Freitag, 29. Mai 2026

Vom Vernrenner-Fetisch


Wie im vergangenen Jahr ist es in München jetzt schon wieder heißer als bei der Rest-Familie, die von der Dachterrasse unseres Hauses in Ligurien täglich pure Lebensfreude im  Family-Chat postet.

Natürlich sind wir neidisch. Vor allem auf die Ruhe. Denn bei 30 Grad  müssen wir im Glashaus alle Fenster aufreißen.

In der kalten Jahreszeit hören wir bei geschlossenen Schallschutz-Fenstern so gut wie nichts vom Verkehr. Allenfalls ein leises Rauschen. 

Jetzt lernen wir schmerzlich ,dass unsere Strsßenschlucht in den Abend- und frühen Nachtstunden zum Tal des Donners wird. Irgendwo am Nordende der längsten Straße Münchens haben offenbar Tuner von Autos und Motorrädern ihre immer noch erfolgreichen - und von diesem Multkulti-Viertel stets  enorm frequentierten Werkstätten. 


Und offenbar sind die Ampelschaltungen in einer Frequenz, Die unsere Kreuzung zu einer Art Startlinie für Beschleunigungs- und Lautstärke-Tests macht. Jedenfalls ist es kaum vorstellbar,  dass derart lärmende  Boliden durch den  nächsten TÜV kommen. 

Ich will hier als alter Depp nach einem Leben als Auto-Saulus nicht den Bremsen-Paulus geben, Dafür habe ich meine diversen Sportwagen viel zu sehr geliebt und oft verbotener Weise auch entsprechend ausgefahren. Aber wirkt der Fetisch Auto-Tuning kurz vor dem zwar noch einmal nach hinten verschobenen Verbrenner-Aus und Dank der Hormus-blockade verstärkten E-Trend nicht ein wenig ewig gestrig?

Gut, die E-Mobiltät verspricht kein lautes Rülpsen von aufgebohrten Auspüffen, aber möglicherweise eine Verbesseung der Atemluft. Nicht zu vergessen, dass bei weniger stylish in die Luft gepusteten Sprit auch mehr Netto vom Brutto auf der Debit-Card bleibt. 

Und wer dann mit seinem jeweiligen fahrbaren Untersatz noch unbedingt auffallen möchte, kann ja immer noch zur Kunst  an der Karosserie wechseln...








Mittwoch, 27. Mai 2026

Eine "Entzücklika", die auch einen Agnostiker mitnimmt

Um Erlösung zu bringen, 
müsste 
der Glaube
zunächst hinter
seinen Gittern 
hervorkommen


 Der vierzehnte Leo scheint allemal  mit seiner politischen Präsenz für Überraschungen gut zu sein. Nicht nur, dass er nach langer päpstlicher Sendepause eine sehr radikale Enzyklika ausgerechnet an Pfingsten vorstellte. Er trug ihre Kernthesen auch persönlich vor. Und zwar nicht im üblichen, heiligmäßigen Singsang, sondern kernig und bewusst staatsmännisch.

Ich werde die Enzyklika vermutlich nie ganz lesen, bin aber als Agnostiker überzeugt, dass da in dieser dunklen Zeit ein echter Pontifex Maximus auf dem Heiligen Stuhl sitzt. Einer,der es vermag, Brücken zu bauen während sein scheinheiliger Landsmann im Weißen Haus sie gerade weltweit einreißt.

Dass Leo derart vor zuviel KI warnt und  gleichzeitig die Tech-Milliardäre anprangert, die sie um noch mehr Geld zu scheffeln forcieren, wird ihm vermutlich keine Gläubigen zurück bringen, Aber zu stabiler Substanz-Sicherung taugt seine Enzyklika bestimmt.

Tatsächlich sind KI-generiert durchaus verführerische "Ersatz-Religionen" denkbar, die mit neuem Seelenheil das Blaue vom Himmel versprechen könnten. Je nach Ausrichtung der Emotionsfallen statt Buße zu verlangen, im Gegensatz eben fanatische Opferbereitschaft auslösen.

Vor diesen Alpträumen kann die, die "im guten Glauben sind" nur Konfession mit Konzept befreien. Im Stil seiner Enzyklika - wenn er ihr denu  kirchenpolitisch treu bleiben kann - könnte Leo XIV sogar über die Katholische Kirche hinaus zu einer Art Messias werden...


Montag, 25. Mai 2026

Lohnt sich das denn noch?

Schwarz an sich 
Ist ja schon triste,
aber schwarz bleibende
Displays sind einfach
nur deprimierend!


 Manchmal kommt alles auf einmal. Eigentlich sollten wir schon längst den Wechsel nach Italien vorbereitet haben. Nach Pfingsten wollten wir die Familie auf der Burg treffen. Nun haben sich gleichzeitg das Auto und mein Laptop verabschiedet. 

26 Jahre hat das Auto meiner Frau  uns weitgehend ohne Mucken zwischen unseren Wohnsitzen hin und her transportiert.  Noch ein neues Getriebe hätte sich nicht mehr gelohnt. 

Die Fürsorglichste all meiner Ehefrauen hat auch in den Beziehungen zu ihren fahrbaren Untersätzen immer eine vermenschlichende Innigkeit und Zuwedung walten lassen. Vielleicht war ja das ausschlaggebend, wieso ihr Auto zehn Jahre länger gelebt hat als meines von der gleichen Marke...

Leider bin ich kein Heger und Pfleger. Meinem vom Sohnemann eingerichteten Laptop habe ich keinerlei Schonung und Zuneigung zukommen lassen. Deshalb hat er mich mitten in der Vorbereitung zu Kanes Hattrick per Elfmeter im Pokalfinale ohne vorherige Ankündigung mit Knall und eingefrorenen Bildschirm auf immer verlassen.

Jetzt tippe ich in mein Szeinzeit-Smartphone, um meine Gedanken zur Vergänglichkeit der Dinge zu sammeln. Und schon kommt die Erinnerung an meine vor zwanzig Jahren verstorbene Mutter hoch. Sie hat meinen um zehn Jahre älteren Vater um 16 Jahre überlebt, machte aber schon  ein paar Jahren nach seinem Tod keine Anstalten mehr, Verschlissenes durch Neues zu ersetzen. Dabei wurde sie 86! Ihr Spruch: Das lohnt sich ja nicht mehr!

 Er kam jedes Mal, wenn wir ihr etwas Neues besorgt hatten.

Wir waren in diesen Tagen auch nahe dran, ihn anzuwenden. Zumal ja ein Vierteljahrhundert vergangen war, in dem uns der technische Fortschritt in punkto Ab- und Abmeldung von Autos und neu Einrichten vom Computern digital erbarmungslos abgehängt hat.

Mag sich unsere Abreise auch deshalb verzögern  und meine Leserinnen und Leser das Textgestopsel meiner Posts vom Smarty ein paar mal noch auf die Nerven gehen. Wir halten durch und arrangieren uns mit den Herausforderungen des Alters, denn das lohnt sich eben doch allemal !

Freitag, 22. Mai 2026

Die globale Aushöhlung der Rechtsstaatlichkeit

Was wird aus unserer Welt werden, wenn bei allem Fortschritt die Rechtsstaatlichkeit immer mehr ausgehöhlt wird? Wenn immens Reiche sich ihr Recht durch Spitzen-Anwälte regelkonform erkaufen können und Klagen mit erpresserisch hohen Gegenklagen im Keim erstickt werden. Wie verformt das Rechtsanspruch und Rechtsbewusstsein bei den jüngeren Generationen weltweit?

Quelle: The Economist
Diese Übersicht zeigt leider
die Vereinigten Staaten
vor Trumps zweiter Amtszeit.
Das Update bei Wikipedia
https://de.wikipedia.org/wiki/Demokratieindex_(The_Economist)

Gerade hat der präsidiale Clan von Donald Trump samt Verwandtschaft eine lebenslange Generalamnestie auf  Prüfung früherer Steuer-Erklärungen durch einen Vergleich erwirkt. Seine Milliardenklage wegen Durchsteckens seiner rechtlich geschützten Unterlagen, wäre dem zuständigen Ministerium "zu riskant" gewesen. Die Summe, die für den Clan fällig wird, fließt in einen Font, der möglicherweise Gesinnungsgenossen zugute kommt, die nach der Erstürmung des Capitols verknackt wurden.

In der Türkei steht nicht nur der gewählte Bürgermeister von Istanbul und erfolgversprechendste Herausforderer des Erdogan-Regimes in einem aussichtslosen Schauprozess vor Gericht, sondern es wurde gestern auch der Vorsitzende dessen Partei gestern von der Staatsmacht abgesetzt. Angeblich weil dessen Whal nicht konform war. Auch ein Korrespondent der "Deutschen Welle", muss vor Gericht, weil er aus Sicht der übrigen Welt, die autokratischen Zustände in der Türkei so dargestellt hat, wie sie eben tatsächlich sind. Er ist zwar wieder auf freiem Fuß, aber auch dieser fadenscheinige Prozess soll im September fortgesetzt werden, So ist es, wenn Legislative zum starken Arm allein herrschender Exekutive wird.

Das Mullah-Regime des Iran lässt nach kurzem Prozess im vermeintlichen Siegesrausch mehr oppositionelle Menschen hinrichten als jemals zu vor.

Quelle: DiePresse.com
Wie in Urzeiten: Die brutalste Form der Einschüchterung
ist die öffentliche Hinrichtung von Menschen, deren einzige Schuld
der Ruf nach Freiheit ist

Die Chinesen veröffentlichen zwar keine Zahlen über vollstreckte Todesstrafen, aber es ist immer wieder überraschend, wie in der ehemaligen Volksrepublik Köpfe, die sich zu weit vorgestreckt haben, aus dem Rampenlicht verswinden, weil sie um dieselben gekürzt wurden. Wer gegen den Alleinherrscher auf Lebenszeit aufmuckt hat schnell sein Leben verwirkt.

Auch Putins nun im fünften Jahr widerrechtlich durchgezogene "Spezial-Operation" gegen die Ukraine kommt für die Jugend seines Volkes längst schon einer vom Recht sanktionierten Massenhinrichtung gleich.

Israel begeht  als Demokratie Massen-Tötungen und -Vertreibungen an den Palästinensern unter dem Siegel des Selbstschutzes. Da das bislang nicht justiziabel ist, könnte eine Verhältnismäßigkeit der Mittel so lange nicht unabhängig untersucht werden, wie dessen bereits als Kriegsverbrecher gebrandmarkte Premier den Schutz der USA genießt.

Quelle: Amnesty International
Weltweit sind immer die am meisten
 von fehlender Rechtsstaatlichkeit betroffen,
die im Prinzip nie Verursacher sind:
Die ärmsten der Armen

Es gäbe noch viele weitere Beispiele, aber das lenkte davon ab, dass auch die Alte Welt oder die EU juristisch durch Mangel an Personal und übermäßiger Bürokratie überstrapaziert an die "Grenzen von Recht haben und Recht bekommen" stößt. In keinem der noch zweifelsfrei rechtsstaatlichen Räume sind so viele Rechtshändel oder gar Strafverfahren derart lang anhängig.

Die Dauer juristischer Verfahren variiert in der EU extrem. Im europäischen Durchschnitt werden streitige Zivil- und Wirtschaftssachen in erster Instanz jedoch meist in unter einem Jahr (ca. 200 bis 300 Tage) entschieden. Über alle Instanzen hinweg liegt der EU-Schnitt für diese Verfahren typischerweise zwischen einem und zweieinhalb Jahren.

Die folgende mittels KI erstellte Übersicht, basiert auf dem EU Justice Scoreboard der Europäischen Kommission und zeigt die beachtlichen Unterschiede:

Regionale Unterschiede (Zivil- und Handelssachen 1. Instanz)
Spitzenreiter (schnellste Länder): In Ländern wie Dänemark, Schweden, Estland, Tschechien und Österreich werden viele Verfahren sehr zügig abgewickelt und dauern oft deutlich weniger als 200 Tage. Mittelfeld: Deutschland liegt mit durchschnittlich rund 200 bis 240 Tagen im soliden europäischen Mittelfeld. 
Für Zivilprozesse vor dem Landgericht in erster Instanz muss in Deutschland im Schnitt mit 17,5 Monaten gerechnet werden, während Amtsgerichte deutlich schneller sind.

Schlusslichter (langsamste Länder): In Ländern wie Italien oder Griechenland können sich Verfahren über alle Instanzen hinweg oftmals auf bis zu 3 Jahre (ca. 1000 Tage) oder mehr ziehen.

Dauer nach Verfahrensart:

Strafrecht: Verfahren wegen schwerer Kriminalität oder Wirtschaftsstrafsachen sind oft sehr komplex und können EU-weit häufig ein bis zwei Jahre, in Ausnahmefällen sogar bis zu vier Jahre in Anspruch nehmen.

Verwaltungsrecht: Streitigkeiten mit Behörden dauern in der Regel länger als reine Zivilprozesse zwischen Privatpersonen. Hier liegt die Dauer in erster Instanz oft bei über 300 Tagen.

Europäische Gerichte: 

Sollte ein Fall direkt vor den EU-Gerichten in Luxemburg verhandelt werden (z. B. Vorabentscheidungsverfahren), muss mit folgenden Bearbeitungszeiten gerechnet werden:

Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH): durchschnittlich ca. 16 bis 17 Monate.

Gericht der Europäischen Union (EuG): durchschnittlich etwa 16 bis 19 Monate.

Quelle: Europäische Union
EUGH-Sitzung mit fünf Richtern


Mittwoch, 20. Mai 2026

Ja, wenn es schön macht!


Wenn wir in unseren sprachlichen Rüpel-Jahren einen Geschlechtsgenossen beleidigen wollten, sprachen wir schon mal von einer "Hackfresse"*. Weil es in dieser Welt offenbar nichts mehr gibt, war es nicht doch geben könnte, las ich gestern vom "Looksmaxxing".
Das sei ein von Influencern beeinflusster Trend, die männliche Schönheit prägnanter zu machen. Mitunter geschehe das auch durch "Bonesmashing" also gezieltes zertrümmern von Gesichtsknochen, um - wie die Delinquenten es nennen, das Gesicht markanter zu machen und um dadurch das Erscheinungsbild zu mehr Männlichkeit zu "verformen".
Die komplette Anleitung
gibt es sogar bei
Amazon auf Lager
In meinem Alter geht wohl nichts mehr ohne "Flashback", denn mir fielen sofort mehrere Spitzen-Manager einer großen Versicherungsfirma ein, in deren "erlauchten Kreis" ich mal für Jahre als Berater sitzen durfte. Der Konzern rekrutierte die Führungskräfte offenbar bevorzugt aus sogenannten "Schlagenden Studentenverbindungen". Dementsprechend wirkten die Männer dieser Runde mit ihren zum Teil grotesken Schmissen über Nase und kahle Schädel eher als seien sie Versicherungsnehmer und wollten "einschlägige" Schäden ersetzt haben. Komisch, aber beim "Afterwork"-Umtrunk fielen sie nicht heldenhaft, sondern durch eine eher zum Fremdschämen veranlassende Einstellung gegenüber dem weiblichen Geschlecht auf. Ewig gestrig also!

Und genau da zeigen sich Parallelen zu diesem aktuellen Influencer-Wahnsinn. Der überzogene Anspruch nach männlicherem Aussehen birgt wohl auch ideologisch bedingte Verächtlichkeit gegenüber dem Geschlecht, dem man ja wohl eigentlich gefallen möchte. Der Gedanke dahinter: Die so erworbenen Männlichkeit soll nach der Alpha-Männchen-Methode die zu erobernde Weiblichkeit eher einschüchtern. Wie das Brusttrommeln brunftiger Gorillas.

Quelle: Luxemburger Wort

Entlarvend ist wohl dabei eine Rangliste; Hier das Zitat:
Die Influencer, die auf TikTok, Instagram und YouTube ihren männlichen Followern "Looksmaxxing" predigen, messen Attraktivität allerdings auf einer von ihnen erfundenen Punkteskala, mit der sie die jeweiligen Gesichtsproportionen bewerten. Wer in den unteren Stufen landet, ist demnach ein "Sub", oder "Untermensch".**

Wer junge, noch zu beeinflussende Männer in der Familie oder im Freundes- und Bekanntenkreis hat, sollte unbedingt den vollständigen Beitrag lesen:

https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/looksmaxxing-maennlichkeit-100.html

Quelle: Wikipedia
Der Rücksturz in gestrige Tendenzen,
könnte mit dem Erstarken der Rechtspopulist*Innen 
einher gehen
*Eine "Hackfresse" ist ein derber, umgangssprachlicher Ausdruck für ein hässliches Gesicht oder eine unansehnliche Visage. Der Begriff setzt sich zusammen aus "Hack" (als Synonym für zerkleinertes Fleisch oder umgangssprachlich für "Hauen/Schlagen") und "Fresse" (derben Ausdruck für das Gesicht). 

**"Untermensch" ist eine Bezeichnung von Nazis für Juden. Solche Anklänge an rechtsradikale bis rassistische Denkmuster sind nicht zufällig, denn aus dieser Ecke kommt "Looksmaxxing", entstanden in den Echo-Kammern der frauenfeindlichen "Manosphere". Ihre Inhalte richten sich mit frauenverachtenden Aussagen besonders an junge Männer und Jugendliche, um Bilder einer starken Männlichkeit zu verbreiten.

Montag, 18. Mai 2026

Wenn zwei Mega-Egos im Zirkus Theater machen

 

Quelle: rausgegangen
Manchmal jagt der Kalender mir Schrecken ein. Das kann doch nicht sein, dass das "Circus-Theater Roncalli" heute den 50. Geburtstag seiner Premiere feiert. Am 18 Mai 1976 fand die erste Vorstellung dieses sagenumwobenen Kunst-Projekts auf der Hofgarten-Wiese in Bonn statt.
Zwei multitalentierte Kunstschaffende hatten sich für dieses Konzept zusammen getan, dass ehrgeizig mehr sein sollte als die traditionellen Dressur- und Artisten-Shows: Der ehemalige, die Zeitschriften-Gestaltung generell beeinflusst habende Art-Director der Österreichischen Zeitschrift "Profil", Bernhard Paul, und der Schauspieler, Sänger und als Kreativ-Dynamo sich stets neu erfindende André Heller.

Quelle: Circus Roncalli
Schon als Kind hatte Bernhard Paul 78
den Wunsch, einmal Zirkus-Direktor zu werden
Ich war für ein Männer-Magazin bei einer Sneak-Preview auf dem ersten Stellplatz für das farbenprächtige Zelt in München nahe den Pinakotheken, den sie später inoffiziell dann als Haltestelle Roncalli-Platz nannten. Da waren die beiden schon zerstritten und in einen für das junge Projekt beinahe ruinös langen Rechtsstreit verwickelt. Wie meist war Heller wohl unerbittlich bei den Bühnenbildern gewesen und hatte einen Teil der Darsteller mit sich genommen. Erst 1992 versöhnten sich die zwei Mega-Egos, als sich Heller bei Paul entschuldigte.

Quelle: Circus Roncalli
Neben Paul, der den Clown "Zippo" gibt,
tritt auch seine gesamte Familie
in die "Manege" von Roncalli 

Von der anfänglichen, bezaubernden Phantasie entwickelte sich Roncalli - zumindest in München - zu einem Must Have der Schickimickis. Woraus dann 2006 in logischer Folge unter Zuhilfenahme des von mir einst sehr geschätzten Jahrhundert-Kochs Eckart Witzigmann ein kaum noch zu bezahlender, aber dennoch sofort ausverkaufter Gourmet-Zirkus wurde.

Nach Korona wurde das Jahr der Wiederauferstehung 2022 überraschend zum erfolgreichsten in der Geschichte von Roncalli

Ab 25. Mai 2026 beginnt die neue Tournee mit 67 Veranstaltungen. Die vorweihnachtlichen Termine in Linz sind jetzt schon ausverkauft. Die Idee vom Circus Theater Roncalli lebt also!

Quelle: vonREISENundGÄRTEN
Bald wird er 80, aber noch immer
ist er von neuen Projekten
besessen. Wie das hier in dem von
ihm geschaffenen:
"ANIMA - die Rückkehr des Paradieses"
am Stadtrand von Marrakesch.
Oder...

Quelle: WELT
... er singt immer noch eigene Lieder
 und Chansons mit zeitkritischen Texten.
"Diesen Kapriolen-Dandy braucht die Welt!",
schrieb eine Deutsche Zeitung 2019


Freitag, 15. Mai 2026

Forrest Trump?

 Vor vierzig Jahren veröffentlichte Winston Groom (1943 - 2020) einen Roman, der durch seine Verfilmung berühmter wurde als "Vom Winde verweht" oder "Jenseits von Eden". Groom entlehnte die Literaturposse "Der abenteuerliche Simplicissimus Teutsch" (erschienen1668/69), in der Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen den Irrsinn des Dreißigjährigen Krieges thematisierte, und ließ seinen tumben Helden durch vier Jahrzehnte gegenwärtiger US-Geschichte stolpern: Forrest Gump.

Quelle: Wikipedia
Winston Groom 2014

Die Verfilmung gereichte Hauptdarsteller Tom Hanks und Regisseur Robert Zemeckis durch die sechs Oscars, die sie einheimste, zu nachhaltigerem Ruhm als dem Autor, der in der jahrelangen Hype um den Film eigentlich übergangen wurde. Nach deren Erfolg schrieb Groom vielleicht deshalb noch eine Fortsetzungs-Geschichte unter dem Titel "Gump&Co (1996). Damit hat er seinem Hauptwerk jedoch keinen guten Dienst erwiesen. Weshalb heute vielleicht nur noch Insider von dem Autor wissen und seine "seherischen Fähigkeiten" beim Wandel der Vereinigten Staaten umso mehr hervor heben.

Quelle: Osiander
Ob dem POTUS noch eine
neue Pingpong-Diplomatie reichen wird?
Erstmalig wurden in die Filmszenen historische Filmdokumente eingebracht, durch die sich Forrest Gump mittels einer damals neuartigen Technik bewegt, als hätte er sie so scheinbar dokumentiert erlebt. Es lohnt sich unter diesem Aspekt und angesichts der Deep-Fake-Möglichkeiten heute, den Film noch einmal anzuschauen. Aber auch wegen der damals aufgespießten "Verblendungen" des American Way of Life bekommt die aktuelle US-Politik einen Spiegel vorgehalten.

Ich jedenfalls hatte gestern durch den Auftritt des US-Präsidenten beim Staatsbesuch in China einen regelrechten Flashback zu der persiflierten Pingpong-Politik im Film. Als seien nicht drei Jahrzehnte seither vergangen. Nur mit dem Unterschied, dass der aktuelle US-Präsident langsam zum Regisseur und Hauptdarsteller seiner eigenen Satire wird.

Quelle: Tagesspiegel


Mittwoch, 13. Mai 2026

Kaum Klimawandel bei den Eisheiligen

Quelle: Servus

In den letzten Tagen waren die Feuilletons voll von Spekulationen, ob Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophie dem Klimawandel trotzen und ihrem Ruf als "Eisheilige" überhaupt noch gerecht werden könnten. Aber siehe da, sie können uns noch zittern lassen. Pünktlich halbierte Mamertus am 11. Mai die Plusgrade auf unter 10, gestern kam zwar nach nächtlichem Dauerregen und Schneefall in den Bayrischen Bergen noch ein wenig die Sonne durch, aber bis zur "Kalten Sophie" am 15. Mai bleibt es so "schattig" und nass wie die Bauernkalender dies seit dem Mittelalter warnend für die allgemeine Aussaat schon immer prophezeit haben. Als meine Frau und ich noch zwei Gärten am Haus im Grünen Gürtel von München zu bewirtschaften hatten, haben wir uns auch strikt an die Regel gehalten, neue Pflanzen erst nach dem 15. Mai zu setzen und bis dahin auch die Rasenflächen nicht zu mähen.
Quelle: Williz Wildes Wuseln

Trotzen die "Fünf Frostbeulen" - aus welchen höheren Weisungen auch immer - tatsächlich dem Klimawandel oder ist an dieser ominösen Wetter-Konstellation Jahreszeit bedingt tatsächlich etwas dran? Seit es Klima-Aufzeichnungen gibt, steht es um die Eisheiligen wie mit dem Wetter generell: Der Mai ist zur Mitte hin mal so, mal so. Eben so lala!
Bei allen Heiligen wäre es wirklich auch ein wahres Wunder einsteinscher Zeit-Verschiebung. Als nämlich die Kalender-Reform von 1582 von julianisch auf gregorianisch umstellte, hätten sich das Tun der "Eisheiligen" eigentlich um gut ein Dutzend Tage nach hinten verschieben müssen. Wären sie mit Bodenfrost noch Ende Mai gekommen, hätte man ihrer bestimmt nicht so schmunzelnd gedacht.

Bleibt noch die Gender-Frage: Müsste es nicht korrekt Eisheilig*innen heißen?

Montag, 11. Mai 2026

Über Kognitive Fähigkeiten

Wenn eines so sicher ist wie das Amen in der Kirche, dann ist es das Nachlassen von Wahrnehmungen im Alter. Dabei stellt sich der Ich-Bezug nicht selten vor die Fremd-Einschätzung. Ich erzähle als Beispiel gerne eine Episode meiner Eltern, die auch im hohen Alter nicht auf spektakuläre Reisen verzichten wollten. Ihre letzte große Reise war einer der legendären Kreuzfahrten auf dem Nil. Es war überhaupt ihre erste und einzige Kreuzfahrt.

Quelle: WELT
Eine Nil-Kreuzfahrt ist eine
Frage von Geld und Zeit,
aber nicht eine des Alters

Zurück in ihrer oberbayrischen Heimat fragte ich sie, wie es denn so gewesen sei? Sie schwärmten unisono von den altägyptischen Perspektiven und endeten empört, dass sie nie wieder auf Kreuzfahrt gingen: "Da waren ja nur alte Leute an Bord!"

 Mein Vater starb zwei Jahre später knapp vor seinem 80sten Geburtstag, den Sekunden-Tod, weil er am Telefon seinen behandelnden Arzt wegen eines neuen Medikaments in Rage zusammen gefaltet hatte. Meine Mutter stieg in ihrer Senioren-Residenz in den Fahrtstuhl, nachdem sie unter den Heimbewohnern noch eine Spenden-Aktion für die Tsunami-Opfer von Sri Lanka angestoßen hatte. In ihrem Stockwerk kam sie nicht mehr lebend an. Sie wurde 86. Bis zum Schluss verfügten meine Eltern noch über außergewöhnlich kognitive Fähigkeiten. Was ich heute als Gnade empfinde, da ich den Morbus Alzheimer bei meiner geliebten Schwägerin so andauernd miterleben muss.

Quelle: Instagram

Leider ist das Wegdämmern in der Familie meiner Frau möglicherweise genetisch bedingt, was aber auch daran liegen könnte, dass sie meist die 80 überschreiten. Die Häufigkeit von Alzheimer in der Gesellschaft ist bestimmt darauf zurück zu führen, dass wir Alten die Alterspyramide gerade umdrehen, was eben auch zu den politischen Diskussionen über Rente, Pflege- und Krankenversicherungen führt. Ob wir wollen oder nicht, wir müssen eine Anpassung auf diese Verhältnisse in Kauf nehmen, um eine gesellschaftliche Zersetzung zu vermeiden. Das könnte auch bedeuten, dass wir die Altersbeschränkungen nach oben erheblich ausweiten müssen.

Aber muss, das bedeuten, dass auch unsere aktiven Politiker immer älter werden. Gerade hat der Britischen Premier Keir Starmer seinen Vorgänger Gordon Brown zur Rettung seiner Labour-Regierung nach den heftigen Niederlagen auf kommunaler Ebene in sein Kabinett berufen. Brown ist 75. Vladimir Putin nennt erstmals seinen Freund Gerd Schröder, unseren Ex-Kanzler, als bevorzugten Unterhändler, sollte es doch noch zu Verhandlungen mit der Ukraine kommen. Wann immer - Schröder ist 82!

Über die kognitiven Fähigkeiten* von POTUS machen sich weltweit die Satiriker lustig, seit der mächtigste Mann der Welt in der vergangenen Woche über sein Abschneiden bei einem kognitiven Test so widersprüchlich schwadronierte. Der US-Präsident wird in ein paar Wochen 80 und hat sich noch im letzten Wahlkampf über seinen greisen Amtsvorgänger Joe Biden lustig gemacht.

Paint-Collage CD aus
Quellen news.de und Harfen Forum

Bei all seinen Fehlentscheidungen, irritierenden Posts, Widersprüchen und Lügen wäre der Mann im Zivil-Leben längst ein Fall für die Unterbringung in einer psychiatrischen oder geriatrischen Einrichtung. Aber er ist eben der wankelmütige Herr über den Buzzer. Hoffentlich reichen seine kognitiven Fähigkeiten nicht mehr aus, noch Harfe spielen zu lernen, um beim Abfackeln der Menschheit auch noch Helden-Gesänge anzustimmen - wie einst der Römische Imperator Nero. Ach, egal, hört dann sowieso keiner mehr...



*Kognitive Fähigkeiten sind geistige Prozesse zur Informationsverarbeitung, Wahrnehmung und Speicherung, die Denken, Lernen, Gedächtnis, Sprache, Aufmerksamkeit und Problemlösung umfassen. Sie bilden die Grundlage für die Interaktion mit der Umwelt in Alltag, Beruf und Schule, wobei exekutive Funktionen wie Planung und Flexibilität eine zentrale Rolle spielen

Freitag, 8. Mai 2026

Wenn Leben mehr zählt als dessen Qualität

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Immer noch sehenswert:
Der Film "Am Anfang war das Feuer"
Unser Ur-Instinkt nötigt uns, zu überleben. Der stammt noch aus der Zeit als der "Mensch mit Erkenntnis", der Homo sapiens also, endlich kapiert hatte, dass vor anderen fort zu rennen, weniger ausrichtete, als der Gefahr durch Keulen oder Steinwürfe aktiv zu begegnen. Diese Wehrhaftigkeit übte er aus, um sich und seine Sippe zu beschützen, aber auch seine Lebensweise zu verteidigen. So weit, so einfach.

Seit Jahresbeginn erhalten 18jährige wieder Briefe zur Wehrerfassung. Damit soll für den Fall vorgebeugt werden, dass die Freiwilligkeit, in der Bundesweht Wehrdienst zu leisten, doch nicht ausreicht, uns wirkungsvoll zu Wehr zu setzen. Viele Empfänger bleiben bislang aber die Rücksendung der Fragebögen schuldig.

Ich bin als anerkannter Wehrdienstverweigerer eindeutig Partei, aber versuche hier aus der Erinnerung meine Beweggründe von damals auf den Prüfstand zu stellen.

Damals - das war 1968 - musste ich formell und schriftlich begründen  weshalb ich den "Kriegsdienst" - oder zumindest den "Dienst an der Waffe" verweigerte. Ich verwendete keine Argumentationskette, wie sie von der Organisation BdK (Bund der Kriegsdienstgegner) empfohlen wurde, sondern verließ mich darauf, dass auch meine ethischen Gründe Anerkennung finden würden.
Mein Vater, Kriegsteilnehmer und Bundesbeamter höheren Ranges, bekam bald darauf einen Brief vom Ministerium, er möge doch auf seinen Sohn einwirken. Quasi mich zur Vernunft bringen.
Was immer mein Vater in seiner Empörung über dieses Ansinnen geantwortet hat, bewirkte, dass ich sehr schnell vor der Kommission zu erscheinen hatte. Meine Begründung baute darauf auf, dass ich nach Lage im anzunehmenden Kriegsfall auf die geknechteten "Brüder und Schwestern" in der DDR schießen müsste. 

Die immer wieder perfide gestellte Fangfrage, was ich denn täte, wenn der marodierende Feind unmittelbar meine Familie bedrohte, machte mich richtig wütend. Wenn der F e i n d schon so weit vorgedrungen sei, wäre ich vermutlich nicht mehr am Leben oder wäre beim Versuch zu meiner Familie zu kommen, als Deserteur standrechtlich hingerichtet worden. In der beschriebenen Situation hätte es nämlich gewiss keinen "Urlaub von der Front" gegeben. Also sei die Frage, ob ich durch meine Gegenwehr riskierte, meine Familie abschlachten zu lassen, doch nur hypothetisch.

Quelle: Amnesty International
In den seltensten Fällen trägt das individuelle
Opfer für Anfang und Ende eines Krieges die Schuld

Ist ein Krieg vorbei, muss jeder nach gegebenen Umständen als Individuum für sich entscheiden ob sein Leben mehr zählt als dessen Qualität unter Fremdherrschart von Siegern über Besiegte

Tatsächlich hielt meine Mutter dann ihre Familie über Wasser, indem sie nach der Flucht im bereits "befreiten" Hamburg eine Anstellung beim Britischen Offiziers-Club erhielt.
Dass aus feinden Freunde werden konnten, hatte ich vor dieser Anhörung ein Jahrzehnt lang in unmittelbarer Nachbarschaft von amerikanischen Spielgefährten und deren Eltern in  München erfahren dürfen.

Von den Erlebnissen jedoch, die ich vor der Wiedervereinigung durch Spitzeleien von Kollegen aus der DDR erfahren musste, konnte ich damals glücklicher Weise noch nicht einmal ahnen.

Heute als alter Mann weiß ich längst, dass die Zeit de facto keine Wunden heilt. Vielmehr müssen Betroffene zum Über- und Weiterleben auch wissen, dass manche der verbliebenen Narben bei jedem "Wind of Change" wieder zu schmerzen beginnen.

Quelle: Freepik
Weil nie wirklich zu bestimmen ist,
woher der "Wind des Wechsels" wirklich weht
und wohin er uns dann treibt, ist er so trügerisch.
Die unmittelbar gegenwärtige Geschichte,
belegt zudem, dass er nie auf Dauer weht.
Es ist schon ein Glück, wenn er einem 
nach dem Abflauen nicht eiskalt ins Gesicht bläst.


Mittwoch, 6. Mai 2026

Erschütternd!

Bei allem, was die Welt gerade in maximale Unruhe versetzt, vergisst man leicht, dass uns die Erde selbst mit ihren Erschütterungen heimsucht. Seit wir in Ligurien auf einem Felsenkamm leben, bin ich dort immer online mit dem Erdbeben-Monitor. Der ist zwar auch kein Schutz vor Erdbeben, aber ein halbwegs verlässliches Frühwarnsystem. Allerdings als unser Haus durch zwei kurze Erdstöße derart erschüttert wurde, dass die Kerzen aus den Leuchtern flogen, hatte ich vorher kein Signal bekommen. Der Computer war abgeschaltet (!?). Schäden am Haus gab es auch keine. Da haben wohl die Erdbeben-Anker, die unsere Außenmauern im inneren mit Stahlseilen durchziehen gut funktioniert.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es kaum ein größeres Gefühl der Hilflosigkeit gibt, als ein Erdbeben zu erleben. Zweimal hätte es mich erwischen können: In Zamboanga auf Mindanao in den südlichen Philippinen war ich gerade in einem Restaurant beim Mittagessen, als ich mit meinem Stuhl vom Tisch geschleudert wurde und zwei Meter versetzt bei anderen Gästen landete. Und dann war da noch der "After-Shock" nach dem großen Kalifornischen Erdbeben von 1996, der mich unweit von Disneyland in Anaheim mitten in der Nacht erwischte...

Quelle: Wikipedia
Seismographische Darstellung des Epizentrums
Immer wieder erinnert uns unsere liebe Erde, dass sie nur aus Schollen besteht, die hauchdünn auf einem brodelnden Meer aus Magma schwimmen. Und typisch für den Menschen ist, so ein Erdbeben möglichst schnell zu vergessen und Zerstörtes an selber Stelle wieder möglichst genauso aufzubauen.

Quelle: visit.gemona

Quelle: Venzone Torismo
Wer dieser Tage in Friaul durch die Städte Gemona, Venzone und Osoppo fährt, sieht kaum noch die Schäden, die heute vor 50 Jahren ein Erdbeben der Stärke 6,5 angerichtet hat und 989 Menschen das Leben kostete. Wer von den 2400 zum Teil Schwerstverletzen heute noch am Leben ist, wird wohl einmal mehr - aber vermutlich immer noch traumatisiert - Geburtstag feiern...
Quelle: Verliebt in Italien
Malerisch wie einst - auferstanden aus den Trümmern:
Gemona del Friuli

Montag, 4. Mai 2026

Ausreden lassen!

In den letzten Tagen muss ich viel drüber nachdenken, wie es wäre, wenn unser Land tatsächlich so kaputt wäre, wie POTUS es gerne hätte. Gerade zum Wochenbeginn nehme ich mir vor, dieses durchgeknallte Riesen-Baby eine Woche lang mal nicht beim Namen zu nennen, und keine Bauchschmerzen zu bekommen, wenn er wieder seine Macht-Blähungen entweichen lässt.

Endlich hat unser aller Kanzler mal nicht um den heißen Brei geredet und deutlich gemacht, wie der Wut-Politiker ohne Konzept und Ausweg die Welt in eine der schwersten Krisen seit dem zweiten Weltkrieg gezwungen hat. Dass er das zunächst ausgerechnet vor einer Schulklasse getan hat, ist aus zweierlei Gründen bemerkenswert:

Quelle: www.sueddeutsche.de
Kanzler eines kaputten Landes mit klarer Kante.
Die haben ihn nämlich ausreden lassen...

Erstens: Weil es zeigt, wie heute im Nachrichten-Fluss aus dem kleinsten Kreis innerhalb von Minuten ein globales Thema wird. Und zweitens: Dass das Ansprechen der für die ganze Welt sichtbaren Faktenlage bei dem selbst ernannten "King of  the World" ins Nerven-Kostüm eingeschlagen hat wie eine Cruise Missile.

Denn die ausgelösten Reaktionen sind ja wenig staatsmännisch, sondern eher ein Revanche-Faul. Denn überhöhte Zölle - das hat schon das vergangene Jahr gezeigt - sind ein Bumerang der auf die USA zurück segelt. Und die USA - das ist gewiss - sind bereits wesentlich kaputter, weil mental zweigeteilt und insgesamt so verschuldet wie ganz Europa zusammen.

Nie und nimmer werden die USA ihre strategisch wichtige Position mit den stationierten Kräften auf dem alten Kontinent ganz aufgeben. Und jeder weitere Schritt in diese Richtung entfernte den Oberbefehlshaber vom Kongress, in dem sich jetzt schon immer mehr führende Köpfe der Republikaner düpiert fühlen dürften, weil POTUS den Iran-Krieg ohne die verfassungsmäßig erforderliche Zustimmung nach 60 Tagen ohne Votum weiterführt.

Der oberste Kaputtmacher erhält bald wohl nur noch Beifall von Zar Putin. Der könnte sich allein durch dieses Signal von der Zerrüttung der NATO vielleicht ausrechnen, sich bis zu den nächsten Wahlen in den USA ungestraft kleinere europäische Staaten einzuverleiben.

Aber hat Friedrich Merz - wie er das auch gestern wieder  bei Caren Miosga für sich in Anspruch genommen hat -  wirklich so schwere Bedingungen zum Regieren wir kein Kanzler vor ihm?https://www.ardmediathek.de/video/caren-miosga/ein-jahr-kanzler-wie-schwer-ist-regieren-herrmerz/ndr/Y3JpZDovL25kci5kZS8zZGFlMGExZS01MGYwLTQyZTYtYTc3Yy00MmFlZTQzNzVjZDBfZ2FuemVTZW5kdW5n. 
Es hat aber auch kein Kanzler mit nur einem Koalitionspartner und Alleskönner-Arroganz den Mund so voll genommen wie er! Er kann es schön reden, so oft er will, er steht nach einem Jahr Regentschaft genauso schlecht da wie sein Vorgänger, aber er ist auf dem besten Weg als Rausrede-Kanzler in die Geschichte einzugehen. Denn er verkörpert eben das Gegenteil von einer Integrationsfigur und ist auf Herrschen eingestellt - und sonst gar nichts. Was Deutschland braucht und gerade nicht hat, ist ein Teamplayer, der auch notfalls moderieren kann - wie Angela Merkel. Tut mir leid, aber Friedrich Merz ist in meinen Augen weder so sym- noch genügend empathisch, aber er ist im Moment der einzige, der uns vor der Machtübernahme der Neofaschisten bewahren kann.

Europas Demokratien zeigen gerade, dass sie dem von US-Money-Mogulen unterstützten Rechtsruck widerstehen oder ihn sogar wieder schwächen könnten. Das geht aber nur mit Kräften, die Willens sind, sich zu bündeln, um gemeinsam aufzustehen. Dass Demokratien streitbar sein müssen, ist für eine stete Erneuerung immanent, aber das darf nicht weiter zur Verlangsamung der Emanzipation gegenüber den USA führen. Der Donaldismus darf nicht länger "America first und sonst nichts" heißen. Sondern es muss klar gemacht werden, wie sehr sich die USA mit diesem Denken isolieren.
Die AfD wird bei uns doch nur immer stärker, weil die Koalitionen ihre Ehestreitigkeiten nicht im Schlafzimmer, sondern auf diversen Bühnen in der Öffentlichkeit austragen. Unsere Demokratie ist derzeit deshalb so anfällig, weil sie sie schon zerpflücken lassen, bevor Ideen im Parlament in treffende Gesetze umgesetzt werden.

Quelle:ZDF

Ich bitte meine Leser dringlich, sich  unter diesem Aspekt Maybrit Illners Talk vom 30. April in Ruhe anzuschauen: https://www.zdf.de/video/talk/maybrit-illner-128/maybrit-illner-vom-30-april-2026-100

Jeder in dieser Runde hat Ahnung und richtige Argumente, aber letztlich lässt niemand den anderen so ausreden, dass  das fürs Publikum auch einleuchtend wird. Deshalb endete die Sendung geradezu exemplarisch, indem alle auf einmal, überkreuz und durcheinander reden.

Wenn etwas in unserem Land kaputt ist, dann ist es dass jeder ums Mitdenken geäußerte Denkansatz gleich mit Streit-Polemik niedergeschrien wird. Ginge es uns wirklich so schlecht wie der Welt-Terrorist im Weißen Haus uns sehen möchte, dann wäre es an der Zeit, denen die etwas substanzielles zu sagen haben, ruhig zuzuhören, um dann daran mit eigenen Argumenten konstruktiv anzuknüpfen. Keiner hat das Wort Kompromiss so oft in den Mund genommen wie gestern der Kanzler.
Noch haben wir dafür "alle Zeit der Welt".
Willy Brandt - gewiss nicht der schlechteste Kanzler aller Zeiten - sprach weiland 1969 von "mehr Demokratie wagen". Damit meinte er aber gewiss nicht, dass Demokratie auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit als Wagnis endet.


Freitag, 1. Mai 2026

"Mei halt"*

 

Quelle: pinterest












Der Mai ist gekommen,
Aber die Bäume schlagen schon seit Wochen aus.
Der Kopf ganz benommen!
Bei diesem Pollenflug bleibt man gern zu Haus.

Der Mai ist gekommen,
Minister schlagen sich seit Wochen vor allem mit Sparen  rum.
Da gibt's kein Entkommen.
Immer mehr Schulden. Das Volk bleibt dennoch arm und stumm.

Der Mai ist gekommen,
Aber hat den Merz  nicht vom Halten seiner kühnen Versprechen entbunden.
Kein  Gipfel wird so erklommen,
Mit klingendem Beil und Reiche gegen Arm wird mit Nullen die Zukunft geschunden.

Der Mai ist gekommen,
An den Zapfsäulen gibt's trotz Rabatt weiter den Totentanz.
Kein Tanker kommt geschwommen,
Weise Wirtschafts-Eulen machen Rabatz** im Talk  bei Lanz.

Der Mai ist gekommen.
Heute, der Erste, ist ein Feiertag für die letzten Helden der Arbeit.
Wann wird er uns genommen? 
Merz klagte ja schon über viel krank Sein und zu große Faulheit!

Der Mai ist gekommen,
Aber Timmy, der Wal, überlagert als Thema all die Dramen und Kriege.
Nicht selbst geschwommen,
Aber frei gebaggert führt Mitleid den Lümmel doch noch zum Siege?

Quelle: Tagesspiegel






Der Mai ist gekommen,
Und Trump bleibt seiner Linie treu. Mit Charlie, und  nicht besser ging's,
die Krönung vorweg genommen, 
Das Foto zu guter Infinie, dass er sich freu': Ein Post auf Facebook  mit "Two Kings"

Quelle: facebook









"Mei halt" ist ein bayerischer Ausdruck, der meist als Füllwort verwendet wird und so viel bedeutet wie „ach ja“, „naja“, „das ist halt so“ oder „ohne besonderen Grund“. Es drückt Achselzucken, Resignation oder eine gewisse Gelassenheit aus.

**„Rabatz machen“ ist eine umgangssprachliche deutsche Redewendung für das Verursachen von großem Lärm, Aufruhr oder lautem Protest. Es bedeutet, Unruhe zu stiften, Krach zu schlagen oder heftig auf sich aufmerksam zu machen. Die Wendung stammt vermutlich aus dem Berlinerischen und wird oft verwendet, wenn Kinder toben oder Menschen protestieren.

Mittwoch, 29. April 2026

Das große Ganze im Blick

 

Peace is the Time between Wars

Wenn die Mächtigen von ihren untertänigen Individuen Opferbereitschaft fordern, dann geschieht das gerne mit dem Hinweis, man müsse das große Ganze im Blick haben.
Mit dem Blick auf den derzeitigen Zustand der Welt tut sich das Menschlein allerdings schwer, zu glauben, dass das Große ganz bei Troste ist. Angesichts vollmundigen Versprechungen der politischen Lügner von oberster Stelle verbietet sich doch ein heroisches Opfer, wenn keiner mehr wirklich weiß, für welche Ziele sein Sacrificium eigentlich erbracht wird.

Als Putin die Ukraine vor nun mehr als vier Jahren überfallen hat, war mir klar, dass mein lebenslanger Pazifismus wohl die falsche Einstellung gewesen ist. Aber da war ich mir im Großen und Ganzen sicher, dass der Westen (historisch betrachtet) für Friedfertigkeit und sicheres Miteinander stünde. Seit Trump aber unter komplexem Vorwand seiner Allmacht souveräne Staaten überfällt und auch Inseln, die den USA historisch nie gehörten,  annektieren möchte, bin ich mir überhaupt nicht mehr sicher, ob es jemals wieder hehre Ziele geben wird, die es zu verteidigen lohnt. Denn in einer Freiheit des Westens nach dem goldsüchtigen Geschmack des "Dons" möchte ich nicht gerne leben.

Quelle: MDR
Im ersten Quartal dieses Jahres und nach Einführung des noch nicht verpflichtenden Wehrgesetzes haben mehr junge Menschen pro forma schon den Kriegsdienst verweigert als im gesamten vergangenen Jahr. Das ist ein deutliches Signal an die noch naiv geplante Freiwilligkeit.
Die weltweiten Rüstungsausgaben haben eine neue Rekordhöhe erreicht, bei der ausgerechnet die ehemalige Kriegstreiber-Nation Deutschland nach den Supermächten nun Rang Vier bekleidet. Und unser aller Kanzler senkt wieder mal sein spitzes Kinn bedeutungsvoll auf die Brust, um anzukündigen, er strebe an,  die stärkste "konventionelle Armee" in der EU uniformieren zu wollen.
Quelle: Focus online
Weil es wir  - oder doch die anderen wollen:
Deutschland wieder die Wehrmacht Nummer 1?

Um das zu unterstreichen hat die Bundesrepublik dafür gleichmal den Anteil der Rüstung gemessen am Bruttosozialprodukt verdoppelt. Da kann wirklich keiner mehr vom Kader-Gehorsam gegenüber Trumps Forderungen sprechen. Da wird (paradox!) über das Ziel hinausgeschossen. Zumal ja allein die Bundes-Beschaffungsbürokratie den Vorgang so verlangsamt, (wenn Putin das altersbedingt überhaupt noch so wollen könnte) dass "der Russe" da längst an der europäischen Atlantik-Küste stünde.
Quelle: Stock-World
Auweia! Die Waffenschmieden, der einzige Deutsche Industrie-Zweig, der noch prosperiert,
müssen jetzt auch wegen der Energie-Krise um die Margen bangen

Wer glaubt dann aber überhaupt noch "konventionelle Kriege" ausfechten zu können, die dann vielleicht KI-gesteuerte Roboter an die Front schicken.

Quelle: wwwsueddeutsche.de
Hat derzeit überhaupt noch einer - außer Papst Leo XIV -  das große Ganze für eine friedfertige Welt im Blick?

Qua KI hier diese Definition:

„Das große Ganze im Blick“ bedeutet, den Gesamtkontext, die langfristigen Auswirkungen oder den Zusammenhang einer Situation zu erfassen, anstatt sich in Details oder aktuellen Problemen zu verlieren. Es fördert Perspektivwechsel, Empathie und strategisches Denken, indem man bewusst den Fokus von kurzfristigen Impulsen abzieht.

Ja, wenn das so ist! Dann lasst doch den Rest die Robies machen!

Quelle: Free3D.com

Montag, 27. April 2026

Über das Jubeln

Zu meinen persönlichen Problemen zählt seit jeher, dass ich mich mitten in großen Menschen-Ansammlungen äußerst unwohl fühle, obwohl es mir nie etwas ausgemacht hat, vor viel Publikum zu reden. Das machte mir in meinen Anfangsjahren als Sportberichterstatter arg zu schaffen. Aber in jenen Tagen galt für den Job ja noch die Neutralität. Es war verpönt, Beifall zu klatschen oder gar parteiisch zu sein. Wenn im Stadion oder anderen Sportstätten kurioserweise ein Block von der Euphorie nicht erfasst wurde, dann war das die Reporter-Tribüne. Heute ist das anders. Die Reporter dürfen aus "Deutscher Sicht" Euphorie vermitteln oder ihrem Kommentieren nationalistische oder lokalpatriotische Tendenzen geben.

Quelle: DWDL
Parteiisch sein als Reporter -vor allem bei Länderspielen -
ist nicht mehr verpönt, sondern Teil der Show

Gestern Nacht hatte ich tatsächlich einen Traum, in dem ich mir vorwarf, nicht jubeln zu können. Dem musste ich nach dem Erwachen in alter Gewohnheit durch Selbstanalyse auf den Grund gehen. Zur Beruhigung dachte ich an alle Beiträge in den Olympia-, Weltmeisterschafts-Büchern sowie an die Sportler-Biographien, an denen ich deshalb erfolgreich mitgewirkt habe, weil ich eben gerade in meine Texte soviel Empathie einbringen konnte.

Aber wie war das in meiner eigenen Erlebniswelt? Was hatte ich genügend Gründe, in Jubel auszubrechen! Aber je länger ich nachdachte, konnte ich mich zwar an viele Glücksmomente und an die Euphorie erinnern, die ich aber meist nur still empfand, wenn ich nicht sogar leise Tränen vergoss. Letzteres ist übrigens im Alter noch schlimmer geworden.

Quelle: Lernplattform Lerntrick

Da folgt dann gleich die Frage: Was stimmt mit mir nicht? War ich vielleicht ein damals noch nicht definierbares ADHS-Kind (Hyperaktivitäts-Defizit-Aufmerksamkeits-Syndrom) oder lag es eher daran, dass ich mit einigem Abstand der Nachzügler von zwei brillierenden Schwestern war, dem sein Vater nichts zutraute, um das Wort Versager zu vermeiden?

Als Vater habe ich deshalb nach bestem Wissen und Gewissen versucht, meinen Kindern emotional soviel Entfaltungsmöglichkeiten zu bieten, wie es eben möglich war. Ich weiß aber nicht mehr, ob wir je gemeinsam bei einem Anlass laut gejubelt hätten.

Quelle: Münchner Zeitung
Stadien in Flammen:
panem et circenses der Gegenwart
Die vergangene Woche war ja, was das Jubeln angeht, nicht gerade prädestiniert. Deshalb ist mir der Kontrast zwischen den kriegerischen Geschehen weltweit, dem politischen Zwist hierzulande und der Fußball-Euphorie im DFB-Pokal-Halbfinale zwischen Stuttgart und Freiburg besonders aufgefallen: Kriegstrommeln und Pyrotechnik und die Chöre der Massen. Das Prinzip panem et circensis lenkt ab, und der Jubel muss raus.

Auf der Zielgeraden meines Lebens habe ich deshalb einmal die KI zu meiner "Psycho-Analyse" herangezogen:

Der Mensch jubelt primär, um überschäumende Freude, Erleichterung und Triumph auszudrücken, oft in gemeinschaftlichen Situationen wie dem Sport, bei Konzerten oder Feiern. Psychologisch und biologisch gesehen erfüllt Jubel mehrere Funktionen:

Quelle: RND
Jubeln animiert zum Mitjubeln.
Sich als Sieger fühlen zu können, steigert das Selbstwertgefühl

Soziale Verbundenheit: Jubel bringt Menschen zusammen, fördert das Gefühl der Zugehörigkeit und stärkt den sozialen Zusammenhalt, beispielsweise im Fußballstadion.

Stressabbau und Dopamin: Gewinnen und das damit verbundene Jubeln können Stress erzeugen, führen aber zu einem "Dopamin-Feuerwerk" im Gehirn, was als Glücksgefühl wahrgenommen wird.

Spiegelneuronen: Wenn Menschen andere jubeln sehen, neigen sie dazu, dies aufgrund von Spiegelneuronen mitzufühlen oder mitzujubeln.

Ventil für Emotionen: Jubel erlaubt, Leid, Anspannung oder Anstrengung (z.B. nach einer langen Durststrecke) in positive Energie umzuwandeln. 

Der Jubel kann auch in extremen Situationen als Ventil für angestaute Spannungen dienen, wodurch aus Begeisterung lautstarke Rufe entstehen. 

Emotionslosigkeit: Bei großer Belastung oder einer negativen Weltlage fällt es schwer, in Jubel auszubrechen.

Fehlende Erlaubnis: Viele Menschen müssen sich erst erlauben zu jubeln, da Freude oft mit Scham oder der Angst vor Neid besetzt ist.

Übungssache: Experten raten dazu, "Jubel-Tage" einzulegen und positive Affirmationen zu nutzen, um die Jubelspirale wieder in Gang zu setzen.