Freitag, 30. Oktober 2020

Eremit in Quarantäne

animated.gifs.net
Wieso fragen mich nur alle Anrufer, wie es mir geht?
Klar, wir sind wohl gerade noch rechtzeitig aus Ligurien herausgekommen. Mit einer zauberhaften Herbstreise übrigens, die uns die Ankunft des Winters hier leichter ertragen ließ. Dann waren wir gleich am nächsten Vormittag zum voraus gebuchten  "Drivethrough-Testing" auf dem brachen Oktoberfest-Gelände. Doppelreihen von Autos unter der Bavaria. Dazwischen besorgte, unangemeldete Fußgänger, die für zusätzliche Verzögerungen sorgten. Aber insgesamt doch nur etwas mehr als eine halbe Stunde Wartezeit bis wir bei den freundlichen und geduldigen Testern anlangten. Das mit den Barcodes klappte wirklich super schnell. In zwei bis drei Tagen sollten wir dann unsere Ergebnisse via Smartphone oder Computer abrufen können. Heute beginnt der fünfte Tag unserer Quarantäne, und noch immer haben wir keine Ergebnisse...

Was war passiert? Sich täglich steigernde Fallzahlen in Rekrodhöhe von über 17000 Neuinfizierten waren passiert! Das hat die "Doctorbox" offenbar in ihrer Kapazität derart zerlegt, dass sie - wie zugesagt - auch im Ernstfall keine e-mails mehr beantworten kann.

Nun sind wir aber qua Definition wegen unseres Alters und der Vorerkrankungen nicht nur Risikogruppe, sondern auch von "tonnenweise" benötigten Medikamenten abhängig. Die waren uns am Ende unseres Ligurien-Aufenthaltes wegen der strengen Rationierungs-Politik unserer Krankenkassen bei denen wir über 50 Jahre Mitglieder sind, aber teilweise ausgegangen. De jure zählen in der Quarantäne nur die fixierten, belegbaren Termine für Blutabnahme und die verlangte Quartals-Untersuchung in der ersten Novemberwoche. Einfach mal über den Ring los düsen, um beim Arzt die Gesundheitskarten einlesen zu lassen, wäre eine Grauzone gewesen, auf die wir uns bei den derzeitig so diffusen Sachverhalten nicht einlassen wollten. Ohne eingelesene Karten aber keine Rezepte!

Das wäre jetzt noch das Diabetiker-Delight:
Schnell konsumierbare Hardware
aus Schokolade und Marzipan
für die Advent-Posts
Quelle: Lehwalder-Wordpress
Dann aber ging es wegen der Jahrzehnte langen "Geschäftsbeziehungen" doch noch ganz unbürokratisch: Die Ärzte faxten die Rezepte an unsere Apotheke und behalten die Originale bis die Karten eingelesen werden. Die Apotheke vertraute uns nicht nur auf Rechnung für die Zuzahlungen, sondern lieferte alles noch rechtzeitig am gleichen Abend vor die Haustür. So werden wir den Rest der Quarantäne also auch noch herumbekommen, zumal uns die Kinder schon mit Leckereien vor versorgt hatten, und der Metzger unseres Vertrauens gestern auch noch warmen Leberkäs und Brezen über die Kreuzung lieferte...

Wie soll es uns also gehen? Mir zumindest geht es prächtig. Denn die Quarantäne unterstützt meinen in den letzten Jahren stetig zunehmenden Hang zum Dasein eines elektronisch und nahrungsmäßig gut gefütterten Eremiten.

Das kann ich schreiben, weil meine - in ihrer unendlichen Fürsorge völlig ausgebremste - Ehefrau meine Bloggs eh nicht liest.


Mittwoch, 28. Oktober 2020

Navigator gesucht

 Die, die denken sie könnten etwas ändern oder besser machen, bedienen selten die Instrumenten des Wandels. Das äußert sich dann in so hilflosen Sprüchen wie:

Die besten Kapitäne, sind die, die im Hafen bleiben.
Oder:
Millionen von Bundestrainern sitzen vor der Glotze.

Journalisten dürfen sich bei so einer Stilisierung nicht ausnehmen, obwohl es ja in funktionierenden Gesellschaften durchaus zu ihren Pflichten gehörte, ihre Ansichten mitzuteilen oder die der Mächtigen zu kommentieren. Nun aber gibt es durch die elektronischen, die angeblich sozialen Medien, das Problem, dass es zu viele selbst ernannte Meinungs-Botschafter gibt.  Meist sind die dann auch noch schneller als die, deren Arbeit erst gedruckt oder für eine Sendung vorbereitet werden muss. Das hinterher Dackeln bei "Nachrichten-Machern", denen das Wort Recherche ein völliges Fremdwort ist, wird in diesen Tagen zu einer ernsten Bedrohung.

So las ich ungläubig, dass die obskure Weltbewegung "QAnon" wesentliche Impulse von einem den hiesigen Ermittlern bekannten deutschen Hacker aus der Bundeshauptstadt bekommt. Der vermittelt den Unsinn der "Anonists" in Sekundenschnelle einem Millionen-Publikum, das dann glaubt, dass der heute 65 Jahre alt gewordene Bill Gates und seine elitären Spießgesellen entführte Kleinkinder in Laboren halten, um aus ihnen einen exklusiven Extrakt für ewiges Leben zu gewinnen... Dabei müssten die sich nur das zerfurchte, faltenreich blasse und zu früh gealterte Gesicht des Tycoons anschauen, um zu erkennen, dass das unterstellte Unterfangen gerade bei ihm wohl nicht gewirkt hat.

Aber - und um die Metapher von oben für mein eigentliches Thema wieder aufzugreifen:
Macht macht einsam und isoliert zunehmend von dem Umfeld von dem man sich einst berufen gefühlt hat. Während hingegen Schwarm-Blödheit bei ihrem Wachstum davon profitiert, dass es für sie keine "Geburten-Kontrolle" gibt. Sowohl zu lange an der Macht zu bleiben als auch den größten Unsinn ohne Hinterfragen in sein Hirn zu lassen, gefährden nun zuzüglich zur Klima-Krise die gesamte Menschheit. 

Gegen Machthunger hilft nach wie vor keine Diät. Gegen das zu lange "Ausleben der Macht" könnten zwar in Demokratien noch besser funktionierende Beschränkungen helfen. Aber würde die Politik per se die denn aktiv überhaupt anstreben? Jüngstes Beispiel, wie das "funktioniert", ist ja die gerade auf den Weg gebrachte Reform, die unseren Bundestag eigentlich schrumpfen sollte. - Ihn aber auch vergrößern könnte - wie findige Rechner das für die anstehende Wahl im "Worst-Case-Szenario" schon kalkuliert haben.

Corona macht allein die "Vorwahl" schon zur Farce, weil regulierende Parteitage mit Kandidaten-Kür verschoben oder gleich abgesagt werden. So böte sich immerhin den "Bundeskanzlern vor der Glotze" reichlich Gelegenheit, darüber nachzudenken, wieso die lange, meist umsichtige Regentschaft von Angela Merkel nicht nur in ihrer, sondern in allen Parteien zu einem Nachwuchsproblem geführt hat. Was sich in jüngster Zeit  im übrigen bereits allein durch die Fluktuation von Parteivorsitzenden jeglicher Couleur manifestiert hat.

Wenn ich an die politischen Wellenberge und immer neue, plötzlich auftauchende Klippen und Riffs im derzeitigen Weltgefüge denke, sehe ich in Deutschland keine parteilich profilierte Persönlichkeit mehr, die uns und Europa zwischen Machtmenschen wie Trump, Erdogan, Johnson, Putin und Xi Jinping achtsam navigierend aber bestimmt auf Kurs halten könnte.

Da fällt mir die Jahrtausend-Karikatur "Dropping The Pilot" (Der Lotse geht von Bord) ein, die John Tenniel für den "Punch" vom 29. März 1889 über den Abgang von Reichskanzler Otto Von Bismarck gezeichnet hat. Der SPIEGEL hat dieses offenbar zeitlos gültige Meisterwerk - durch dessen Konterfei ergänzt - dann auch beim Abgang von Helmut Schmidt 1982  sogar auf dem Cover.

Mal sehen, ob es auch noch eine Merkel-Variante geben wird...





Montag, 26. Oktober 2020

Erreicht er noch den Superlativ?

Ist es Zufall oder schicksalhafter Hinweis, dass sich der Name des Bayrischen Ministerpräsidenten auf den Komparativ jenes Adjektivs reimt, das im Deutschen geistige Schwachmaten beschreibt?

Seit dem Ausbruch der Pandemie spielt sich der Mann wortreich und unpräzise in den V(F)ordergrund). Wonach er meist nur den Worten der Kanzlerin ausgedehnter hinterher plappert, um sie dann mit seinen grandios beschriebenen Null-Lösungen noch zu toppen. Dabei sind von seinen "Landeskindern" bald 3000 an Covid-19 verstorben - also fast ein Drittel der bundesdeutschen Corona-Toten insgesamt!
Die aktuellen Fallzahlen im Freistaat steigen munter weiter, ohne dass der Ministerpräsident oder seine (blonde) Gesundheitsministerin (vier Strafpunkte für mich auf der Macho-Liste!!!) den Mund etwas weniger voll nehmen. Ganz im Gegenteil: Markus Söder strebt in der von Corona verseuchten Findung eines kommenden Kanzlerinnen-Nachfolgers wohl mit täglich absurder werdenden Pressekonferenzen offenbar doch noch den Superlativ von blöd an. - Weil er es kann.

Um in der CSU politisch Erfolg zu haben, darf an deren Spitze keiner mehr das Gen des Anstands haben, dass Andersgläubigen signalisiert, wann es besser wäre, zurück zu treten. Siehe auch Scheuer, Dobrindt, Seehofer und Huml.

Gott mit Dir, Du Land der Bayern! Doch Gnade uns  - Bayrischer Gott - und den Menschen in den übrigen Bundesländern, dass dieser Menschenschlag noch mehr Bundespolitik macht. Echt jetzt!

Dorten gangat's zum Abgang Frau Huml!
Und gem's fei obacht, dass man Sie mit derer Mask'n net kennt!
Quelle: dpa und sz.de


Freitag, 12. Juni 2020

Wechselfieber

In der Zwischenzeit lest neue Spott-Gedichte auf dem Burgschreiber-Blog


Keine Bange! Nach Corona fange ich nicht auch noch mit Malaria an, die ja früher als Wechselfieber bezeichnet wurde. Nein ich möchte einen Zustand beschreiben, der uns seit nun mehr als 20 Jahren immer noch befällt, wenn der Wechsel in die italienische Zweit-Heimat ansteht. In diesem Jahr ist der Anfall besonders heftig, weil wir ja immer noch nicht wissen, ob die Lockerungen der Virus bedingten Beschränkungen nicht doch zu früh kommen.

Einen Zeitpuffer nach der angekündigten innereuropäischen Öffnung der Grenze haben wir zwei uns als Angehörige der Risikogruppe schon noch gelassen. Dennoch ist das heute der letzte Stein, den ich aus dem Glashaus werfe, nachdem ich so lange durchgehalten habe, wie noch  nie seit dem ersten Post. War halt nicht das dankbarste Thema dieser Covid-19.

Wie jedes Jahr gebe ich mir wieder eine vierzehntägige Auszeit von den Blogs. Nie ist es so geworden, wie wir uns das einst so vorgestellt haben: Jeweils einfach die Tür zuschließen und Abfahrt. Je älter wir werden, desto genauer denken wir, die Transfers müssten noch mehr durchgeplant werden. Dabei hat die Fürsorglichste ihren Transfer-Koffer, den sie aus Platzmangel unter meinem Schreibtisch verstaut, derart unausgepackt gelassen, dass sie aktuell gar nicht mehr weiß, was eigentlich darin ist.

Viel besser bin ich auch nicht, weil ich seit Tagen schon (auch noch  im Schlaf) die neuen Harmonien an meiner "Galeria Rusticana" komponiere, seit meine Frau die Heimholung einiger meiner Bilder von der Burg im Gegenzug von überdimensionierten Gemälden angeordnet hat, die gar nicht hierher passen. Die sollten ja auch unser Italien-Feeling in den Norden transportieren. Und weil es das einst so inspirierende Venedig, das mich überhaupt erst zum Malen gebracht hat, nur noch im Corona-Lockdown so war wie früher, finden wir, dass unsere Venedig-Ecken an beiden Wohnorten umgruppiert werden müssen. Selber Schuld, wenn man seine Mangel-Begabung in jungen Jahren so exzessiv ausgelebt hat...!
Dieses Bild nenne ich
"Venezianisches Versagen".
Beinahe ein Jahrzehnt habe ich
versucht es irgendwie
noch zu retten.
Der Fürsorglichen  gefällt es,
deshalb kommt es in ihre
Kemenate auf der Burg

Jedenfalls ist mehr Logistik gefragt als sonst. Denn in den ersten heißen Tagen hatten wir hier nichts zum Anziehen, und wenn wir bis zum Spätherbst auf der Burg bleiben (müssen???), haben wir dort nicht genügend warme Kleidung.

Also ich melde mich mit dem ersten Burgbrief  2020 - wenn die Vorsehung uns gewogen bleibt und dort meine neue Internet-Lösung sofort funktioniert - am 28. Juni.

Bei näherer Betrachtung und falschem Licht
verschwinden die Figuren, weil ich
zuviel schnell trocknendes Malmittel genommen habe

Bis dahin hier ein paar Beispiele aus der "Wander-Ausstellung":


Auch Gecko und Aloe machen sich auf die "Heimreise". Dann hängen sie wieder dort, wo sie hingehören...








Kehrt auf seinen Stammplatz im Münchner Appartement zurück:
Der Pfauen-König von Gilleleje

Mittwoch, 10. Juni 2020

Hüa-Hormone für den Pimmel-Booster

Kalkutta hatte Mutter Teresa. Unser Familien-Clan hat die auch schon zu Lebzeiten legendäre Tante B.
Wenn meine Frau aus  meiner Sicht die fürsorglichste aller Ehefrauen ist, so nimmt aus dieser Perspektive B den Platz der fürsorglichsten aller Tanten ein. Als Clan-Älteste düst sie mit ihren Sport-Coupè jetzt in nun gelockerten Corona-Zeiten wieder wie immer in der Stadt herum, um ihre Geschwister, Neffen und Nichten sowie die noch verbliebenen Freunde und ehemaligen Kollegen mit Wohltaten zu bedenken. Und wenn es "nur" um die Verteilung überdimensionierter Maikäfer aus Schokolade mit rosa Schleife um den Bauch geht.

Das muss beim heutigen Post einfach vorweg geschickt werden, damit der im Kontext verständlich bleibt. Tante B ist nämlich auch ein Seismograph für Sorgen und Probleme, damit sie sofort mit Hilfe und Lösungen parat stehen kann.

Es war ja so, dass wegen des ursprünglich angedachten italienischen Ganzjahres-Wohnkonzeptes 90 Prozent unseres Mobiliars auf die vier Stockwerke in Italien verteilt wurden. Als die Miet-Nomaden uns zum Verkauf einer Wohnung im Glashaus und zur teuren Renovierung der total verwüsteten Zweiten zwecks Eigenbedarf zwangen, wollten wir nie wieder vermieten.

Die zehn  Prozent eingelagerte Einrichtungsgegenstände reichten aber nicht ganz für einen soliden Wohnsitz in München. Vor allem für die Sessel im Wohnzimmer wählten wir dann - wegen der leeren Kassen - Teile, die zwar stylisch aussahen, aber trotz nur halbjähriger Benutzung schon nach einem halben Jahrzehnt völlig ramponiert aussahen.

Anstatt uns auf die Suche nach Ersatz machen zu müssen, sprang Tante B ein, die in der von ihr allein bewohnten 200qm-Wohnung viele Teile eines antiken Möbel-Schatzes beherbergt. Innerhalb eines Vormittags waren - von ihr allein organisiert - nicht nur die drei maroden Möbel von uns entsorgt, sondern es standen nun zwei gepolsterte, historische Holzsessel mit altersgemäß hoher Lehne und zudem ein riesiger Polster-Sessel in unserem Wohnzimmer. Auf das wie ein Pfefferminz-Bonbon blau und weiß gestreifte Monster war  ich ja schon immer scharf gewesen. Es ist nämlich wie geschaffen für meinen doch "etwas" ausladenden Körper.
Ein "massegeschneiderter"
Hochsitz mit
Schlummer-Potenzial


Als hätte Tante B da schon geahnt, dass sich unser München-Aufenthalt heuer ungewollt verlängern würde...

Was machen zwei Senioren bei erzwungener Corona-Isolation bei nun anhaltendem Regenwetter? Sie suchen nach Entspannung im Fernsehprogramm. Das  besteht aber wegen Corona und der erzwungenen  Dreh-Stops beinahe nur noch aus Wiederholungen oder sich wiederholenden Brennpunkten und Talkrunden. Wenn sie denn wenigstens hochwertige Kino-Klassiker brächten!

Ich kann ja immer auf meinen Computer mit großem Bildschirm und Kopfhörern ins Streaming fliehen, aber mein Frau macht das nicht, obwohl sie sich ja die Streams mit WLAN und Tablet sogar auf den TV-Bildschirm holen könnte. Aber ihr ist das viel zu technisch. Sie schaut lieber zum wiederholten Mal sich wiederholende Folgen ihrer Standard-Sokos an.
Damit wir deshalb nicht ständig auf getrennten Wegen sehen, geselle ich mich am frühen Abend - je nachdem, wer mit Kochen dran ist - zu ihr, lümmel mich in den Gestreiften und tue interessiert. Dann erkenne ich an einer kurzen Szene, dass ich die laufende Folge schon mindestens zweimal (nicht wirklich) gesehen habe, schaue kurz auf die Kreuzung hinunter und döse eigentlich in kürzester Zeit jedesmal weg.

Wie Wimpern sich schön plustern,
beim Pimpen  mit  den Wimpern Boostern
Quelle: L'Oreal
Bei den während der Sokos immer gleichen, auf die betagten Zuseher ausgerichteten Werbe-Blöcken, tue ich dann so, als schreckte ich auf, und bringe dann aber leider auch immer den sich wiederholenden "Verhörhammer":
"Was? Hüa-Hormone für meinen Pimmel-Booster? Die brauche ich ganz, ganz dringend!"
Und die Frau schräg hinter mir spielt mit dem Ton der mitfühlenden Werbe-Gattin eingespielt die Genervte:
"Hyaluron für den Wimpern-Booster! Natürlich  kann man das schon mal vergessen..."
Pause: " - du alter, dementer Trottel!"

Montag, 8. Juni 2020

Schluss mit Bussi Bussi!

Gut, ich gestehe es: Zeit meines Lebens war ich ein leidenschaftlicher Knutscher. Das bin ich bis heute - allerdings mit der Einschränkung: Nur Verwandtschaft und beste Freunde. Dieses automatische Abbusseln als Empathie-Beweis lehne ich also ab. Vor allem wenn es mir als Ritual auch noch vorgegeben wird: Wir Franzosen machen das aber dreimal!...

Als gäbe es nicht genug im Zusammenhang mit Corona zu thematisieren, las ich in den letzten Tagen öfter, man solle doch die Bordelle wieder öffnen und die käufliche Liebe wieder zulassen. Einerseits wohl weil das unkontrollierte "Gunstgewerbe" auf dem derzeitig registrierten Vormarsch ein nicht unbeträchtliches Infektionsrisiko  birgt. Andererseits haben aber die kontrollierten Luxus-Bordelle eine starke Lobby in der Lokal- und Kommunal-Politik, weil sie die Verbrechensrate im Rotlicht niedriger halten. Es gilt als sicher, dass der die Prostitution versorgende Menschen-Handel durch die Schließung der Grenzen während der Pandemie nahezu zum Erliegen kam.

Was einer der wenigen, positiven Corona-Effekte wäre. Aber das  ist nun gewiss nicht länger von Dauer. Wie allerdings Masken-Sex mit 1,5 Meter Abstand zwischen zweien, die nicht verwandt sind und nicht beieinander wohnen, sondern allenfalls kurze Zeit "beiwohnen", funktionieren soll, möchte ich mir lieber nicht vorstellen.

Helmut Dietls Genie-Streich "Kir Royal", in dem
Dieter Hildebrandt und Franz Xaver Kroetz
ein unschlagbares Klatschreporter-Duo
geben, war zwar ein Hohl-Spiegel
der Münchner Bussi-Bussi-Society,
aber er beflügelte sie auch...
Quelle: ARD-Serien 1986 leider derzeit in keinem Stream
Die Abstands-Regeln hätten aber dann auch noch einen weiterhin positiven Aspekt, wenn die Bussi-Bussi-Gesellschaft bei Entwarnung nicht gleich wieder ihre hemmungslose Herumbusselei aufnehmen würde. "Konzentriert euch auf den reinen Empathie-Ausdruck im engeren Kreis und stoppt wie beim Händeschütteln den Automatismus!", möchte man den Menschen - vermutlich jedoch unerhört - zurufen.


Auch Bruder-Küsse sind in dieser finsteren Zeit nicht angeraten, aber sie könnten zumindest zum Allgemeinschutz beitragen, wenn jeder sich bei einem Küsser, der sich einem anbietet, vorstellte, es sei der Amerikanische Präsident (würg!)...


In meiner Erinnerung taucht da sofort ein Graffiti von der Berliner Mauer kurz vor ihrem Fall auf:
Breschnew und Honnecker - hoffentlich nicht mit Zunge...
Foto: Traveller's World 1990

Freitag, 5. Juni 2020

Haarige Angelegenheiten

Es ist schon zum Haare Ausraufen! Da macht sich der Blogger Nächte lang Gedanken zu spannenden Themen in wohlfeilen Formulierungen, und dann obsiegt das Profane. Mein 2016 geposteter Text über die Haarstil-Verirrung "Undercut" lässt alle noch so intellektuell angelegten Texte weit hinter sich. Täglich wird er im Schnitt mindesten zehnmal aufgerufen, also fast 4000 mal pro Jahr was bislang beinahe 20 000 einzelne Zugriffe in meiner Statistik erbracht hat...

Das führte in dieser Woche zu ernsthaften Überlegungen, ob ich nicht ins Lager der Influencer wechseln sollte. Aber das konnte ich um Haaresbreite - also gerade noch - vermeiden. Mir schossen für eine Begründung alle Redewendungen im Deutschen durch den (da noch lang behaarten) Kopf...

Irgendwie ist dieses (hoffentlich meist) nachwachsende Phänomen - bestehend aus den drei Horn-Komponenten Cuticula, Cortex und Medulla - schon immer mystifiziert worden. Das beginnt mit Samson und Absalom in der Bibel und geht in Märchen mit Rapunzel sowie dem Teufel mit den drei goldenen Haaren weiter. Einst überreichten sich Liebende, die auf Zeit getrennt wurden, sogar eine Haarlocke zum Andenken. In der Gegenwart ist das vor allem deshalb aus der Moder gekommen, weil viele junge Männer bereits als Twen zur Kahlköpfigkeit neigen.

Ich stelle fest, dass sich mit dem dünner werdenden Haupthaar bei mir wegen der anhaltend schurkischen Welt die Nackenhaare derart sträuben, dass ich nur noch auf der Seite liegend schlafen kann. Die Haarspaltereien der Politiker, Virologen und Medienvertreter zum Thema Corona und die Spinnereien des Neuzeit-Neros im Amt des US-Präsidenten verursachen bei mir chronischen Haarspitzen-Katarrh. Haarklein wird dem Lüge um Lüge nachgewiesen, ohne dass sich vor Scham nur ein Haar in seiner gefärbten Windstoß-Frisur krümmte. Auch der Brexit-Boris pflegt ja sein Image als Struwwelpeter, um von seinen haarsträubenden Fehlentscheidungen abzulenken.

Apropos Entscheidungen: Um ein Haar wäre ich vom Anlass zu diesem Post abgekommen. Die kroatische Friseur-Meisterin meines Herzens - von der ich ja schon berichtete - ist aus der Quarantäne zurück und hat meiner Langhaar-Frisur den Garaus gemacht. Neun Monate war ich Umstände halber bei keiner anderen. Sie war von Ferien in der "Dom-Rep" gerade noch mit dem letzten Flieger in die heimische Quarantäne geflogen und ward fortan nicht mehr gesehen.

Als Vollblutweib hat die leidenschaftliche Köchin in der eigenen Wohnung festsitzend, genau wie ihr kleines Hündchen ordentlich zugelegt. Aber auf ihre schwarzen Vorcorona-Korsagen verzichtet sie in Aktion dennoch nicht. Die schwarze Gesichtsmaske als zusätzliches Acczessoir machte es mir altem Schwerenöter leicht, mich von meiner Silber-Mähne zu trennen. Sie hatte dadurch ja auch länger zu schnippeln...

"Zum Teufel mit dem Tod" hieß meine erste Playboy-Story. Damals noch mit Langhaar-Frisur spreche ich auf dem Foto mit dem Silbermedaillen-Gewinner in der Abfahrt  von Sapporo 1972, Roland Collombin. Der hatte es 1974 gerade geschafft, in Val D'Isère zum zweiten Mal bei 130 km/h vom gleichen Buckel abgeworfen zu werden. Der hieß dann fürderhin "Bosse Collombin"
Da flossen meine Haare vergangene Woche noch übers Kissen

So gefalle ich nun auch wieder der fürsorglichsten aller Ehefrauen.
Der Hipster-Bart ist der Vorschrift geschuldet, dass die Friseurmeisterin meines Herzens wegen Corona noch nicht wieder Bärte trimmen darf. Er war ja auch hinter meiner Gesichtsmaske verborgen...