Freitag, 27. Oktober 2017

Wir Insulaner

Die Querverweise auf  John Donne und Mario Simmel verkneife ich mir diesmal, wenn ich noch einmal auf den Spruch "Niemand ist eine Insel" zurück komme: Wo wir Europäer uns doch gerade das Kreuz der Malteser und die "Jamaika"-Regierung aufbürden...

Die Malteser sind uns heute in erster Linie durch ihre Hilfsdienste weltweit präsent. Aber in ihrer Geschichte haben sie sich durch Menschenhandel, Versklavung und schurkisch verknüpfte Netzwerke erst einmal ihren immensen Einfluss erworben. Neuzeitlicher hat der Orden durch Freimaurertum und Geheimbündeleien die Mitgliedschaft als erstrebenswert für Politiker und Magnaten gemacht. Hauptsache katholisch und einflussreich! Sogar Papst Franziskus wurde mit Streit in einem regelrecht glaubenskonservativen Machtkampf angegangen (siehe ZEIT ONLINE).

Wer über den Einfluss der Mafia auf den Vatikan im Internet reichlich Lesestoff  gefunden hat, kann sich eigentlich über nichts mehr  wundern. Dass eben auch die Regierung der zauberhaften Ferien-Insel (bis über den Scheitel selbst im implosiven Gemisch aus kaum nachvollziehbaren Steuergesetzen und Online-Glücksspielen), dem Terror mit Autobomben nichts entgegen zu setzen hat.

Malta ist Europa. Aber die ganze Gemeinschaft hat jahrelang (unwillig?) zugeschaut. Warum? Ein Blick ins zwar verschleierte Firmen-Verzeichnis und den Jachthafen von La Valetta zeigt, dass die führende Finanzwelt der EU hier profitiert. Und wer möchte sich in unsicheren Zeiten mit Brexit und Separatismus schon gerne mit der anlegen?

Natürlich hat der Malteserorden nicht in diesem Sinne etwas mit der Insel zu tun. Allerdings hatte der verschleierte Umgang mit enormen Summen an Fonds-Geldern ja erst zum Streit mit dem Papst geführt...

Niemand ist eine Insel, aber es könnte ja sein, dass wir alle zusammen bald tumpe Insulaner sind. Die "Jamaika"-Koalition steht ja an, was bald zu bananenrepublikanischen Verhältnissen aufgrund instabiler Regierungen führen könnte.

Die Touristiker der karibischen Ferien-Insel merken jetzt schon mal an, dass sie durch den permanenten Missbrauch ihres Namens und die Verulkung in der Presse einen Image-Schaden davon tragen könnte...
Rast-Angela, Kiffer-Chrissie und Raeggae-Chem
- rassistischer als in der BILD geht's nicht

Dienstag, 24. Oktober 2017

MacGyver-Hosen

Noch habe ich keine Folge der neuen MacGyver-Serie gesehen, aber schon jetzt halte ich das aktuelle Remake der Kultserie im Internet-Zeitalter quasi für ein Sakrileg. Als das Fernsehen meiner Kinder noch streng reglementiert war, und es deshalb auch kein zweites Gerät im Haus gab, war ich  Mitte der 1980er begleitend gezwungen, diese Serie mit ihnen zu gucken.

Der Darsteller Richard Dean Anderson ist in etwa gleich alt, aber damals verblassten die Erzählungen von meinen Reise-Erlebnissen weltweit gegen den Tausendsassa MacGyver, der aus drei Bic-Feuerzeugen, einem Babyschnuller und abgeschnittenen Streichholz-Köpfen Sprengsätze basteln konnte, die Bunker-Wände sprengten. Wo immer er von den Bösen gefangen gehalten wurde, fand er im Verlies achtlos liegen gelassene Gegenstände, mit denen er sich und Geiseln befreien konnte. Dabei half ihm sein absolutes Wissen über physikalische, chemische und elektronische Zusammenhänge.

Was waren dagegen schon meine echten Erlebnisse im australischen Busch oder auf den Kamel-Rücken in der Wüste. Ich werde die mitleidigen Blicke meiner Kinder nie vergessen, wenn wieder eine Folge zu ende gegangen war. Im Vergleich zu MacGyver war ich eben der absolute Loser.

Trotz der finsteren Gegenden, in die ich voraus gereist war, wurde ich nie überfallen oder gar bestohlen. Aber die Omnipräsenz von MacGivers Tricks ließ mich doch darüber nachdenken, auch Vorkehrungen für desperate Momente zu treffen. Ich hatte als das mit der Flugsicherung noch nicht so genau war, stets die größte Version des "Schweizer Armee-Messers" im Gepäck und ließ mir beim Säckler im Heimatdorf meiner Eltern einen breiten Geldgürtel mit diversen innen liegenden Taschen anfertigen. Bei den Strömen von Schweiß, die ich in den Tropen vergoss, wurde das Leder jedoch so aufgeweicht, dass beim Erst-Gebrauch niemand die gelb verfärbten Dollar haben wollte. Die Lösung, sie danach einzupacken, kam mir mangels Überfällen dann über kurz oder lang auch zu kompliziert vor...Die Säckler-Arbeit diente dann letztlich meinem Sohn als Cowboy-Gürtel.

Erst als die exzessiven Reisen langsam weniger wurden, stieß ich auf einen Hosenmacher, der in alle Hosen innen "geheime" (mal rechts, mal links - hihi) Taschen mit Reißverschlüssen einarbeitete.

Bis heute bin ich dieser Modefirma treu geblieben, obwohl meine größten Abenteuer nun in Träumen beim Nachmittags-Schläfchen bestanden werden müssen.

Also gestern nahm ich meine Power-Schlaf-Position ein: Körper auf dem Rücken liegend durchstrecken, beide Hände in die Hosentaschen stecken und sich fallen lassen...

Doch diesmal klappte das nicht, weil ich die Innentasche der Hose berührte. Wer weiß wie viele Waschgänge die darin verborgenen Gegenstände durchgemacht haben, aber MacGyver hätte seinen Spaß daran gehabt: zwei Einmach-Gummis, eine große Büroklammer und ein rostfreier Nagel-Knipser - genug für MacGyver, um wieder einmal die Welt zu retten!

Sonntag, 22. Oktober 2017

Ratet mal, wer da hämmert?

Wieso ich mitten in der Großstadt besser schlafe als auf der totenstillen Burg, ist wohl eines der Rätsel des Alters. Mein Tagesablauf wird mit entspanntem Dösen im Bett begonnen. Gestern wurde das durch aufgeregtes Klopfen und Hämmern gestört.
Zuerst dachte ich, dass unsere Haus-Krähe auf der Dachrinne unseren Eichhörnchen wieder einmal ein paar Haselnüsse vom Baum stibitzt hätte, um sie über mir zu knacken. Aber die Klopfgeräusche kamen von der Außenwand-Ecke und wechselten ständig ihren Ursprung. Die Fürsorglichste aller Ehefrauen kam besorgt ins Schlafzimmer, um herauszufinden, was ich da wieder für einen Unsinn machte, aber ich lag ja immer noch im Bett...

Von unserem Küchen-Erker entdeckten wir den Störenfried, und er war nicht allein. Ein Schwarm von Meisen umkreiste ihn (die es angeblich kaum noch gibt) und die Krähe beobachtete das ganze mit schräg geneigtem Kopf. Das erinnerte mich irgendwie an unsere Großbaustelle in der Nachbarschaft. Da gucken auch Müßiggänger gerne zu, wenn andere arbeiten...

Hier analysierte ein bildhübscher Specht gewissenhaft unseren Verputz, als sei er von einer Baufirma beauftragt worden. Keine Ahnung, was er unter dem Vordach sonst suchte. War er auf Durchreise oder baute er sich bereits ein Winterquartier in Stadtlage? Die schlauen Spechte haben sich schon längst auf selbst gehackte Löcher in Hauswänden spezialisiert. die mit Dämmstoff isoliert sind. Das kann für die Vermieter ganz schön ins Geld gehen.  Da klopft er sich bei unserer Fassade allerdings den Schnabel wund.Wenig später klammerte er sich an das Bleistift spitze Türmchen gegenüber und spähte herum. Marode Bäume für ein Specht-Loch gäbe es ja zur genüge. Wenn er nicht gerade bei mir klopft, wäre gegen einen so schönen Nachbarn ja nichts einzuwenden... Allerdings muss er sich beeilen. Der 1. November naht, und dann sind vielleicht wieder alle Quartiere in dieser Gegend teuer vermietet...

Freitag, 20. Oktober 2017

Himmlischer Herbst

Kurz noch einmal inne halten, bevor es grau wird. Der bislang goldene Oktober wird laut Wetterbericht am Wochenende seinen Glanz verlieren. Müssen wir in München ein schlechtes Gewissen haben, weil es uns so gut geht, weil es immer etwas zu feiern gibt und weil diese Stadt in einer wirren Welt weiter bei der überwiegenden Zahl seiner Bewohner für soviel Seelenheil sorgt?

Heimeliger als  das lärmende Oktoberfest vor 14 Tagen ist die Kirchweih-Dult auf dem Mariahilf-Platz: ein Rummel mit wenig Rummel aber umso mehr Herz. Touristisch? Ja allemal, aber vor allem liebenswert münchnerisch. Alles klein und überschaubar jedoch mit der Duft-Melange aus Bratwürsten, gebrannten Mandeln, Steckerlfisch und den Essenzen der Parfümeure. Dazu Drehorgeln Kinder-Karusselle und Schrammeln. Klar, dass das bei den Antik-, Porzellan- und "Kruschtl"-Ständen den stets gleichen Kaufrausch auslöst. Auch bei mir, der eigentlich alles hat. Endlich habe ich eine Kaffee-Tasse mit einem halben Liter Fassungsvermögen gefunden, die mir beim Schreiben Gesellschaft leistet.

Die Münchner Abendzeitung machte heute mit einer Schlagzeile zum Thema Baumsterben in München auf. Gemeint war da nicht die schädigende Umwelt, sondern der Bauboom, der immer häufiger fragwürdige Fällungen erzwingt. Die Aussicht auf Immobilien-Verkauf zu Höchstpreisen und wirklich kaum noch zu bezahlenden Mieten, sieht die Untere Naturschutz-Behörde, die jede Fällung genehmigen muss, vor einem nahezu unlösbaren Problem. Die Strafen sind immer noch zu niedrig und führen bei den Bauherren allenfalls zu einem müden Achselzucken - bei den gewaltigen Gewinnen...
Dabei bin ich mir sicher, dass auch diese Blase bald platzen wird. So lange ich noch kann, werde ich den Herbst in dem quasi vor unserer Haustür liegenden Luitpold-Park in vollen Zügen genießen.

Mittwoch, 18. Oktober 2017

Der Teufel als Konzept

In der Münchner Frauenkirche hat der Teufel einen Fußabdruck hinterlassen. Einer der Legenden nach stand er an dieser Stelle im fertig gestellten Kirchenschiff und freute sich darüber, dass der Baumeister die Fenster vergessen hatte. Der Abdruck, Ausdruck des vor Freude aufstampfenden Luzifers, ist ein Menschen-Fuß mit Sporen dran. Es könnte also auch eine unachtsamer Ritter gewesen sein, der sich auf eine noch nicht ausgetrocknete Bodenfliese gestellt hatte...

Aber so ist es dann immer - wenn es um Gottes- oder Teufel-Beweise geht - nachweisbar ist nichts. Deshalb heißt es ja auch Glauben und nicht Wissen. Es gibt mehr als zwei Dutzend Namen für den schwarzen Engel und ebenso viele Spekulationen über seine Herkunft. Schon allein über die Form seiner Füße streiten sich die "Gelehrten": Hat er nun einen Bocks-Fuß oder zwei Pferde-Hufe? Hat er einen Schwanz mit Pfeilspitze oder eher doch schwarze Flügel?

Nimmt man aber die Übersetzung des Wort-Ursprungs aus dem Griechischen zur Hilfe, dann wird einem schnell klar, welche menschliche Angst seiner Existenz zugrunde liegt:
"Der Durcheinanderwerfer".

Da nirgends eine feminine Version (außer der indischen Pavati-Hexe) verwendet wird, ist der Teufel also männlich. Frauen sind Hexen, die traut man sich leichter zu verbrennen... Sich auf den Teufel einzulassen, schickt die Seele in ewige Verdammnis. Jemanden zu verteufeln, fällt da um einiges leichter.

Die Angst vor dem Bösen, die mit dem Monotheismus und der Vertreibung aus dem Paradies aufkam, ist der Ursprung für den "Teufel als Konzept" der Mächtigen. Aberglaube versetzt Berge!

Die modernen "Durcheinanderwerfer" in der Politik predigen deshalb gerne Gottesfurcht, während sie die Ausgeburt des Bösen sind. Jeder weiß, wer gemeint ist...


Sonntag, 15. Oktober 2017

Weinstein

Als alter Sack erinnere ich mich daran, dass ich bis hinein in die 1980er ein großer Fan von Weinstein war. Da war aber der Stern noch der Stern. Ich bin überzeugt, der aus der Feder von Peter Neugebauer stammende Meister-Detektiv hätte der Illustrierten die Schmach mit den gefälschten Hitler-Tagebüchern erspart. Der Kriminalist mit dem kantigen Konterfei war keinesfalls ein Comic, sondern ausgeklügelter Denksport.

Parallel profitierte ich noch von einem anderen Weinstein, nämlich dem am Boden von Weißwein-Flaschen. Wann immer Freunde Krescenzen wegstellen wollten, weil sie am Boden der Flasche Weinstein entdeckt hatten, opferte ich mich und meinte, ich könne wenigstens noch Essig daraus machen. In Wahrheit dekantierte ich dann auch die Weißweine und sicherte mir einige wahre Genüsse, weil Weinstein in der Flasche durchaus ein besonderer Qualitäts-Nachweis ist. Schuldig im Sinne der Anklage!

Nun wird wegen seines wohl seit Jahren offenkundigen sexuellen Fehlverhaltens der Produzent Harvey Weinstein als Person aus der Academy und seiner Firma verjagt. Und damit wird auch seine Leistung als Produzent und kreativer Macher an den Pranger gestellt. Picasso, Egon Schiele, Roman Polanski, haben sich diverse sexuelle Übergriffe sogar mit Minderjährigen erlaubt. Wie viele andere große Künstler, die aus ihrem Glanz göttliche Attraktion gezogen haben! Manche wussten sogar - wie Klaus Kinsky - darin in Biographien zu berichten. Ihr Werk oder die künstlerischen Leistungen trugen deswegen keinen Schaden davon, allerdings zurecht oft das persönliche Ansehen.

Die Besetzungs-Couch ist eine ur-amerikanische Metapher für die ekelhafte Doppelmoral Hollywoods: Da wählen sie einen begeistert bekennenden Pussy-Grabber zum Präsidenten und lassen zu, dass er die ganze Nation mit seinem Irrsinn terrorisiert, unterhalten die größte und rücksichtsloseste Porno-Industrie auf Erden, während sie einen Buben in Handschellen aus dem Kindergarten abführen, weil er eine Spielgefährtin unschuldig geküsst hatte.

Damit ich nicht missverstanden werde: Wer für Karriere-Versprechen sexuelle Gefälligkeiten verlangt, ist ein Schurke im Sinne der Straffälligkeit. Es ist offenbar lange bekannt gewesen, dass Harvey Weinstein gerne so vorging, und man machte öffentlich Witze darüber, anstatt ihn anzuzeigen. Mit der plötzlich hervorbrechenden Erinnerung schießt Hollywood ein doppelmoralisches Eigentor. Die Diven haben die Meldung von Übergriffen und ihr jetzt erst gebrochenes Schweigen mit der Angst vor der Macht der Studio-Bosse begründet. Sie haben ihre Karriere aber dennoch zunächst über die seelische Unversehrtheit gestellt. Derart traumatisiert wurden sie allerdings zu Superstars mit der Macht, es Harvey Weinstein heim zu zahlen...

Im Film The Counselor gewährt
Cameron Diaz Javier Bardem
tiefe Einblicke, aber das gehörte
ja zur Rolle und war nur gespielt
Noch eine Anmerkung zu "sexual harrassment": Als ich mal Werbemittel für den deutschen Zweig eines großen Pharma-Konzerns entwickelt hatte, staunte ich über die Liste, die an der Kaffee-Küche hing. Darauf war vermerkt, was alles zu unterbleiben hatte, um unheimliche Begegnungen der sexuellen Art - selbst nur angedeutet - zu vermeiden.
Eines der erfolgreichsten Potenz-Mittel für ältere Herren wurde übrigens von jenem Konzern entwickelt und zum Welterfolg... Ein Schuft, wer Böses dabei denkt...

Freitag, 13. Oktober 2017

Sprachgebrauch

Gestern flog ein Haus großer Asteroid im Abstand eines Erdumfangs an uns vorbei. Heute ist Freitag der 13., die USA und Israel sind zeitgleich aus der Kultur-Vereinigung UNESCO ausgetreten. Was deshalb so bemerkenswert ist, weil die immer am östlichen Mittelmeer ansässigen Palästinenser der Anlass dafür waren. Während ja genau genommen weder Israel noch die USA auf dem von ihnen beanspruchten Land ur-kulturelle Wurzeln hätten, sondern durch Zuwanderung und Landnahme, sowie Verdrängung angestammter Völker ihre bemerkenswert erfolgreichen Kulturen aufbauen konnten. Franz Beckenbauer verliert immer mehr Zacken aus seiner Kaiser-Krone. Die Lichtgestalt erlischt gewissermaßen im Gegenlicht, und Hamas und Fatah schließen Frieden.

Thomas Pynchon der mirakulöse US-Autor der Postmoderne hat so eine denkwürdige Konstellation in seinem Epos "Against The Day" mit Handlungen bis auf über 1000 Buchseiten verwoben. Nur etwas für  Leute, die auch gerne im Lexikon lesen!

Deshalb erspare ich mir eine derartige Verknüpfung der Schlagzeilen dieser Woche als Anlass für meinen heutigen Post oder weltweite Verschwörung. Es geht doch nur um unserer Sprache.

In einer Zeit, in der mir selbst meine perfekt sprachlich ausgebildeten, erwachsenen Kinder Kürzel wie aka (also known as), lol (laughing out loudly), asap (as soon as possible) oder mit kunstvoll arrangierten Emojis texten und mein zweisprachig aufwachsender Enkel mit Spielen auf dem Handy ruhig gestellt wird, mache ich mir Gedanken, was wohl  aus unseren Sprachen wird.

Noch ein Erlebnis dieser Woche, das zur Einleitung passt: Meine Frau und ich gehen eigentlich grundsätzlich in München nicht mehr zum Italiener. Wieso auch nach sechs Monaten in Italien?
Wir wollen heimisch essen, aber möglichst zu Fuß dahin, damit wir unserem Alkoholismus frönen können. Der Blick ins Internet ergab, dass in unserem Viertel Asiatische Restaurants die Oberhand gewonnen, und nur zwei Italiener überlebt haben. Echt bayrische Restaurants mit gehobener Küche gibt es nur noch in der touristischen Innenstadt.

Dafür hat der nur drei Minuten  entfernte Italiener in der Parallelstraße seit Jahren hervorragende Kritiken - sowohl im Netzt als auch in den Zeitungen... Also sind wir dorthin und wurden nicht enttäuscht.

Auf dem kurzen Weg - quasi um die Ecke - begegneten uns Paare und Familien, die sich in Sprachen unterhielten, die wir nicht verstanden. Dafür war der Wirt vom Italiener ein Deutscher, und der servierte auch noch selbst ohne den bei seinen italienischen Kollegen üblichen Schmäh und Bussibussi.

Das Essen war grandios, obwohl der selbsternannte Experte für venezianische Kochkunst (also ich), die Darreichungsform der Fegato alla Veneziana besserwisserisch kommentieren musste. Schwamm drüber! Die Wachtel auf Pfifferlingen und der gebratene Radicchio mit Parmesan-Haube in Balsamico-Sauce zur Vorspeise hätten den Besuch allein schon gelohnt. Begleitet wurde das Mahl zum fairen Preis von einem großartigen Tocai Friulano.


In dem kleinen Restaurant aßen an all den besetzten Tische nur Deutsche. Ich betone das ohne Hintergedanken, weil das Etablissement ja mitten im Multikulti-Bereich liegt. Hier ist also UNESCO.
Daran sollten sich USA, Israel und die seit dieser Woche nur scheinbar verbündeten Fatah und Hamas vielleicht ein Beispiel nehmen. Ausgrenzung statt Integration aus populistischen Gründen, Gewalt statt Verständigung sind Reisen gegen den Tag: Against The Day...