Sonntag, 8. November 2020

Wenn quer zu denken, eher queer ist

                                                                Q

Noch verspüre ich keine Erleichterung, dass der schrecklichste aller amerikanischen Präsidenten nun wohl doch abgewählt worden ist. Denn auch wenn mit der Amtsübergabe alles reibungslos liefe, blieben ja die Langzeit-Folgen im  geduldeten und teils auch hofierten, radikalen Bodensatz seiner Anhänger nachhaltig zurück...

Schlüsselworte der QAnon auf einem Banner bei der Demo in Leipzig
Quelle: tagesspiegel/dpa


Was sich am Samstag bei den Krawallen in Leipzig offenbarte, lässt ahnen, wie tief die USA als Mutterland der Verschwörungstheoretiker auch die primitiven Geister in unserem Land infiziert haben. Was vielleicht einmal als Nerd-Gag von republikanisch angehauchten Internet-Jongleuren ersonnen wurde, hat sich während der Trump-Administration zu einem "Virus" entwickelt, der die Welt länger beschäftigen könnte als Covid-19. Leipzig war bereits ein Vorgeschmack auf mögliche, unheilbare Dauerschäden in unseren Demokratien. Denn die einzelnen Berichte von Beobachtern könnten Beleg dafür sein, dass die administrative Politik deshalb so krass versagt hat, weil ihre Vertreter - wie in den USA -  schon näher am Denken der Demonstranten dran sind, als sie vielleicht selbst wahrhaben wollen.

Christoph Süß
Dabei spielt das Wort quer eine verheerend fehlinterpretierte Rolle. Es ist überhaupt nichts dagegen einzuwenden, wenn quer zum Mainstream gedacht wird. Im stromlinienförmig christlich sozial gelenkten BR-Fernsehen gibt es seit mehr als einem Jahrzehnt unter diesem Titeln mit der Moderation von Christoph Süß eine der besten Sendungen zum quer Denken. 

Falls dann quer aber im begrifflichen Wandel zur Urbedeutung des englischen Wortes queer - also negativ belegtes Abweichen oder gar im Sinne von Abweichlern gegen demokratische Grundordnungen - gedeutet werden muss, herrscht Alarmstufe rot!

Wenn das "Q" sich als Feldzeichen der Verschwörungstheoretiker in der rassistisch pöbelnden Masse mit Alu-Mützen, Reichskriegs-Flaggen und Nazi-Parolen vermengt, hat das ja mit Denken nichts mehr zu tun. Da wird die gequirlte Scheiße des QAnon-Internet-Schemens, von der sich Donald Trump und manche führende Parteifreunde nicht wirklich distanzieren wollten, zu "Deutschem Volksgut". Da wundert es auch nicht, dass einer der QAnon-"Multispreader" sein Unwesen im WWW von Deutschland aus ausübt.

Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer öffentlich oder in einer Versammlung den öffentlichen Frieden in einer die Würde der Opfer verletzenden Weise dadurch stört, dass er die nationalsozialistische Gewalt- und Willkürherrschaft billigt, verherrlicht oder rechtfertigt.

Ich frage mich, wieso § 130 StGB nicht längst verschärft worden ist und damit auch häufiger zur Anwendung kommt. An Ton- und Bild-Beweisen dürfte es ja nicht mangeln; eher an nicht infizierten, couragierten Polizisten und den wegen ihrer Wiederwahl den schwarzen Mob fürchtenden Minister...

Ein Rechtsanwalt als oberster
Verschwörungstheoretiker.
Mafia-Bürgermeister Rudolph Giuliyno
der die Schwächen, was nach
US-Recht justiziabel ist
nur allzu gut kennt
Quelle: Worldpress
Nehmen wir als Beispiel für Volksverhetzung auch die Aufforderung zum "totalen Krieg" die Trump jr. und der Ex-Bürgermeister von New York Guiliani vor laufenden Kameras gebrüllt haben, als die Wahl schon fast entschieden war. Nach Amerikanischem Recht bleibt das - wie auch die Leugnung des Holocausts - ohne strafrechtliche Konsequenzen. Wie dort konterkarierend fast alles mit dem Begriff "Meinungsfreiheit" kaschiert wird. Das erklärt, wieso nie jemand gegen die kriminellen Verunglimpfungen  durch QAnon vorgehen wollte, obwohl die Verursacher längst von den Diensten enttarnt wurden.

Meinungsfreiheit ist zweifellos eines der höchsten Güter, die es in Demokratien zu beschützen gilt. Aber die Verbreitung von Hass, Rassenhetze und längst mannigfaltig widerlegten Verschwörungs-Mythen muss endlich gesetzlich verhindert werden. Schon mal hat eine Generation zu lange auf plumpe Parolen gehört und wurde deshalb in den Untergang geführt. Wehret den Anfängen!

Freitag, 6. November 2020

Der lange Abschied von der Leitkultur

 Als ich 1949 in Hamburg zur Welt kam, war die Hansestadt britisch besetzte Zone. Noch lange vor der Währungsreform war mein Vater aus der Internierung durch die Engländer im ehemaligen KZ Neuengamme (mit 49 Kilo gerade noch lebend Gewicht bei 183cm Länge) zu seiner Frau und seinen beiden Töchtern zurück gekehrt. Er wurde als Folge der Mangel-Ernährung - wie er mir bei späteren Streits oft unter die Nase rieb - von fürchterlichem Gelenk-Rheumatismus geplagt, als er mich zeugte.

Genauso schnell wie sie ihn zunächst weggesperrt hatten, stellten sie ihm dann den sogenannten "Persil-Schein" aus und nötigten ihn als schnell beurkundeten Nicht-Nazi in die Verwaltung des deutschen Wiederaufbaus. Meine Mutter wurde wegen ihrer Englisch-Kenntnisse "Marketenderin" im Casino der britischen Elite-Offiziere, womit die Versorgung der nun fünfköpfigen Familie überproportional für jene Zeit sicher gestellt war.

Ich landete da schon sofort in den Schlagzeilen der spärlichen Presse, weil mein Geburtsgewicht 11,5 Pfund betrug. Später konnte ich nie darüber lachen, wenn sie lästerten, dass ich schon bei der Geburt ein "schwerer Junge" gewesen sei.

Opa sah mich
eher wie den
"kleinen Lord"

Bis ich neun war, und weil mein Großvater aus Köln  mir eine Art angelsächsischen Kleidungs-Stil aufnötigte, wann immer ich unter seiner Obhut war, sah ich die Tommies - wie sie im Volksmund genannt wurden - als Idole an. Das ging so weit, dass ich einmal für einen halben Tag von der Polizei gesucht wurde, weil ich am Geburtstag der Queen mit der Parade zu ihren Ehren mit marschiert war...

Dann wurde mein Vater nach München versetzt, und wir bezogen ein geräumiges Reihenhaus in einer "Housing Area" für Amerikaner, die zu seinem Verwaltungsbereich gehörte. Von Beginn an verband ich daher Amerikanisches mit Luxus und großer Lässigkeit. Erst nach und nach durch den Zuzug anderer deutscher Familien mit Vätern "spezieller Profile", aber auch durch unvorsichtige Tischgespräche meiner Eltern mit den erheblich älteren Schwestern bekam ich so eine Ahnung...

 - Auch durch genehmigungspflichtige  Aufenthalte in "nicht sicheren" Ländern, an denen die Eltern mit ungebrochener aber argwöhnisch  beäugten Reiselust festhielten, kam es mir nicht komisch vor, dass wir voraus geplant bei Konsuln oder ranghohen NATO-Offizieren zu Abendessen in privaten Kreisen geladen wurden. Ich fand das selbst noch als Heranwachsender normal. Ganz im Gegenteil war das eine weitere Bestätigung dafür, dass die Amis auf der ganzen Welt so lässig im Luxus lebten. Die Bewunderung ging sogar so weit, dass ich mitunter traurig war, selbst kein Amerikaner zu sein...

1996 führte ich noch ein Incentive in
Montana durch. Da war "Bonanza" leider schon
Fernseh-Geschichte

Als ich meine erste große Liebe fand, hatte ich die nachbarschaftlichen Verhältnisse aber längst durchschaut. Gloria war die Tochter einer chinesischen "Entschlüsslerin", also Kryptlogin, und eines afroamerikanischen Nachrichten-Offiziers, die in Frankfurt zur Welt gekommen war und daher Deutsch fließend hessisch babbelnd sprach. Die Hochbegabte war da aber schon längst auf dem Radar der Behelfs-Uni in der Münchner Mcgraw-Kaserne und wurde mit Stipendien von US-Elite-Unis regelrecht bombardiert. Kurz; dieses 150 cm kleine und nur etwas über 40 Kilo leichte, puppenhafte  Genie spielte intellektuell in einer ganz anderen Liga als ich, der desperate Schul-Abbrecher. Aber wir vertraten die selben politischen Ansichten - vor allem was den Vietnam-Krieg anbelangte. So schlau sie auch war, konnte sie allerdings nicht begreifen, dass ich sie in ihren Augen nicht genug liebte, um mir ihr - perspektivlos wie ich ja noch war - nach Amerika zu gehen. 

Ein Jahr später stand sie plötzlich noch einmal vor der Tür, aber da war ich nicht nur schon mit meiner heutigen Frau zusammen, sondern auch aktenkundig geworden. Wegen eines "Sit-in" vor dem US-Konsulat drohte mir ein Verfahren wegen "Landfriedensbruch", und ich war auch bereits als renitenter Kriegsdienst-Verweigerer registriert. Zu der Zeit war  übrigens der amtierende General-Konsul noch unser Nachbar, dessen elf Kinder vorzugsweise früher Spielkameraden gewesen waren.

War es ihm zu verdanken, dass das Verfahren nicht aufgerufen wurde und ich sogar nur ein paar Jahre später anstandslos das Journalisten-Visum für die erste meiner rund 30 US-Reisen bekam?

Jedenfalls war diese spezielle Reise durch die verschneiten Rocky Mountains von Diskussionen über die Watergate-Affäre und das drohende Impeachment-Verfahren gegen Richard Nixon geprägt. Aus ihnen lernte ich, wie unversöhnlich sich die politischen Lager dieses Zweiparteien-Systems gegenüber stehen:

Vor allem Amerikaner der ersten Generation sind in ihrem Patriotismus so leidenschaftlich, dass sie der Führung des Staates, der ihnen "The American Way of Life" ermöglicht hat, alles verzeihen - sogar die Einberufung ihrer Söhne in einen keinesfalls vaterländischen Krieg gegen die weltweite kommunistische Bedrohung; My son fights in 'Nam for the freedom of the world!

Poltische Diskussionen fruchteten nur mit wenigen Berufs-Kollegen oder  welterfahrenen Uni-Eliten.

Wehe, du antwortest selbst bei nur kurzem, ersten Aufenthalt auf die Frage "how do you like America?" nicht sofort mit "great". "What's wrong with you?", wird dann gleich nachgehakt...

Willst du einen schönen Abend in Gesellschaft verbringen, vermeide es stets, aktuelle US-Politik zur Sprache zu bringen.

Jetzt bringt mich das aktuelle Verhalten Donald Trumps nach der Wahl zur Entsorgung  der Restbestände meiner einst doch so tief  in mir verankerten Leitkultur.

Fazit meiner 60 Lebensjahre unter dem Einfluss des Amerikanismus:

Selbst unter historischer Einbeziehung der rauen Epoche "When The West Was Won" war die US-Demokratie noch nie so am Arsch wie im Moment.

Es erweist sich, dass Watergate gemessen an der Regentschaft von Donald Trump ein Affärchen gewesen ist, aus dem sich Nixon durch seinen Rücktritt sogar noch mit halbwegs Anstand heraus gezogen hat.

Alle Filme und TV-Serien über die schurkischen Verwicklungen von amerikanischen Politikern werden durch die bizarre Schein-Realitäten-Schau von Donald Trump nicht nur konterkariert, sondern bei weitem und bedrohlich übertroffen.

Weswegen noch durfte Kevin Spacey den skrupellosen Frank Underwood in "House of Cards"  nicht mehr weiterspielen??? Jedoch Pussy-Grabber Trump  durfte als Präsident ungeniert die ganze Welt anhaltend in Atem halten!!! Eine der schlimmsten Eigenschaften im "Land of The Free" ist nämlich die Heuchelei - Hypocrisy...

Vor fast zwei Jahrhunderten dichtete unser hoch verehrter Poet und Politiker noch:

Amerika, du hast es besser
Als unser Kontinent, das alte,
Hast keine verfallene Schlösser
Und keine Basalte.
Dich stört nicht im Innern
Zu lebendiger Zeit
Unnützes Erinnern
Und vergeblicher Streit.

                                               Johann Wolfgang von Goethe

Der hat sich wohl genauso blenden lassen wie ich.

Dienstag, 3. November 2020

Bin ich froh, dass ich kein Wal bin

 Mitten in der US-Wahl lief die Nachricht um die Welt, dass die Marine des Inselstaats Sri Lanka ein massenhaftes Walsterben zu verhindern wusste.

Dabei durchzuckte  mein blasphemisches Hirn folgender Gedanke:
Mal angenommen,  es sei wirklich so, dass bei den Walen Leittiere mit beginnender Demenz die Orientierung verlören. Könnte der Leit-Wal Donald Trump nicht mit all seinen Wählern, die ihm - möglicher Weise verwirrt  - folgen, noch  während der Auszählung der Stimmen auf der Sandbank der Geschichte stranden. Dann könnten nämlich die Retter der Demokratie im nächtlichen Einsatz die orientierungslosen Follower durch physischen Einsatz wieder auf sicheren Kurs bringen. Für den Trump-Wal, der ja immer gerne stur weit voraus prescht, käme dann jegliche Richtungsweisung ohnehin zu spät.

Doch auf den greisen Biden, der natürlich versuchte, mediengerecht - auch vor den laufenden Kameras von Fox&Friends-News - seinen unfairen  Wahl-Rivalen zu retten, käme noch die Sisyphos-Arbeit zu, dieses dreimal so schwere, rotblond gefärbte Wa(h)ldebakel vom Strand ins Meer der Ruhe zu schaffen. Klar, dass diese Anstrengungen seine Kraftreserven aufzehren werden. - Aber die Vereidigung sollte er wohl gerade noch schaffen - der alte Joe.

Danach? Mit Harris hoffentlich back to normal!

Diesen Post veröffentliche ich jetzt lieber noch vor Mitternacht. Wer weiß, ob der beste US-Präsident aller Zeiten nicht doch noch einen neuen Civil War anzettelt...

Wer den Wal hat, gewinnt die Wahl auch ohne Qual

Montag, 2. November 2020

Trick or Treat!

In der Nachbarschaft keine Nachbarn zu haben, ist genau so arg, wie wenn Nachtbars geschlossen sind, und wegen Datenschutz vor der Spreader-Verfolgung in der Nacht bar bezahlt werden muss. Unverständliches Deutsch? Wie soll denn der Bürger ohne Lobby überhaupt noch etwas verstehen? Ab heute gilt bis zum Monatsende wieder ein von Grund auf ungerechter Lockdown, Den würgt sich die Politik in ihrer anhaltenden Umnachtung bezüglich der Bekämpfung von Covid-19 ja doch nur aus reinem Aktivismus ab.

Klar muss bei den Halloween-Horror-Zahlen von neu positiv Getesteten etwas zur Eindämmung der Pandemie unternommen werden. Aber dass Lockdowns nur temporäre Effekte ohne Nachhaltigkeit haben, müsste allen Verantwortlichen schon im vergangenen Sommer klar geworden sein. Selbst ein so blöder Blogger wie ich konnte punktgenau prophezeien, dass diese "Zweite Welle" die Welt noch wuchtiger treffen würde.
So ist das eben in der Spaß-Gesellschaft beim Ausleben der Freizeit. Wer unbedingt das Maximum an Party haben will, möchte so wohl auch ein Maximum an Infektions-Risiko in kauf nehmen.
In Wahrheit ist längst die Unvernunft  des Menschen Himmelreich! Da gilt das Wort von Jakob Wilhelm Heinse schon lange nicht mehr. Wo ein Wille wäre, gäbe es ja auch einen weniger infektiösen Weg... 

Aber der setzt eine generelle Vernunft voraus, die keiner Reglementierung bedürfte. Noch in der Halloween-Nacht zogen hier bei uns um zwei Uhr Jugendliche laut grölend untergehakt und ohne Maske vorbei. Deshalb wage ich eine Prognose: Dieser Monat Lockdown bringt keine nachhaltige Verbesserung der Infektionszahlen, Er treibt die kleinere Gastronomie und den nicht gesponserten Kultur-Betrieb gänzlich in den Ruin. Danach erreicht dann die Pandemie - befeuert durch Weihnachts- und Sylvester-Feiern - aber wieder neue Rekordmarken.

Übrigens, um an den letzten Post anzuknöpfen: Nach vier Tagen Quarantäne waren meine Frau und ich als negativ Getestete wieder frei, aber endlich mal wieder eine  komplette Familien-Zusammenführung scheitert nun an der speziell bayerischen Regelung mit nur zwei separaten Haushalten, die sich treffen dürfen. Immer nur Einzel-Kontakte ermöglichen wohl kaum ein Familien-Leben Herr Söder...

Noch nie habe ich nach unserem turnusgemäßen Standort-Wechsel die Burg mehr vermisst als heuer. Dort hätten wir nämlich tatsächlich auch im Lockdown noch Nachbarn in der Nachbarschaft. Man kümmert sich maskiert und Abstand haltend umeinander und wahrt auch fürsorglich die sozialen Kontakte. Wer einkaufen geht, fragt nicht nur bei den jetzt härteren Maßnahmen, ob er etwas mitbringen soll und hängt das Eingekaufte dann an die Türklinke. Und natürlich kann der Dialog bei schönerem Wetter durchaus auch auf der Piazza mit einem Espresso oder einem Glas Wein stattfinden.

Abstand halten zwischen den Zacken des Piazza-Sterns
Hier im Glashaus treffe ich allenfalls gelegentlich die Eigentümer und Mieter, mit denen ich in meiner Eigenschaft als Verwaltungsbeirat flüchtig zu tun habe. Aber von den 15 Parteien kenne ich sonst eigentlich niemanden, weiß also nichts vom Leben der Anderen oder ihren Vorlieben und Problemen.

Deshalb aber müssen Stadtmenschen unbedingt raus, wollen sie nicht versauern oder vereinsamen. Die Politiker der "Klasse Wichtig" müssen ja auch ständig raus, Sitzungen und vor allem Pressekonferenzen abhalten. Sind die weniger ansteckend oder opfern sie sich nur heldenhaft für ihre bevormundeten Wähler? Wer weiß, wie viele gefährliche Kontakte die stündlich mehr haben als der Vernunft walten lassende Durchschnittsbürger? Der Besonnene, der den ganzen Tag zuhause bleibt,  draußen Abstand einhält und brav - selbst wenn er interviewt wird (!)  - die Maske an behält? -Der muss aber auch nicht demnächst wiedergewählt werden...

"Trick or Treat!" schreien die maskierten Horror-Kids an Halloween normaler Weise vor den Haustüren. Das wird im Deutschen  wegen der Alliteration gerne durch "Süßes oder Saures?" ersetzt. Der Lockdown erleichtert diese Wahl leider nicht. Wenn Türen aus derart unterschiedlichen Gründen geschlossen bleiben müssen, wird es allzu bald vielen eben nur noch sauer aufstoßen... 

Es grüßt mit wenig Anstand,  passendem Abstand, gewissem Notstand - aber noch längst nicht wutentbrannt: 

Euer Masken-Blogger.

Freitag, 30. Oktober 2020

Eremit in Quarantäne

animated.gifs.net
Wieso fragen mich nur alle Anrufer, wie es mir geht?
Klar, wir sind wohl gerade noch rechtzeitig aus Ligurien herausgekommen. Mit einer zauberhaften Herbstreise übrigens, die uns die Ankunft des Winters hier leichter ertragen ließ. Dann waren wir gleich am nächsten Vormittag zum voraus gebuchten  "Drivethrough-Testing" auf dem brachen Oktoberfest-Gelände. Doppelreihen von Autos unter der Bavaria. Dazwischen besorgte, unangemeldete Fußgänger, die für zusätzliche Verzögerungen sorgten. Aber insgesamt doch nur etwas mehr als eine halbe Stunde Wartezeit bis wir bei den freundlichen und geduldigen Testern anlangten. Das mit den Barcodes klappte wirklich super schnell. In zwei bis drei Tagen sollten wir dann unsere Ergebnisse via Smartphone oder Computer abrufen können. Heute beginnt der fünfte Tag unserer Quarantäne, und noch immer haben wir keine Ergebnisse...

Was war passiert? Sich täglich steigernde Fallzahlen in Rekrodhöhe von über 17000 Neuinfizierten waren passiert! Das hat die "Doctorbox" offenbar in ihrer Kapazität derart zerlegt, dass sie - wie zugesagt - auch im Ernstfall keine e-mails mehr beantworten kann.

Nun sind wir aber qua Definition wegen unseres Alters und der Vorerkrankungen nicht nur Risikogruppe, sondern auch von "tonnenweise" benötigten Medikamenten abhängig. Die waren uns am Ende unseres Ligurien-Aufenthaltes wegen der strengen Rationierungs-Politik unserer Krankenkassen bei denen wir über 50 Jahre Mitglieder sind, aber teilweise ausgegangen. De jure zählen in der Quarantäne nur die fixierten, belegbaren Termine für Blutabnahme und die verlangte Quartals-Untersuchung in der ersten Novemberwoche. Einfach mal über den Ring los düsen, um beim Arzt die Gesundheitskarten einlesen zu lassen, wäre eine Grauzone gewesen, auf die wir uns bei den derzeitig so diffusen Sachverhalten nicht einlassen wollten. Ohne eingelesene Karten aber keine Rezepte!

Das wäre jetzt noch das Diabetiker-Delight:
Schnell konsumierbare Hardware
aus Schokolade und Marzipan
für die Advent-Posts
Quelle: Lehwalder-Wordpress
Dann aber ging es wegen der Jahrzehnte langen "Geschäftsbeziehungen" doch noch ganz unbürokratisch: Die Ärzte faxten die Rezepte an unsere Apotheke und behalten die Originale bis die Karten eingelesen werden. Die Apotheke vertraute uns nicht nur auf Rechnung für die Zuzahlungen, sondern lieferte alles noch rechtzeitig am gleichen Abend vor die Haustür. So werden wir den Rest der Quarantäne also auch noch herumbekommen, zumal uns die Kinder schon mit Leckereien vor versorgt hatten, und der Metzger unseres Vertrauens gestern auch noch warmen Leberkäs und Brezen über die Kreuzung lieferte...

Wie soll es uns also gehen? Mir zumindest geht es prächtig. Denn die Quarantäne unterstützt meinen in den letzten Jahren stetig zunehmenden Hang zum Dasein eines elektronisch und nahrungsmäßig gut gefütterten Eremiten.

Das kann ich schreiben, weil meine - in ihrer unendlichen Fürsorge völlig ausgebremste - Ehefrau meine Bloggs eh nicht liest.


Mittwoch, 28. Oktober 2020

Navigator gesucht

 Die, die denken sie könnten etwas ändern oder besser machen, bedienen selten die Instrumenten des Wandels. Das äußert sich dann in so hilflosen Sprüchen wie:

Die besten Kapitäne, sind die, die im Hafen bleiben.
Oder:
Millionen von Bundestrainern sitzen vor der Glotze.

Journalisten dürfen sich bei so einer Stilisierung nicht ausnehmen, obwohl es ja in funktionierenden Gesellschaften durchaus zu ihren Pflichten gehörte, ihre Ansichten mitzuteilen oder die der Mächtigen zu kommentieren. Nun aber gibt es durch die elektronischen, die angeblich sozialen Medien, das Problem, dass es zu viele selbst ernannte Meinungs-Botschafter gibt.  Meist sind die dann auch noch schneller als die, deren Arbeit erst gedruckt oder für eine Sendung vorbereitet werden muss. Das hinterher Dackeln bei "Nachrichten-Machern", denen das Wort Recherche ein völliges Fremdwort ist, wird in diesen Tagen zu einer ernsten Bedrohung.

So las ich ungläubig, dass die obskure Weltbewegung "QAnon" wesentliche Impulse von einem den hiesigen Ermittlern bekannten deutschen Hacker aus der Bundeshauptstadt bekommt. Der vermittelt den Unsinn der "Anonists" in Sekundenschnelle einem Millionen-Publikum, das dann glaubt, dass der heute 65 Jahre alt gewordene Bill Gates und seine elitären Spießgesellen entführte Kleinkinder in Laboren halten, um aus ihnen einen exklusiven Extrakt für ewiges Leben zu gewinnen... Dabei müssten die sich nur das zerfurchte, faltenreich blasse und zu früh gealterte Gesicht des Tycoons anschauen, um zu erkennen, dass das unterstellte Unterfangen gerade bei ihm wohl nicht gewirkt hat.

Aber - und um die Metapher von oben für mein eigentliches Thema wieder aufzugreifen:
Macht macht einsam und isoliert zunehmend von dem Umfeld von dem man sich einst berufen gefühlt hat. Während hingegen Schwarm-Blödheit bei ihrem Wachstum davon profitiert, dass es für sie keine "Geburten-Kontrolle" gibt. Sowohl zu lange an der Macht zu bleiben als auch den größten Unsinn ohne Hinterfragen in sein Hirn zu lassen, gefährden nun zuzüglich zur Klima-Krise die gesamte Menschheit. 

Gegen Machthunger hilft nach wie vor keine Diät. Gegen das zu lange "Ausleben der Macht" könnten zwar in Demokratien noch besser funktionierende Beschränkungen helfen. Aber würde die Politik per se die denn aktiv überhaupt anstreben? Jüngstes Beispiel, wie das "funktioniert", ist ja die gerade auf den Weg gebrachte Reform, die unseren Bundestag eigentlich schrumpfen sollte. - Ihn aber auch vergrößern könnte - wie findige Rechner das für die anstehende Wahl im "Worst-Case-Szenario" schon kalkuliert haben.

Corona macht allein die "Vorwahl" schon zur Farce, weil regulierende Parteitage mit Kandidaten-Kür verschoben oder gleich abgesagt werden. So böte sich immerhin den "Bundeskanzlern vor der Glotze" reichlich Gelegenheit, darüber nachzudenken, wieso die lange, meist umsichtige Regentschaft von Angela Merkel nicht nur in ihrer, sondern in allen Parteien zu einem Nachwuchsproblem geführt hat. Was sich in jüngster Zeit  im übrigen bereits allein durch die Fluktuation von Parteivorsitzenden jeglicher Couleur manifestiert hat.

Wenn ich an die politischen Wellenberge und immer neue, plötzlich auftauchende Klippen und Riffs im derzeitigen Weltgefüge denke, sehe ich in Deutschland keine parteilich profilierte Persönlichkeit mehr, die uns und Europa zwischen Machtmenschen wie Trump, Erdogan, Johnson, Putin und Xi Jinping achtsam navigierend aber bestimmt auf Kurs halten könnte.

Da fällt mir die Jahrtausend-Karikatur "Dropping The Pilot" (Der Lotse geht von Bord) ein, die John Tenniel für den "Punch" vom 29. März 1889 über den Abgang von Reichskanzler Otto Von Bismarck gezeichnet hat. Der SPIEGEL hat dieses offenbar zeitlos gültige Meisterwerk - durch dessen Konterfei ergänzt - dann auch beim Abgang von Helmut Schmidt 1982  sogar auf dem Cover.

Mal sehen, ob es auch noch eine Merkel-Variante geben wird...





Montag, 26. Oktober 2020

Erreicht er noch den Superlativ?

Ist es Zufall oder schicksalhafter Hinweis, dass sich der Name des Bayrischen Ministerpräsidenten auf den Komparativ jenes Adjektivs reimt, das im Deutschen geistige Schwachmaten beschreibt?

Seit dem Ausbruch der Pandemie spielt sich der Mann wortreich und unpräzise in den V(F)ordergrund). Wonach er meist nur den Worten der Kanzlerin ausgedehnter hinterher plappert, um sie dann mit seinen grandios beschriebenen Null-Lösungen noch zu toppen. Dabei sind von seinen "Landeskindern" bald 3000 an Covid-19 verstorben - also fast ein Drittel der bundesdeutschen Corona-Toten insgesamt!
Die aktuellen Fallzahlen im Freistaat steigen munter weiter, ohne dass der Ministerpräsident oder seine (blonde) Gesundheitsministerin (vier Strafpunkte für mich auf der Macho-Liste!!!) den Mund etwas weniger voll nehmen. Ganz im Gegenteil: Markus Söder strebt in der von Corona verseuchten Findung eines kommenden Kanzlerinnen-Nachfolgers wohl mit täglich absurder werdenden Pressekonferenzen offenbar doch noch den Superlativ von blöd an. - Weil er es kann.

Um in der CSU politisch Erfolg zu haben, darf an deren Spitze keiner mehr das Gen des Anstands haben, dass Andersgläubigen signalisiert, wann es besser wäre, zurück zu treten. Siehe auch Scheuer, Dobrindt, Seehofer und Huml.

Gott mit Dir, Du Land der Bayern! Doch Gnade uns  - Bayrischer Gott - und den Menschen in den übrigen Bundesländern, dass dieser Menschenschlag noch mehr Bundespolitik macht. Echt jetzt!

Dorten gangat's zum Abgang Frau Huml!
Und gem's fei obacht, dass man Sie mit derer Mask'n net kennt!
Quelle: dpa und sz.de