Mittwoch, 4. März 2026

Wie aus Persien der Iran wurde

 Im Prinzip lassen sich der Iran und das frühere Jugoslawien gut mit einander vergleichen. Beiden brodelnden Vielvölker-Staaten hielten jeweils Autokraten den Deckel drauf. Bei den Persern war das Shah Resa Pahlavi sowie die Ayatollahs und bei den Jugoslawen Josip Broz Tito. So lange der Deckel mit Gewalt gedrückt wurde, gab es eine Hegemonie, die im äußeren Erscheinungsbild den trügerischen Eindruck von Befriedung in Einigkeit bot. Und die wollte zumindest beim Shah niemand wirklich infrage stellen.

Ich erspare mir hier den Rückblick auf die Vertreibung des Schahs durch die Mullahs und was nach dem Tod Titos im verheerenden Balkan-Krieg der 1990er gipfelte. Aber vermutlich bin ich einer der wenigen, die beide Länder aus der Perspektive eines Zehnjährigen und später als Berichterstatter im Wandel minutiös erlebt haben (Ich verweise auf meine

Quelle: Wikipedia
Auch die Rudimente in Perspolis
belegen  die vielfältigen Ethnien
des heutigen Iran

semifiktiven Erzählungen "Sarajewo" vom 2. September 2013 und "JoJo" vom 3. Juni 2013. Letztere soll aus aktuellem Anlass verdeutlichen, was den USA bei längerem Krieg mit dem Iran durch die Vernetzung der Ayatollahs erwarten könnte.)

1935 entschied der Shah den  aus seiner Sicht unzutreffenden Namen Persien durch den Namen Iran zu ersetzten, Eine Verkürzung die auf das Wort Ariana für "Land der Arier" zurück ging. Seither haben die  rund 80 Millionen Untertanen dieses riesigen Reiches nicht annähernd so etwas wie Demokratie erlebt. Aktuell gibt es sogar nicht wenige Experten, die skeptisch sind, ob die "Perser", die es ja so gar nicht als Ethnie gibt, nach dem Kriegsziel im Sinne der Amerikaner überhaupt "Demokratie können"

Ganz kurz meine persönliche Erinnerung: Eigentlich wollte die ganze Familie im Jahr 1959 die Reise im VW-Käfer, die beim Dienstherren meines Beamte-Vaters schon umstritten genug war, bis Teheran fortsetzen. Aber wir kamen nur bis Täbris. Die Pässe wurden uns bei der Anmeldung im Hotel nicht nur einbehalten, sie landeten in der Nacht noch beim Stadtkommandanten.

Quelle: Täbris
Damals 1959 war Täbris rund um
den Shahgoli Park noch überschaubarer
Der residierte in einem Palais inmitten eines künstlichen Bassins. Wir wurden in einem für mich damals riesigen Ami-Schlitten von Sicherheitsleuten abgeholt. Von dem, der neben mir saß, landete die Hand direkt und die gesamte Fahrt lang in meiner kurzen Hose. Ich war schockerstarrt und machte keinen Mucks, weil mein Vater uns vorher Anweisungen gegeben hatte, nur nichts zu sagen, aber auf keinen Fall von "Persien" zu sprechen.
Der Stadtkommandant sprach eine Mischung aus Englisch und Deutsch, und er lobpreiste Adolf Hitler als großen Mann. Wir schwitzten nicht nur wegen der Temperatur. Als wir nach langem Monolog endlich unsere Pässe mit einem riesigen Iranischen Stempel zurück bekommen hatten, packten wir im Hotel für die sofortige Rückreise in die Türkei unsere Sachen. Vor meinem Bett lag - wie um sich für immer in meinem Gehirn einzubrennen - ein großer platt getretener Skorpion.

Ein Jahr später auf dem Privat-Gymnasium saß ich neben Goli Aqsa (phonetisch eingedeutscht), einem Persischen Mädchen, zwei, drei Jahre älter als ich und eigentlich schon eine junge Frau. Sie war die Tochter eines gerad vor dem Shah-Regime samt Familie geflohenen Chirurgen. Wie damals nicht wenige Landsleute hatte sie eine internationale deutsche Schule besucht, und ich - durch die noch frischen Erinnerungen - war für sie eine Art Bestätigung, dass ihr Papa das richtige getan hatte.
Quelle: Dolomitenstadt
Wer sie vereinzelt trifft,
findet die Belutschen friedfertig 
und gastfreundlich


Quelle: Wikipedia
Wer wäre denn in der Lage,
zu verhindern, dass sich Farsen
und Kurden oder all
die anderen Ethnien nicht wieder
an die Gurgel gingen?
Wieso ich gerade jetzt in Erinnerungen krame. Ich weigere mich, zu glauben, dass alle Exil-Perser aus jener Generation und ihre Kindeskinder wirklich wieder einen Shah haben wollen. Aber blühte dem Iran nach Beendigung der Kriegshandlungen womöglich ein Zustand ohne Integrationsfigur an der Spitze könnte es "Postjugoslawische Verhältnisse" geben. Da käme es zum Ausbrechen den alten Konflikte und um historisch schon immer angestrebte autonome - eben selbst bestimmte Unabhängigkeit: Schiiten gegen Sunniten, Farsen gegen Kurden, Luren gegen Belutschen, Araber gegen Turkmenen. Angeblich steht nichts von einem Konzept zur Befriedung der Stämme im 190seitigen Programm für die "Machtübernahme" des Pahlavi-Sohnes. Was darauf hinaus liefe, dass die, die diesen Krieg begonnen haben, für Irans Zukunft gar nicht an demokratischen Verhältnissen interessiert sind...

Womöglich könnte das ganze ein Krieg mit offenem "Venezuela-Ende" werden.


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