Donnerstag, 17. November 2016

Wenn die "Silent Majority" zu laut wird

Noch hat er ja gar nicht angefangen zu regieren. Alles Spekulieren, welchen Einfluss Donald Trump auf die Weltgeschichte haben wird. hilft nichts.  Der Cowboy auf dem Präsidenten-Sessel wurde ja anfangs auch für ein Misfit gehalten, und  dann hat Ronald Reagan als erklärter kalter Krieger  1987 das Ende des kalten Krieges eingeleitet: " Mr. Gorbachev! Tare down this wall! Der Rest ist Geschichte, die man heute kaum noch glauben mag...

Der Ton macht bekanntlich die Musik. Trotz seiner populistischen Pride-Kampagne blieb Reagan seinem Film-Image als gerechter Gentleman treu, und er traf auf einen Mann, der alles andere war als ein kommunistischer Hardliner: It's not the way you say it. It's the way you do it!

Leider trumpelte der republikanische Elefant ganz schön in den politischen Porzellan-Läden herum, um die Stimmen der "Abgehängten" einzusammeln.
Die Literatur ist ja voll von passenden Zitaten: "Die ich rief die Geister, werd' ich nun nicht los!" Fürchtet sich Goethes Zauberlehrling. Aber passender ist für die Bigotten in Stars and Stripes vielleicht dieses Bibel-Zitat: "Denn sie säen Wind und werden Sturm ernten!" (Hosea 8,7).

Auf einmal glauben nämlich, die die Trump gewählt haben und jene, die in Europa von ihm profitieren wollen, dass rüde Beschimpfungen anders Rassiger und -Denkender durchaus politisch korrekt sind.
"Die Ratten kommen wieder aus den Löchern", titelten in den letzten Tagen einige sonst seriöse Tageszeitungen, und sie hoben nicht nur auf die "öffentlichen Auftritte" des "Geheimbundes" Ku-Klux-Klan nach der Wahl Trumps ab, sondern auch auf den rassistischen Shitstorm, der in den Sozialen Medien als Abgesang auf Barack Obama losbrach.


Wenn die Vorsitzende eines Wohlfahrtverbandes - wie die Nachrichten meldeten - die Präsidenten-Gattin Michelle als Affe auf Stöckel-Schuhen bezeichnete und die Bürgermeisterin eines Provinz-Kaffs dem mit vollem Herzen zustimmte, dann versteht man plötzlich auch den hohen Frauen-Anteil unter den Trump-Fans

Angeblich sei die Bürgermeisterin auf Druck zurück getreten. Im kommenden Jahr werden  solche Redensarten wohl keine Folgen mehr haben. Aber das ist natürlich reine Spekulation...

Dienstag, 15. November 2016

Was, wenn die Einfalt nicht edel und die Größe keinesfalls still ist?

Edle Einfalt und stille Größe
Johann Joachim Winckelmanns Preisung der Reinheit der klassischen Darstellung als Basis der Kunsthistorie ist eine der größten Irrtümer in der Wahrnehmung und der Einschätzung der antiken Kunst:

Die edle Einfalt und stille Größe, die er in  Bauten und Skulpturen der griechischen und römischen Antike fand, wurden von den Zeitläuften  und der Vergänglichkeit der Farben erzeugt. Die Römer kopierten die Griechen, die ihrerseits wiederum ihre Tempel und Skulpturen mit prallen, farbigen Darstellungen versahen, die vielleicht zum Glück für die Kunstgeschichte verwittert sind.

Die Archäologie hatte das zu Winckelmanns Zeiten (1717 bis 1768) noch nicht feststellen können. Deshalb gelten seine Einschätzungen aber für die vergangene und  zukünftige Entwicklung der Stile um so mehr.

Laokoon-Gruppe in Original-Farben
Es ist ein Jammer, dass die Einfalt als Begriff für das Schlichte heute als Dummheit negativ belastet ist, und die Größe nur noch wahrgenommen wird, wenn sie laut grölend und pöbelnd verlangt wird.

Stillosigkeit, schillernd und als narzisstische Darstellung ihrer selbst von den aktuell Herrschsüchtigen vor der Welt dargebracht, ist richtungsweisend. Das haben uns Bilderstürmereien, Bücherverbrennungen und das Zerstören von Kunstwerken  auch jüngst wieder gelehrt.

Die neue Einfältigkeit im heutigen Sinne begünstigt den Größenwahn wieder weltweit. Angst haben aber nur die, die wissen, dass sich Geschichte gnadenlos wiederholt: in der Kunst und in der Politik. Die anderen bejubeln wieder ihren Untergang

Leider gibt dann immer nur die Archäologie erheblich zeitversetzt Auskunft darüber, wer das mit einem gewaltsamen Tod zu bezahlen hatte...





Samstag, 12. November 2016

Wieso friert Venus mehr als Satyr?

Im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung gab es heute einen herrlich verkopften Beitrag von Kia Vahland über das Gemälde "Die frierende Venus", das Peter Paul Rubens 1614 gemalt hat.

Der Text geht hintergründig der Frage nach, die alte Ehekampf-Schlachtrosse wie ich  recht vielschichtig beantworten könnten:

Angefangen bei den eiskalten Füßen, die sich nächtens unter meine Decke stehlen. Mann schreckt hoch und denkt sich, dass ihn der "Boanl" abholen kommt. "Boanl" ist die ganghofersche Abkürzung für den Boandlkramer, der außerhalb Bayerns auch als Tod bekannt ist.

Aber auch außerhalb des Schlafgemaches geben die Göttinnen an unserer Seite unverfroren Fragen für die Ewigkeit auf: Wieso hat Frau gerade in dieser Übergangszeit, in der es jederzeit schneien könnte, immer zu wenig an? Wieso stöckelt SIE über das Eis, wenn feste Winterschuhe angesagt sind?

"Ach ich hab ja mein Schulter-Tuch dabei, und wir sind doch sowieso nur im Auto unterwegs..."

Eiskalter Pustekuchen! Der Parkplatz ist meist mindestens einen Kilometer vom Ziel entfernt und in einer vom Sturm durchtosten Gasse gelegen..

"Mei, das ist aber jetzt kalt!" Soll heißen: 'leg mir doch bitte deine Jacke um.'
Resultat: Frau kuschelig. Mann friert, ist aber Kavalier der alten Schule.

Bei den Freunden meint  die Frau: "Er ist heute ein wenig frostig, weil er mir seine Jacke umlegen musste". Während sie mir gönnerhaft meine Jacke zurück gibt und den Hauch ihres Mantels auf den Bügel hängt, steht sie im Cocktail-Kleid da, das so gar nicht zu meinen Winter-Cordjeans und dem Flanell-Hemd passen will.

Also frieren für die Schönheit? Mann friert ja nicht so rasch.

Zurück zu Peter Paul Rubens und seinem für ihn oder die damalige Zeit bevorzugten Frauen-Typ, dem ich auch ein wenig nachhänge, seit mich mein Vater pragmatisch auf das weibliche Geschlecht vorbereitet hatte. Mit keckem Seitenblick auf die wuchtigen Rundungen meiner Mutter meinte er immer - laut genug, dass sie es hören konnte:

"Junge! So eine Frau im Bett spart fünfzig Prozent der Heizkosten."

Angesichts solcher Erinnerungen kommt es mir vor, als hätte ich etwas falsch verstanden. Alice Schwarzer kann solche Sprüche genau wie ich heute nicht mehr gut heißen. Die Amazone, weil sie hinter allem maskulinen Sexismus wittert, und ich, weil mich (trotz meines Daseins als anerkannter Frauen-Versteher) mein winterliches Leben eines Besseren belehrt hat.

Also zurück zu dem Beitrag in der SZ, an dem  ich hängen geblieben war, weil ich mich fragte, wieso die Venus, wenn sie denn schon gefroren hat, sich ohne Kissen oder Handtuch mit ihrem wuchtigen, nackten Gesäß auf einen kalten Block kauert. Und eine Rabenmutter ist sie obendrein, weil ihr Sohn - der kleine Amor - ebenfalls nackt ist und sich wirklich vor Kälte krümmt. Rubens' künstlerische Inspiration könnte zweierlei Ursprung gehabt haben:
1. Heimlich hat er sich nach all dem gemalten, welligen Weiberfleisch vielleicht doch mal nach etwas Hartem, Festen gesehnt.
2. Oder aber er war ein Temperatur resistenter, unverbesserlicher "Popomane"

Die Interpretation des Gemäldes spiegelt eindeutig einen weiblichen Blickwinkel wieder, weil sie nämlich unterstellt, dass der pelzige Satyr im Hintergrund nicht friert. Seine Annäherung ist nicht Zeichen ewig männlicher Geilheit. -Wie auch bei der Kälte? Schließlich ist er doch ein vom Hades gewärmtes Teufelchen! Vielmehr hält Rubens den Ur-Versuch fest, dem immer frierenden Weib, Wärme zu spenden.

Amor hingegen ist noch in einem Alter, indem er durch Schock-Gefrieren von seiner Mutter auf das künftige Aufopfern seiner Wärme zugunsten des Weiblichen vorbereitet wird. Er rächt sich dann umso glühender, indem er bald ohne jede Rücksicht seine Glut-Pfeile der Liebe in der Gegend herum schießt...

Mittwoch, 9. November 2016

Donald Underwood

Puh, bin ich froh, dass ich weder Polit-Experte noch überzeugter Demoskop bin. Beide Berufsgruppen müssen nach letzten Vorfällen um ihre Reputation fürchten. Weil angeblich die Stimmung der "Ungebildeten" bei den US-Präsidentschafts-Wahlen falsch eingeschätzt wurde, käme der Sieg von Donald Trump so überraschend. Es ist vermutlich eher so, dass die Underdogs, nur der einfachen Sprache mächtig, gar nicht erst befragt wurden.

Das einfache amerikanische Volk wird stets als Chips mampfender, verfettet vor dem Fernseher hockender Bodensatz dargestellt. Aber das Fernsehen ist oft eben seine einzige Bildungs-Quelle, bei der es glaubt, was es sieht.

Man muss nur daran denken wie schonungslos aber auch glaubhaft amerikanische TV-Serien wie House of  Cards oder American Odyssey die Polit-Szene des Land of The Free darstellen. Korruption gehört da genauso zum Geschäft, wie an der richtigen Stelle auch mal einen Mord für das Erlangen der Macht zu begehen. Die mächtigen Konzerne beherrschen jedoch nicht nur im TV das Militär und die Dienste; - offenbar bis zur Spitze des FBI? Anders ist ja wohl der Eiertanz der angeblich besten Polizei-Behörde der Welt unmittelbar vor den Wahl nicht zu erklären.

Was denkt wohl dem zu folge das einfache Volk ganz ohne Befragung:

1. Ein Milliardär hat es nicht nötig, korrupt zu sein - was immer das Wort bedeuten mag.

2. Wenn die Auslands-Medien den republikanischen Kandidaten ausschließlich Fratzen schneidend und Unsinn redend darstellen, dann ist das bestimmt eine Verschwörung gegen die Größe der United States of America.

3. Was verstehen Weiber schon von Politik. Schon gar keine Ehefrau, die darüber hinweg sah, dass ihr Mann sündige Blow-Jobs im "Oral Office" genoss. Es sei denn, sie wolle nun eben selber an die Macht. Gott bewahre.

4. Es wird schon gut gehen - schließlich sagen unsere Pfarrer ja immer, dass wir "Gottes eigenes Land" sind.

Wer sich selbst erhöht, der soll erniedrigt werden. So steht es im Lukas-Evangelium (4:11). Vielleicht war der Wahlkampf ja nur "The Greatest Show on Earth".

Wenn Trump sich allerding als ein reales 3D-Modell von Frank Underwood, dem Präsidenten aus  House of Cards generierte, dann könnte es rasch zu einem Amageddon kommen wie Johannes es prophezeit und viele Hollywood-Filme den Tanz um den Atom-Koffer inszeniert haben..

Sonntag, 6. November 2016

Von Smart-Babys und Galaxy-Kids

Wenn ich nachts nicht schlafen kann, schaue ich gerne auf die zur Ruhe gekommene Kreuzung hinunter. Dass die Welt ein immer merkwürdigerer Ort wird, offenbart sich in diesen Beobachtungen. Aber ich rufe mich zur Ordnung, weil wir ja unsere greisen Eltern damals auch schon beruhigen mussten, Jede dem Ende nahe Genration sorgt sich, in welcher Welt wohl die Kinder und Enkel leben werden. Also rede ich mir ein, dass es völlig normal ist, dass Glühwürmchen über die Gehsteige irren, die von Schatten verfolgt werden...

Wieso Nachtschwärmer auf dem Nachhause-Weg auf das Display ihres Handys schauen müssen, leuchtet mir dennoch nicht ein. Sollten sie in gefährlicher werdenden Zeiten nicht besser auf lauernde Gefahren achten oder ersetzt der Blick aufs Smartphone das sprichwörtliche Pfeifen im finsteren Wald? Vielleicht ist das erleuchtete Display auch ein Mittel gegen die Einsamkeit dieser Stunden.

Ich gehöre eben nicht zu der Generation, die einem Sucht-Prinzip folgend ständig in so ein Ding schauen muss. Dass das gefährlicher sein kann, als zu rauchen, war vergangen Woche in den Zeitungen zu lesen:

Eine junge Frau hatte vor lauter Starren ins Handy übersehen, dass sie in der U-Bahn zu nahe an die Bahnsteigkante geraten war und stürzte vor dem einfahrenden Zug auf die Gleise...

So etwas bleibt bei uns haften, wenn wir täglich  via Chat mit neuen Fotos unseres Enkels oder mit Schnappschüssen von den Babys unserer jüngeren, fast ausschließlich spät gebärenden  Bekannten versorgt werden. Die zunehmende Geburten-Rate der vergangenen Jahre wird durch eine bemerkenswerte Dichte an Fotos und Filmchen dokumentiert. Vermutlich gehört diese nachrückende Generation zur vorerst am besten medial begleiteten. JPGs und MPGs von meinem Enkel gehören zum vollsten "Ordner" auf meinem Computer und laufen als endlose Dia-Show wenn ich ihn gerade mal nicht benutze.

Wie kommt es zu den ganzen Smart-Schüssen? Es ist so einfach! Wir mussten noch die Filme zum Entwickeln bringen und feststellen, dass die Hälfte der Fotos vor lauter begeisterter Aufregung auch noch verwackelt und für das Album untauglich waren. Unser Enkel scheint  zum Lösch-Modus aber auch Model-Qualitäten zu haben. Er jammert ohnehin selten, aber auf den Ablichtungen mit dem Handy grinst er und erweist sich als echter Poser. Wird er mit dem Handy gefilmt, schaut er kontrollierend in die Kamera und richtet sein Tun regelrecht aufs Objektiv aus.

Dieses Ausrichten erscheint seinem besorgten Großvater natürlich bereits als erstes Anzeichen einer sich anbahnenden Sucht. Und tatsächlich passiert es, dass wenn ihn etwas zum Quengeln drückt, sein Vater nur nach dem Handy greifen muss, um ihn wieder zum Lächeln zu bringen.

Wenn die Welt sich noch dreht, und die Datenträger gehalten haben, bis er erwachsen sein wird, kann er sich vermutlich nicht mehr daran erinnern, wie primitiv diese multifunktionalen Geräte waren, die ihn in seiner frühen Kindheit geprägt haben.

Wenn allerdings die jeweilige Foto-Session vorüber ist und er wieder ungestört für sich spielen kann, greift er doch lieber

Mittwoch, 2. November 2016

Die "geschenkte" Stunde

Wenn Einstein recht hatte, dass Zeit lediglich das ist, was wir von unseren Uhren ablesen, warum bin ich dann seit Sonntag-Nacht komplett neben der Spur. Sollte das Genie tatsächlich keine innere Uhr gehabt haben?

In meiner aktiven Zeit hatte ich einige hundert Jet-Lags. Von Westen in "unsere Zeit" zurück zu kommen, hat mich immer mehr geschlaucht als umgekehrt von Osten. Nichts aber nimmt mich so mit wie die eine Stunde, die wir bei der Umstellung auf die Winterzeit "geschenkt" bekommen.

Tatsächlich hätte ich nie gedacht, dass diese innere Uhr im Alter präziser funktioniert als die meisten anderen Signale unseres Körpers. Ob es an den Medikamenten liegt?

Ich glaube eher, es ist die Macht der Gewohnheit. Die Sehnsucht nach mehr Licht lässt uns die Zeit-Umstellung im Frühjahr leichter verkraften, weil sie von den Erwartungen auf die warme Jahreszeit beflügelt wird.

Mit dem fallenden Laub und dem milchigen, morgendlichen Grau, das durch die geschenkte Stunde beim Aufstehen für ein paar Tage länger gewonnen wird, kommt einem nur noch mehr zum Bewusstsein, dass das Jahr zu Ende geht. Da neigt einer dann im fortgeschrittenen Alter nicht nur zur Larmoyanz, sondern noch mehr zur Suche nach Romantik - wie sie dann früher allerdings doch nicht war. Aber träumen davon in geeigneter Kulisse, wird ja wohl erlaubt sein.

Mit Freunden waren wir am Wochenende in Tschechien, in  Krumlov, dem einst deutschen Krumau an der Moldau, das trotz seiner wechselvollen Geschichte im Kern seit dem Mittelalter auf beiden Seiten des hier noch jungen Flusses quasi unverändert ist.

Die Zeit schiene also klischeehaft stehen geblieben zu sein, gäbe es nicht die Invasion des diszipliniert in großen Gruppen einmarschierenden chinesischen Tourismus. Wer will es ihnen verdenken, wo doch die Kulturrevolution Maos fast alle schönen Städte "geschliffen" hat.

Und ist es nicht toll, dass neben den Streitigkeiten der Mächtigen, die Macht des Tourismus zu einer freundlichen Völker-Verständigung führt. Wer denkt bei den freundlichen Gastgebern, den moderaten Preisen und der unglaublich gepflegten Altstadt noch an die Vergangenheit?

Eine geschenkte Stunde richtig genutzt, kann einen schon "herbstzeitlos" machen...



Samstag, 29. Oktober 2016

Maul- und Clown-Seuche

Sie maulen, dass sie zu kurz kommen, und dass die Fremden, die unser Land überfluten nur zum Klauen kommen. Und wem geben sie die Schuld? Der sogenannten "Lügenpresse"!

Dieser Tage las ich einen in diese Richtung deutenden Leserbrief; durchaus ernst gemeint und die PEGIDA-Bewegung nicht ausnehmend. Der Empörte meinte allen Ernstes, dass die Presse durch ihre gierige Berichterstattung solche Phänomene erst "hoch" schreibe und damit Nachahmer generiere. Auch die Hass-Clowns seien ja nur über den großen Teich geschwappt, weil die Presse in den USA ein Halloween-Vorgeschmack geben wollte.

Guter Mann! Das erste der meist inszenierten Videos mit Horror-Clowns, die Passanten mit Äxten oder Ketten-Sägen erschreckten, hatte bereits ein paar Millionen Klicks als die US-Medien von diesem neuen Phänomen durch Anrufe aus dem ganzen Land davon in Kenntnis gesetzt wurden. Die heutige Berichterstattung hinkt quasi immer hinter den Sozialen Medien und Stream-Portalen her.

Wie konnten denn PEGIDA und AfD so schnell Fuß fassen? Wenn nicht durch die Flut der "Hass-Tags" und millionenfach geklickter nationalsozialistisch geprägter Verschwörungstheorien. Weder öffentlich rechtliches Fernsehen noch Printmedien können da mit Richtigstellungen gegen halten.

Fakt ist: Ein paar Tage nach dem Auftauchen der Horror-Clowns in den USA hatten die schon Deutschland erreicht. Unser Innenminister hat schärfstes Vorgehen angeordnet, aber dass ein 14jähriger Bedrohter aus Angst einen 16jährigen Horror-Clown mit einem Messer verletzt hatte, war da schon geschehen.

Ein Jahrhunderte alter Berufsstand, der sehr viel zur Demokratisierung der Welt beigetragen hatte, ist in ein paar Tagen derart verunglimpft worden, dass Pausen-Clowns auf Kinder-Geburtstagen schon keine Chance mehr auf ihren kargen Brot-Erwerb haben.

Der Hofnarr,der dumme August, der Arlecchino, (den man fälschlicher Weise nur der commedia dell'arte zuschreibt) Till Eulenspiegel, der Perkeo von Heidelberg und so weiter. Sie alle hatten die Narrenfreiheit, nicht nur dem Volk aufs Maul zu schauen, sondern auch den Mächtigen den Spiegel vorzuhalten, was tödlich enden konnte, wenn die es nicht mit Humor nahmen...

Die Clowns, die später nach den Revolutionen auftauchten, als vieles mit halbwegs politischer Bedeutung einer Zensur zum Opfer fiel, trauten sich nur noch Blödsinn oder stille Mimik in Alltags-Situationen zu. Besonders Kinder liebten ihre leicht verständliche Botschaft. Bis Pennywise, der böse Clown im Roman "It" von Horror-Schriftsteller Stephen King zum Grusel-Hit wurde und verfilmt eine noch größere Plattform bekommen sollte.

Viele dachten gleich beim Auftauchen der ersten Horror-Clowns an einen PR-Gag für die Neu-Verfilmung. Davon hat sich aber King in den - sozialen  Medien sofort distanziert. Dass McDonalds daraufhin seiner Werbefigur Clown Ronald Auftritte verbot, diente der Panikmache noch mehr.

Als sorgenvoller Opa fordere ich aber ab sofort einen weltweiten Artenschutz für die "guten , alten Clowns". Selbst wenn das zu einer beruflichen Registrierungs-Pflicht führte.

Und hört auf diesen Unsinn zu posten!





Die größten Clowns aller Zeiten.
Von oben:
Grock,
Rivel,
und Popow