Dienstag, 1. Dezember 2020
Corona-Kalender zum Lockdown im Advent
Montag, 30. November 2020
Nix mehr da!
Für einen Diabetiker - wie ich einer bin - sind der Advent und die anschließenden Feiertage eher dazu geeignet, das Lied vom Tod mit den endlosen Mundharmonika-Sequenzen einmal mehr extrem zu verkürzen: All die süßen Leckereien, an denen man gedanklich lüstern nicht vorbeikommt! Und dann noch die Werbung. Jedes mal, wenn ich unschuldig und nicht zur Sünde bereit, nur Nachrichten gucken will, flimmern Schoko-Weihnachtsmänner, leicht bekleidet Mädchen die sich genüsslich Kugeln zwischen die Lippen schieben und Pralinen im Miniformat vor meinen ungeschützten Augen auf. Anschließend lobt eine schicke Blondine ihre Tropfen gegen Verstopfung und dann legt die Werbung noch mit einem Spot nach, der gezielt auf meine Vergesslichkeit abhebt.
Nö! Hab ich nichts mit zu tun! Aber dann sehe ich in meiner Phantasie die fürsorglichste aller Ehefrauen, wie sie für den Nikolaus geeignete Säcke prall gefüllt an geheimen Ecken verstaut. Wenn ich sie jedoch frage, ob sie mir vielleicht mal ein Marzipan-Kartöffelchen oder den mit Nougat gefüllten von Bitter-Schoko umhüllten Weihnachtsbaum-Schmuck in Goldpapier mitbringen könnte, ist die Antwort immer die selbe:
"Wovon träumst du! Seit wir aus Italien zurück sind, war von dem Weihnachtszeug nix mehr da! Ich bin froh, dass ich für die Kids noch etwas ergattern konnte. Du darfst doch sowieso nichts davon. Seit Ende Oktober ist offenbar wegen Corona alles leer geräubert."
Ich verstehe die Welt nicht mehr. Sind all die Werbe-Disponenten denn vollkommen bescheuert? Da schalten die gestern noch teure Werbung für Schoko-Adventskalender, die gar nicht mehr zu haben sind. Und auch die Weihnachtsmänner soll es nicht mehr geben, obwohl noch 24 Tage bis Heiligabend Zeit wäre?
Die Frau die mehr als 50 Jahre - davon die Hälfte nicht diabetisch- - ohne Ausnahme Weihnachten mit mir verbringt, will mich wohl vor krankmachenden Exzessen schützen? - Wie lieb von ihr!
Also heute in der Früh - bevor sie ihr zauberhaftes - neuerdings lockiges Kurzhaar-Köpfchen vom Kissen wuchtete, war ich schon mit Maske in dreien der unmittelbar in unserer Nähe befindlichen Supermärkte. Und siehe da: Weihnachten war tatsächlich bei denen bereits ausverkauft...Da bin ich flugs zum "Tunesier" rüber. Da gab es reichlich Auswahl an mit Schokolade ummantelten Datteln, Tunesischem Nougat, der bei uns fälschlicher Weise als "Türkischer Honig" bezeichnet wird und vor allem Mandelschiffchen gefüllt mit Marzipan.Die haben vielleicht geguckt, als ich begeistert "Alhamdullilah, und alles auch noch halal!" ausrief.
Hört mal ihr da oben! Ob Dreifaltigkeit oder Allah! Marzipan-Kartoffeln oder Kaabar Luz - wie die auch immer heißen, ist mir als zuckerkranker Agnostiker piep egal. Hauptsache süße Sünde zum Advent! Dann spritze ich mir einfach mal eine Portion Insulin zusätzlich!...
Und damit ihr mich nicht für einen Weihnachts-Leugner mit "queeren" Gedanken haltet, gibt es ab morgen meinen ultimativen
Lockdown-Kalender 2020
Freitag, 27. November 2020
Das mutierte Advents-Gen
Alle Jahre wieder kommt das Grübeln darüber, ob nicht Teile der Menschheit von einer genetischen Mutation zu ihrem Verhalten im Advent angetrieben werden: Zwar ein jegliches nach seiner Fasson, aber insgesamt doch in einer Art Schwarmverhalten vereint. Mit adventus domini, der Ankunft des Herrn, hat das im Endeffekt der Weihnacht letztendlich nur noch wenig zu tun. Über Jahrhunderte bereits schieben sich Attribute in den Vordergrund, die ja mit der Geburt des lieben Jesulein rein gar nichts mehr zu tun haben:
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| Offenbar eine Cola mit Schuss zu viel - der vom Nikolaus entlehnte Werbe-Weihnachtsmann |
Da fliegen Rentier-Schlitten mit einem älteren Herren im roten Kapuzen-Mantel an den Zügeln durch den schneienden Abendhimmel. Christkindl, die von weiblichen Teenagern dargestellt werden, eröffnen Konglomerate von Jahrmarktsbuden, die als Weihnachtmarkt bezeichnet werden. Es wird verzweifelt nach einem passenden, eigens gezüchteten Bäumchen gesucht, das dann mit allerhand Glitzerwerk und Kerzen bestückt wird. Aber vor allem wird eine Unmenge an Geld für Geschenke ausgegeben. Die Zusammenfassung all dessen wird Weihnachtsgeschäft genannt. Dessen Milliarden-Volumen ist längst zu einem wichtigen Faktor der Weltwirtschaft geworden, der oft noch schlechte Bilanzen retten soll.
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| Mit Vollgas-Werbung in ein optisch vorgeprägtes Weihnachtsgeschäft |
Aber nun das: Statt Rentier-Schlitten fliegt unsichtbar eine kaum zu zügelnde Masse bisweilen tödlicher Viren durch die Winterwelt und legt quasi vieles lahm, was die "Stade Zeit" so hektisch aber auch mitunter so schön macht...
Die künstlich konditionierte Weihnachts-Romantik, die uns von Kindesbeinen begleitet, steht in diesem Jahr wieder einmal ernsthaft auf dem Prüfstand. Aber anstatt zu jammern, sollten wir uns auf die innere Suche begeben, um heraus zu finden, was uns im Geiste der vergangenen Weihnachten am meisten berührt und geprägt hat.
Ich hatte längst vergessen, dass ich meinen Kindern von der Einschulung an bis sie Teenager waren, jedes Jahr eine Weihnachtsgeschichte in einer Art besinnlicher Science Fiction geschrieben habe. In denen kamen sie auch selbst - aber eben in einem anderen Lebensalter vor.
Wohl aus beruflichen Gründen hat sich mein Sohn am vergangenen Wochenende mit so einer "Virtual Reality Brille" beschäftigt, deren Effekte er seine 41jährige Schwester ausprobieren ließ:
"Pappi! Das war ja genau wie in einer der Geschichten, die du früher für uns geschrieben hast!" beschrieb sie ihr virtuelles Erlebnis...
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| Deutsche Poesie und Lyrik wurde besonders von der Biedermeier-Weihnacht geprägt |
Richtig schön ist die Erwartung im Advent eigentlich nur in der Gemeinschaft von Kindern und Eltern und zwar unabhängig von teuren Geschenken oder religiösem Hintergrund. Da sollte kein Virus einen Keil hinein treiben. Sich im "Lockdown" friedlich daheim besinnen. Was spräche dagegen?...
Mittwoch, 25. November 2020
Wenn impulsiv zu explosiv wird
Rentner wie ich einer bin, haben es leicht, zuhause zu bleiben. Abgesehen davon, dass die Radien im Alter ohnehin enger werden, können wir ja auch Impulsen nicht mehr wie einst im aktiven Leben spontan folgen. Zwar werden wir gerade jetzt virologisch als Risikogruppe eingestuft, aber das liegt ja nicht daran, dass wir von Kneipe zu Kneipe hetzen oder uns ohne Party zu machen, einfach nicht lebendig fühlen.
Natürlich hocken jetzt einige von uns mehr vor der Glotze als noch vor Corona oder haben sich gar zum Computer-Nerd zurück entwickelt. Das macht uns eindeutig empfänglicher für sich wiederholende Botschaften in den Medien. Aber deshalb ohne Maske protestierend auf die Straße zu gehen?
Mich überraschen die aus der amerikanischen TV-Praxis entlehnten "Originaltöne von Straßeninterviews", die sich immer häufiger zwischen die Fakten der Nachrichten-Sendungen oder Dokumentationen drängen. Da pöbeln Leute meines Alters, die es eigentlich von ihren Lebenslinien her besser wissen müssten in die Mikrofone und vermitteln so den Eindruck, als seien sie ein Teil dieses manipulierten Ganzen. Dabei haben sie mit der Gewalt, in der sie dahin wogen, doch eher nichts zu tun. Aber sie sind eindeutig Reaktionsbeschleuniger.
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| Rentner als Staffage |
Klar kann jemand mit widersprüchlichen Shutdowns, Masken-Verordnungen und willkürlichen Versammlungsverboten nicht einverstanden sein. Aber durch Mitlaufen Radikalen Schutz im Schwarm zu geben und deren Umsturz-Phantasien zu befeuern, ist fatal. Da wird impulsiv leicht zu explosiv.
Die täglichen Fallzahlen und Sterberaten verraten ja nicht, ob da auch Querdenker, Impfgegner oder Masken-Verweigerer betroffen waren. Aber immerhin wäre es doch interessant zu wissen, wie sich Zugehörige jener Gruppen für den Fall verhalten, wenn sie selbst ernsthaft mit Covid-19 infiziert wurden. Ist dann wieder der Staat schuld, wenn zu wenig Intensiv-Betten bereit stehen?
Montag, 23. November 2020
Harte Weihnacht?
Jeder profiliert sich auf seine Weise - der eine laut der andere leise: Seit Armin Laschet ahnt, dass er in der K-Frage wohl auf einem abgeschlagenen vierten Platz landen könnte, gibt der ansonsten eher weichlich anmutende Ministerpräsident von NRW den harten Burschen. Vergessen sein Herumeiern im Kampf gegen Covid-19! Nun macht er einen auf Nostradamus, indem er "die härtesten Weihnachten" prophezeit, die "die Nachkriegsgenerationen je erlebt haben".
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| Weissagungen des Nostralaschet: So hart wird Weihnachten 2020! Da tanzen die Skelette auf dem Gabentisch |
Was treibt den Mann, so etwas zu sagen? Er ist gerade mal 59, 1961 mitten im Wirtschaftswunder geboren. Die Nachkriegsjahre hat er doch gar nicht erlebt, sondern nur die Weihnachten, die im Kaufrausch und einem Übermaß an Genuss immer mehr zum dem bunten Rummel wurden, den die Christkindl-Märkte noch derart überkitscht befeuern. Dabei ist dem Advent jegliche Ruhe abhanden gekommen. In Bezug auf den reinen Geist der Weihnacht stünde doch einem Christlichsozialen eher die Lobpreisung der Einfachheit zu Gesicht.
Er hätte sagen können: Liebe Mitbürger nutzt diese Corona-Weihnacht im kleinen Kreis zur Rückbesinnung auf die wahren Werte der Botschaft. Aber als Politiker geht es ihm vermutlich mehr um die Warenwerte. Klar, auf manchen Geschäftszweigen brennen heuer im sogenannten Weihnachtsgeschäft keine hellen Kerzen. Es wird Pleiten geben, weil die Ausgleichszahlungen des Staates nicht bei allen rechtzeitig ankommen. Vor allem nicht bei den Branchen, die nur eine schwache Lobby haben,..
Ich wage es kaum als Pazifist, in diesen Zeiten Heraklit zu zitieren, der bekanntlich den "Krieg als Vater aller Dinge" sah. Aber sollte die Menschheit im Krieg gegen das Virus obsiegen, jedoch keine nachhaltigen Lehren daraus gewinnen, wäre sie ohnehin nicht mehr zu retten.
Meine Mutter war ein veritabler Genuss-Mensch. Sie bereitete uns unter jedem Aspekt ein üppiges Weihnachten. Aber wenn man sie nach ihren schönsten Weihnachten befragte, nannte sie ohne nachzudenken, die Zeit vom letzten Kriegsjahr bis zur Währungsreform. Es gab nichts an Weihnachten als das Zusammenrücken der Familie und die Freude über einen echten Kaffee mit Schmalzbroten und selbst gebackenen Keksen...
Gestern hatte mein Sohn Geburtstag, und die Rest-Familie musste ihn gemäß der Zweihaushalte-Regel nacheinander besuchen, um ihm persönlich gratulieren zu dürfen. Er nähme es sehr genau, gab er zu Bedenken und meinte dann, wenn nur alle sich an die einfachen Regeln der Vernunft hielten, gäbe es diesen obskuren Regel-Wirrwarr nicht.
Freitag, 20. November 2020
Hauptstadt der Abwärts-Bewegung
Berlin paradox! Was hat diese Stadt nur für ein Omen? Vor 101 Jahren das Ende des Kaiserreiches und der nur kurze Aufbruch in eine wilde Phase der Demokratie! Der Kriegsbeginn ist 81 Jahre her. 71 Jahre nachdem die eingekesselte Stadt nur noch durch die Luftbrücke der Alliierten überlebte, "schaut die Welt" wieder mal besorgt "auf diese Stadt" (Ernst Reuter siehe Bild).
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| Ernst Reuter 1889-1953, Erster gewählter Berliner Bürgermeister nach dem Krieg hielt 1948 die historische Rede gegen Stalins Blockade |
Vor 31 Jahren schlugen die befreiten Bürger der untergegangen DDR die ersten Stücke aus der Mauer. Wohl alles vergessen! Vorgestern dann das: 21 Jahre nachdem der Bundestag in das umgestaltete ehemalige Reichstagsgebäude einzog, drangen wieder pöbelnde Anti-Demokraten in unser Parlament. Begleitet von verbotener Weise im Plenum von AfD-Abgeordneten ausgerollten Protest-Bannern gegen die Verabschiedung des Infektionsschutz-Gesetzes.
Hitler nannte das Parlament eine "Quatschbude". Seine Epigonen im Geiste entehrten es vorgestern wieder einmal, indem sie sich mit Besucher-Ausweisen demonstrierend Zugang zum Gebäude verschafften und in die Arbeitsräume von Parlamentariern einbrachen. Die Saht der QAnon scheint immer heftiger zu keimen. Die sogenannten "Querdenker" attackierten aber nicht nur Abgeordnete sondern auch Finanzminister Peter Altmaier. Unverhohlen war das ein strafbarer Angriff auf unsere Demokratie!
Was von den Verschwörungstheoretikern in unserem Land als "Ermächtigungsgesetz" verunglimpft wurde, war dabei aber doch eigentlich im Sinne ihrer Klagen gegen die Bevormundung des Bürgers durch den Staat bei den bereits ergriffenen Maßnahmen und Verordnungen gzum Schutz vor Covid-19. Die waren nämlich bislang ohne Gesetzes-Grundlage gewesen. Ein Umstand, der durch die in Eile gebotene Verabschiedung nicht nur behoben wurde, sondern auch Alleingänge des Kabinetts und der Länderchefs ohne parlamentarische Zustimmung erschwert.
Jetzt werdet ihr - liebe Leserinnen und Leser - ja sagen, dass ihr das ja alles schon gelesen habt. Ich verstehe mich aber eben in meinen Blogs auch als persönlicher Chronist gegen mein Vergessen. - Also wartet mal ab, wie das aufgearbeitet wird! Lediglich, dass sich der Ältesten-Rat mit den Vorfällen beschäftigt hat. wurde berichtet. Der aber hat keine strafrechtliche Kompetenz. Da müsste, um etwas nachhaltig zu bewirken, schon eher die Generalstaatsanwaltschaft zügig Anklage wegen Nötigung und unzulässige und damit strafbare Einflussnahme auf Staatsorgane erheben.
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| In der Nacht vom 27. auf den 28. Februar 1933 brannte der Reichstag in Berlin. CD-paint-Collage |
Erst wird verunglimpft, dann wird im Plenum gepöbelt oder gar geprügelt, und wenn die anders denkenden Parlamentarier dadurch auf Dauer noch nicht eingeschüchtert sind, brennt wieder mal ein Reichs(Bundes)tag...
Herr Gauland weint zwar Krokodilstränen wegen des "Vorfalls" - aber das waren seine Parteigenossen.
Wehret den Anfängen!
Mittwoch, 18. November 2020
Über das Herumeiern
Die meisten kennen das bestimmt. Du stolperst über etwas, was dich stört, aber aus irgendeinem Grund beseitigst du es nicht: Weil du gerade keine Lust hast? Weil du etwas Wichtigeres zu erledigen hast? Ausreden gibt es immer genug, sich nicht doch endlich ans Werk zu machen. Aber dann wären da noch die Faktoren Bequemlichkeit oder weil man sich einfach nicht auseinandersetzten möchte. Dieses Hadern ist übrigens nicht allein eine Frage des Alters. Diese Unlust entfalten bereits Kinder mit großer Nervigkeit...
So langsam begreife ich den Erfolg, den Donald Trump bei seinen Fans hat. Er erscheint ihnen als einer, der solches Zögern nicht kennt. Er walzt über alles hinweg, zündet überall Feuer an, damit andere sie löschen müssen, und die so angerichteten Schäden sind dann Fake-News. Ihn schert weder Moral noch Wahrheit, weil das etwas für "Loser" ist. Wählen den eigentlich auch Kriegsveteranen? Wo er doch auch gefallene Soldaten so bezeichnet.
Im Inneren wären viele seiner Zeit- und Gesinnungsgenossen wohl gerne wie er. Sie bewundern ihn dafür, dass er - wie sie ihn selbst noch kennen - keinen inneren Schweinhund hat, der ihn ausbremst. Was er aus seiner Perspektive nämlich für Recht und Ordnung ansieht, ist die Rücksichtslosigkeit, die möglicherweise in jedem Menschen schlummert.
Weil viele im Leben oft nur ohne Ziel herum eiern, erwacht durch Populismus immer wieder die Sehnsucht nach dem "starken Mann". Sie wollen einen Führer, der sie in eine Richtung führt - egal, ob das die richtige oder der Weg in den Untergang ist. Starke Typen, die sich dann mitten im Chaos, das sie angerichtet haben, in einen Bunker oder in einen zur Festung umfunktionierten Palast zurückziehen, um dann als letzten Ausweg den Suizid zu suchen, verzeichnet die Geschichte ja einige. Aber Donald Trump verschafft sich selbst im Niedergang einen Abgang der bislang einzigartig ist. Er verschanzt sich hinter frisch installierten Zäunen als Vernichter der Demokratie in einem Gebäude, das der Welt zeit seines Bestehens ein Symbol der Freiheit ist, dem "Weißen Haus".
Seine bis an die Zähne bewaffneten Fanatiker, Freischärler, die Fenians, die "Proud Boys" - und wie sie alle heißen - finden das natürlich heldenhaft und great, weil sie selbst davon träumen, im Scheitern "heroisch" genauso zu enden. Narzissmus. pathologische Selbstüberschätzung und Eitelkeit enden gerne in solch überhöhter Dramatik.
Das Problem ist nur: Der Patient und Noch-Präsident hat bis zum regulären Ende seiner Amtszeit noch die Hand am "Buzzer": Zu einer Zeit, da die Welt unter den protzig ausgebreiteten Schwingen des "White headed Sea Eagle" mehr als ein halbes Dutzend Klein-Imperatoren generiert hat. Und er dachte sogar noch über einen Blitzkrieg gegen den Iran nach, wie die "New York Times" verlautete...
Und mittendrin unsere in vielen Schlachten erprobte "Mutti", die es umringt von politischen Jungspunden richten soll. Auf der Brücke des havarierenden Schiffes "Europa" soll sie - zeitlich gnadenlos begrenzt - einen Kurs setzen, der dem Herumeiern der EU ein Ende macht. Kann sie das (noch) schaffen?
Seit der hehere Wunsch nach einem geeinten Europa konkret geworden ist, waren die Schwächen dieses Konglomerates evident. Allerdings wurden als störend empfundene Stolpersteine nicht aus dem Weg geräumt, klare Rechen-Vorgaben nicht zu ende kalkuliert und allenthalben auf Machtworte verzichtet.
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| Das "Ei des Kolumbus" hat ja auch nur funktioniert, weil es hart gekocht war und es der Entdecker - der Legende nach - an der Unterseite "gekickt" hatte CD-paint-Collage |
Jetzt ist die Zeit für Moderation abgelaufen. Was hat die Bundeskanzlerin noch zu verlieren? Sie ist die unbestrittene und konstante Führungskraft dieses Jahrhunderts. Sie kann das schaffen - gerade weil sie nicht mehr auf die Ewigkeit schielen muss. Wenn das vom Zerfall bedrohte Europa zwischen den quetschenden Machtblöcken der Welt nicht nur bestehen, sondern auch einen angemessenen Ton angeben will, muss es sofort in die Chirurgie geschickt werden. Und zwar ehe es im Schraubstock nationaler Interessen vom Keim des antirechtstaatlichen Populismus gefährlicher infiziert wird, als Covid-!9 dies vermag.
Klare, harte und gegebenen Falles schmerzhafte Schnitte müssen durchgeführt werden. Denn nach wie vor gibt es eben gegen machtgeile Populisten keinen wirkungsvollen Impfstoff...











