Was sagt das über eine Nation aus, der das Schicksal eines gestrandeten Buckelwals mehr Sorgen bereitet als der Zustande der Welt? Respektive des eigenen Landes nach zwei Wahlen, die der AfD beängstigende Zuwächse verschafften. Und dann hat der vorerst befreite Wal auch noch Kurs auf die Küste von "Meckpom" genommen, wo am 20. September diesen Jahres womöglich ein AfD-Kandidat Landtagspräsident durch einen neuerlichen Erdrutsch-Sieg zu Lasten der SPD-Amtsinhaberin Manuela Schwesig werden könnte. Ein Wal als Wahlkampfmaschine und Wahlhelfer - das gab es noch nie! Und er vereint eben die Nation tierliebender Gutmenschen zu einer Zeit, da es gelinde Zweifel an ihrer politischen Ausrichtung gibt.
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Verendet der orientierungslose, jugendliche Meeressäuger trotz aller Rettungsversuche doch noch, könnte er als Menetekel des Untergangs gedeutet werden. Obsiegt er in der durch ihr geringeres Salzgehalt weniger tragfähigen Ostsee, dann könnte er zum neuen Symbol der "Blauen", der oben schwimmenden Neonazis werden.
Es ist in jedem Fall diese Zwiespältigkeit, die mich an meinen Mitmenschen immer wieder fasziniert: Wie können sie bei Chips und Bier eine derart kollektive Empathie für ein einziges, hilfloses Lebewesen entwickeln und gleichzeitig stoisch vor der Glotze Zerstörung und Tod verdauen? In immer tragischeren Zahlen für nix und wieder nix inszeniert von durchgeknallten Despoten!
Da ich diesen Widerspruch leider auch bei mir so entdecke, bin ich zu folgendem Schluss gekommen: Dieser Wal ist ungewollt zum Therapiebegleit-Tier einer ganzen Nation geworden, der ihre Hilflosigkeit immer deutlicher bewusst wird. Ein dämmernde Erkenntnis, die sich nach all dem Wohlergehen in nackte Angst verwandeln könnte...
Aber wie wird er noch als Seelen-Balsam nachwirken, wenn der Problem-Wal wieder aus den Schlagzeilen verschwunden ist? Wenn er gestorben oder untergetaucht, unser Mitgefühl mit sich genommen hat?
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| Quelle: Nachrichtenleicht |
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