Dienstag, 28. April 2020

Meist macht Macht mit Masken mehr Mummenschanz






Art. 16
Schutzwaffen- und Vermummungsverbot
(2) Es ist auch verboten,
1.
an derartigen Veranstaltungen in einer Aufmachung teilzunehmen, die geeignet und den Umständen nach darauf gerichtet ist, die Feststellung der Identität zu verhindern, oder den Weg zu derartigen Veranstaltungen in einer solchen Aufmachung zurückzulegen,
2.
bei derartigen Veranstaltungen oder auf dem Weg dorthin Gegenstände mit sich zu führen, die geeignet und den Umständen nach dazu bestimmt sind, die Feststellung der Identität zu verhindern, oder
3.
sich im Anschluss an oder sonst im Zusammenhang mit derartigen Veranstaltungen mit anderen zu einem gemeinschaftlichen friedensstörenden Handeln zusammenzuschließen und dabei..

Dies ist ein Zitat aus dem Bayrischen Versammlungsgesetz bezüglich des Tragens von Masken oder Vermummungen... Was für ein fabelhafter juristischer Mummenschanz!

Eigentlich hatte ich mir geschworen,
bis zum Ende aller mit dem
Corona-Virus verbundenen Auflagen
das Glashaus aus
Protest weder zu verlassen,
noch sonstwo in persona
zu erscheinen. 
Im neueren, viralen Sprachgebrauch
nennt man dieses Verhalten
 das "Seehofern"  -zu Ehren
unseres selten überschätzten
Innenministers, der wegen
Covid-19 offenbar gänzlich untergetaucht ist.
Dann sandte mir aber meine
Schwägerin - als Schneidermeisterin
eigentlich in gehobener Damen-Couture
unterwegs - von ihr selbst geschneiderte
Masken in XXXXXL damit
ich endlich die fürsorglichste aller
Ehefrauen zumindest beim
Einkaufen entlaste...



Montag, 27. April 2020

Unter unserem Himmel...

...ist seit 50 Jahren eine der sehenswertesten Sendereihen des Bayrischen Fernsehens. Meist frei von politischer Propaganda und selten zu volkstümlich erfährt der Zuseher Bodenständiges,Tiefgründiges, Historisches und Charakteristisches von der vielschichtigen Bayrischen Kultur.

Seit wir aus familiären Gründen im Glashaus wieder  ein Standbein in München haben, hat das Leben "unter unserem Himmel" eine vollkommen andere Perspektive bekommen. Wir haben urban ja nie so hoch gewohnt, und im Münchner Speckgürtel haben wir mit den Kindern den Himmel nur aus unseren Gärten und vom kleinen Park vor unserer Haustür bestaunt, wenn es mal eine Mondfinsternis oder einen Blutmond gab. Im Glashaus sind wir dem Himmel in etwa so nah, wie in Ligurien, das wir durch jeden weiteren Tag in Quarantäne immer schmerzlicher vermissen. Aber o Wunder jetzt ist der Sternenhimmel hier  - vom Smog-Schleier befreit - fast so brillant wie dort.

Seit wir die Wohnung kaum noch verlassen, widmen wir viel Zeit "seismischen" Beobachtungen des Lebens auf der Kreuzung unter uns, Es scheint immer noch nicht arg erschüttert. Das Leben auf Augenhöhe und über uns ist nicht weniger spannend aber viel entspannender, weil die Fauna und Flora der Großstadt nichts vom Virus weiß.

Besonders als in den letzten vierzehn Tagen den tiefblauen "Wappenhimmel" nicht ein Tüpfchen Wolkenweiß kontrastierte erhielt das Bayrische "Weißblau" völlig neue Dimensionen. Normal kreuzen in unserem 270 Grad -Blick gleichzeitig mindesten drei bis vier Flugzeuge und Hubschrauber im Landeanflug durch unser Gesichtsfeld. Das liegt am Großflughafen bei Erding und der Unfall-Rettung im Schwabinger Krankenhaus. Nun ist der Himmel leer. Es gibt kaum noch Flüge, und der Verkehr ist auf  den nicht weit entfernten Ringstraßen und Autobahnzubringern offenbar so dünn geworden, dass fast nur noch Sankas gelegentlich mit Blaulicht durch die Häuserschlucht düsen.

Ob "verunfallt" oder "viralisiert", interessiert die Völkchen am Himmel neben und über uns weniger als Sex oder ein satter Happen:
Erst hatten die Krähen mit ihren beeindruckenden Luftkämpfen und dem heiseren Krächzen in der Balz unsere Aufmerksamkeit. Dann kamen die Elstern, um erste Nester zu berauben, und plötzlich waren auch die Tauben turtelnd zurück, die die Gegend in den vergangenen Jahre gemieden hatten, weil von den Hauseigentümern immer mehr Schutzmaßnahmen gegen ihre Verdauungs-Rückstände installiert wurden.

Von allem unbeeindruckt sind die Amseln ihr Gesang übertönt nun seit nahezu acht Wochen ununterbrochen von vier Uhr früh bis neun Uhr abends alles, was es noch an Geräuschen gibt, Das sind allenfalls die seit Ostern wegen des Frühlings wieder die voll aufgedrehten Stereo-Anlagen aus den vor der Ampel wartenden Autos.
Hört selbst:

Freitag, 24. April 2020

Torschuss-Panik

Die Kanzlerin hat recht! Kaum wurden die Lockerungen und Erleichterungen der Corona-Beschränkungen in vorsichtige Formulierungen verpackt, explodierte bei so einem Frühlingswetter zumindest in der Bayrischen Landeshauptstadt die übliche Lebensfreude. Der Verkehr hat wieder die nervende Dichte, und die Raser nutzen die längste Straße Münchens zwischen den Ampeln wie immer mit ihren aufgebohrten Maschinen für extreme Beschleunigungstests. Röhrende Auspuffe und quietschend qualmenden Reifen interessieren die Polizisten offenbar weniger als der richtige Abstand unter den Leuten. Alles beim Alten?

Nicht ganz, denn es gilt ja dann die angeordnete Masken-Pflicht, die das Bild der pulsierenden Kreuzung doch verändert. Ich guck immer nach, wie sie in den Bussen und in den Warteschlangen vor den geöffneten Läden befolgt wird. Ich muss feststellen, dass die hiesige Bevölkerung, so ethnisch gemischt sie auch sein mag, von Anfang an alles vorbildlich umsetzt. Wo kommt also das Übersprudeln der Laune her? Es liegt wohl am Wesen des befreit Fühlens.

Dabei hat sich an der eigentlichen Ungerechtigkeit in den Beschränkungen durch Corona, soviel ja nicht geändert. Nach wie vor dürfen vermutlich nur die Branchen wieder ihre Mitarbeiter aktivieren, die in der jeweiligen Exekutive und in den Regierungen die stärkste Lobby-Arbeit geleistet haben.

Tatsächlich bleiben alle auf der Strecke, die nun schon die achte Woche im Zwangsurlaub sind, keinen Lohn oder ein Gehalt mehr überwiesen bekommen, aber ihre Daueraufträge und Ratenzahlungen aus vielleicht gerade noch vorhandenen Rücklagen bedienen können. Für die gibt es reichlich Augenwischer-Maßnahmen, die das Bild vom eigentlichen Korona-KZ verschleiern sollen.

Die perfideste Entscheidung:
Der Profi-Fußball darf seine Liga-Spiele fortsetzen. Christian Seifert, der Geschäftsführer der DFL, erläuterte gestern das Konzept der Durchführung ohne Zuschauer und unter permanenten Korona-Tests.

Die Sponsoren haben längst die Macht.
Foto: bild
Es erfolgte kein Aufschrei und kein Protest vom einfachen Fußvolk! Es ist ein Hohn, dass die bestbezahltesten Arbeitnehmer mit ihren Millionen-Gehältern zurück an die Arbeit dürfen, während Kultur-Betriebe, Kaufhäuser und der Mittelstand ihre Beschäftigten weiterhin in die mit Steuergeldern gepamperte Kurzarbeit schicken oder ihnen sogar kündigen müssen...
Soll der aktuelle Fußball gar die Funktion von "Panem et Circenses" wie im alten Rom erfüllen, als die Cesaren von ihrer gescheiterten Politik ablenken wollten? Die Hintergründe konnte jeder hinter Christian Seifert an der Sponsoren-Wand entdecken:

Die Branche, die sich in der Akzeleration aus der Gier nach immer mehr Geld schon längst ins Abseits und eine verhängnisvolle Abhängigkeit gezockt hat, wird von einem unsichtbaren Virus in Torschuss-Panik versetzt.

Dass ich das noch erleben darf.

Andere Branchen zocken auch, aber im Fußball hängt eben alles in einem im Verhältnis zur Leistung überbezahlten Personal ab, dass bei Bedarf dann auch noch in einer Art Sklavenmarkt zu Unsummen weiter verscherbelt wird. Dazu wird der weltweite Verbands-Betrieb dann auch noch von einer undurchschaubaren Korruptions-Kultur gelenkt, die kaum justiziabel ist. Beispiel: Die Macher des Sommermärchens, die wegen durch Korona verschleppter Gerichtstermine von Verjährungen profitieren werden...

Anpfiff zu den Geister-Spielen
mit dem Corona-Tod
als Schiedsrichter
Kollage:CD
Die Geisterspiele werden also allein wegen der Übertragungs-Rechte veranstaltet und wohl kaum für die Fans, die sich ihre Tickets vom Mund absparen müssen. Mal sehen, wer sich in ein paar Wochen das Abo beim Bezahl-Fernsehen noch leisten kann? Und die Sport-Kneipen und Gaststätten, wo der arme Fan Fußball auf sky gucken könnte, bleiben ja auch bis auf Weiteres geschlossen...

Aus der  angestrebten win win Situation könnte also leicht eine lose lost Rechnung werden. Ein wenig Gesundschrumpfung könnte dem Fußball in diesen für alle schweren Zeiten  allerdings auch nicht schaden...

Mittwoch, 22. April 2020

Erkenntnisse über die Unkenntnis

Je länger die Corona-Krise dauert, desto mehr entpuppt sie sich als Kontakt-Katalysator oder besser Reaktionsbeschleuniger für Erkenntnisse, die wenig später die Unkenntnis der Agierenden offenbart. Drei Berufsgruppen, die keinerlei verordneten Einschränkungen unterliegen, treiben die Menschheit vor sich her: die Medien-Schaffenden, die wissenschaftlichen Experten und an vorderster Front Politiker der Exekutive.

Täglich werden immerzu neue
Erkenntnis-Säue durch
die Medien-Dörfer getrieben
Da die Medien ständig Nachrichten-Futter liefern müssen, stöbern sie Wissenschaftler auf, die naturgemäß im Stillen forschen und zerren sie ins Rampenlicht oder die Schlagzeilen. Es werden aktuell regelrechte Stars erzeugt, die durch ihr Auftreten wiederum die Profilsüchtigsten unter den Politikern zu voreiligen Entscheidungen treiben. Dieser Mechanismus ist so alt wie das Nachrichtenwesen.

Die neue und auch oft verwirrende Komponente steuert das Internet bei, in dem ja schnelle Äußerungen ungefiltert und in Cyber-Geschwindigkeit ohne Zwischenstationen an ein Millionen-Publikum gelangen. Da twittern und posten dann alle, die man mit ihren Erkenntnissen, Meinungen und Ratschlägen nicht in der ersten Reihe präsentiert hat.  Haben die dann auch so lange  recht, nur weil sie am häufigsten und längsten zitiert werden? Aber können auf dieser brüchigen Basis überhaupt politisch richtige Entscheidungen getroffen werden?

Nicht wer am häufigsten und längsten öffentlich auftritt, hat immer Motive, in erster Linie dem Volk das Dasein zu lindern. Das kann man am Hü und Hott bei den aktuellen Maßnahmen leicht erkennen. Fest steht, dass die beiden Bundesländer, deren Ministerpräsidenten den Virus zur Vorwahl missbrauchen, nach wie vor in puncto Fallzahlen und Erfolg der Maßnahmen am schlechtesten dastehen...

Für das Tragen von Gesichtsmasken sprechen keinerlei gleichlautende Erkenntnisse, weil zum Für und Wider des Selbstschutzes oder dem der Mitmenschen nicht nur ihre nicht vorgeschriebene, einheitliche Qualität kommt, sondern weil sie auch im Verdacht stehen, die Sorglosigkeit beim Verrichten anderer Vorkehrungen zu fördern. Dennoch wird seit Beginn der Pandemie getadelt, dass für diese "Teil-Vermummung" nicht ausreichend Produkte zur Verfügung stehen.

Ebenso erfährt der Interessierte täglich, dass in den Kliniken zu wenig Intensiv-Betten zur Verfügung stehen, und das Personal dennoch bis zur Erschöpfung seinen heroischen Kampf gegen Covid-19 liefert. In Nebensätzen oder versteckten Beiträgen erfährt man aber - wenn man will - dass Deutschland immer noch in der Lage ist, auch stark betroffene Patienten aus dem europäischen Ausland aufzunehmen. Dem ausgesperrten, "grenzgängerischen" Klinik-Fach-Personal wurde jedoch  zur Entlastung erst nach massiven Protesten der Weg zur Arbeit wieder erlaubt; quasi gleichzeitig mit dem Durchwinken  der fehlenden Erntehelfer. Verlässlichkeit bei Entscheidern sieht irgendwie anders aus.

In aller Stille haben mutige Pathologen aus Deutschland und der Schweiz gegen alle Warnungen von RKI und den Fernseh-Virologen wegen der Ansteckungsgefahr mittlerweile Hunderte verstorbene "Korona-Patienten" seziert. Ein Großteil ist mit und nicht an dem Covid-19 verstorben, weil Vorerkrankungen deren Lebenserwartungen im Alter eh schon stark eingeschränkt hätten. Ein Drittel der registrierten, deutschen Todesfälle waren während betreuter Pflege zu verzeichnen.

Übereinstimmend haben die pathologischen Untersuchungen aber auch ergeben, dass bei den durch den Virus befallenen Lungen, die immer mehr Geräte fordernde Beatmung durch Sauerstoff rein gar nichts gebracht hätte. Weil nämlich die durch Covid-19 verursachte Schädigung den Sauerstoff-Transport gar nicht mehr zugelassen habe...

Was ist wahre Erkenntnis und was offenbart uns die evidente Unkenntnis?

Wehe, wenn das derart überforderte Volk aufsteht und schreit:

Was ist denn das noch für ein Leben? Und - was wird das für ein Leben sein, wenn wir überleben?

Der "letzte Apfel am Baum der Erkenntnis" wurde längst angebissen.
Claus Deutelmoser 2009 Öl auf Leinwand


Sonntag, 19. April 2020

Leben im Takt

Der heutige Montag soll ja zeigen, ob es schrittweise zurück zur Normalität geht, oder ob uns Covid-19 auf lange Zeit nicht mehr aus seiner Bedrohung entlässt. Der Verkehr auf der Kreuzung unter uns ist bereits fast so stark wie einst, und es sind wieder weniger Jogger unterwegs. Ein Zeichen, dass vielleicht doch einige mehr an ihren Arbeitsplatz zurück dürfen...

Aber was wird aus denen, die weiterhin in ihrem Hausarrest verharren müssen? Es ist denkbar, dass die Alten, die"Generation Opfer", tatsächlich am ehesten damit zurecht kommen. Es sei denn, sie sind krank vor Sorge um ihre Kinder und Kindeskinder. Wenn ich so mit Freunden und Bekannten herum telefoniere, wird deutlich, dass die im wirtschaftlich abgesicherten Ruhestand kaum unter den Maßnahmen leiden; vielleicht am ehesten weil die Biergärten und Restaurants geschlossen bleiben und ihre Konzert- und Theater-Abonnements ausgesetzt sind.

Der ohne eigenen Schuld in die wirtschaftliche Klemme geratene Anteil unserer viral entstandenen Zweiklassen-Gesellschaft wird aber, wenn die Politik ihn weiter aus dem Takt des normalen Lebens zwingt, zu einem Brandbeschleuniger ungeahnten Ausmaßes. Siehe die Trumpisten in den USA, die gerade einen zynischen Moral-Code vorgeben

Mir ist durch das planlose herum Zappen zwischen fürsorglich gemeinten TV-Magazinen zur Corona-Krise ein Beitrag aufgefallen, der mir im Hinblick auf den Rhythmus des Lebens ganz anders  zu Denken gegeben hat:

Einem Reporter war es gelungen, ein Interview mit einem Mann zu führen, der soeben nach Verbüßung einer langen Haftstrafe in die eingeschränkte Freiheit der aktuellen Virus-Wirklichkeit entlassen wurde. Der war ja quasi in einer Situation, als hätte man ihm nur Freigang oder den Vorzug gewährt, öfter vor die Tür zu dürfen. Er meinte, er sei vor allem deshalb hilflos, weil er nicht mehr "getaktet" sei. Ein komischer Ausdruck, den ich erst durch seine weitere Erklärung verstand:
Die Forderung nach freier Takt-Wahl,
um nicht für lange Zeit aus
dem Takt zu geraten, bleibt
leider weiterhin unerfüllt...
Quelle: amazon
"Im Gefängnis läuft der Tag nach einem immer gleichen Takt ab. Da wird einem Aufstehen, Essen, Duschen, sogar die freie Zeit und das Schlafen im immer gleichen Rhythmus vorgegeben. In der Wohnung hier finde ich mich noch nicht zurecht. Freunde und Verwandte, die mich sowieso nicht besuchen dürften, habe ich nicht. Der Arbeitsplatz, den man mir vermittelt hat, bleibt auf ungewisse Zeit nicht verfügbar. Ich lebe gewissermaßen in einer Haftverlängerung."

Ein Leben im Takt muss also wohl nichts mit einem intakten Leben zu tun haben. Aber es ist durchaus denkbar, dass die Politik genau so wenig über diese "Taktlosigkeit" und ihre gesellschaftlichen Langzeit-Folgen erahnt, wie sie vom erfolgreichen Kampf gegen Corona wirklich weiß.


Freitag, 17. April 2020

Zeit zum Zynismus

Wenn es in der Isolation mit dem logischen Nachvollziehen hapert, verfalle ich leicht in Zynismus. Das liegt aber bestimmt wieder einmal daran, dass ich mit dem Alter hadere und deshalb resigniere. Ich weiß nicht, was ich mir in dieser Woche von der Politik wirklich erwartet habe. Universal-Lösungen für eine derartige Pandemie - das macht ja schon das tägliche Überfüttern durch Sonder-Berichterstattung mit den immer gleichen Inhalten deutlich - gibt es eben nicht. Die öffentlichen Auftritte der Regierungsspitzen offenbaren zudem in wohlfeiler Dialektik, die allein dem eigenen Profil dient, die Hilflosigkeit bei Entscheidungen.

Bei unserem tunesischen Supermarkt der zwar kleiner ist als die ominösen 800 Quadratmeter, war schon die Polizei, weil durch die"maghrebinische" Anordnung der Regale dort das geforderte Abstand Halten nur schwer zu erreichen ist. Unsere Freunde aus Nordafrika müssen also mit der Ordnung nun schon auf der Straße beginnen, wie unser Metzger das schon praktiziert. Bin mal gespannt, wie sich das heute am heiligen Freitag Abend auswirkt, wo sie doch schon nicht in die geschlossenen Moscheen zum Beten dürfen und Unsicherheiten wegen des bald beginnenden Ramadans herrschen...

Das ausgerechnet der christlich sozialste Ministerpräsident der Bundesrepublik, der so gerne strengere  und weitere Wege geht, seinen Glaubens-Genossen weiterhin den Kirchgang verbietet, will mir nicht in den Kopf. Als wären unsere Kirchen so gerappelt voll, dass man  da in den Bänken nicht genügend Abstand halten könnten; zumindest mehr als in den Presse-Konferenzen  und Sitzungen von Kabinetten und Gremien.

Was die vermeintliche Allmacht der Regierenden bei ihren mutlosen Schritten übersieht, ist, dass ein großer Teil der Bevölkerung ja schon jetzt nach Wegen sucht, eigene  "Umwege" zu finden. Je länger ein Ausnahmezustand - das lehrt uns die Geschichte - desto größer wird die Gefahr des Widerstands. Aber auch der Fatalismus gewinnt an Raum, der in der Frage gipfeln könnte:
"Was soll ich mein Leben schützen, wenn es  bald ohne Arbeit, ohne Geld und ohne Bewahrung des Erreichten nicht mehr lebenswert ist?"

In einem philosophischen Exzerpt  auf einer Internet-Seite über Zynismus las ich als böses Beispiel, man solle doch um die Renten-Kassen zu entlasten, einfach ab einem gewissen Lebensalter die medizinische Versorgung der Alten gesetzlich verbieten: https://wortwuchs.net/zynismus/

Bin ich nun Zyniker oder einfach nur Realist gewesen,  als ich vor ein paar Tagen schrieb, dass am Ende immer wieder die selben noch Reicher geworden sind?
Seht diese Statistik, die WELT-online vor ein paar Stunden aus sicherer Quelle veröffentlicht hat:

Eigentlich wollte ich heute mal was
Lustiges schreiben. Aber aus einem Zyniker kann ja über Nacht nur ein verbissener Komiker werden..
Da fiel mir im Morgengrauen ein Roman des immer lesenswerten Autoren-DuosFruttero&Lucentini ein:
Im "Geheimnis der Pineta" ringen in einer winterlichen Ferien-Siedlung am Meer zwei Komiker mit Blockade um ihr neues Programm, indem sie sich  Stichworte zu Szenarien zuwerfen, die meist mit dem Satz "Das ist nicht komisch!" in Gegenseitigkeit abgeschmettert werden.

Das versuche ich jetzt auch einmal:
"Fünf Nonnen in einem Kaufhaus-Fahrstuhl!"
"Geht nicht und ist nicht komisch", schreit mein Über-Ich: "Die Kaufhäuser sind ja geschlossen!"
Aber  in realitas via Tagesschau: Mehrere Politiker mit Schutzmasken dicht gedrängt im Fahrstuhl eines Regierungsgebäudes das geht???

Ist aber eben auch nicht komisch!

Mittwoch, 15. April 2020

Per aspera ad astra!

Mit der gleichen Geschwindigkeit, mit der sich Covid-19 ausbreitet, nimmt auch die allgemeine Verunsicherung zu. Das liegt daran, dass die Zahl der ernsthaft Infizierten weitaus kleiner ist, als die der Klugscheißer, die glauben, dazu auch noch etwas sagen zu müssen. Dass das RKI seine Zahlen kommentiert, ist in Ordnung, aber wieso trägt die Akademie Leopoldina, die außer ihren Angehörigen im einfachen Volk keiner kennt, jetzt auch noch zur föderalen Kultur-Verwirrung beim Umgang mit Schließungen von Schulen und Kitas im Kampf gegen Corona bei?

Die Akademie ist so alt, dass sie schon fast in Vergessenheit geraten wäre. Nun tritt sie mit geballter Vorstandschaft parallel in den Nachrichten-Sendungen auf, um den Kultur-Politikern der uneinigsten  Bundesländer gut Ratschläge zu geben. Da kann sie von Glück sagen, dass sie von anderen Schlaumeiern, die jetzt Leute über 70 generell ins Zwangs-Quarantäne verbannen wollen (und das  von Juristen positiv haben prüfen lassen), nicht gleich mit einbezogen werden.
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Die Chance auf ein besseres Leben


Nein, meine lieben Altersgenossen! Damit hätte ich keine Probleme, wenn dann bei weltweiter Anwendung ein paar in der Krise herum tapernde, greise Machtpolitiker gleich mit einbezogen würden. Aber wieso so zaghaft? Wieso nicht die Grenze für die Zwangseinweisung in die Quarantäne beim gesetzlichen Renten-Alter ansetzen? Nicht auszudenken, wenn Trump, Putin, Erdogan Kaczynski und auch bald Frau Merkel in einem Quarantäne-Heim für alte Politiker neutralisiert werden. Blieben allerdings noch die jungen Wilden, die ja auch ganz schön Schaden anrichten.

Aber mal im Ernst: Wer möchte im Moment Politiker sein? Auf der einen Seite die Sorge um die Volksgesundheit und auf der anderen der ungeheure Druck der Wirtschaftsbosse, die nun langsam um die Macht bangen, die ja eigentlich ihnen zusteht. Wäre ja wohl ein Witz, wenn eine unsichtbare Tücke, einem Virus, das gelänge, was der Kommunismus nicht geschafft hat: Eine neue Ausrichtung des Kapitalismus.

Keine Bange! So weit wird es nicht kommen. Wenn die staatlichen Gelder für Rettungsmaßnahmen ausgeschöpft sind, bleiben wieder die übrig, die im Sinne des Wiederaufbaus bereit sind,  alle Errungenschaften der sozialen Marktwirtschaft auf Null zurück zu setzen. Und wieder ist der Blöde "Otto Normalbürger", der diese Rettungsmaßnahmen mit seinen Steuern erst ermöglicht hat.
Details bitte selbst hier nachlesen:
https://www.bundesfinanzministerium.de/Monatsberichte/2019/01/Inhalte/Kapitel-3-Analysen/3-5-steuereinnahmen-haushaltsjahr-2018.html;jsessionid=1D2736022EA4A35A2BF1C0AD0DFC95CB.delivery1-master

Weil das "aspera", das Seneca dem vielfach geprüft Herkules angedichtet hat, so leicht nach eigenem Gusto gedeutet werden kann, wird sein Spruch "per aspera ad astra" auch so gerne als Parole für solche zitiert, die gar nicht erst die Chance haben, der rauen Wirklichkeit in Richtung Sterne zu entkommen. Meine zeitgenössische Übersetzung würde daher lauten:
"Aus der Scheiße in den Orbit!"

Nach vierwöchiger Quarantäne per aspera ad astra:
Die Sojus-Besatzung, die vor fünf Tagen
zur ISS aufgebrochen ist:
Chris Cassidy, Anatol Iwanischin, und Iwan Wagner
(von links nach rechts)
Apropos: Vor ein paar Tagen haben sich wieder drei Astronauten auf den Weg zur ISS gemacht. Geplant ist ein Aufenthalt von sechseinhalb Monaten. Sie werden bei ihrer Rückkehr am besten beurteilen können, ob da "die Welt schon eine andere" geworden ist. Wenn sie überhaupt noch jemand zurück holen kann... Der Film "On The Beach" (Das letzte Ufer) bietet - wie schon erwähnt - die passende Perspektive...