroren mit den Christlichbürgerlichen kungeln? Wird dann demokratisch gewählter Faschismus auch in der "Alten Welt" wieder zum Erfolgsmodell?

Im Moment leisten die Regierungschefs noch aufrechten Widerstand, sich von Trump nicht in die von ihm aus rein wirtschaftlichem Kalkül entfachten Kriege hinein ziehen zu lassen. Auch Trumps  Allmacht-Spiel, die NATO tatsächlich als "obsolet" infrage zu stellen, verfängt ja noch nicht, Aber wie lange noch?

Langsam fange ich an, jenen zu glauben, die Trumps stetiges Beharren und wiederholtes Anspielen auf die "gestohlene Wahl" in Wirklichkeit der schwelenden Wut eines zunächst gescheiterten Verschwörers geschuldet ist. Dass nämlich der von Putin unterstützte Komplott erst eine Legislaturperiode später erfolgreich war und ihm so die vier Lebensjahre gefehlt haben, die Welt schon vorher wie geplant umzukrempeln. Anders wäre das Herumeiern mit dem "Zar aller Reusen" ja sonst nicht einzuordnen. Dass er gerade die Öl-Sanktionen ohne Absprache mit anderen Nationen für 90 Tage aufgehoben hat, ist ja nicht nur Augenwischerei, sondern Signal für das langsame Weitersterben der Ukraine.

Und weil das Einverleiben von Grönland vorerst noch am Winderstand der Europäer scheitert, formuliert Trump schon mal seine Gelüste auf eine Übernahme von Kuba, obwohl es da ja gar kein Öl gibt und der Inselstaat wie kein anderer unter der Verknappung leidet.

Sollten "Die 100" vielleicht einen Hoffnungsschimmer erzeugen? Bei mir eher nicht. Ich denke, der Spruch "die Hoffnung stirbt zuletzt" wird dadurch absurd, dass diese gerade zwischen allen Fronten zu Tode gebombt wird.

Matthäus 16,26: Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele? Und was, wenn die dringend anstehende, partielle Entamerikanisierung scheitert und die Kopf-Versklavung ungebremst bis zu unserer Seelenlosigkeit weiter geht?

Quelle: subQtan