Mein Vater und meine Mutter waren bis zum letzten Atemzug geistig voll auf der Höhe und konnten sich niveauvoll zanken - mit uns Kindern. Was mich daran hinderte, dass ich rechtzeitig dafür Abbitte leisten konnte, mich stets erbarmungslos über ihre Schrullen lustig gemacht zu haben. Dafür erlebe ich zurecht selbiges nun mit meinen Kindern.
Vergangenes und gerade Erlebtes vermischt sich in diesem Alter beim Dösen im Unterbewusstsein. Das gilt vor allem, wenn ich mich morgens noch einmal hinlege. Der vergangene Freitag war so ein Tag voller Irrungen und Wirrungen, dass die "Zweitbeste" meinte, ich solle mal meinen Lesern davon erzählen:
Die Ereignisse begannen damit, dass ein kleiner Mann mit Eulenaugen hinter seiner Brille, den Kopf schief haltend vor der Tür stand.
"Mein Name ist Hermes."
"Ah - wie der Götterbote. Haha!"
"Na ja, von einer höheren Instanz schon - aber nicht so weit oben angesiedelt..."
"Worum geht es denn?"
"Es geht darum, dass sie ganz oben auf der Rückruf-Liste stehen. Ihr BMI ist absolut nicht mehr zeitgemäß und ihre Abgasemission übertrifft alle Toleranz-Werte. Ihr Kalorienverbrauch ist viel zu hoch. Selbst wenn man einräumt, dass Sie das Doppelte von einem Norm-Menschen wiegen. Da sich Umrüsten nicht mehr lohnt, werden Sie aufgefordert, sich bei der Sammelstelle zur Entsorgung einzufinden."
Schweißgebadet schrecke ich aus dem Halbschlaf hoch, und schaue, ob es vielleicht schon der 13. ist.
Gut, dass das nicht der Fall ist. Aber auch ein normaler Freitag bedeutet, dass sich Family&Friends mittags im Sekt-Zelt auf dem Viktualien-Markt treffen. Mit der Traum-Sequenz im Kopf beschließe ich, dort ausnahmsweise hin zu radeln. Wer weiß, wie oft ich die alle noch sehe?
Als ich an der Feldherrenhalle vorbei düse, schaue ich ein paar Sekunden zu lang auf die jungen, schwarz gekleideten Männer mit entschlossen vor gereckten Kinnpartien, die dort Wache stehen. Ich übersehe den hohen Absatz und krache unsanft mit dem Vorderrad auf die Straße. Vor der Oper ist schon kaum mehr Luft drin, aber ich schaffe es trotzdem viel zu früh noch bis zum Markt.
Die "Zweitbeste" hatte mich gewarnt: Dann setzten sich die beiden Cs zu dir, die sind auch immer zu früh.
Nicht, dass ich etwas gegen die beiden Schwäger hätte, aber sie hören nicht gut und verstehen noch schlechter. Der eine fragt mich über meine Krankheiten aus, der andere gibt mir aus seinem reichen Erfahrungsschatz Ratschläge, was mit dem platten Vorderreifen zu tun sei. Dann trudeln all die anderen ein, mit denen ich gerne mal wieder ein paar Worte gewechselt hätte. Aber das geht nicht, weil dieser November ja ein Mai ist. Trotz offener Zeltplanen ist es so voll und laut, dass ich nun auch nichts mehr verstehe.
Gut, dass sich die vernünftige Tante D. noch in dieses Bermuda-Dreieck des Unverständnisses quetscht. Nicht weil sie längst ein unsichtbares Hörgerät trägt, sondern weil sie die "Tante für alle Notfälle" ist. Während alle anderen in ihre Smartphones schauen, um den nächstgelegenen Radl-Tandler zu ermitteln, betet sie aus dem Kopf die Koordinaten für den Nächstgelegenen vor.
Ich trinke meinen Badischen Grauburgunder aus und mache mich das Rad schiebend auf den Weg.
Es sind noch nicht einmal fünf Minuten - wie Tante D. gesagt hat.
Die Pedal-Helden sind nicht nur schnelle Reparierer, sondern auch hervorragende Verkäufer. Sie identifizieren meine Reifen als den größten denkbaren Schrott. Zwanzig Minuten später radele ich auf den sogenannten "unkaputtbaren" City-Reifen wieder Richtung Milbertshofen. Zum Sekt-Zelt kehre ich nicht zurück. Schließlich hatte ich ja gesagt, ich komme nur auf eine Glas Wein vorbei...Ich grinse in mich hinein, und löse damit gleich die nächste Straf-Aktion aus.
Im Glashaus ist wieder einmal der Lift kaputt. Aber meine Muskeln sind ja noch warm und ich federe dermaßen geschmeidig die vier Stockwerke hoch, dass ich einen Moment daran denke, am nächsten Olympia-Turm-Lauf teil zu nehmen...
Hochmut kommt vor dem Fall.
Oben erwartet mich die Nachricht, dass meine Bankberaterinnen in den Ruhestand gehen und ich eine Neue bekomme. Als ich die Alten löschen und die Neue in mein Samrtphone eingeben will, habe ich komplett vergessen, wie das geht.
"Hermes, hol mich!"
Sonntag, 8. November 2015
Mittwoch, 4. November 2015
City Speak
Ja, unsere Gesellschaft wird sich verändern. Und unsere Sprache auch. Wie sehr, erlebt beispielsweise, wer sich englische oder amerikanische Spielfilme im Original anschaut. Das Amerikanische ist ja nicht abgedriftet. Es hat sich nur grammatisch und umgangssprachlich abgeschliffen unter dem Einfluss der Vielen, die die Sprache erst haben erlernen müssen.
Es ist auch nicht unbedingt gesagt, dass Sprachen und künstlerische Qualitäten von Zugewanderten keine Bereicherung bedeuten:
Die Russin Natascha Tscherniak begründete als Nathalie Sarraute den Nouveau Roman, der der streng bewachten französischen Sprache völlig neue literarische Impulse gab.
Der vor dem armenischen Holocaust geflohene Schahnur Waghinak Asnavurjan, erscheint uns heute als 90jähriger Charles Aznavour immer noch als urfranzösischer Chansonnier.
Aus aktuellem Anlass möchte ich allen, die verstehen wollen, die Werke von Suheil Fadél empfehlen, der als Chemiker aus Syrien fliehen musste und als Rafik Schami einige der großartigsten Romane der Deutschen Literatur geschrieben hat.
Deutsch war ja nie eine Brücken-Sprache wie Englisch, Spanisch oder Französisch. Jetzt wird sie es werden - ob wir wollen oder nicht. Schon vor der Flüchtlingswelle haben sich die Menschen verschiedenster Nationalitäten in unserem Viertel miteinander nur mit ihrem rudimentären Deutsch unterhalten können. Das habe ich auf den zahlreichen Baustellen oder in den speziellen, nationalen Supermärkten erlebt. Seit wir wieder ein Standbein in München haben, hat sich die Zahl Deutscher, die beispielsweise im arabischen Supermarkt einkaufen der der nordafrikanischen Kunden angeglichen. Liebe geht durch den Magen, und wenn einer erst einmal herausgefunden hat, dass es hier das beste Lamm in ganz München gibt, und Süßigkeiten wie aus "Tausend und einer Nacht", wird er Stammkunde.
Damit ich nicht gänzlich auf der faulen Haut liege und mich regelmäßig bewege, schickt mich die "Zweitbeste" mit dem Rad zum Einkaufen auf den Elisabeth-Markt in Schwabing. Eine Einkaufsquelle, der wir seit beinahe 50 Jahre frönen, weil sich auf ihm verglichen mit dem Viktualienmarkt so gut wie nichts verändert. Ein unverfälschtes Stück München?
Nicht ganz. An der Westseite befindet sich die "Städtische Berufsschule für Fahrzeug- und Luftfahrt-Technik". Der Anteil an Schülern mit Migrationshintergrund wäschst ständig, und wenn die in den Pausen und bei Unterrichtsschluss dann über den Markt strömen, habe ich zuerst immer Schwierigkeiten die Dialoge zu verstehen.Ich bin mir aber zunehmend im Klaren, dass ich hier der Generation Zukunft begegne.
Eigentlich mag ich Science Fiction nicht. Aber der Film "Bladerunner" ist dennoch ein Film dessen Perspektive mir immer wieder unter die Haut geht. Besonders der ungekürzte Director's Cut von Regisseur Ridley Scott.
Der Film nimmt vorweg, was die UN gerade für das Jahr 2050 vorausgesagt haben. Nämlich, dass zwei Drittel der Menschheit in Großstädten leben werden. In diesem cineastischen Chaos wird genial in einer Sprache gesprochen die sich "City Speak" nennt. Quasi eine sich selbst bildende Kunstsprache, die - anders als Esperanto - von der täglichen Veränderung lebt.
An die musste ich gestern beim Heimradeln denken.
München ist ja eine gute Radel-Stadt. Deshalb gibt es ganze Straßenzüge, auf denen Radfahrer Vorrechte haben. Was einem Engländer offenbar entgangen war, der in einem offenen MG durch sie hindurch preschte, als führe er in Brands Hatch.
Als er an der roten Ampel halten musste, beugte sich der ältere Radler, den er fast auf ein parkendes Auto gedrängt hatte, zu ihm hinunter:
"Woast scho! This is fei a typical Munich Radlstraßna. Nix speedy Gonzales!"
Der Brite starrte ihn an wie ein U-Boot auf Tauchgang. Deshalb fühlte ich mich als Kosmopolit genötigt einzugreifen. Gerade fiel mir noch ein, dass es verständlicher sei, das Wort Cycling zu verwenden.
"Cycling has priority in these Streets!"
"I'm not interested in Recycling", sagte der Tommy, und ließ die Reifen qualmen, weil es gerade grün wurde.
Es ist auch nicht unbedingt gesagt, dass Sprachen und künstlerische Qualitäten von Zugewanderten keine Bereicherung bedeuten:
Die Russin Natascha Tscherniak begründete als Nathalie Sarraute den Nouveau Roman, der der streng bewachten französischen Sprache völlig neue literarische Impulse gab.
Der vor dem armenischen Holocaust geflohene Schahnur Waghinak Asnavurjan, erscheint uns heute als 90jähriger Charles Aznavour immer noch als urfranzösischer Chansonnier.
Aus aktuellem Anlass möchte ich allen, die verstehen wollen, die Werke von Suheil Fadél empfehlen, der als Chemiker aus Syrien fliehen musste und als Rafik Schami einige der großartigsten Romane der Deutschen Literatur geschrieben hat.
Deutsch war ja nie eine Brücken-Sprache wie Englisch, Spanisch oder Französisch. Jetzt wird sie es werden - ob wir wollen oder nicht. Schon vor der Flüchtlingswelle haben sich die Menschen verschiedenster Nationalitäten in unserem Viertel miteinander nur mit ihrem rudimentären Deutsch unterhalten können. Das habe ich auf den zahlreichen Baustellen oder in den speziellen, nationalen Supermärkten erlebt. Seit wir wieder ein Standbein in München haben, hat sich die Zahl Deutscher, die beispielsweise im arabischen Supermarkt einkaufen der der nordafrikanischen Kunden angeglichen. Liebe geht durch den Magen, und wenn einer erst einmal herausgefunden hat, dass es hier das beste Lamm in ganz München gibt, und Süßigkeiten wie aus "Tausend und einer Nacht", wird er Stammkunde.
Damit ich nicht gänzlich auf der faulen Haut liege und mich regelmäßig bewege, schickt mich die "Zweitbeste" mit dem Rad zum Einkaufen auf den Elisabeth-Markt in Schwabing. Eine Einkaufsquelle, der wir seit beinahe 50 Jahre frönen, weil sich auf ihm verglichen mit dem Viktualienmarkt so gut wie nichts verändert. Ein unverfälschtes Stück München?
Nicht ganz. An der Westseite befindet sich die "Städtische Berufsschule für Fahrzeug- und Luftfahrt-Technik". Der Anteil an Schülern mit Migrationshintergrund wäschst ständig, und wenn die in den Pausen und bei Unterrichtsschluss dann über den Markt strömen, habe ich zuerst immer Schwierigkeiten die Dialoge zu verstehen.Ich bin mir aber zunehmend im Klaren, dass ich hier der Generation Zukunft begegne.
Eigentlich mag ich Science Fiction nicht. Aber der Film "Bladerunner" ist dennoch ein Film dessen Perspektive mir immer wieder unter die Haut geht. Besonders der ungekürzte Director's Cut von Regisseur Ridley Scott.
Der Film nimmt vorweg, was die UN gerade für das Jahr 2050 vorausgesagt haben. Nämlich, dass zwei Drittel der Menschheit in Großstädten leben werden. In diesem cineastischen Chaos wird genial in einer Sprache gesprochen die sich "City Speak" nennt. Quasi eine sich selbst bildende Kunstsprache, die - anders als Esperanto - von der täglichen Veränderung lebt.
An die musste ich gestern beim Heimradeln denken.
München ist ja eine gute Radel-Stadt. Deshalb gibt es ganze Straßenzüge, auf denen Radfahrer Vorrechte haben. Was einem Engländer offenbar entgangen war, der in einem offenen MG durch sie hindurch preschte, als führe er in Brands Hatch.
Als er an der roten Ampel halten musste, beugte sich der ältere Radler, den er fast auf ein parkendes Auto gedrängt hatte, zu ihm hinunter:
"Woast scho! This is fei a typical Munich Radlstraßna. Nix speedy Gonzales!"
Der Brite starrte ihn an wie ein U-Boot auf Tauchgang. Deshalb fühlte ich mich als Kosmopolit genötigt einzugreifen. Gerade fiel mir noch ein, dass es verständlicher sei, das Wort Cycling zu verwenden.
"Cycling has priority in these Streets!"
"I'm not interested in Recycling", sagte der Tommy, und ließ die Reifen qualmen, weil es gerade grün wurde.
Sonntag, 1. November 2015
Eintrittskarten?
Mit zweierlei Maß zu messen, ist in diesen Tagen ja äußerst populär, um den hässlichen Begriff "populistisch" zu umgehen.
König Fußball, seine Co-Regenten und all die Paladine von Hoeneß, Beckenbauer bis hin zu Blatter und Platini scheinen in einem moral- und rechtsfreien Raum der Unantastbarkeit zu agieren. Was die Hooligans und sonstige grenzwertigen Horden, die bei PEGIDA mitlaufen, wenn sie nicht gerade im Stadion rassistisch grölen anscheinend vollkommen in Ordnung finden. Dabei wäre da ja wohl der Begriff Lügen-Fußball längst angebracht.
Aber das Kicken ist ja ein entscheidender Wirtschaftsfaktor geworden. Über eine Milliarde Steuern zahlen allein die beiden Bundesligen an den Fiskus. Da ist wohl ein wenig Gemeinwohl in Form von Polizei-Schutz und Verkehrslenkung gratis angesagt.
Wohl gemerkt, ich bin keiner, der meint, die Vereine sollten für den sicheren Spiel-Betrieb selbst aufkommen. Ich finde nur, dass gleiche Maßstäbe in allen volkswirtschaftlichen Bereichen angewendet werden sollten.
Ausländer zahlen in Deutschland Milliarden mehr an Steuern und Sozial-Abgaben als sie den Staat bei Unterstützungen in Anspruch nehmen. Um genau zu sein: Eine Studie der Europäischen Wirtschaftsforschung ZEW hat en Detail sogar errechnet, dass jeder Ausländer für ein Plus von 3000 Euro per anno sorgt,
Bei der gleichzeitig niedrigsten Arbeitslosen-Quote seit Jahrzehnten kann also die Angst vor Flüchtlingen oder Asylanten nur entstehen, wenn sie mit falschen Parolen geschürt wird.
Wir werden dem Andrang nicht mehr Herr? Allein an den 4.2 Millionen Stadion-Besuchern der 1. Bundesliga, werden alljährlich Karten- und Sicherheits-Kotrollen beim Einlass vorgenommen. Unsere Stadien gelten auch dank der Fan- Für- und Vorsorge als die Sichersten.
Gut, jetzt kommt eine ganz blöde Idee: Aber sollte es dann nicht möglich sein, all den Fliehenden beim betreten der EU eine personifizierte Eintrittskarte zu verkaufen, die an jeder Grenze gegen eine neue eingetauscht wird?
Das regelt noch nicht die Versorgung und Verteilung, das ist klar. Aber es könnte die Routen entlasten. Der Aufwand ist sicher geringer, als alle Rettungsmaßnahmen für die vom Untergang bedrohte europäische Idee. - Und den Untergang so zahlreich Fliehender im Mittelmeer. Denn mit der Eintrittskarte könnten sie dann auch reguläre Fähren nehmen.
Denn was wird, wenn die Seehofers und Orbans mit ihren Grenzkontrollen weitermachen?
Gestern kam es bei dem herrlichen Bergwetter an vielen bayrischen Grenzen zum Stau. Am Wochenende? Weil die vielen Asylanten und Flüchtlinge genau bis zum Wochenende warten, um über die Grenze zu kommen?
Nein der "bedrohte Bürger" sollte die Maßnahmen spüren, und ein linker Lügenbeutel, wer Böses dabei denkt.
Ich war auf dem Rad kreuz und quer in der angeblich aus allen Nähten platzenden Landeshauptstadt unterwegs. Überall in allen Volksgruppen, so weit ich das sehen konnte, gab es keinerlei Bedrohungen oder Einengungen.
Fußballfans waren allerdings nicht unterwegs. Die Bayern hatten sich ja auswärts von ihrer Siegesserie verabschieden müssen. - Was übrigens im staatstragenden Rundfunk-Sender in einem Atemzug, mit dem Flugzeug-Absturz über dem Sinai vermeldet wurde...
König Fußball, seine Co-Regenten und all die Paladine von Hoeneß, Beckenbauer bis hin zu Blatter und Platini scheinen in einem moral- und rechtsfreien Raum der Unantastbarkeit zu agieren. Was die Hooligans und sonstige grenzwertigen Horden, die bei PEGIDA mitlaufen, wenn sie nicht gerade im Stadion rassistisch grölen anscheinend vollkommen in Ordnung finden. Dabei wäre da ja wohl der Begriff Lügen-Fußball längst angebracht.
Aber das Kicken ist ja ein entscheidender Wirtschaftsfaktor geworden. Über eine Milliarde Steuern zahlen allein die beiden Bundesligen an den Fiskus. Da ist wohl ein wenig Gemeinwohl in Form von Polizei-Schutz und Verkehrslenkung gratis angesagt.
Wohl gemerkt, ich bin keiner, der meint, die Vereine sollten für den sicheren Spiel-Betrieb selbst aufkommen. Ich finde nur, dass gleiche Maßstäbe in allen volkswirtschaftlichen Bereichen angewendet werden sollten.
Ausländer zahlen in Deutschland Milliarden mehr an Steuern und Sozial-Abgaben als sie den Staat bei Unterstützungen in Anspruch nehmen. Um genau zu sein: Eine Studie der Europäischen Wirtschaftsforschung ZEW hat en Detail sogar errechnet, dass jeder Ausländer für ein Plus von 3000 Euro per anno sorgt,
Bei der gleichzeitig niedrigsten Arbeitslosen-Quote seit Jahrzehnten kann also die Angst vor Flüchtlingen oder Asylanten nur entstehen, wenn sie mit falschen Parolen geschürt wird.
Wir werden dem Andrang nicht mehr Herr? Allein an den 4.2 Millionen Stadion-Besuchern der 1. Bundesliga, werden alljährlich Karten- und Sicherheits-Kotrollen beim Einlass vorgenommen. Unsere Stadien gelten auch dank der Fan- Für- und Vorsorge als die Sichersten.
Gut, jetzt kommt eine ganz blöde Idee: Aber sollte es dann nicht möglich sein, all den Fliehenden beim betreten der EU eine personifizierte Eintrittskarte zu verkaufen, die an jeder Grenze gegen eine neue eingetauscht wird?
Das regelt noch nicht die Versorgung und Verteilung, das ist klar. Aber es könnte die Routen entlasten. Der Aufwand ist sicher geringer, als alle Rettungsmaßnahmen für die vom Untergang bedrohte europäische Idee. - Und den Untergang so zahlreich Fliehender im Mittelmeer. Denn mit der Eintrittskarte könnten sie dann auch reguläre Fähren nehmen.
Denn was wird, wenn die Seehofers und Orbans mit ihren Grenzkontrollen weitermachen?
Gestern kam es bei dem herrlichen Bergwetter an vielen bayrischen Grenzen zum Stau. Am Wochenende? Weil die vielen Asylanten und Flüchtlinge genau bis zum Wochenende warten, um über die Grenze zu kommen?
Nein der "bedrohte Bürger" sollte die Maßnahmen spüren, und ein linker Lügenbeutel, wer Böses dabei denkt.
Ich war auf dem Rad kreuz und quer in der angeblich aus allen Nähten platzenden Landeshauptstadt unterwegs. Überall in allen Volksgruppen, so weit ich das sehen konnte, gab es keinerlei Bedrohungen oder Einengungen.
Fußballfans waren allerdings nicht unterwegs. Die Bayern hatten sich ja auswärts von ihrer Siegesserie verabschieden müssen. - Was übrigens im staatstragenden Rundfunk-Sender in einem Atemzug, mit dem Flugzeug-Absturz über dem Sinai vermeldet wurde...
Freitag, 30. Oktober 2015
Dorf-Funk
Eigentlich unterscheidet sich die Kreuzung unter dem Glashaus zu unserem Platz vor der Burg in den Öl-Hügeln Liguriens nur durch die Lautstärke des Verkehrs. Die leisen Töne, das Flüstern hinter vorgehaltener Hand, sind hier jedoch nicht weniger intensiv; - quasi dennoch unüberhörbar...
Wenn ich Nachrichten aus dem Viertel will, die nicht im regionalen Werbeblatt oder den großen Tageszeitungen stehen, brauche ich nur zu meiner kroatischen Friseur-Meisterin zu gehen,
News mit ethnischem Hintergrund bekomme ich bei unserer Multikulti-Pizzeria, in der nicht ein Angestellter Italiener ist, obwohl alle Fladen im Angebot einen italienische Namen haben - wie der Betrieb selbst.
Über die Mitmenschen in der Nachbarschaft, die bayrische Wurzeln haben, erhält der Neugierige am besten bescheid, wenn er sich an die Brotzeit-Tische unseres preisgekrönten Metzgers stellt.
Ja, und ob der Arabische Frühling nun doch bald in Herbst oder gleich Winter übergeht, erfahre ich aus erster Hand vom Leiter unseres Aladin-Supermarktes, der gerade vom Heimaturlaub aus dem Land der jüngsten Friedens-Nobelpreis-Träger zurück ist.
Ob das "Quartet de Dialogue National" denn Stabilität in das Mutterland des Arabischen Frühling brächte? Wie seine Mitarbeiter ist er in erster Linie Moslem und erst in zweiter Hinsicht stolzer Tunesier. Aber ein wenig Hoffnung scheint doch zu keimen - auch wenn er nur mit einem Achsel-Zucken antwortet:
"Für die kleinen Leute ändert sich nichts, und die großen werden doch sowieso immer laufen gelassen."
Bezeichnend ist, sie bleiben alle in Deutschland, wo sie sich doch eigentlich so fürchten müssten.
Eine Perspektive, die der Syrer, der im Hochparterre des Nachbarhauses mit seiner Mutter lebte, offenbar nicht mehr hatte.
Vor unserer Ankunft - so der Dorf-Funk - sei er einfach von einer Minute auf die andere durchgedreht. Habe alle Möbel zerstört und das Appartement in Brand gesetzt. Verzweiflung oder der ganz normale Wahnsinn? - Unser kroatischer Hausmeister konnte das nicht mehr ergründen. Die Spuren aber sind immer noch nicht beseitigt.
Aber niemand muss glauben, dass nur die Schicksale der schon lang hier lebenden Ausländer tangiert werden.
Unsere zarte, liebenswürdige und emsige Apothekerin wurde Opfer eines Profi-Einbruchs. Obwohl exponiert an der Ecke gelegen, konnten die Gangster neben einschlägigen Medikamenten auch den Safe der Apotheke samt fünfstelliger Bargeld-Summe erbeuten.
In der folgenden Nacht hatte sie bei beschädigter Tür und ausgeschaltetem Alarmsystem turnusmäßig Dienst. Hut ab!
Der ungefilterte Dorf-Funk könnte jetzt zum Eindruck führen, das Leben sei in unserem Viertel riskanter. Aber die Statistik sagt etwas anderes. Und was mir immer wieder auffällt, ist, dass sich hier offenbar die meisten wirklich heimisch fühlen.
Hoffentlich bleibt das so.
Wenn ich Nachrichten aus dem Viertel will, die nicht im regionalen Werbeblatt oder den großen Tageszeitungen stehen, brauche ich nur zu meiner kroatischen Friseur-Meisterin zu gehen,
News mit ethnischem Hintergrund bekomme ich bei unserer Multikulti-Pizzeria, in der nicht ein Angestellter Italiener ist, obwohl alle Fladen im Angebot einen italienische Namen haben - wie der Betrieb selbst.
Über die Mitmenschen in der Nachbarschaft, die bayrische Wurzeln haben, erhält der Neugierige am besten bescheid, wenn er sich an die Brotzeit-Tische unseres preisgekrönten Metzgers stellt.
Ja, und ob der Arabische Frühling nun doch bald in Herbst oder gleich Winter übergeht, erfahre ich aus erster Hand vom Leiter unseres Aladin-Supermarktes, der gerade vom Heimaturlaub aus dem Land der jüngsten Friedens-Nobelpreis-Träger zurück ist.
Ob das "Quartet de Dialogue National" denn Stabilität in das Mutterland des Arabischen Frühling brächte? Wie seine Mitarbeiter ist er in erster Linie Moslem und erst in zweiter Hinsicht stolzer Tunesier. Aber ein wenig Hoffnung scheint doch zu keimen - auch wenn er nur mit einem Achsel-Zucken antwortet:
"Für die kleinen Leute ändert sich nichts, und die großen werden doch sowieso immer laufen gelassen."
Bezeichnend ist, sie bleiben alle in Deutschland, wo sie sich doch eigentlich so fürchten müssten.
Eine Perspektive, die der Syrer, der im Hochparterre des Nachbarhauses mit seiner Mutter lebte, offenbar nicht mehr hatte.
Vor unserer Ankunft - so der Dorf-Funk - sei er einfach von einer Minute auf die andere durchgedreht. Habe alle Möbel zerstört und das Appartement in Brand gesetzt. Verzweiflung oder der ganz normale Wahnsinn? - Unser kroatischer Hausmeister konnte das nicht mehr ergründen. Die Spuren aber sind immer noch nicht beseitigt.
Aber niemand muss glauben, dass nur die Schicksale der schon lang hier lebenden Ausländer tangiert werden.
Unsere zarte, liebenswürdige und emsige Apothekerin wurde Opfer eines Profi-Einbruchs. Obwohl exponiert an der Ecke gelegen, konnten die Gangster neben einschlägigen Medikamenten auch den Safe der Apotheke samt fünfstelliger Bargeld-Summe erbeuten.
In der folgenden Nacht hatte sie bei beschädigter Tür und ausgeschaltetem Alarmsystem turnusmäßig Dienst. Hut ab!
Der ungefilterte Dorf-Funk könnte jetzt zum Eindruck führen, das Leben sei in unserem Viertel riskanter. Aber die Statistik sagt etwas anderes. Und was mir immer wieder auffällt, ist, dass sich hier offenbar die meisten wirklich heimisch fühlen.
Hoffentlich bleibt das so.
Mittwoch, 28. Oktober 2015
Das Brot des Bäckers
Als halbdokumentarische Spielfilme noch ein Novum waren, landete der junge Erwin Keusch mit seinem Debüt-Film "Das Brot des Bäckers" 1974 nicht nur einen Anfangserfolg. Bis heute erhält sein Film Höchstnoten - auch in internationalen Foren.
Im Hintergrund einer Liebesgeschichte entwickelte der Film vor 41 Jahren exemplarisch den Niedergang des Handwerkes angesichts einer zunehmend industrialisierten Lebensmittel-Produktion. Handwerks-Ethos kann vor der automatisierten Profitsucht nicht bestehen. So die seherische Botschaft. Erwin Keusch ist drei Jahre älter als ich, und ich bin mir fast sicher, dass der gebürtige Schweizer unter dem aktuell tatsächlichen Zustand des Bäcker-Handwerks genauso leidet wie ich.
In fünf Minuten Gehweite haben wir rund ums Glashaus die Wahl von nicht weniger als sieben Verkaufsstellen für angeblich ofenwarmes Brot: Drei Supermärkte haben so eine Art Back-Paternoster -wie auch unsere Tanke. Dazu kommen zwei "normale" Bäckereien, von denen man nicht weiß, ob sie nicht doch einer Kette angehören. Die direkt gegenüber vom Glashaus, war ja schon ein paar mal Thema.
Nach dem Umbau des Wohnhauses auf winzige Eigentums-Appartements (20 Quadratmeter für 600 Euro Miete) hat der frühere Pächter wohl gedacht, er könne so weiter machen wie zuvor und seine schlecht aufgebackenen tief gefrorenen Backlinge von irgendwo, weiter ungestraft unter die Leute bringen. Aber wer oder wessen Eltern auch immer sich solche Mieten leisten können, haben wohl andere Ansprüche. - So wie wir.
Allen Semmel-Verkaufsstellen mangelt es an Qualität. In Vielfalt duften die Backwaren zwar und sind in der Tüte noch warm und resch. Aber kaum bist du zuhause haben sie die Konsistenz von Styropor und so schmecken sie auch.
Als wir noch im Speck-Gürtel von München wohnten und persönliche Beziehungen zu unseren Bäckern hatten, mussten wir uns von einem nach dem anderen verabschieden. Die einen hatten sich in der Blühte ihres Handwerkes Immobilien geleistet und stiegen einfach aus, während weniger vorausschauende zur Industrialisierung wechselten.
Wir sind gerade mal drei Wochen hier, und weinen schon unserem "Angolo di Pane" in Imperia nach, dem es immer noch gelingt, mit einzigartiger Qualität gegen die Super-Brotmärkte die Stellung zu halten. Man muss vorbestellen und trotzdem vor dem kleinen Laden in der Schlange stehen, weil selbst die, die aus den Bergen herunter kommen, die Backwaren sogar im aufgebackenen Zustand schätzen...
Gerade las ich, dass es mittlerweile vor "Bäckereien" Beduftungsmaschinen gibt, die den Appetit der Käufer anregen sollen.
Da kann ich nur auf Till Eulenspiegel verweisen:"Ihr wollt mich mit dem Duft sättigen? Da zahle ich doch glatt mit dem Klang meiner Münzen, die ich gleich wieder einstecke."
Übrigens: wir haben jetzt ein Arrangement mit unserem Metzger von schräg gegenüber getroffen. Er hat wohl noch eine geheime Quelle...
Sorry! Aber ich muss auch hier noch einmal auf die Flüchtlinge und Asylanten zurück kommen. Angeblich klagt ja das gesamte Nahrungsmittel-Handwerk bei uns über Nachwuchsmangel. Wie wäre es denn, wenn ihr die jungen Leute, die vielleicht noch gerne früh aufstehen, weil sie happy sind, noch am Leben zu sein, ein Handwerk erlernen lasst, mit dem sie später in die Heimat zurück kehren könnten?
Hier eine kleine Geschichte aus meinem Erlebenis-Schatz:
Nach einer staubigen Gelände-Fahrt vom Senegal zum Gambia Fluss machten wir Halt an einer Fährstation. Aus dem gerammelt vollen Bistro duftete es verlockend. Der Gambianer hinterm Tresen, der wohl mitbekommen hatte, dass wir Deutsch miteinander sprachen, schenkte uns das breiteste Willkommens-Lächeln, das man sich nur vorstellen kann und sagte:
"Habt's meine Brez'n grocha? San grad fertig worn!"
Wie sich heraus stellte, hatte er in München Bäcker gelernt.
"Mogst an eiskaltes
Spaten dazua?"
"Scho!"
Die nächste Fähre haben wir natürlich verpasst.
Im Hintergrund einer Liebesgeschichte entwickelte der Film vor 41 Jahren exemplarisch den Niedergang des Handwerkes angesichts einer zunehmend industrialisierten Lebensmittel-Produktion. Handwerks-Ethos kann vor der automatisierten Profitsucht nicht bestehen. So die seherische Botschaft. Erwin Keusch ist drei Jahre älter als ich, und ich bin mir fast sicher, dass der gebürtige Schweizer unter dem aktuell tatsächlichen Zustand des Bäcker-Handwerks genauso leidet wie ich.
In fünf Minuten Gehweite haben wir rund ums Glashaus die Wahl von nicht weniger als sieben Verkaufsstellen für angeblich ofenwarmes Brot: Drei Supermärkte haben so eine Art Back-Paternoster -wie auch unsere Tanke. Dazu kommen zwei "normale" Bäckereien, von denen man nicht weiß, ob sie nicht doch einer Kette angehören. Die direkt gegenüber vom Glashaus, war ja schon ein paar mal Thema.
Nach dem Umbau des Wohnhauses auf winzige Eigentums-Appartements (20 Quadratmeter für 600 Euro Miete) hat der frühere Pächter wohl gedacht, er könne so weiter machen wie zuvor und seine schlecht aufgebackenen tief gefrorenen Backlinge von irgendwo, weiter ungestraft unter die Leute bringen. Aber wer oder wessen Eltern auch immer sich solche Mieten leisten können, haben wohl andere Ansprüche. - So wie wir.
Allen Semmel-Verkaufsstellen mangelt es an Qualität. In Vielfalt duften die Backwaren zwar und sind in der Tüte noch warm und resch. Aber kaum bist du zuhause haben sie die Konsistenz von Styropor und so schmecken sie auch.
Als wir noch im Speck-Gürtel von München wohnten und persönliche Beziehungen zu unseren Bäckern hatten, mussten wir uns von einem nach dem anderen verabschieden. Die einen hatten sich in der Blühte ihres Handwerkes Immobilien geleistet und stiegen einfach aus, während weniger vorausschauende zur Industrialisierung wechselten.
Wir sind gerade mal drei Wochen hier, und weinen schon unserem "Angolo di Pane" in Imperia nach, dem es immer noch gelingt, mit einzigartiger Qualität gegen die Super-Brotmärkte die Stellung zu halten. Man muss vorbestellen und trotzdem vor dem kleinen Laden in der Schlange stehen, weil selbst die, die aus den Bergen herunter kommen, die Backwaren sogar im aufgebackenen Zustand schätzen...
Gerade las ich, dass es mittlerweile vor "Bäckereien" Beduftungsmaschinen gibt, die den Appetit der Käufer anregen sollen.
Da kann ich nur auf Till Eulenspiegel verweisen:"Ihr wollt mich mit dem Duft sättigen? Da zahle ich doch glatt mit dem Klang meiner Münzen, die ich gleich wieder einstecke."
Übrigens: wir haben jetzt ein Arrangement mit unserem Metzger von schräg gegenüber getroffen. Er hat wohl noch eine geheime Quelle...
Sorry! Aber ich muss auch hier noch einmal auf die Flüchtlinge und Asylanten zurück kommen. Angeblich klagt ja das gesamte Nahrungsmittel-Handwerk bei uns über Nachwuchsmangel. Wie wäre es denn, wenn ihr die jungen Leute, die vielleicht noch gerne früh aufstehen, weil sie happy sind, noch am Leben zu sein, ein Handwerk erlernen lasst, mit dem sie später in die Heimat zurück kehren könnten?
Hier eine kleine Geschichte aus meinem Erlebenis-Schatz:
Nach einer staubigen Gelände-Fahrt vom Senegal zum Gambia Fluss machten wir Halt an einer Fährstation. Aus dem gerammelt vollen Bistro duftete es verlockend. Der Gambianer hinterm Tresen, der wohl mitbekommen hatte, dass wir Deutsch miteinander sprachen, schenkte uns das breiteste Willkommens-Lächeln, das man sich nur vorstellen kann und sagte:
"Habt's meine Brez'n grocha? San grad fertig worn!"
Wie sich heraus stellte, hatte er in München Bäcker gelernt.
"Mogst an eiskaltes
"Scho!"
Die nächste Fähre haben wir natürlich verpasst.
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| Wer die Krater auf La Reunion durchwandert, hat am besten reichlich Baguette dabei, Die Qualität ist auch in den Überseee-Departements vorgeschrieben... |
Samstag, 24. Oktober 2015
Wandel durch Annäherung?
Aus dem gestrigen Polit-Barometer erfuhr ich, dass mehr als die Hälfte der Deutschen durch die Flüchtlinge und Asylanten einen gesellschaftlichen Wandel erwarten. Das Ergebnis erscheint mir ein wenig diffus. Die Erwartungen sind ja (ohne Befürchtungen) logisch. Wenn aber mehr als 50 Prozent der Deutschen sich vor diesem Wandel durch die Fremden fürchteten, sollten die Alarmglocken schrillen.
Der gesellschaftliche Wandel ist ja nicht singulär an diesem Thema fest zu machen. Ist es nicht so, dass unsere Gesellschaft auch ohne "das Fremde" im permanenten Wandel begriffen ist? Kassandra-Schreie bewirkten da ja auch kaum etwas?
Nehmen wir allein die elektronische Revolution, die Tele-Kommunikation, das Internet und die damit einher gehenden Überwachungs- und Ausspäh-Möglichkeiten. Trotz aller Warnungen werden Smart-Phones exzessiv genutzt, wird in Facebook orgiastisch gepostet und getwittert, was das Zeug hält.Oder die Energie-Politik mit oder ohne Atom-Ausstieg
Was wirklich gefürchtet werden muss, ist, dass geschulte Agitatoren und Machtmenschen aus einer Minderheit heraus mit diesen Multiplikations-Mitteln allein Angst vor nur diesem möglichen Faktor des Wandels schüren.
Als Egon Bahr mitten im Kalten Krieg tantramäßig seinen "Wandel durch Annäherung" forderte, wurde er als verkappter Kommunist diskriminiert. Wie die Mauer dann doch fiel, heimste einer den Titel "Vereinigungs-Kanzler" ein, der aus der Opposition noch gegen den Wandel gewettert hatte.
Wir haben die Wiedervereinigung geschafft, obwohl alle unsere Nachbarn sich das Scheitern beim Meistern dieser Titanen-Aufgabe gewünscht hätten. Deshalb hat die Kanzlerin als Betroffene und hautnahe Zeitzeugin auch das gute Recht zu sagen "wir schaffen das!".
Wenn sich jetzt so viele junge Ostdeutsche unter die alten Stasi-Sturschädel mischen, weil sie irgendwie nicht in dieser Republik angekommen sind und andere dafür verantwortlich machen, dann ist dies ein Beleg dafür, dass manche Menschen es eben lieber haben, wenn Diktatoren ihnen das selbständige Denken abnehmen.
Mag ja sein, dass dem gesellschaftlichen Zusammenhalt und der Kameradschaft in der untergegangenen DDR auch heute noch nachgetrauert wird. Aber eben nur, wenn der Kamerad und Nachbar nicht auch als IM gearbeitet hat...
Wer sagt denn, dass (außer den nicht zu verniedlichen Gefahren für die innere Sicherheit in Zeiten des Terrors) nicht auch der Einfluss anders empfindender und denkender Menschen unsere wandelbare Gesellschaft voran bringen könnte?
Voraussetzung für den Wandel, ist tatsächlich die Annäherung. Als ich noch aktiv in der Sport-Politik war, habe ich jedenfalls niemanden getroffen, der sich über die auf einmal ausgelöste Medaillen-Flut der 90er Jahre beschwert hätte.
Damals haben wir 16 Millionen neue Bundesbürger willkommen geheißen. Diese Willkommens-Kultur stünde uns Wiedervereinigten auch jetzt gut an. Vor allem sollten wir die anderen darüber nicht vergessen, die ebenfalls und schon lange Zeit vorher zum Aufstieg der Bundesrepublik beigetragen haben
Als die "Zweitbeste" gestern aus der Stadt kam, gab es hier in unserer unmittelbaren griechischen Nachbarschaft eine angemeldete Demonstration. Eigentlich war es ein Demonstratiönchen:
Zwei Kinder trugen je eine griechische und eine deutsche Fahne, hinter denen sich ein kanppes Dutzend Erwachsene aufgemacht hatten.
Da wir Deutsche ja so ein ordnungsliebendes Volk sind, hatte auch diese kleine Gruppen Polizei-Begleitung, beim Verkünden ihrer simplen Forderung.
"Lasst nicht an uns aus, was unsere Politiker verbockt haben!"
Der gesellschaftliche Wandel ist ja nicht singulär an diesem Thema fest zu machen. Ist es nicht so, dass unsere Gesellschaft auch ohne "das Fremde" im permanenten Wandel begriffen ist? Kassandra-Schreie bewirkten da ja auch kaum etwas?
Nehmen wir allein die elektronische Revolution, die Tele-Kommunikation, das Internet und die damit einher gehenden Überwachungs- und Ausspäh-Möglichkeiten. Trotz aller Warnungen werden Smart-Phones exzessiv genutzt, wird in Facebook orgiastisch gepostet und getwittert, was das Zeug hält.Oder die Energie-Politik mit oder ohne Atom-Ausstieg
Was wirklich gefürchtet werden muss, ist, dass geschulte Agitatoren und Machtmenschen aus einer Minderheit heraus mit diesen Multiplikations-Mitteln allein Angst vor nur diesem möglichen Faktor des Wandels schüren.
Als Egon Bahr mitten im Kalten Krieg tantramäßig seinen "Wandel durch Annäherung" forderte, wurde er als verkappter Kommunist diskriminiert. Wie die Mauer dann doch fiel, heimste einer den Titel "Vereinigungs-Kanzler" ein, der aus der Opposition noch gegen den Wandel gewettert hatte.
Wir haben die Wiedervereinigung geschafft, obwohl alle unsere Nachbarn sich das Scheitern beim Meistern dieser Titanen-Aufgabe gewünscht hätten. Deshalb hat die Kanzlerin als Betroffene und hautnahe Zeitzeugin auch das gute Recht zu sagen "wir schaffen das!".
Wenn sich jetzt so viele junge Ostdeutsche unter die alten Stasi-Sturschädel mischen, weil sie irgendwie nicht in dieser Republik angekommen sind und andere dafür verantwortlich machen, dann ist dies ein Beleg dafür, dass manche Menschen es eben lieber haben, wenn Diktatoren ihnen das selbständige Denken abnehmen.
Mag ja sein, dass dem gesellschaftlichen Zusammenhalt und der Kameradschaft in der untergegangenen DDR auch heute noch nachgetrauert wird. Aber eben nur, wenn der Kamerad und Nachbar nicht auch als IM gearbeitet hat...
Wer sagt denn, dass (außer den nicht zu verniedlichen Gefahren für die innere Sicherheit in Zeiten des Terrors) nicht auch der Einfluss anders empfindender und denkender Menschen unsere wandelbare Gesellschaft voran bringen könnte?
Voraussetzung für den Wandel, ist tatsächlich die Annäherung. Als ich noch aktiv in der Sport-Politik war, habe ich jedenfalls niemanden getroffen, der sich über die auf einmal ausgelöste Medaillen-Flut der 90er Jahre beschwert hätte.
Damals haben wir 16 Millionen neue Bundesbürger willkommen geheißen. Diese Willkommens-Kultur stünde uns Wiedervereinigten auch jetzt gut an. Vor allem sollten wir die anderen darüber nicht vergessen, die ebenfalls und schon lange Zeit vorher zum Aufstieg der Bundesrepublik beigetragen haben
Als die "Zweitbeste" gestern aus der Stadt kam, gab es hier in unserer unmittelbaren griechischen Nachbarschaft eine angemeldete Demonstration. Eigentlich war es ein Demonstratiönchen:
Zwei Kinder trugen je eine griechische und eine deutsche Fahne, hinter denen sich ein kanppes Dutzend Erwachsene aufgemacht hatten.
Da wir Deutsche ja so ein ordnungsliebendes Volk sind, hatte auch diese kleine Gruppen Polizei-Begleitung, beim Verkünden ihrer simplen Forderung.
"Lasst nicht an uns aus, was unsere Politiker verbockt haben!"
Mittwoch, 21. Oktober 2015
Herzlos, hilflos, hoffnungslos, heillos!
Welchem Zweck dient mein Geschreibsel?
Es ist nicht so, dass ich dazu gezwungen wäre. Auch halte ich mich nicht für wichtig genug, um mir einzubilden, dass irgendeiner meiner Texte irgendetwas bewirken könnte. Aber vielleicht sind sie dann in ferner Zukunft mal ein Zeit-Dokument.
Wie wird es sein, wenn das Schicksal der Welt ein Weiterbestehen beschert? Wird dann wieder das rätselhafte Wegsehen einer Generation dokumentiert?
Wir, die wir alt genug sind, dass wir unsere Eltern und Großeltern noch fragen konnten, ob sie wirklich nicht mitbekommen haben, was in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit unserer Nation geschehen war, bekommen in jedem Fall mehr davon mit, was hier ein Vierteljahrhundert nach der Wiedervereinigung abläuft.
Georg Heym, das poetische Genie, hat 1911 einen Vers geschrieben, der nicht nur das Heraufziehen des Krieges, sondern seherisch, das offenbar Unvermeidbare in unserem Volkscharakter Lauernde beschreibt:
Aufgestanden ist er, welcher lange schlief,
Aufgestanden unten aus Gewölben tief.
In der Dämmrung steht er, groß und unerkannt,
Und den Mond zerdrückt er in der schwarzen Hand.
Wenn ich mir vorstelle, dass in ein paar Wochen zwischen den täglichen Horror-Nachrichten und den Bildern von frierenden, hungernden Menschen wieder das Weihnachts-Gedudel der Konsumgüter-Industrie einsetzt, dreht es mir jetzt schon den Magen um.
Friede auf Erden?
Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem Bösen Nachbarn nicht gefällt!...
...Heißt es in Schillers "Willhelm Tell". Aber wo kommen sie auf einmal her; all die bösen Nachbarn?
Angeblich haben die Demoskopen doch jede Stimmungsschwankung auf dem Schirm. Und dann dieses Tempo der Verrohung und wieder diese alte Gewalt der Biedermänner als Brandstifter...
Was passiert, wenn der herzlose Umgang mit Anderen plötzlich wieder Standard wird. Wenn dumpfe Blockwart-Typen einem Angst machen, weil sie sich in der Anonymität ihrer gewaltbereiten Gruppen trauen, beim geringsten Verdacht des Andersdenkens auf Mitmenschen einzuprügeln?
Nicht das Volk hat offenbar zu lange ncht hingeschaut, sondern die ehrlichen Politiker haben "Partei-Freunden" mit finsterer Machtgesinnung zu viel Raum gelassen.
Nun erscheinen die hilflos und heillos. Und der brave Bürger, der die Illusion hatte, die Welt sei auf dem richtigen Weg, ist wieder einmal hoffnungslos.
Es ist nicht so, dass ich dazu gezwungen wäre. Auch halte ich mich nicht für wichtig genug, um mir einzubilden, dass irgendeiner meiner Texte irgendetwas bewirken könnte. Aber vielleicht sind sie dann in ferner Zukunft mal ein Zeit-Dokument.
Wie wird es sein, wenn das Schicksal der Welt ein Weiterbestehen beschert? Wird dann wieder das rätselhafte Wegsehen einer Generation dokumentiert?
Wir, die wir alt genug sind, dass wir unsere Eltern und Großeltern noch fragen konnten, ob sie wirklich nicht mitbekommen haben, was in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit unserer Nation geschehen war, bekommen in jedem Fall mehr davon mit, was hier ein Vierteljahrhundert nach der Wiedervereinigung abläuft.
Georg Heym, das poetische Genie, hat 1911 einen Vers geschrieben, der nicht nur das Heraufziehen des Krieges, sondern seherisch, das offenbar Unvermeidbare in unserem Volkscharakter Lauernde beschreibt:
Aufgestanden ist er, welcher lange schlief,
Aufgestanden unten aus Gewölben tief.
In der Dämmrung steht er, groß und unerkannt,
Und den Mond zerdrückt er in der schwarzen Hand.
Wenn ich mir vorstelle, dass in ein paar Wochen zwischen den täglichen Horror-Nachrichten und den Bildern von frierenden, hungernden Menschen wieder das Weihnachts-Gedudel der Konsumgüter-Industrie einsetzt, dreht es mir jetzt schon den Magen um.
Friede auf Erden?
Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem Bösen Nachbarn nicht gefällt!...
...Heißt es in Schillers "Willhelm Tell". Aber wo kommen sie auf einmal her; all die bösen Nachbarn?
Angeblich haben die Demoskopen doch jede Stimmungsschwankung auf dem Schirm. Und dann dieses Tempo der Verrohung und wieder diese alte Gewalt der Biedermänner als Brandstifter...
Was passiert, wenn der herzlose Umgang mit Anderen plötzlich wieder Standard wird. Wenn dumpfe Blockwart-Typen einem Angst machen, weil sie sich in der Anonymität ihrer gewaltbereiten Gruppen trauen, beim geringsten Verdacht des Andersdenkens auf Mitmenschen einzuprügeln?
Nicht das Volk hat offenbar zu lange ncht hingeschaut, sondern die ehrlichen Politiker haben "Partei-Freunden" mit finsterer Machtgesinnung zu viel Raum gelassen.
Nun erscheinen die hilflos und heillos. Und der brave Bürger, der die Illusion hatte, die Welt sei auf dem richtigen Weg, ist wieder einmal hoffnungslos.
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