Montag, 16. März 2026

Wieder eine Ausrede weniger

 In den kommenden Wochen wird es wieder so sein, dass Leute, denen wir begegnen, über Antrieblosigkeit klagen, um sich einer auch tagsüber auftretenden Müdigkeit hinzugeben. Als März-Geborener kenne ich dieses Phänomen mein Leben lang: Ich fiebere den längeren Tagen entgegen, doch bevor ich im Mai und Juni zur "Höchstform" auflaufe, muss ich durch ein tiefes Tal, das mich mit Schlaflosigkeit bei gleichzeitig permanenter Müdigkeit daran hindert, durchzustarten. Kommen dann noch Vollmond oder gar anhaltender Föhn hinzu, werde ich gänzlich ausgebremst. Wirklich?

Quelle: swr.de

Tatsächlich bin ich ein typischer Deutscher, der sich gerne Ausreden gönnt und sie auf naturgegebene Umstände schiebt. Christine Blume vom Zentrum für Chronobiologie an der Universität Basel hat mir jetzt auch noch die letzte Ausrede genommen. Denn die Frühjahrsmüdigkeit, auf die ich mich immer gerne bezogen habe, gäbe es eigentlich gar nicht und sei eine deutschsprachige Erfindung, die übersetzt  aus anderen Sprachen durch den Begriff "Frühlingsfieber" konterkariert werde: 
https://www.tagesschau.de/wissen/studie-fruehjahrsmuedigkeit-100.html.

Quelle: RND

Die Quintessenz meines Lebens als Ausreden-Erfinder sind demnach Einbildungen und kulturellen Narrativen zuzuschreiben.
. Meine Kölner Großeltern hatten eine Haushälterin (dat Berta), die vorgab, dass ihre somnambulen Anfälle dem Vollmond zuzuschreiben gewesen seien. Sie behauptete mir gegenüber neben allerhand dramatisch vorgetragener Spökenkiekerei, regelrechte Visionen gehabt zu haben. Beispielsweise sah sie meinen Großvater zwei Tage nach seinem Tod wieder an seinem Schreibtisch sitzen. Das hat mich wohl derart beeinflusst, dass ich dem Mond lauter zwar logisch begründete Einflüsse zu ordnete, die aber im Laufe meines Lebens von Forschenden haarklein widerlegt wurden. Der Mond, der ja für die machtvollen Gezeiten sorgt, hat demnach keinerlei Einfluss auf unser Wesen - es sei denn, er stört den Schlaf durch seine Helligkeit.

Das sagt die KI dazu:
Wissenschaftlich ist ein direkter Einfluss des Mondes auf die menschliche Psyche kaum belegt. Zwar berichten viele Menschen von Schlafproblemen und emotionaler Unruhe bei Vollmond, Studien zeigen jedoch meist keine signifikanten Zusammenhänge, was auf subjektive Wahrnehmung (Mythos) hindeutet. Eine Ausnahme bildet der Einfluss auf den Schlafzyklus.

Als ich von Hamburg nach Bayern kam, stöhnten die Erwachsenen immer unter dem Einfluss des Föhns, dem Fallwind, der vom Süden über die Alpen braust. Also nahm ich ihn im Glauben an, er wäre durch seinen Druck auch für jegliche Art meiner Fehlreaktionen verantwortlich. Vor allem, wenn ich wieder einmal aus Faulheit eine Klassenarbeit versemmelt hatte. Bei aller Föhn-Adaption ignorierte ich sogar, dass er mir eigentlich durch Wärme und gleichzeitig kühlenden Wind stets auch eine Art Wohlgefühl vermittelte - wie der indigen Chinook genannte Föhn beim Skifahren in den Rocky Mountains.

Das Wetter beeinflusst unseren Organismus - ob es eine eigenständige Föhnkrankheit gibt, ist allerdings umstritten. Es gibt zwar viele Hinweise, dass Müdigkeit, Unruhe, Unkonzentriertheit, Kopf- und Narbenschmerzen sowie Schlaflosigkeit mit dem Föhn zusammenhängen, aber es gibt Forscher, die Wetterfühligkeit eher als ein vorübergehendes Phänomen begreifen.

Bald ist Frühlingsanfang - liebe Leserinnen und Leser - also gebt euch euren Ausreden hin. In diesen schweren Zeiten können die kleinen Malaisen, die uns unser Hirn vorspielt, die Lage kaum noch verschlimmern.

Quelle; netDoktor

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