Freitag, 19. Juni 2026

Phänomen "Bares für Rares"

Darf ich mich als Zugehöriger zu dieser Altersgruppe überhaupt über das Senioren-Fernsehen lustig machen? Vielleicht verleiht mir das ja eine Legitimation, wenn ich mich wie bei den Anonymen Alkoholkern oute.

Hallooo, ich bin der Claus, 77 Jahre alt und habe bei der Hitze nichts besseres zu tun, als bei zugezogenen Vorhängen auf allen zu "erzappenden" Kanälen


Horst Lichter mit seinem Format "Bares für Rares" zu gucken. Dabei ist es mir piepegal, ob das noch Folgen sind, die in der Pandemie aufgezeichnet wurden oder deren Aktualität an dem veränderten Bart des Moderators zu erkennen sind. Ich bin schlichtweg süchtig!

Ich könnte als Entschuldigung vorbringen, dass mein mich lange Jare begleitet habender Laptop seinen Geist aufgegeben hat, aber das wäre eine krasse Lüge.

Tatsächlich bin ich immer aufs Neue fasziniert, wie mich dieses von Warner Bros. einfach gestrickte Konzept seit mehr als einem Jahrzehnt mit nimmt.

Ich war ja selber Sammler von schönen, seltenen und kurosen Dingen, deren vergänglicher Reiz mit jedem aufwendigen Umzug verblasste. Daher glaube ich nicht, dass  die Triebfeder, mit zu machen, allein das Veräußern der wundersamen Sachen ist. Was macht es schon für einen finanziellen Sinn,  ein altes Spielzeug für 100 Euro zu verkafen, wenn die Anreise nach Köln zuzüglich möglicher Übernachtungskosten ein Vielfaches verschlingt?

Geht es nicht eher ums Sehen und gesehen Werden? Aber bestimmt auch ums Personal, das jedem durch Expertise oder Erwerb einen krassen Promistatus beschert. Wenn sie nicht gar zu echten Kultfiguren aufsteigen, wie der gespielt prolliige Waldi, dessen Erstgebote mittlerweile zu einer eogenen "Währungseinheit" geworden sind.

Was animiert mich da eigentlich, da ich doch auch genügend hätte, was bei einer Haushalts-auflösung in nicht mehr allzu weiter Entfernung im Sperrmüll landete?

Ich fänd es viel zu mühselig, mich zu bewerben und dann womöglich anzureisen:

Ich bin fasziniert  vom Wissen der Expert*innen und vom oft verblüffenden Wertschätzung der präsentierten Artifakte. Es gibt keine Sendung, aus der ich nicht für unseren eigenen Bestand etwas lernte. Aber ehrlich, was für mich die Sendung auch so interssant macht, sind  die Menschen und heraus zu finden, weche Motive sie wirklich antreben.  "Bin ich im Fernsehen?" 

Wenn das Pharisäertum ist, dann bin ich natürlich einer.

Da sitze ich im Aquarium und genieße via Glotzophon die Artenvielfalt eines eunmaligen Menschenzoos. Geht's noch!

Aber "Bares für Rares" wie einen Menschezoo zu sehen, ist immer noch respektvoller, als der Blick unserer kolonialen Vorfahren auf "ihre Eingeborenen".

Hier ein Bild aus Wikipedia:


Mittwoch, 17. Juni 2026

Parteiräson

Wieso übersehen so viele Partei-Soldaten weltweit, dass die Räson, den Leitlinien ihrer Spitzen zu folgen, Schritt für Schritt, Abstimmung um Abstimmung, die demokratische Selbstreinigung verhindert?

Gibt es wirklich nicht einen oder eine unter Trumps  republikanischen Volksvetrter*innen mit Verstand oder zumindest Gewissen, gegen das mitunter absurde Regime von POTUS aufzustehen?

Soll heißen: Ist  denen denn garnichts  mehr peilich?

Imperator und Gladiator
Martial-Arts-Fan und MAGA-Macho
Quelle:faz.net


Offenbar gibt es den Widerstand aus eigenen Reihen nur noch im Mutterland der Magna Carta, wo Premier Starmer sich derzeit in erster Linie gegen Spitzenkräfte seiner eigenen Labour-Fraktion zu Wehr setzen muss.

Auch bei uns  werden ja von der Presse Spitzenkandidat*innen schon als Verlierer gesehen, wenn sie bei der Nominierung nur um die 80 Prozent der Stimmen auf ihren Parteitagen bekommen. Dabei liefert ein nicht vorhersehbares Abstimmungsergebnis - wie vor einigen Tagen bei der FDP - viel eher ein Signal innerparteilich intakter demokratischer Verhältnisse.

Was für ein Aufschrei hingegen, wenn bei den Christlichen - natürlich von außen - ein Kanzler oder Ministerpräsident plötzlich infrage gestellt wird.

Der Wunsch der Basis nach Platzhirschen ist mittlerweile derart eingewachsen, dass regierende "Einheitsparteien", geführt von Solisten, auch bei uns selbstverständlich werden.

Das allein mit der "Brandmauer" gegen die  braune Welle begründen zu wollen, könnte sich als fataler Fehler erweisen.


Das Ergebnis der Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg könnte beruhigen. Aber das möglicherweise dicke Ende kommt ja noch im Herbst. Was, wenn die AfD im Osten aus einer der Landtagswahlen mit absoluter Mehrheit hervor ginge?

Gegen deren absolutistischen Kader-Gehorsam muss ein strategisches Konzept einer soliden demokratischen Basis her, das auch verlangen könnte über den Schatten der jeweiligen Parteiräson zu springen

Aber argumentatives Nachmachen bis hin zur Homophonie geht gar nicht!

Da muss der CSU-Eurpa-Rechtsaußen Manfred Weber schon aufpassen, dass er auf seiner selbst erzeugten Schmierseife nicht in die braune Scheiße schliddert.




Montag, 15. Juni 2026

KI konkret


Gestern las ich, dass KI durchaus ein Weg sein kann, dem Mangel an Fachkräften konkret und effektiv
zu begegnen. Die künstliche Intelligenz könne weniger qualifizierten Beschäftigten nämlich dabei helfen, anspruchsvollere Aufgaben zu bewerkstelligen. Der Schalk in meinem brüchigen Genick ließ mich diese These gleich auf die Arbeit einiger Minister im Merz-Kabinett ummünzen.

Aber dann fiel mir die US-Administration und ihr angestrebtes Export-Verbot für die KI-Programme von ANTHROPIC ein. Was ja ein massiver Eingriff in die freie Anwendung von KI bedeutete...


Ist der Zug für eine unpolitische, nur hilfreiche, KI denn schon abgefahren?

Damit ich auf meine alten Tage unter diesem Aspekt nicht gänzlich abgehängt werde, nutze ich für meine Posts ja auch schon KI zur Erklärung von Begriffen, die nicht mehr so geläufig sind. Was selbst Schüler mittlerweile zur schnelleren Bewältigung ihrer Hausaufgaben nutzen, kann ja wohl meinen Bloggs auch nicht schaden! Allerdings nutze ich KI ja nur, um mein Wissen bestätigend abzusichern. Mir ist schon klar, dass KI, der man einfach so vertraut,  auch bei Unbedarften den Weg zu gezielter Manipulation oder gefährlichem Irrglauben frei macht.

Aber was KI konkret kann, demonstrierte mir mein Sohn bei den leider vergeblichen Wiederbelebungsversuchen an meinem nach zehn Jahren treuer Dienste jüngst verstorbenen Laptop.

Schon als Student hat er die Familie mit preiswert zusammen geschraubten Computern beglückt. Aber durch seinen Job muss er heute viel mehr auf Augehöhe mit allen denkbaren Veränderungen sein, um nicht in die Digital- Diaspora zu geraten. Womit er mir gleich ein konkretes Anwendungsbeispiel für hilfreich eingesetzte KI demonstrierte, bei dem ich nur staunend daneben sitzen konnte:

In Windeseile aber auch mit Geduld nahm er das Gerät, das eben vor zehn Jahren noch "high end" war, komplett auseinander, fotografierte mit seinem Smartphone Festplatte, Akku und sonstige Serien-Nummern. Damit   forderte er dann sein KI-Programm auf, mit diesen Daten Fehler zu analysieren und gleich Reparatur-Vorschläge zu machen.


Statt das Gerät tagelang von einem Reparatur-Dienst für teures Geld doch nicht retten zu könen, hatte er im Bruchteil von Sekunden ein konkretes Urteil: Exitus!

Vermutlich ab kommenden Mittwoch hat meine nervige Textbastelei via Handy dann wohl ein Ende!

Freitag, 12. Juni 2026

500 Jahre Torgauer Bund

Es war ein Vorgang, der in der Folge in den Deutschen Geschichtsbüchern nie genug gewürdigt wurde. Heute vor 500 Jahren schlossen sich mehrere Fürstentümer zusammen, um der lutherischen Auslegung des Christlichen Glaubens zu mehr politischem Gewicht zu verhelfen: 

Am 12. Juni 1526 vereinten sie sich offiziell  zum Torgauer Bund, um dem katholischen Dessauer Bund etwas entgegen zu setzen.

Die Fürstentümer des Torgauer
Bundes sind lila markiert 

Das war quasi der erste Schritt der Evangelischen Glaubenslehre  zur Staatsreligion. Aber der Torgauer Bund konnte den Horror des Dreißigjährigen Krieges auch nicht verhindern, der 1618 begann und erst  1648 endete.








Für mich als Agnostiker, der das scheinbare Glück gehabt zu haben glaubt, in einer aufgeklärten Zeit zu leben, ist es immer wieder ein Rätsel, dass Glaube weiterhin die Macht hat, soviel böse Gewalt zu generieren.

Es ist ja nicht nur katholisch gegen evangelisch, das nach einem halben Jahrtausend immer noch zu Bluvergießen in Irland führt. Auch bei den Moslems schlagen sich ja Suniten, Schiiten und Alawiten wegen unterschiedlicher Auslegungen des Korans im Zorn die Köpfe ein. Die Hindus murxen die mitunter gar nicht so friedlichen Buddhisten ab und Juden und Palästinenser wollen sich gegenseitig ausrotten. Wehe die Gläubigen haben dann auch noch bei gleicher Religion unterschieliche Hautfarben.

Rund um den Goldenen Tempel
von Amritsar im Punjab 
- dem Zentral-heiligtum der Hindhus -
kam es 1984 zu einem Blutbad

Religion sei Opium fürs Volk philosophierte 1844 Karl Marcks  und verdächtigte sie, Triebfeder des Kapitalismus zu sein.

Der womöglich vielen Göttern huldigende Grieche Heraklit sah hingegen den Krieg als "Vater aller Dinge".

Meiner Ansicht lagen beide Denker aus heutiger Sicht falsch. Ich sehe die Verbrämung von Politik mit jeglicher Form des Glaubens noch selbst im Digital-Zeitalter als derart explosive Mischung, dass sie immerfort zum Zeitzünder der meisten Kriegshandlungen taugt.



Mittwoch, 10. Juni 2026

Die FIFA und der Charon-Dollar

 Damit der Fährmann Charon die Toten sicher über den Fluss Styx ins Jenseits shipperte, legte man ihm in der Griechischrömischen Antike als Obolus Münzen auf die geschlossenen Augen der Verstorbenen.


Eine Symbolik auch für den Weltfußball, dessen Sterben mit der in Kürze beginnenden Weltmeisterschaft schon begonnen haben könnte. Aufgebläht bis zur Unüberschaubarkeit, vergeben an zumindest zwei Gangster-Staaten zu  Eintrittspreisen, die den Begriff Volkssport ad absurdum führen.

Was baut sich da in meinem alten Hirn als ehemaliger Fußball-Schreiber für ein Schreckensbild auf!  

Giovanni Infantino legt dem Fußball Gold-Dollar nicht nur auf die Augen, sondern stopft ihm derart den Rachen mit fetten Scheinen, dass ja niemand noch einmal derart politisch aufmuckt wie vor vier Jahren in Katar. "Charon Trump" mit dem gerade neu erfundenen FIFA-Friedenspreis geehrt, hat den alten Kahn natürlich durch seinen Flugzeugträger Dwight D. Eisenhower ersetzt, aber dabei in seinem Größenwahn übersehen, dass dessen Verdrängung für den guten, alten Styx viel zu groß ist. So läuft der Fußball in der Mitte des Grenzflusses zwischen Dies- und Jenseits auf Grund. Kein Geld der Welt kann den Havarierten da noch retten.


RIP - Du ehemalige  Wonnekugel!

Montag, 8. Juni 2026

Putins peinliche Petersburger Posen

Während die Untertanen in Ehrfurcht vor der Macht  erstarren, ruft ein unverblendetes Kind freimütig: "Der hat ja gar nichts an!" Hans Christian Andersens Märchen "Des Kaisers neue Kleider" ist auch heute immer noch eine treffende Parabel über den Distanzverlust von Menschen mit Macht.


Braucht es Kinder, die unbeeindruckt hinschauen, während die Alten beschämt zu Boden blicken, um möglichst nichts wahrzunehmen? Der Zweite Weltkrieg war gerade mal zehn Jahre vorbei . Ich glaube, da war ich gerade erst in die Schule gekommen, als ich zusammen mit meinem Vater am Bahnhof im "Aki" saß. Damals gab es diese Aktualtäten-Kinos noch, deren Programm nonstop rund um die Uhr lief. Eine ideale Zeitüberbrückung, wenn man zu früh dran war oder ein Zug Verspätung hatte. Jedenfalls zeigte "Fox tönende Wochenschau" einen alten Mann, der an einer stramm stehenden Reihe von Jungs vorbei ging und den einen oder anderen im Gesicht  tätschelte. Irgendwas muss ich so laut gesagt haben, dass aus den dunklen Reihen Stimmen laut wurden. Meinem Vater war das offenbar so peinlich, dass er mich aus dem Kino zog.


2004 fiel mir wieder ein, was ich damals wohl gesagt hatte, als ich den unvergleichlichen Bruno Ganz genau in dieser perfekt nachgespielten Szene des Films "Der Untergang" erlebte: "Muss der Mann da bald sterben -Pappi?"

Jetzt lebe ich schon so viel länger als Adolf Hitler, habe mit so vielen Texten, Bildern, Dokumentationen und Filmen mein Wissen über den anscheinend immer wieder nicht nur aufkeimenden Despotismus erweitert und begreife - wie damals als kleiner Junge - immer noch nichts.

Ist der Aufstieg solcher Menschen aus intakten Demokratien tatsächlich derart unvermeidlich, dass nur eine naive Betrachtungsweise sie entlarven kann?

Am Wochenende

zelebrierte sich Vlad Putin, Kriegsherr und "Zar aller Reussen von eigenen Gnaden" vor dem Rest der ihn noch fürchtenden Nationen auf dem Sankt Petersburger Wirtschaftsgipfel. 

Das allein wäre ja schon im Panorama der ausgedehnten Sanktionen wegen seines Kriegs gegen die Ukraine skurril genug gewesen. Aber als schlösse sich gemäß der asiatischen Philosophie nun langsam Putins Lebenskreis, ließ die Ukraine auf die Stadt seiner Geburt und seines politischen Aufstiegs Drohnen und Raketen regnen. Rauchsäulen stiegen auf, wo doch überlegene Weltmacht demonstriert werden sollte.

Ich bin ja weder Analytiker noch Psychologe, aber auf jedem Video-schnipsel und egal in welcher selbstsicheren Pose sah ich danach einen Mann, der ahnt, dass ihn Ort und Zeitpunkt des Angriffs in doppelter Hinsicht getroffen haben. Er musste sogar davon ausgehen, dass seine illustren Gäste genüsslich dabei zusahen, wie ihm Pose um noch peinlichere Pose Zacken aus der Krone brachen. Er stand trotz Pomp gewissermaßen ohne Kleider da...

Waren das Zeichen, die den Rest der Welt hoffnungsfroh stimmen sollten?  - Ganz im Gegenteil! Die Geschichte lehrt uns auch da, dass das wutgesteuerte, verletzte Ego eines kleinen, machtgeilen Mannes das Leben gerne bis zum Untergang ausreizt...

Donnerstag, 4. Juni 2026

Wenn der "Wertebasierten Ordnung" sowohl die Basis als auch die Ordnung fehlt

Schade, dass es nicht wehtut, wenn den Politikern ihre um Gewicht ringenden Worte auf die Füße fallen. Sonst hörte vielleicht die  pseudointellektuelle Verklausulierung zu Lasten der Verständlichkeit endlich auf.

Quelle: Tagesschau

Gut, nun sitzen wir alle belehren wollenden Deutschen wieder einmal nicht in dem Gremium, das ich an dieser Stelle schon als UNsicherheitsrat verballhornt habe. Was ist denn so erstrebenswert mit jenen kriegstreiberischen Mächten an einem Tisch zu sitzen? Seit bald einem Jahrzehnt bewegt dieser Sicherheitsrat der "Vereinten Nationen" gar nichts mehr, wobei er schon vorher wenig bewirkt hat. Denn die Supermächte können ja gegen alles, was ihnen nicht passt, ein Veto einlegen und das mit ihren zu Narrativen gewordenen Lügen ungestraft (Von wem auch? - wo ja selbst der Internationale Strafgesetzhof nur ein Papiertiger ist) untermauern.

Da kann sich einer wie unser Außenminister doch nur lächerlich machen, wenn er die Bewerbung seines Landes aufgrund der Wahrung einer regelbasierten Ordnung zum Erfolg führen möchte. Wo so einer Ordnung weltweit doch zunehmend die Basis fehlt, weil reihum gegen Regeln wie jenen des Völkerrechts quasi routinemäßig verstoßen wird.

Das Paradoxon der Bewerbung Deutschlands für den Sicherheitsrat wird immer wieder offenbar, wenn man sich vergegenwärtigt, dass sich die UNO ja nicht zuletzt auch aus dem "Völkerbund" formiert hat, weil Deutschland zuvor zwei Weltkriege  entfacht hatte.


So lange Schurken wie Trump, Xi und Putin gegen die Ächtung ihrer Verbrechen nur ein Veto einlegen müssen, ist der UN-Sicherheitsrat obsolet. Es ist fraglich, ob er sich ohne eine krasse Verschiebung der Weltordnubg oder einer Selbstreinigung der Großmächte überhaupt runderneuern ließe. Also was sollte außer dem Gefühl nationaler Wichtigkeit an einem Platz in dieser fragwürdigen Runde überhaupt Sinn ergeben?


Mittwoch, 3. Juni 2026

Von Einkommens-Scheren und Gender-Gaps

Er war möglicherweise einer der letzten SPD-Politiker mit Charisma . Der ehemalige Vize-Kanzler und  heutige Vorsitzende der "Atlantik-Brücke": Sigmar Gabriel.


Vorgestern in einer Gesprächsrunde von "Hart aber fair" wurde er als Vater gefragt, wie er denn heute die Zukunft seiner Töchter sähe. Dabei gestand er zunächst freimütig ein, dass seine Politiker-Generation nicht in der Lage gewesen sei, die Weichen rechtzeitig zu einer Erhaltung der Verhältnisse zu stellen. Jetzt müsse er seine Töchter eben darauf vorbereiten, dass die Lebensumstände sich auf Dauer nicht verbessern werden.

Daran sollte der derzeitige Kanzler sich samt seinem Kabinett doch mal ein Beispoel nehmen. Aufhören mit der scheinoptmistischen Schönfärberei, sondern mutig zugeben, dass wir bis zum Hals im Schlamassel stecken, aus dem wie nur herauskommen, wenn wir in frühere,  in der Nachkriegszeit bewährte Überlebensmodi wechseln!

Wir müssen uns endlich vornehmen, die "Wir-schaffen-das"-Phase  dringend für die Frage "wie überleben wir das?" zu verlassen.

Die vielen gleichzeitigen Kriegshandlungen allein sorgen ja schon für schwer auszugleichenden Umweltschäden. Da können wir doch erst recht nicht die Zügel bei den Klimazielen schleifen lassen.

Dass Kriege und Krisen seit jeher die Armen immer ärmer und die Reichen noch reicher machen, ist eine Tatsache, die es umso dringlicher verlangt, die sich immer extremer  klaffende Einkommensschere vorzunehmen.


Unverhälnismäßigkeit beim Verteilen des Verfügbaren ist Wegbereiter für radikale, oft Demokratie vernichtender Strömungen. Wenn auch nur gefühlter Mangel oder dann bald real existierender Hunger politische Strömungen auslösen, kommt unweigerlich Gewalt ins Spiel.
Wie aus Roten
plötzlich Schwarzhemden
wurden, lehrt uns
Italiens Geschichte

Käme es wieder zu so einem Flächenbrand, erübrigt sich auch die Aufgabe, Töchter auf die zerstörten Lebensbedingungen einzustellen. Genauso wie die Diskussion über die Gleichstellung von Mann und Frau oder den Gender-Gap. Denn nach den Katasrophen sind es doch sowieso wieder  die "Trümmerfrauen", die für das Überleben das Kommando übernähmen.

Während ich das schreibe, ist mir der Roman "Canale Mussolini" von Antonio Pennacchi eingefallen. Das ist gewiss kein einfacher Buchtipp. Dazu ist das 2010 mit dem Italienischen Buchpreis ausgezeichnete Werk zu sperrig! Ein alter Mann erzählt in Umgangssprache einem imaginären Visavis, wie es vom "Novecento" bis heute aus seiner Sicht zu allem kam. Wie Männer ihre politische Ansichten durch die jeweiligen Lebensumstände und Kriege veränderten. Wie mangelnde Bildung und Ernährung den Lauf  der Zeit prägten. Und wie es letztlich  die Frauen waren, die dafür sorgten, dass es immer weiter ging und sich dann doch so wenig in Richtung dauerhafte Vernunft änderte...




Montag, 1. Juni 2026

Über die "Öffentlich Schrecklichen"



 Vielleicht ist ja so eine erzwungene Auszeit vom Computer mal ganz gut. Nicht, dass ich vom Streamen und Surfen im Netz abhängig oder gar süchtig geworden wäre, aber beruhigend ist es doch,wenn einem klar wird, dass man heute so gut wie nichts mehr versäumt, wenn der Fernseher mal ausbleibt.

Die mittlerweile stattliche Zahl der öffentlich rechtlichen Kanäle mit ihrem regionalen Zuschnitten gaukeln dem Fernseh-Publikum ja die Vielfalt für die hohen Gebühren nur vor. Wer wie ich ohne Vorschauen wahllos durchs Programm zappt, erkemnt schnell, welch hoher Anteil an Wiederholungen und Ollen Kamellen den Begriff Rentner-Fernsehen geprägt haben.

Das ewige Leben
in der Schwarzwaldklinik

Obwohl wir mittlerweile

 vermutlich wirklich  programmdemoskopisch den Löweanteil zum "Sehverhalten" beitragen, dürfen uns die Programmdirektor*innen doch nicht alle für dement oder grenzdebil halten.

Erschossen
weiter leben.
Die Soko Leipzig
macht's möglich

Was sollen denn die ganzen über Kreuz Mahrfach-Ausstrahlungen,  wo doch mittlerweile sogar Regionales in den Mediatheken zum Abruf mit der "grünen Taste"auf der Fernbedienung verfügbar wäre?..

Für die in den letzten Wochen erfolgte Häufung von Produktionen Anfang der 20er Jahre hat meine Frau einem lustigen Begriff geprägt: Sie nennt sie Korona-Krimis und macht sie an gleichermaßen spärlicher Besetzung und düsterer Handlung fest.

Dabei hat sie es noch gut, weil sie vor allem bei Serien einzelne Folgen einfach nicht - ihre Erinnerung  belastend - im Kopf behält. Wenn ich mit ihr ausnahmsweise gemeinsam schaue, verderbe ich ihr gern den Spaß, indem ich für sie anhand von Personal, das längst aus der Serie ausgeschieden ist die Wiederholungen entlarve.


Die beliebten Barnabys gibt es in doppelter Ausführung und gleich im Dreierpack also abendfüllend!?

Das mit den Wiederholungen wird noch perfider, wenn zur Kosten-Kompensation die aktuellen Handlungsstränge auch noch durch altes Material "gestreckt" oder gar vermischt werden.


Politische Formate und sich ätzend ähnelnde Talkrunden schaue ich mittlerweile alleine, weil die Holde trotz Hörgerät dem undisziplinierten Durcheiandergerede akustisch nicht mehr folgen möchte. Sie werden zudem so spät ausgestrahlt, dass sie sowieso meist schon schlafen gegangen ist. Davon muss ich ihr dann beim Frühstück in geraffter Form berichten.

Wirklich ärgerlich ist jedoch, dass oft nach dem ganzen Herzschmerz-  und der kulminierten "Kriminalität" tagsüber erst zu nachtschlafender Zeit Filme von echter Qualität gesendet werden.


Wieso ich nicht von den anderen Sendern schreibe? Schaut euch doch nur  mal so Verblödendes wie  "Dschungel-Camp" oder "Bauer sucht Frau" an! Wenn sich die Öffentlich Rechtlichen weiter an solchen Peinlichkeiten zum Fremdschämen  orientierten, dann müssten sie dereinst in die "Öffentlich Schrecklichen" umgetauft werfen.


Und ob das derzeitige Kinder- und Jugendprogramm noch die Smartphone-Kids und die Gamer-generation ohne durch KI aufgemotzte Inhalte erreichen wird, ist wohl schon  bald eine Existenzfrage. Die Freunde meines Enkels, der im Herbst aufs Gymnsium geht, schauen schon jetzt nur noch Livesport im TV. Ansonsten bedienen sie bereits souverän Programme, mit denen sie ihre Kreativität beispielsweise am 3D-Drucker ausleben: Wie diese Ente an meinem Schlüsselbund beweist.








Freitag, 29. Mai 2026

Vom Vernrenner-Fetisch


Wie im vergangenen Jahr ist es in München jetzt schon wieder heißer als bei der Rest-Familie, die von der Dachterrasse unseres Hauses in Ligurien täglich pure Lebensfreude im  Family-Chat postet.

Natürlich sind wir neidisch. Vor allem auf die Ruhe. Denn bei 30 Grad  müssen wir im Glashaus alle Fenster aufreißen.

In der kalten Jahreszeit hören wir bei geschlossenen Schallschutz-Fenstern so gut wie nichts vom Verkehr. Allenfalls ein leises Rauschen. 

Jetzt lernen wir schmerzlich ,dass unsere Strsßenschlucht in den Abend- und frühen Nachtstunden zum Tal des Donners wird. Irgendwo am Nordende der längsten Straße Münchens haben offenbar Tuner von Autos und Motorrädern ihre immer noch erfolgreichen - und von diesem Multkulti-Viertel stets  enorm frequentierten Werkstätten. 


Und offenbar sind die Ampelschaltungen in einer Frequenz, Die unsere Kreuzung zu einer Art Startlinie für Beschleunigungs- und Lautstärke-Tests macht. Jedenfalls ist es kaum vorstellbar,  dass derart lärmende  Boliden durch den  nächsten TÜV kommen. 

Ich will hier als alter Depp nach einem Leben als Auto-Saulus nicht den Bremsen-Paulus geben, Dafür habe ich meine diversen Sportwagen viel zu sehr geliebt und oft verbotener Weise auch entsprechend ausgefahren. Aber wirkt der Fetisch Auto-Tuning kurz vor dem zwar noch einmal nach hinten verschobenen Verbrenner-Aus und Dank der Hormus-blockade verstärkten E-Trend nicht ein wenig ewig gestrig?

Gut, die E-Mobiltät verspricht kein lautes Rülpsen von aufgebohrten Auspüffen, aber möglicherweise eine Verbesseung der Atemluft. Nicht zu vergessen, dass bei weniger stylish in die Luft gepusteten Sprit auch mehr Netto vom Brutto auf der Debit-Card bleibt. 

Und wer dann mit seinem jeweiligen fahrbaren Untersatz noch unbedingt auffallen möchte, kann ja immer noch zur Kunst  an der Karosserie wechseln...








Mittwoch, 27. Mai 2026

Eine "Entzücklika", die auch einen Agnostiker mitnimmt

Um Erlösung zu bringen, 
müsste 
der Glaube
zunächst hinter
seinen Gittern 
hervorkommen


 Der vierzehnte Leo scheint allemal  mit seiner politischen Präsenz für Überraschungen gut zu sein. Nicht nur, dass er nach langer päpstlicher Sendepause eine sehr radikale Enzyklika ausgerechnet an Pfingsten vorstellte. Er trug ihre Kernthesen auch persönlich vor. Und zwar nicht im üblichen, heiligmäßigen Singsang, sondern kernig und bewusst staatsmännisch.

Ich werde die Enzyklika vermutlich nie ganz lesen, bin aber als Agnostiker überzeugt, dass da in dieser dunklen Zeit ein echter Pontifex Maximus auf dem Heiligen Stuhl sitzt. Einer,der es vermag, Brücken zu bauen während sein scheinheiliger Landsmann im Weißen Haus sie gerade weltweit einreißt.

Dass Leo derart vor zuviel KI warnt und  gleichzeitig die Tech-Milliardäre anprangert, die sie um noch mehr Geld zu scheffeln forcieren, wird ihm vermutlich keine Gläubigen zurück bringen, Aber zu stabiler Substanz-Sicherung taugt seine Enzyklika bestimmt.

Tatsächlich sind KI-generiert durchaus verführerische "Ersatz-Religionen" denkbar, die mit neuem Seelenheil das Blaue vom Himmel versprechen könnten. Je nach Ausrichtung der Emotionsfallen statt Buße zu verlangen, im Gegensatz eben fanatische Opferbereitschaft auslösen.

Vor diesen Alpträumen kann die, die "im guten Glauben sind" nur Konfession mit Konzept befreien. Im Stil seiner Enzyklika - wenn er ihr denu  kirchenpolitisch treu bleiben kann - könnte Leo XIV sogar über die Katholische Kirche hinaus zu einer Art Messias werden...


Montag, 25. Mai 2026

Lohnt sich das denn noch?

Schwarz an sich 
Ist ja schon triste,
aber schwarz bleibende
Displays sind einfach
nur deprimierend!


 Manchmal kommt alles auf einmal. Eigentlich sollten wir schon längst den Wechsel nach Italien vorbereitet haben. Nach Pfingsten wollten wir die Familie auf der Burg treffen. Nun haben sich gleichzeitg das Auto und mein Laptop verabschiedet. 

26 Jahre hat das Auto meiner Frau  uns weitgehend ohne Mucken zwischen unseren Wohnsitzen hin und her transportiert.  Noch ein neues Getriebe hätte sich nicht mehr gelohnt. 

Die Fürsorglichste all meiner Ehefrauen hat auch in den Beziehungen zu ihren fahrbaren Untersätzen immer eine vermenschlichende Innigkeit und Zuwedung walten lassen. Vielleicht war ja das ausschlaggebend, wieso ihr Auto zehn Jahre länger gelebt hat als meines von der gleichen Marke...

Leider bin ich kein Heger und Pfleger. Meinem vom Sohnemann eingerichteten Laptop habe ich keinerlei Schonung und Zuneigung zukommen lassen. Deshalb hat er mich mitten in der Vorbereitung zu Kanes Hattrick per Elfmeter im Pokalfinale ohne vorherige Ankündigung mit Knall und eingefrorenen Bildschirm auf immer verlassen.

Jetzt tippe ich in mein Szeinzeit-Smartphone, um meine Gedanken zur Vergänglichkeit der Dinge zu sammeln. Und schon kommt die Erinnerung an meine vor zwanzig Jahren verstorbene Mutter hoch. Sie hat meinen um zehn Jahre älteren Vater um 16 Jahre überlebt, machte aber schon  ein paar Jahren nach seinem Tod keine Anstalten mehr, Verschlissenes durch Neues zu ersetzen. Dabei wurde sie 86! Ihr Spruch: Das lohnt sich ja nicht mehr!

 Er kam jedes Mal, wenn wir ihr etwas Neues besorgt hatten.

Wir waren in diesen Tagen auch nahe dran, ihn anzuwenden. Zumal ja ein Vierteljahrhundert vergangen war, in dem uns der technische Fortschritt in punkto Ab- und Abmeldung von Autos und neu Einrichten vom Computern digital erbarmungslos abgehängt hat.

Mag sich unsere Abreise auch deshalb verzögern  und meine Leserinnen und Leser das Textgestopsel meiner Posts vom Smarty ein paar mal noch auf die Nerven gehen. Wir halten durch und arrangieren uns mit den Herausforderungen des Alters, denn das lohnt sich eben doch allemal !

Freitag, 22. Mai 2026

Die globale Aushöhlung der Rechtsstaatlichkeit

Was wird aus unserer Welt werden, wenn bei allem Fortschritt die Rechtsstaatlichkeit immer mehr ausgehöhlt wird? Wenn immens Reiche sich ihr Recht durch Spitzen-Anwälte regelkonform erkaufen können und Klagen mit erpresserisch hohen Gegenklagen im Keim erstickt werden. Wie verformt das Rechtsanspruch und Rechtsbewusstsein bei den jüngeren Generationen weltweit?

Quelle: The Economist
Diese Übersicht zeigt leider
die Vereinigten Staaten
vor Trumps zweiter Amtszeit.
Das Update bei Wikipedia
https://de.wikipedia.org/wiki/Demokratieindex_(The_Economist)

Gerade hat der präsidiale Clan von Donald Trump samt Verwandtschaft eine lebenslange Generalamnestie auf  Prüfung früherer Steuer-Erklärungen durch einen Vergleich erwirkt. Seine Milliardenklage wegen Durchsteckens seiner rechtlich geschützten Unterlagen, wäre dem zuständigen Ministerium "zu riskant" gewesen. Die Summe, die für den Clan fällig wird, fließt in einen Font, der möglicherweise Gesinnungsgenossen zugute kommt, die nach der Erstürmung des Capitols verknackt wurden.

In der Türkei steht nicht nur der gewählte Bürgermeister von Istanbul und erfolgversprechendste Herausforderer des Erdogan-Regimes in einem aussichtslosen Schauprozess vor Gericht, sondern es wurde gestern auch der Vorsitzende dessen Partei gestern von der Staatsmacht abgesetzt. Angeblich weil dessen Whal nicht konform war. Auch ein Korrespondent der "Deutschen Welle", muss vor Gericht, weil er aus Sicht der übrigen Welt, die autokratischen Zustände in der Türkei so dargestellt hat, wie sie eben tatsächlich sind. Er ist zwar wieder auf freiem Fuß, aber auch dieser fadenscheinige Prozess soll im September fortgesetzt werden, So ist es, wenn Legislative zum starken Arm allein herrschender Exekutive wird.

Das Mullah-Regime des Iran lässt nach kurzem Prozess im vermeintlichen Siegesrausch mehr oppositionelle Menschen hinrichten als jemals zu vor.

Quelle: DiePresse.com
Wie in Urzeiten: Die brutalste Form der Einschüchterung
ist die öffentliche Hinrichtung von Menschen, deren einzige Schuld
der Ruf nach Freiheit ist

Die Chinesen veröffentlichen zwar keine Zahlen über vollstreckte Todesstrafen, aber es ist immer wieder überraschend, wie in der ehemaligen Volksrepublik Köpfe, die sich zu weit vorgestreckt haben, aus dem Rampenlicht verswinden, weil sie um dieselben gekürzt wurden. Wer gegen den Alleinherrscher auf Lebenszeit aufmuckt hat schnell sein Leben verwirkt.

Auch Putins nun im fünften Jahr widerrechtlich durchgezogene "Spezial-Operation" gegen die Ukraine kommt für die Jugend seines Volkes längst schon einer vom Recht sanktionierten Massenhinrichtung gleich.

Israel begeht  als Demokratie Massen-Tötungen und -Vertreibungen an den Palästinensern unter dem Siegel des Selbstschutzes. Da das bislang nicht justiziabel ist, könnte eine Verhältnismäßigkeit der Mittel so lange nicht unabhängig untersucht werden, wie dessen bereits als Kriegsverbrecher gebrandmarkte Premier den Schutz der USA genießt.

Quelle: Amnesty International
Weltweit sind immer die am meisten
 von fehlender Rechtsstaatlichkeit betroffen,
die im Prinzip nie Verursacher sind:
Die ärmsten der Armen

Es gäbe noch viele weitere Beispiele, aber das lenkte davon ab, dass auch die Alte Welt oder die EU juristisch durch Mangel an Personal und übermäßiger Bürokratie überstrapaziert an die "Grenzen von Recht haben und Recht bekommen" stößt. In keinem der noch zweifelsfrei rechtsstaatlichen Räume sind so viele Rechtshändel oder gar Strafverfahren derart lang anhängig.

Die Dauer juristischer Verfahren variiert in der EU extrem. Im europäischen Durchschnitt werden streitige Zivil- und Wirtschaftssachen in erster Instanz jedoch meist in unter einem Jahr (ca. 200 bis 300 Tage) entschieden. Über alle Instanzen hinweg liegt der EU-Schnitt für diese Verfahren typischerweise zwischen einem und zweieinhalb Jahren.

Die folgende mittels KI erstellte Übersicht, basiert auf dem EU Justice Scoreboard der Europäischen Kommission und zeigt die beachtlichen Unterschiede:

Regionale Unterschiede (Zivil- und Handelssachen 1. Instanz)
Spitzenreiter (schnellste Länder): In Ländern wie Dänemark, Schweden, Estland, Tschechien und Österreich werden viele Verfahren sehr zügig abgewickelt und dauern oft deutlich weniger als 200 Tage. Mittelfeld: Deutschland liegt mit durchschnittlich rund 200 bis 240 Tagen im soliden europäischen Mittelfeld. 
Für Zivilprozesse vor dem Landgericht in erster Instanz muss in Deutschland im Schnitt mit 17,5 Monaten gerechnet werden, während Amtsgerichte deutlich schneller sind.

Schlusslichter (langsamste Länder): In Ländern wie Italien oder Griechenland können sich Verfahren über alle Instanzen hinweg oftmals auf bis zu 3 Jahre (ca. 1000 Tage) oder mehr ziehen.

Dauer nach Verfahrensart:

Strafrecht: Verfahren wegen schwerer Kriminalität oder Wirtschaftsstrafsachen sind oft sehr komplex und können EU-weit häufig ein bis zwei Jahre, in Ausnahmefällen sogar bis zu vier Jahre in Anspruch nehmen.

Verwaltungsrecht: Streitigkeiten mit Behörden dauern in der Regel länger als reine Zivilprozesse zwischen Privatpersonen. Hier liegt die Dauer in erster Instanz oft bei über 300 Tagen.

Europäische Gerichte: 

Sollte ein Fall direkt vor den EU-Gerichten in Luxemburg verhandelt werden (z. B. Vorabentscheidungsverfahren), muss mit folgenden Bearbeitungszeiten gerechnet werden:

Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH): durchschnittlich ca. 16 bis 17 Monate.

Gericht der Europäischen Union (EuG): durchschnittlich etwa 16 bis 19 Monate.

Quelle: Europäische Union
EUGH-Sitzung mit fünf Richtern


Mittwoch, 20. Mai 2026

Ja, wenn es schön macht!


Wenn wir in unseren sprachlichen Rüpel-Jahren einen Geschlechtsgenossen beleidigen wollten, sprachen wir schon mal von einer "Hackfresse"*. Weil es in dieser Welt offenbar nichts mehr gibt, war es nicht doch geben könnte, las ich gestern vom "Looksmaxxing".
Das sei ein von Influencern beeinflusster Trend, die männliche Schönheit prägnanter zu machen. Mitunter geschehe das auch durch "Bonesmashing" also gezieltes zertrümmern von Gesichtsknochen, um - wie die Delinquenten es nennen, das Gesicht markanter zu machen und um dadurch das Erscheinungsbild zu mehr Männlichkeit zu "verformen".
Die komplette Anleitung
gibt es sogar bei
Amazon auf Lager
In meinem Alter geht wohl nichts mehr ohne "Flashback", denn mir fielen sofort mehrere Spitzen-Manager einer großen Versicherungsfirma ein, in deren "erlauchten Kreis" ich mal für Jahre als Berater sitzen durfte. Der Konzern rekrutierte die Führungskräfte offenbar bevorzugt aus sogenannten "Schlagenden Studentenverbindungen". Dementsprechend wirkten die Männer dieser Runde mit ihren zum Teil grotesken Schmissen über Nase und kahle Schädel eher als seien sie Versicherungsnehmer und wollten "einschlägige" Schäden ersetzt haben. Komisch, aber beim "Afterwork"-Umtrunk fielen sie nicht heldenhaft, sondern durch eine eher zum Fremdschämen veranlassende Einstellung gegenüber dem weiblichen Geschlecht auf. Ewig gestrig also!

Und genau da zeigen sich Parallelen zu diesem aktuellen Influencer-Wahnsinn. Der überzogene Anspruch nach männlicherem Aussehen birgt wohl auch ideologisch bedingte Verächtlichkeit gegenüber dem Geschlecht, dem man ja wohl eigentlich gefallen möchte. Der Gedanke dahinter: Die so erworbenen Männlichkeit soll nach der Alpha-Männchen-Methode die zu erobernde Weiblichkeit eher einschüchtern. Wie das Brusttrommeln brunftiger Gorillas.

Quelle: Luxemburger Wort

Entlarvend ist wohl dabei eine Rangliste; Hier das Zitat:
Die Influencer, die auf TikTok, Instagram und YouTube ihren männlichen Followern "Looksmaxxing" predigen, messen Attraktivität allerdings auf einer von ihnen erfundenen Punkteskala, mit der sie die jeweiligen Gesichtsproportionen bewerten. Wer in den unteren Stufen landet, ist demnach ein "Sub", oder "Untermensch".**

Wer junge, noch zu beeinflussende Männer in der Familie oder im Freundes- und Bekanntenkreis hat, sollte unbedingt den vollständigen Beitrag lesen:

https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/looksmaxxing-maennlichkeit-100.html

Quelle: Wikipedia
Der Rücksturz in gestrige Tendenzen,
könnte mit dem Erstarken der Rechtspopulist*Innen 
einher gehen
*Eine "Hackfresse" ist ein derber, umgangssprachlicher Ausdruck für ein hässliches Gesicht oder eine unansehnliche Visage. Der Begriff setzt sich zusammen aus "Hack" (als Synonym für zerkleinertes Fleisch oder umgangssprachlich für "Hauen/Schlagen") und "Fresse" (derben Ausdruck für das Gesicht). 

**"Untermensch" ist eine Bezeichnung von Nazis für Juden. Solche Anklänge an rechtsradikale bis rassistische Denkmuster sind nicht zufällig, denn aus dieser Ecke kommt "Looksmaxxing", entstanden in den Echo-Kammern der frauenfeindlichen "Manosphere". Ihre Inhalte richten sich mit frauenverachtenden Aussagen besonders an junge Männer und Jugendliche, um Bilder einer starken Männlichkeit zu verbreiten.

Montag, 18. Mai 2026

Wenn zwei Mega-Egos im Zirkus Theater machen

 

Quelle: rausgegangen
Manchmal jagt der Kalender mir Schrecken ein. Das kann doch nicht sein, dass das "Circus-Theater Roncalli" heute den 50. Geburtstag seiner Premiere feiert. Am 18 Mai 1976 fand die erste Vorstellung dieses sagenumwobenen Kunst-Projekts auf der Hofgarten-Wiese in Bonn statt.
Zwei multitalentierte Kunstschaffende hatten sich für dieses Konzept zusammen getan, dass ehrgeizig mehr sein sollte als die traditionellen Dressur- und Artisten-Shows: Der ehemalige, die Zeitschriften-Gestaltung generell beeinflusst habende Art-Director der Österreichischen Zeitschrift "Profil", Bernhard Paul, und der Schauspieler, Sänger und als Kreativ-Dynamo sich stets neu erfindende André Heller.

Quelle: Circus Roncalli
Schon als Kind hatte Bernhard Paul 78
den Wunsch, einmal Zirkus-Direktor zu werden
Ich war für ein Männer-Magazin bei einer Sneak-Preview auf dem ersten Stellplatz für das farbenprächtige Zelt in München nahe den Pinakotheken, den sie später inoffiziell dann als Haltestelle Roncalli-Platz nannten. Da waren die beiden schon zerstritten und in einen für das junge Projekt beinahe ruinös langen Rechtsstreit verwickelt. Wie meist war Heller wohl unerbittlich bei den Bühnenbildern gewesen und hatte einen Teil der Darsteller mit sich genommen. Erst 1992 versöhnten sich die zwei Mega-Egos, als sich Heller bei Paul entschuldigte.

Quelle: Circus Roncalli
Neben Paul, der den Clown "Zippo" gibt,
tritt auch seine gesamte Familie
in die "Manege" von Roncalli 

Von der anfänglichen, bezaubernden Phantasie entwickelte sich Roncalli - zumindest in München - zu einem Must Have der Schickimickis. Woraus dann 2006 in logischer Folge unter Zuhilfenahme des von mir einst sehr geschätzten Jahrhundert-Kochs Eckart Witzigmann ein kaum noch zu bezahlender, aber dennoch sofort ausverkaufter Gourmet-Zirkus wurde.

Nach Korona wurde das Jahr der Wiederauferstehung 2022 überraschend zum erfolgreichsten in der Geschichte von Roncalli

Ab 25. Mai 2026 beginnt die neue Tournee mit 67 Veranstaltungen. Die vorweihnachtlichen Termine in Linz sind jetzt schon ausverkauft. Die Idee vom Circus Theater Roncalli lebt also!

Quelle: vonREISENundGÄRTEN
Bald wird er 80, aber noch immer
ist er von neuen Projekten
besessen. Wie das hier in dem von
ihm geschaffenen:
"ANIMA - die Rückkehr des Paradieses"
am Stadtrand von Marrakesch.
Oder...

Quelle: WELT
... er singt immer noch eigene Lieder
 und Chansons mit zeitkritischen Texten.
"Diesen Kapriolen-Dandy braucht die Welt!",
schrieb eine Deutsche Zeitung 2019


Freitag, 15. Mai 2026

Forrest Trump?

 Vor vierzig Jahren veröffentlichte Winston Groom (1943 - 2020) einen Roman, der durch seine Verfilmung berühmter wurde als "Vom Winde verweht" oder "Jenseits von Eden". Groom entlehnte die Literaturposse "Der abenteuerliche Simplicissimus Teutsch" (erschienen1668/69), in der Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen den Irrsinn des Dreißigjährigen Krieges thematisierte, und ließ seinen tumben Helden durch vier Jahrzehnte gegenwärtiger US-Geschichte stolpern: Forrest Gump.

Quelle: Wikipedia
Winston Groom 2014

Die Verfilmung gereichte Hauptdarsteller Tom Hanks und Regisseur Robert Zemeckis durch die sechs Oscars, die sie einheimste, zu nachhaltigerem Ruhm als dem Autor, der in der jahrelangen Hype um den Film eigentlich übergangen wurde. Nach deren Erfolg schrieb Groom vielleicht deshalb noch eine Fortsetzungs-Geschichte unter dem Titel "Gump&Co (1996). Damit hat er seinem Hauptwerk jedoch keinen guten Dienst erwiesen. Weshalb heute vielleicht nur noch Insider von dem Autor wissen und seine "seherischen Fähigkeiten" beim Wandel der Vereinigten Staaten umso mehr hervor heben.

Quelle: Osiander
Ob dem POTUS noch eine
neue Pingpong-Diplomatie reichen wird?
Erstmalig wurden in die Filmszenen historische Filmdokumente eingebracht, durch die sich Forrest Gump mittels einer damals neuartigen Technik bewegt, als hätte er sie so scheinbar dokumentiert erlebt. Es lohnt sich unter diesem Aspekt und angesichts der Deep-Fake-Möglichkeiten heute, den Film noch einmal anzuschauen. Aber auch wegen der damals aufgespießten "Verblendungen" des American Way of Life bekommt die aktuelle US-Politik einen Spiegel vorgehalten.

Ich jedenfalls hatte gestern durch den Auftritt des US-Präsidenten beim Staatsbesuch in China einen regelrechten Flashback zu der persiflierten Pingpong-Politik im Film. Als seien nicht drei Jahrzehnte seither vergangen. Nur mit dem Unterschied, dass der aktuelle US-Präsident langsam zum Regisseur und Hauptdarsteller seiner eigenen Satire wird.

Quelle: Tagesspiegel