Donnerstag, 1. Februar 2024

Besserwisser sind selten auch Bessermacher

Quelle: Universität Wien
1836 schrieb der liberale Arzt und Essayist 
Ernst von Feuchtersleben, unter anderen Mitbegründer der Psychosomatischen Medizin:

„O der Alles - Besserwisser, 
 Superklugen Kannengiesser!
 Wenn zu Haus auch der Pantoffel
 Ueber seinem Haupte droht
Weiß doch niemand so wie Stoffel,
Was der Menschheit thäteNoth.“



Leichtsinniger Weise habe ich mir vergangenen Mittwoch die Haushaltsdebatte im  Deutschen Bundestag angetan. Nichts über parlamentarische Streitkultur, aber diese gewählten Phrasendrescher vergessen offenbar, dass nicht alle Zuseher/Innen so vergesslich oder derart eingeschränkt in ihrem Horizont sind wie die Wähler, die so massenhaft der AfD zulaufen wollen. Mit der Redeschlacht wurde sowohl inhaltlich als auch durch den Mangel an Seriosität der aktuell so gefährdeten Demokratie ein Bärendienst* erwiesen.
Paint Collage CD auf Basis FAZNet

Es ist eine unumstößliche Tatsache, dass die Versäumnisse der 16 Jahre Merkel-Moderation nicht innerhalb von zwei Jahren Ampel-Koalition ausgeglichen werden können. Unter der seit Gründung der Bundesrepublik erstmals anhaltenden Kriegs-Bedrohung, die wesentlich zur Schieflage des Haushalts beigetragen hat, schon gleich gar nicht. Aber als vernünftiger und betagter Bundesbürger, der tausende Solidaritätsbekundungen und -Forderungen seiner Regierungen schon erlebt hat, möchte man sich schon fragen, wieso an einem Tag, die Zusammenarbeit von der Opposition ausdrücklich verweigert, und schon am Tag drauf der Ampel ihr Mangel an Kooperationsbereitschaft von der selben Partei angekreidet wird. Vor allem von den Besserwissern, die im Ministeramt der voran gegangenen Legislaturperiode schon grandios am Bessermachen gescheitert waren, und jetzt wieder wenig kleinlaut das Maul aufreißen

Friedrich Merz ist nicht nur möglicher Weise eine Mimose.  Er ist vielmehr auch ein Besserwisser, der glaubt, ein Land zu regieren, sei so leicht, wie massenhaft und kompromisslos bei "Blackrock"  oder mit Aufsichtsrats-Mandaten Kohle zu scheffeln. Tatsächlich hat er sich ja noch in keinem Staats- Amt bislang als Bessermacher beweisen können. Angela Merkel wird schon gewusst haben, wieso sie ihn nicht in ihrer Nähe haben wollte. Bleibt er in der K-Frage vorne, spielte die CDU, die aktuell ja einige in den Bundesländern reüssierende, charismatischere  Ministerpräsidenten in der Hinterhand hat, der AfD noch mehr in die Karten. Denn die Ampel hat sich leider zum falschen Zeitpunkt an der gefährlichsten Kreuzung der jüngeren Geschichte aufgestellt und dabei die Erkenntnis vernachlässigt, dass eine Ampel, die in allen drei Farben gleichzeitig aufleuchten will, eine eindeutige Fehlfunktion hat.
Quelle: Badische Zeitung













*Im Grunde heißt es: Gut gedacht, schlecht gemacht; man möchte jemandem einen Gefallen tun, fügt ihm aber Leid und Unbill zu. Der Begriff geht zurück auf eine Fabel des französischen Dichters Jean de La Fontaine aus dem 17. Jahrhundert. In "Der Bär und der Gartenfreund" sind das Raubtier und der Gärtner gute alte Kumpel, da entdeckt der Bär eine Fliege auf der Nase des im Garten schlummernden Freundes und wirft einen schweren Stein nach ihr, "zermalmt des Greises Haupt, die Fliege zu verjagen, / und hat - ein guter Schütz, allein höchst mangelhaft / als Denker - auf der Stell' ihn mausetot geschlagen". Und die Moral von der Geschicht'? Die geht so, laut Jean de La Fontaine: "Nichts bringt so viel Gefahr uns als ein dummer Freund; weit besser ist ein kluger Feind." Zitat: SZ

Dienstag, 30. Januar 2024

Die Quadratur des Greises

 

In wenigen Wochen habe ich das Sterbe-Alter meines Lebensfreundes erreicht, der vor zwei Jahrzehnten an Krebs verstarb, aber noch wenige Tage zuvor neun Löcher Golf auf dem schwierigsten Platz seines Französischen Heimatdorfes gespielt hat. Mein vier Jahre älterer Freund hier macht sich direkt nach einem Hörsturz auf nach Dubai auf, um Wärme zu tanken - und Golf zu spielen. Selbst meine um sechs Jahre ältere Schwester hat zwischen den Jahren im Isarwinkel (!) Golf gespielt. Und das nach zwei schweren Rücken-Operationen 2022!
Ich kann schon seit sechs Jahren nur noch vier Löcher einigermaßen ergebnisorientiert spielen - ehe mich ein unergründliches Nervenzittern lahmlegt. Immerhin konnte ich bis zu meinem häuslichen Unfall im vergangenen Juli noch nonstop bisweilen mehr als 15 Kilo unserer Vorräte auf die Burg schleppen, ohne dass sich meine Atemfrequenz oder mein Puls sonderlich erhöhten.

Quelle: YouTube
Ach gäbe es doch ein Waschmittel, das das Ich
vom inneren Schweinehund befreite
Quelle: Bernd Klenk
Jetzt muss ich jeden Morgen im Badezimmer-Spiegel zusehen, wie der "Gilb", der unbarmherzige Geist des Erbleichens, mich zunehmend in einen grimmigen Greis verwandelt. Hänge ich zu wenig an einem zukünftigen Leben, dass ich es nicht den oben Beschriebenen nachmachen kann?
Zwar hoppele ich ohne Krücken und Stock in der Wohnung herum wie Käpt'n Hook, aber ich habe immer noch Angst vor längeren Wegen an deren Ende ich mich nirgends hinsetzen kann. Bislang habe ich mein Zögern noch auf Kälte und Dunkelheit schieben können, aber jetzt gehen mir langsam die Ausreden aus.

Ich habe im doppelten Sinn das Gleichgewicht bislang nicht wieder finden können. Einerseits die Ausgewogenheit im Umgang mit mir und andererseits in der Wahrnehmung der Balance beim Gehen. Ich verfluche meine Unachtsamkeit und den Mangel an Trainingsbereitschaft. Wieso ist die Fähigkeit in Würde zu altern, so ungerecht verteilt? 

Quelle: Kaiserin-Theophanu-Schule Köln

So wie es nur mühselig rechnerisch eine annähernde Quadratur des Kreises gibt, so multipliziert sich die durchaus mögliche Quadratur des Greises immerhin durch Faktoren, die er selbst bestimmt. Jammern hilft nicht, und auch KI wird  Greisen erst in Zukunft etwas bringen, wenn Elon Musk und Konsorten die elektronischen Gehirn-Implantate, die sie gerade erproben im Fein-Tuning z auch für Rentner erschwinglich machen. Am Anfang des Alterns steht vorerst immer noch die Überwindung des inneren Schweinehundes oder der Glaube, den meine mit 86 verstorbene in Köln geborene Mutter stets aus Paragraph 3 des Kölschen Grundgesetzes bezog:
§ 3 - Et hätt noch immer jot jejange
https://www.koeln.de/koeln/das-koelsche-grundgesetz-die-11-regeln-der-domstadt_1121331.html

Sonntag, 28. Januar 2024

Von Netzwerken und "Blaupausen"

Nachrichten mit dem Ziel der Aufklärung zu verbreiten, wird immer gefährlicher. Ich bin froh, dass ich nicht mehr journalistisch tätig bin und meine Blogs nur Wenige besuchen, die sie nach dem Lesen meist auch nicht teilen. Meine beruflichen Kunden habe ich früher gerne mit folgendem, aus der Luther-Bibel entlehnten Spruch gewarnt:

Wer sich in die Öffentlichkeit begibt, kommt darin um!

Ich meinte das aber eher im Sinne von Suizid, denn dass Journalisten mit Mord bedroht, entführt oder tatsächlich umgebracht wurden, geschah damals nur in Ländern, in denen Meinungsfreiheit noch nie etwas gezählt hatte. Ich wollte sicher gehen, dass die Klienten sich sicher waren, nicht irgendwo "Dreck am Stecken" mit sich zu führen, wenn sie sich entschlossen für ihre Sache ins Rampenlicht zu treten.
Beim Sport war das in den Tagen der Wiedervereinigung besonders schwierig und oft moralisch zwiespältig, ost-westliche "Aufarbeitung" von der Arbeit der aktuellen Aktiven und Funktionäre. fern zu halten.
"Geh du mal, und erklär denen das!" Hieß es dann oft. Aber ich war eben kein sogenannter "Spindoctor", sondern verstand meine Arbeit stets als Schadensabwendung vom Großen und Ganzen. Dazu musste man sich nicht neben die "Delinquenten" stellen, sondern Fäden ziehen und Netzwerke aktivieren. Allerdings habe ich nie hinterm Berg gehalten, wenn es um  "nicht wählbare" Kandidaten ging.

Quelle: YouTube
https://www.youtube.com/watch?app=desktop&v=WPjnhKnrMeo
Das musste ich vorab einfach mal loswerden, vor allem, um den Unterschied zwischen Manipulation und Schutz der Persönlichkeit erahnen zu lassen. Aber ich bin mir gerade nicht mehr sicher, ob das so in der Gegenwart überhaupt noch funktionieren kann. Zu sehr hat sich der Umgang mit den Medien und ihren Berichterstattern  verändert, um nicht zu sagen verhärtet.
Wenn KI-Suchprogramme Doktorarbeiten in Sekundenschnelle nach Plagiaten durchforsten können. Wenn "Öffentlich Rechtliche" unter General-Verdacht gestellt  und deren Mitarbeiter vom Mob für vogelfrei erklärt werden. Wenn wiederum die Staatsmacht solche Kanäle zu deren Festigung in ihre Gewalt bringen  und diesen Akt auch juristisch absichern möchte. Dann ist es eben angebracht, dass sich Recherchen-Kollektive auch ohne öffentlichen Auftrag in Netzwerke mogeln, um haarsträubende Vorgänge aufzudecken, die unsere Gesellschaft unbemerkt zu ihrem Schaden verändern könnten.

Das freundliche Lächeln
des Hasses:
Österreichs führender
Identitärer:
Martin Sellner agiert immer häufiger
grenzüberschreitend
Quelle: wikipedia
Daher wird jetzt das "Aufstehen gegen Rechts" zurecht von Tag zu Tag so weitergehen. Und es ist ja nicht nur das "Arme Deutschland", das da multimedial unterwandert wird, sondern nahezu in allen Ländern der EU wird der Rechtsruck nach einer Art Blaupause unisono quasi konzertiert gesteuert. Verblüffend nur, dass das Denkmodell der Medienzersetzung wieder einmal eine österreichische Handschrift trägt.

Hier mal eine spannende Horror-Lektüre zum alten Thema. "Denk ich an Deutschland in der Nacht...":

https://correctiv.org/aktuelles/neue-rechte/2024/01/10/geheimplan-remigration-vertreibung-afd-rechtsextreme-november-treffen/

Donnerstag, 25. Januar 2024

Werte, wie wir sie wünschen, wird weder Werteunion noch AfD wollen

Denker im Quer-Format mit Brillen im Himmler-Style:
Hans Georg Maaßen und Thilo Sarazin
demonstrieren gleichermaßen,
wie man sich von rechts und links
wohlfeil in faschistisches Gedankengut
hinein salbadert
Es geht heute nicht mehr um die Frage kleiner politischer Korrekturen in die eine oder andere Richtung. Heute geht es um alles: es geht darum, ob es das Deutschland, wie wir es kennen, weiterhin geben wird. Es geht darum, ob wir weiterhin in einer wirtschaftlich stabilen, freiheitlich-demokratischen, sicheren und sozial gerechten Gesellschaft leben können. Und es geht darum, ob wir bereit sind, diese Errungenschaften, unsere Identität und unsere Werte linken Ideologien zu opfern.  
Zitat von der Web-Seite  der Werteunion:
Unsere Mission 
https://werteunion.de/ueber-uns/

Zum Vergleich: Das "25 Punkte Programm", das Adolf Hitler am 24. Februar 1920 vor 2000 Zuhörern im Münchner Hofbräuhaus verlas:
 
https://de.wikipedia.org/wiki/25-Punkte-Programm
Quelle: wikipedia

Werden wir von der Großeltern-Generation einst wieder zu unserer Entschuldigung sagen, wir hätten das Ausmaß dessen, was da heran naht, nicht einschätzen können? Im Gegensatz zu 1920 wird von den Medien derart in der Breite berichtet, dass es aktuell vielerorts zu Massenprotesten gegen Rechts kommt. Das ist eine deutliche andere Qualität im Vergleich zur Vornazi-Zeit. Aber machen wir uns nichts vor: Die braunen Ungeister können sich der Medienvielfalt genauso clever bedienen. Es kommt auf genaue Analyse beim Hinsehen und -Hören an. Wenn Friedrich Merz zum Beispiel vor einem Millionen-TV-Publikum bei Karin Miosga meint, man solle nicht alle der AfD-Wähler gleichermaßen werten:   
Quelle: Tagesschau

                                                                                                                   
„Natürlich gibt es da richtige Nationalsozialisten. Aber deshalb sind nicht alle Wählerinnen und Wähler dieser Partei Nazis. Und wenn wir die zurückgewinnen wollen, dürfen wir sie nicht beschimpfen.“
Bei solchem unverblümten Taktieren darf die Werteunion, die  ja nun als Partei an die gleiche Wählerschaft will, nicht übersehen werden. Bislang war sie mit ihren rund 4000 Mitgliedern überwiegend der scharfe Rand der CDU/CSU, aber wenn es um die Pfründe der Macht geht, kann da scheibchenweise wieder ein Weimarer Koalitions-Konglomerat entstehen, bei dem Werte-Grenzen sich derart verschieben, dass Tabus nicht länger schrecken.
Es geht dabei auch noch  nicht allein darum, welche der führenden Werteverwirrer individuelle Verknüpfungen zu Identitären und Nazis bilden. Entscheidend ist aber deren materieller Einsatz. Da möchte man schon mehr darüber wissen, wieso ein ehemaliger Berliner Finanzsenator 120.000 Euro für eine Immobilie locker machen kann, die im Österreichischen Linz als konspirativer Treff dienen soll.
Auch das ist ja nicht neu, dass das Großkapital bei genügend aussichtsreicher Perspektive ins Lager der Demokratie-Vernichter umschwenkt:
https://www.tagesschau.de/investigativ/monitor/peter-kurth-cdu-identitare-bewegung-rechtsextremismus-afd-100.html 
sowie
https://www.tagesschau.de/inland/afd-besuche-100.html 

Dienstag, 23. Januar 2024

Immer wieder Baustopp?



Das Mehrfamilien-Haus aus der Gründerzeit gegenüber unserer Glasfront gibt uns seit  fast drei Jahren Rätsel auf: Mal rücken Bauarbeiter in Mannschaftsstärke an, um Schwertransporte mit Tonnen an Baumaterial leer zu räumen. Es werden Spezialkräne in den Hof bugsiert, um die sperrigen Güter irgendwo auf den Stockwerken zu verteilen, in denen aber auch immer noch Parteien wohnen. Mal wird im Inneren zügig abgearbeitet, dann herrscht wieder wochenlang Baustopp. Dann wurde das vermutlich unter Denkmalschutz stehende Gebäude noch vor Weihnachten quasi über Nacht rundum eingerüstet. Da war aber eigentlich schon klar, dass der Januar so "zapfig" kalt und wechselhaft werden würde, dass da drauf niemand würde arbeiten können. Gestern kam eine Firma, die Estrich anlegte
Mittlerweile könnte der Baufortschritt auf der anderen Straßenseite als Menetekel für die Entwicklung der Bauwirtschaft 2024 gedeutet werden. Aber waren die Voraussetzungen für die Bauwirtschaft nicht in früheren Jahren schon mal dramatischer? - Die Zinsen höher und die Materialkosten durch Mangel schon kaum mehr aufzufangen? Die nächste hausgemachte Krise wird da zur Zeit doch ganz anderen Umständen zugeschrieben: Nämlich der Ampel, weil das gerade so gut ins Szenario passt! Als wehrloser Bürger wird man den Eindruck nicht los, dass jeder, bei dem es nicht so läuft wie erhofft, im Krisenmodus auf jenen Zug aufspringt, der keine Bremsen hat...

Die Nachrichten, die täglichen Hinweise auf die massivste Baukrise der letzten Jahrzehnte werden folgerichtig auch von Horrormeldungen zur Signa-Krise, des österreichischen Immobilien-Jongleurs René Benko gespeist. Der hat unteranderem Galeria-Karstadt eiskalt in die dritte Insolvenz schlittern lassen. Nun heißt es, allenthalben stünden Großbauprojekte des 47jährigen österreichischen  Unternehmers in Deutschland vor dem kompletten Baustopp, weil niemand diesem Musterknaben noch Geld leihen möchte und seine Kapitalrücklagen im Nirwana verschwunden sind. Das wäre dann umständehalber wieder einmal ein Milliarden-Fiasko mit drastischem Verlust für alle Beschäftigten, bei dem vermutlich bald nach staatlicher Hilfe verlangt wird.

Quelle: SPIEGEL
Für Coups dieser Größenordnung
bedarf es Schulterschluss
mit mächtigen Strippenziehern:
Österreichs Ex-Kanzler Kurz mit René Benko
Wer wie meine Frau und ich schon einige Jahrzehnte auf diesem Planeten verbracht hat, kann da wieder einmal nur den Kopf schütteln. Obwohl wir beide von Wirtschaft nichts verstehen und von Banken eines ums andere Mals regelrecht aufs Kreuz gelegt wurden, erkannten wir sofort das Muster wieder. Als wir  hörten, was Benko alles kauft oder baut, wer ihn als Unternehmer lobt oder wer da schon vor einer mit Nebel gefüllte Immo-Blase gewarnt hat, war uns klar, dass da eine weitere Milliarden-Pleite wie damals mit Jürgen Schneider in den 1990ern auf uns zukommen könnte. Wieso kann das in der Bauwirtschaft immer wieder passieren? Weil auf Teufel komm raus spekuliert wird und stets auf Idealbedingungen spekuliert wird.

Kreditinstitute, die dem kleinen Mann oder der armen Frau nur widerwillig und allein bei mehrfacher Absicherung Geld leihen, hauen bei solchen Typen mit deren unergründbaren Firmen-Geflechten in der Hoffnung auf überproportionalen Gewinn geradezu harakirimäßig das Geld raus. Vermutlich würden sie heute nicht noch einmal wagen, ihre Millionen-Verluste aus solchen Pleiten dann gegenüber der Öffentlichkeit als "Peanuts" zu bezeichnen, aber sie könnten eben wie andere Kriegsgewinnler auch das Unvorhersehbare dieser Zeit als Entschuldigung anführen und den Staat um einen "Rettungsschirm" bitten.

Sonntag, 21. Januar 2024

Mehr Licht!


"Eppur si muove!" Musste gegenüber der Inquisition zunächst abschwören,
dass die Erde eine Kugel ist: Galileo Galilei am 22. Juni 1633

Ob "mehr Licht!" oder "sie dreht sich doch!", ob Goethe oder Galilei  - was nützen schon mühsam kolportierte  "berühmte letzte Worte", wenn ein paar Jahrhunderte später Schlaumeier feststellen, dass sie so nie gesprochen worden sein können?
Ich wurde 200 Jahre nach Goethe geboren, habe aber stets gewusst, dass Licht für mich als im März Geborener besonders wichtig sein muss. Und so habe ich an den "famous last words" unseres naturkundlich so bewanderten Dichterfürsten nie gezweifelt.

Quelle: National Geographic
Mitten im Ersten Weltkrieg wurde im Deutschen Reich zum Befeuern der Rüstung
 die Sommerzeit erstmals eingeführt
Goethe starb am 22. März 1832.  Heuer beginnt die Sommerzeit am Sonntag, den 31. März und dauert bis zum 27. Oktober. In den USA wird die Zeitumstellung als "Daylight Saving Time" bezeichnet. Weil die Tage im Frühling so deutlich länger werden, haben Volkswirtschaftler und die Politiker  sie beschlossen, um mehr wirtschaftlichen Nutzen aus der Arbeit zu ziehen. 44 Jahre nach ihrer dritten Wiedereinführung in Deutschland 1980 gibt es Bedenken, ob sie nicht mehr Schaden an der Volksgesundheit anrichtet, als tatsächlich wirtschaftlichen Nutzen zu bringen.

Als Reisender mit mehreren zu überwindenden Jetlags pro Jahr habe ich keine Probleme gesehen, die diese Stunde früher oder später bei uns "zeitigen" könnte. Zeit-Forscher sind sich mittlerweile durch Experimente sicher, bei denen Probanden von Zeit und Licht weg geschlossen werden, dass die innere Uhr des Menschen viel sensibler Tickt als gedacht. Eine klinische Feldstudie in Luzern führt eine Zunahme an Herzinfarkten, Verkehrsunfällen und  Depressionen unmittelbar auf diese im Prinzip ja nur eine Stunde radikalen Schlafentzugs zurück.

Als einer, der nahezu die gesamten hellen Tage 2023 liegend in abgedunkelten Zimmern verbracht hat und erst direkt zu Beginn der Winterzeit  aus dem Krankenhaus entlassen wurde, erlebe ich die Stunde "länger Schlafen" auch jetzt immer noch als seelische Folter. Das radikale Wecken und die Erstversorgung mit Messungen und Medikamenten im Krankenhaus erfolgte da ja bereits mehrere Monate ab sechs Uhr früh. Mein eigener Lebensrhythmus wurde mir aber als Rentner von meiner inneren Uhr mit Schlaf von ein Uhr nachts bis neun Uhr früh vorgegeben. Diese Diskrepanz habe ich aktuell immer noch nicht überwunden. Mir fehlt es an roten Blutkörperchen, ich habe Atemnot und einen akuten Mangel an Vitamin D. Weil ich immer noch im Krankenhaus-Timing aufwache, sitze ich bereits seit über einer Stunde am Computer und erlebe, wie erst jetzt  die Sonne aufgeht...

Quelle: Tagesspiegel
Wenn die Betten bis auf die Gänge stehen. kann man nicht früh genug mit dem Betrieb anfangen

Hat Goethe sie nicht als letzte Worte gesprochen, so tue ich das hoffentlich auch nicht. Also ergänzt durch das Zauberwort:

Mehr Licht - bitte!

Donnerstag, 18. Januar 2024

Es droht die Kapitulation vor der Allgegenwart der Kriege

 Selensky tut mir genauso leid wie unser Kanzler. Guten Willens und voller Tatendrang hatten beide ihre Ämter übernommen und gerieten in die chaotischsten Legislatur-Perioden nach dem Zweiten Weltkrieg, Dass sie in dieser verzweifelten Situation mit häufig nicht relativierter Kritik und auch gezielten Anfeindungen und oppositionellen Tricks nicht zurück ziehen, zeugt von einem außergewöhnlichen Beharrungsvermögen, das man eigentlich im Moment der ganzen Welt wünschen möchte.

Quelle: www.wr.de
Stattdessen schleicht sich Tag für Tag eine spürbar wachsende Gleichgültigkeit gegenüber den betroffenen Ukrainern ein. Auch der Gaza-Konflikt lenkt natürlich die Spendenbereitschaft teilweise um, aber es bleibt eine Tatsache, dass die schon während 2023 und zu Beginn des dritten Kriegsjahres krass zurück gegangen ist. Die innenpolitische Blockade der Ukraine-Unterstützung durch die Republikaner in den USA sendet vor allem an die vielen wichtigen privaten Kleinspender weltweit auch ein falsches Signal. Das ist aber nicht zu verwechseln mit der Weigerung der Bunderepublik, den Marschflugkörper "Taurus" zu liefern. Der gehört ganz eindeutig zu einer offensiven Waffengattung, die Verteidigung bei zunehmender Bedrängung auf Angriff switchen könnte...

"Man gewöhnt sich in den meisten Fällen auch an die ganz schlimmen Katastrophen im Leben. Nach einer gewissen Zeit ist man wieder auf dem Ausgangsniveau, egal was sich vorher ereignet hat", sagte der Angstforscher und Psychologe Jürgen Margraf der Deutschen Presse-Agentur.

Am 19. Januar 1419 erobert Henry V
während des Hundertjährigen 
Krieges die  französische Stadt Rouen und
verleibt sie  dem United Kingdom ein.
Atomwaffen lassen heute einen derart
langen Krieg vermutlich gar nicht mehr zu

Wer heute in Wikipedia scrollt, was an einem 19. Januar im Verlauf der Weltgeschichte so alles an kriegerischen Konflikten vom Zaun gebrochen wurde, fragt sich dann sowieso, was Spenden oder Unterstützung durch Waffenlieferungen überhaupt bewirken könnten. Dass Partei Ergreifen nicht allein eine Frage des Gewissens sein darf, macht es dem machtlosen Individuum noch schwerer, sich zu engagieren.

Quelle: AZ
Als der Krieg in der Ukraine weiter eskalierte, hatte ich mich spontan dazu durchgerungen, meine lebenslange, strickte pazifistische Haltung über Bord zu werfen. Mittlerweile bin ich überzeugt, dass ein solcher Geisteswandel auch zum perfiden Kalkül des Vladimir Putin gehört hat. Nichts schwächt die Gesellschaft der Friedliebenden mehr als die Tauben, die wegen der Aggression der Falken ihre Orientierung verlieren. Dann droht die Kapitulation vor der Allgegenwart der Kriege, und da hilft die größte Spendenbereitschaft dann auch nicht weiter.