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Seit Jahresbeginn erhalten 18jährige wieder Briefe zur Wehrerfassung. Damit soll für den Fall vorgebeugt werden, dass die Freiwilligkeit, in der Bundesweht Wehrdienst zu leisten, doch nicht ausreicht, uns wirkungsvoll zu Wehr zu setzen. Viele Empfänger bleiben bislang aber die Rücksendung der Fragebögen schuldig.
Ich bin als anerkannter Wehrdienstverweigerer eindeutig Partei, aber versuche hier aus der Erinnerung meine Beweggründe von damals auf den Prüfstand zu stellen.
Damals - das war 1968 - musste ich formell und schriftlich begründen weshalb ich den "Kriegsdienst" - oder zumindest den "Dienst an der Waffe" verweigerte. Ich verwendete keine Argumentationskette, wie sie von der Organisation BdK (Bund der Kriegsdienstgegner) empfohlen wurde, sondern verließ mich darauf, dass auch meine ethischen Gründe Anerkennung finden würden.
Mein Vater, Kriegsteilnehmer und Bundesbeamter höheren Ranges, bekam bald darauf einen Brief vom Ministerium, er möge doch auf seinen Sohn einwirken. Quasi mich zur Vernunft bringen.
Was immer mein Vater in seiner Empörung über dieses Ansinnen geantwortet hat, bewirkte, dass ich sehr schnell vor der Kommission zu erscheinen hatte. Meine Begründung baute darauf auf, dass ich nach Lage im anzunehmenden Kriegsfall auf die geknechteten "Brüder und Schwestern" in der DDR schießen müsste.
Die immer wieder perfide gestellte Fangfrage, was ich denn täte, wenn der marodierende Feind unmittelbar meine Familie bedrohte, machte mich richtig wütend. Wenn der F e i n d schon so weit vorgedrungen sei, wäre ich vermutlich nicht mehr am Leben oder wäre beim Versuch zu meiner Familie zu kommen, als Deserteur standrechtlich hingerichtet worden. In der beschriebenen Situation hätte es nämlich gewiss keinen "Urlaub von der Front" gegeben. Also sei die Frage, ob ich durch meine Gegenwehr riskierte, meine Familie abschlachten zu lassen, doch nur hypothetisch.
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| Quelle: Amnesty International In den seltensten Fällen trägt das individuelle Opfer für Anfang und Ende eines Krieges die Schuld |
Ist ein Krieg vorbei, muss jeder nach gegebenen Umständen als Individuum für sich entscheiden ob sein Leben mehr zählt als dessen Qualität unter Fremdherrschart von Siegern über Besiegte
Tatsächlich hielt meine Mutter dann ihre Familie über Wasser, indem sie nach der Flucht im bereits "befreiten" Hamburg eine Anstellung beim Britischen Offiziers-Club erhielt.
Dass aus feinden Freunde werden konnten, hatte ich vor dieser Anhörung ein Jahrzehnt lang in unmittelbarer Nachbarschaft von amerikanischen Spielgefährten und deren Eltern in München erfahren dürfen.
Von den Erlebnissen jedoch, die ich vor der Wiedervereinigung durch Spitzeleien von Kollegen aus der DDR erfahren musste, konnte ich damals glücklicher Weise noch nicht einmal ahnen.
Heute als alter Mann weiß ich längst, dass die Zeit de facto keine Wunden heilt. Vielmehr müssen Betroffene zum Über- und Weiterleben auch wissen, dass manche der verbliebenen Narben bei jedem "Wind of Change" wieder zu schmerzen beginnen.



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