Er war möglicherweise einer der letzten SPD-Politiker mit Charisma . Der ehemalige Vize-Kanzler und heutige Vorsitzende der "Atlantik-Brücke": Sigmar Gabriel.
Vorgestern in einer Gesprächsrunde von "Hart aber fair" wurde er als Vater gefragt, wie er denn heute die Zukunft seiner Töchter sähe. Dabei gestand er zunächst freimütig ein, dass seine Politiker-Generation nicht in der Lage gewesen sei, die Weichen rechtzeitig zu einer Erhaltung der Verhältnisse zu stellen. Jetzt müsse er seine Töchter eben darauf vorbereiten, dass die Lebensumstände sich auf Dauer nicht verbessern werden.
Daran sollte der derzeitige Kanzler sich samt seinem Kabinett doch mal ein Beispoel nehmen. Aufhören mit der scheinoptmistischen Schönfärberei, sondern mutig zugeben, dass wir bis zum Hals im Schlamassel stecken, aus dem wie nur herauskommen, wenn wir in frühere, in der Nachkriegszeit bewährte Überlebensmodi wechseln!
Wir müssen uns endlich vornehmen, die "Wir-schaffen-das"-Phase dringend für die Frage "wie überleben wir das?" zu verlassen.
Die vielen gleichzeitigen Kriegshandlungen allein sorgen ja schon für schwer auszugleichenden Umweltschäden. Da können wir doch erst recht nicht die Zügel bei den Klimazielen schleifen lassen.
Dass Kriege und Krisen seit jeher die Armen immer ärmer und die Reichen noch reicher machen, ist eine Tatsache, die es umso dringlicher verlangt, die sich immer extremer klaffende Einkommensschere vorzunehmen.
Unverhälnismäßigkeit beim Verteilen des Verfügbaren ist Wegbereiter für radikale, oft Demokratie vernichtender Strömungen. Wenn auch nur gefühlter Mangel oder dann bald real existierender Hunger politische Strömungen auslösen, kommt unweigerlich Gewalt ins Spiel.
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| Wie aus Roten plötzlich Schwarzhemden wurden, lehrt uns Italiens Geschichte |
Käme es wieder zu so einem Flächenbrand, erübrigt sich auch die Aufgabe, Töchter auf die zerstörten Lebensbedingungen einzustellen. Genauso wie die Diskussion über die Gleichstellung von Mann und Frau oder den Gender-Gap. Denn nach den Katasrophen sind es doch sowieso wieder die "Trümmerfrauen", die für das Überleben das Kommando übernähmen.
Während ich das schreibe, ist mir der Roman "Canale Mussolini" von Antonio Pennacchi eingefallen. Das ist gewiss kein einfacher Buchtipp. Dazu ist das 2010 mit dem Italienischen Buchpreis ausgezeichnete Werk zu sperrig! Ein alter Mann erzählt in Umgangssprache einem imaginären Visavis, wie es vom "Novocento" bis heute aus seiner Sicht zu allem kam. Wie Männer ihre politische Ansichten durch die jeweiligen Lebensumstände und Kriege veränderten. Wie mangelnde Bildung und Ernährung den Lauf der Zeit prägten. Und wie es letztlich die Frauen waren, die dafür sorgten, dass es immer weiter ging und sich dann doch so wenig in Richtung dauerhafte Vernunft änderte...




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