Freitag, 4. April 2025

Als aus acht Mann die SS wurde

Als Buch bei amazon
Heute vor hundert Jahren gründete Julius Schreck im Auftrag von Adolf Hitler den "Saalschutz", um dem künftigen Führer bei seinen Reden den Rücken frei zu halten. Der bestand zunächst nur aus acht Mann. Keine zehn Jahre später war daraus die paramilitärische "Schutz-Staffel" geworden, die ein gewisser Heinrich Himmler organisierte und befehligte. Bei der so genannten "Macht-Übernahme" waren aus der SS bereits über 50.000 zum Teil mit Waffen ausgerüstete, speziell trainierte Männer geworden, die dann im zweiten Weltkrieg als Waffen-SS ganz Europa bei speziellen Operationen mit Kriegsverbrechen überzogen.

In Zeiten, wo Gedrucktes noch dauerte und Telefone nur Auserwählte hatten, ist dieser Zuwachs an Staatsterror in unglaublicher Geschwindigkeit erzielt worden. Diese Systematik hat ihn immer schon beeindruckt. Wenn Trump also droht, er würde seine dritte Amtszeit oder die lebenslange Herrschaft über die Vereinigten Staaten "notfalls mit Waffengewalt" durchsetzen wollen, wäre so eine "Mobilisierung" mit Unterstützung seiner Netzwerk-Kumpel  heute wohl ein Tagesgeschäft.

Quelle: Stern
Wahrlich Zachäus der Zöllner ist
wieder auferstanden: Lukas 9 - 10.
Zum Nachlesen in der Bibel,
auf die Trump geschworen hat...


Mit seinen gestern in inszenierter Dramatik mit Reihen voller Claqueuren angekündigten Zöllen hat er seine Rücksichtslosigkeit gegenüber seinem Land und dem Rest der Welt mehr als deutlich gemacht. Er zeigt uns aber auch, wieso die US-Demokraten schon jetzt immer mehr zu einer neuen Art der "Silent Majority" und weshalb auch gestandene Medien-Vertreter, die nicht seiner Meinung sind, immer leiser werden. Trump ist der größte und gefährlichste Angstmacher aller Zeiten, weil er die elektronischen Mittel dazu hat, und weil er die Schwächen der Amerikanischen Verfassung zusammen mit seinen Milliarden schweren "Bootleggern" gründlich studiert hat. Die Welt wird bald noch mehr vor ihm zittern, und je mehr sie dies tut, desto wohler fühlt er sich und desto größenwahnsinniger wird er werden. Was könnte ihn in ein paar weiteren Monaten noch daran hindern, aus der Nationalgarde seine persönliche Waffen-SS zur inneren Gleichschaltung zu machen.

Wer immer vor den Reitern der Apokalypse geraunt hat, hier ist einer, der kein Pferd braucht. Er sattelt nur seinen Machtrausch, mit dem er den Rest der Welt in den Untergang treibt.

Mittwoch, 2. April 2025

An Le Pen hängt mehr als ein Poisson d'Avril

 In meiner frankophilen Jugend war mir durch meine heiße, kurze Teenager-Liebe der Brauch geläufig, dass sich die Franzosen hinterrücks und dann für Stunden unbemerkt kleine, meist selbst gebastelte Fische an die Kleidung kleben, um sich in den April zu schicken. Le Poisson d'Avril geht irgendwie auf das Fasten-Dekret unter Heinrich IV zurück. Verzicht auf Fleisch sollte durch die Papier-Fische ins Lächerliche gezogen werden.

Quelle: actu.fr

Nun hat die französische Justiz die stimmgewaltigen Wucht-Blondine Marine Le Pen durch das sofortige Entziehen des passiven Wahlrechts unerwartet hart in den April geschickt. Aber wer eine klammheimliche Freude darüber empfindet, dass sie so 2027 nicht zur Präsidentschafts-Wahl antreten darf, könnte sich zu früh gefreut haben. Schon live in den Französischen 8Uhr-Nachrichten offenbarte sich ihre Gefährlichkeit, indem sie ihren Schuldspruch seinem Wesen nach umdeutete. Das Tat sie nach dem Vorbild von Trump und vieler früherer Populisten, die sich als von der Justiz verfolgt, reinwaschen oder gar als über dem Gesetz stehend darstellen wollten. Wie Trump kündigte sie ihre Wiederkehr an. Szenisch mit der Unantastbarkeit ihrer Körpersprache könnte das bereits der Aufruf an ihre Anhänger gewesen sein, das Rassemblement National so zu befeuern, wie es Trump mit seinem Wahlbetrug-Narrativ für die Republikaner erfolgreich getan hat.

Quelle: TF1

Bei der Lust der Franzosen, Meinung mit Gewalt auf die Straße zu bringen, könnte der Élysee bald genauso erstürmt werden, wie das Capitol in den USA. Die Unterstützung vom unsäglichen Elon Musk hat Le Pen via Plattform X ja schon.

Ich kann meinen des Französischen mächtigen Leserinnen und Lesern nur raten,   einmal die Mitschnitte auf TF1 anzusehen, ohne dass ein Übersetzungstext drüber gesprochen wird. und sich dann im Vergleich dazu die unselige Rede von Donald Trump vom 6. Januar 2022 noch einmal zu geben. Es scheint wohl so zu sein, dass derart inszenierter Narzissmus der Trigger zu revolutionärem Verhalten und zum Aktivieren von Mitläufern ist. Das wäre eine durch die Multiplikation der personifizierten Medien herauf beschworene Gefahr, der kaum noch faktisch zu begegnen wäre. Wer so mehr Meinung macht, entzieht der Rechtsprechung bewusst den Boden. Das ergibt schnell eine Verschmelzung der Gewalten, was gerade in den USA mit Erschauern zu bestaunen ist.

Quelle: Buch bei amazon
Erst 29, aber schon Gegenstand
eines Buches, das sein verborgenes
Gesicht zum Thema hat:
Jordan Bardella,
Führer des Rassemblement National
Ich für meinen Teil bin nicht erleichtert, dass Marine Le Pen verurteilt wurde, sondern eher besorgt, was Le Pens jugendliche Sprech-Puppe Jordan Bardella daraus macht, wenn seine "Chefin" als durch sich selbst hochstilisierte Märtyrerin gar noch im Gefängnis landet. Umgehend hat er schon das Urteil gegen sie als "Exekution der Demokratie" bezeichnet.
Zur Erinnerung: Im Französischen Parlament sind Mehrheiten noch wankelmütiger als bei uns. Denn schon Ex-Premier Alain Juppé war ja mal mit einem zehnjährigen Entzug des passiven Wahlrechts bestraft worden, ehe er von neuen Mehrheiten durch Reduzieren des Strafmaßes auf ein Jahr erneut als Präsidentschafts-Kandidat antreten durfte...

Montag, 31. März 2025

Zum Regieren verdammt!

 Langsam müsste dem Wahlvolk klar sein, dass es zu Ostern nicht wie angekündigt eine neue Regierung, sondern ein Nest voller Überraschungs-Eier zu erwarten hat. Das liegt zum einen daran, dass wieder einmal Verhandlungsergebnisse "durchgesteckt" wurden und zum anderen, dass sich die Standpunkte eher verhärten als sich anzunähern.

Aber wenn in den Arbeitsgruppen jetzt schon keine Disziplin zur Verschwiegenheit herrscht - wird dann die nächste Regierung wieder von unausgegorenen in die Öffentlichkeit geleakten Vorhaben vor sich her getrieben werden?

Da mag doch manch einer oder eine noch aus dem kurzen und heftigen Wahlkampf ein Mütchen durch aufgestaute Animositäten zu kühlen haben. Aber das braucht die Republik bei all den zu erwartenden Herausforderungen nun wirklich nicht. - Das Dilemma aber bleibt, dass die dringend erforderliche Rundumerneuerung bei beiden Regierungsparteien vermutlich am Personalmangel gescheitert ist. Wenn der Dauer-Dödel Dobrindt noch allen Ernstes im Gespräch für einen Ministerposten ist, und auch der "Oberlehrerin" Esken zum Wegloben ein Amt im Kabinett zugetraut wird, dann ist das eher ein entlarvend hilfloses Signal. Beweist einmal mehr, dass sich mit Partei-Apparatschiks eben nicht der von Experten verlangte qualitative Wandel vollziehen lässt.

paint-collage CD mit Quellen pixabay, Handelsblatt, t-online
und SPIEGEL
Ostern mit politischen Überraschungs-Spiegeleiern

Apropos Experten! So wie die besten besserwisserischen Kapitäne stets vom Kai aus den allein richtigen Kurs angeben, so wenig mutig bieten sich die in der Vorwahl gerne zitierten Experten und Expertinnen in der Real-Politik für Ämter an.  In denen könnten sie zwar mal beweisen, dass sie in der Lage wären, alles soviel richtiger zu machen  als Partei-Soldat*innen...
Dabei wäre doch ein von Partei-Ideologien befreites Experten-Kabinett, eine Lösung, die dem Bund obendrein noch zig Millionen an Berater-Verträgen ersparen könnte. Bezahlter Rat ist eben schnell erteilt, aber bleibt bei fehlendem Erfolg für die "Ratschläger" meist auch ohne Konsequenzen.

Was wir von der künftigen Bundesregierung erwarten könnten, wäre also wieder ein Konsens-Trott, wie wir ihn in Friedenszeiten schon einmal mit Angela Merkel schadlos überstanden haben. Aber hülfe dieser "totale innere Frieden" auch gegen jene in der Welt, die gerade bereit sind, alle mühsam erarbeiteten Regeln des demokratischen Miteinanders über Bord zu werfen?

Vier Jahre Hinhalten werden zur Bewältigung aller Krisen nicht ausreichen, wenn Xi, Putin, Trump und Erdogan (ja, der Osmanische Großreich-Träumer muss jetzt wohl auch hinzurechnet werden) ihre altersbedingten Verfallsdaten einfach ignorieren oder durch medizinischen Wundermittel und KI hinauszögern...

Also stellt sich  schon jetzt die Frage, ob einer, der bei den Deutschen so viel Skepsis auslöst, bei noch ungünstigeren Vorgaben mehr zustande bringt als sein von ihm als "schlechtester Bundeskanzler aller Zeiten" gescholtener Vorgänger.

Die kommende Koalition ist in jedem Fall zum harmonischen Regieren verdammt. Weil sie nämlich ansonsten nach einem Scheitern bei eventuell erforderlichen Neuwahlen der sich in unserem Land  immer weiter aufstauenden, braunen Brühe die Schleusen der "Brandmauer" öffnet. Die AfD strebt jedenfalls unverkennbar - nach dem Vorbild der aktuellen Demokratie-Verderber oben - deren Autoritarismus im Gleichschritt an.

Quelle: pixabay

Der drohende Gleichschritt im Autoritarismus






Freitag, 28. März 2025

Alles hohl durch Alkohol?

 Immer wieder bin ich überrascht, wie Themen hoch schwappen. Zugegeben, die Zeiten sind gerade so, dass man sich am liebsten einen hinter die Binde gießen oder sich die Kante geben möchte, um sie leichter ertragen zu können. Aber wieso der Alkohol-Konsum gerade wo er tatsächlich auch bei der Koma-Sauf-Generation rückläufig ist, wieder allenthalben so bedrohlich thematisiert wird, muss andere, verborgene Gründe haben, als die, die Volks-Gesundheit zu fördern.

Ich habe die dreiteilige Doku auf Bayern 3 geguckt, die jetzt auch in der Mediathek der ARD zu streamen ist. 
https://www.ardmediathek.de/serie/dirty-little-secrets-warum-wir-immer-weiter-trinken/staffel-1/Y3JpZDovL2JyLmRlL2Jyb2FkY2FzdFNlcmllcy9GMjAyNFdPMDIwNjI3QTA/1

Quelle: ARDalpha

"Dirty Little Secrets" gibt vor, von der Deutungshoheit zu berichten, um die zwischen Wissenschaft und Alkohollobby gerungen wird. Aber hängen geblieben ist bei mir wieder so ein Gefühl, das in meinem Dickkopf alle Sektierer auslösen. Es soll da ein Trend im Denken geschaffen werden, der heimlich bevormunden und nicht aufklären soll. Ähnlich der sanften Aggressivität jener Argumente, die immer mehr vegane Produkte in die Supermarkt-Regale schaufelt oder uns den Fleisch- und Fisch-Konsum madig machen soll. Der homo sapiens, der denkende Mensch, wird von Berufenen und nicht Berufenen immer wieder solcher kollektiver Umerziehungsversuche unterzogen, und ich möchte nicht widersprechen, dass sich stets auch etwas an seinen Erkenntnissen und dadurch auch an  seinen Gewohnheiten ändert, denn: wir saufen zu viel, wir fressen zu viel Fleisch und hauen soviel Fische und Meeresfrüchte in Pfannen und Töpfe, dass unsere verunreinigten Flüsse, Seen und Meere bald nichts mehr davon hergeben. Aber, und zwar großes ABER: Die Welt zerstören wir nicht vorrangig durch Essen und Trinken, sondern weil wir einfach zu viel von dem wollen, was uns philosophisch betrachtet, die Einfachheit geböte.

Was könnte die Menschheit an gesunden Grundlagen für Natur, Klima und ein bewussteres Leben schaffen mit den Multimilliarden, die gerade wieder für Aufrüstung ausgegeben werden. Wieso zerbrechen sich gerade jetzt Menschen über den Alkohol-Konsum den Kopf, der auf Dauer die Gesundheit und die Lebensdauer verkürzt, wenn wir jetzt wieder einmal unsere Jugend kriegstauglich für einen zu frühen Tod machen müssen?

Eigentlich wollte ich unter dieser Überschrift hauptsächlich darüber schreiben, wie ich auf meinen Reisen den diversen, kulturellen Umgang mit Alkohol erlebt habe, der signifikant zum jeweiligen Volks-Charakter gehörte. Aber dann hätte ich den Alkohol gegen den Trend auch als zweifelsfrei positiven Kommunikations-Faktor zwischen Fremden beschreiben müssen. Das hätten die Influencer*innen vermutlich nicht verstanden, die ja hauptsächlich ihr Selbstbild kennen.

Mittwoch, 26. März 2025

"Lügen wie gedruckt" bald ohne Zukunft

 Als ehemaliger Zeitschriften-Macher beobachte ich aus meinen bald zwei Jahrzehnten Ruhestand die Entwicklung auf dem Print-Markt mit größtem Erstaunen. Da werden auch von mir nicht ohne kritischem Abstand als Ikonen betrachtete Flaggschiffe hin und her geschachert, als gäbe es kein Morgen. Und offenbar gibt's den für Print bald wirklich nur noch in eingeschränkter, spezialisierter Form.

Print im Mengenrabatt-Modus bei G&J

Gerade verkauft RTL unter dem Dach von Bertelsmann Titel an die Funke-Gruppe von denen ich naiv die Vorstellung hatte, sie könnten unsterblich sein. 35 Jahre nachdem Gruner&Jahr mein Lieblings-Konzept aus dem Markt gekauft hat, scheinen nun die einst mit so arroganter Medien-Macht aufgetretenen Hamburger selbst dem langsamen Printmedien-Tod anheim zu fallen.
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/unternehmen/rtl-zeitschriften-gala-brigitte-100.html

Was mich so wundert, ist, dass mich das so wundert. War ich doch einst selbst durch mein "Computer to Plate" schon vor den Großen Verlagen der Killer von Litho-Anstalten, Setzereien und Druck-Vorstufen. 

Quelle: pixabay
Bleisatz im Winkelhaken, wie ich ihn noch
einst lernte, gibt es heute nur noch in Museen

Die digitale Revolution überrollte ja nicht nur ihre Förderer, sondern bedroht nun auch ihre Kinder.

Ich weiß nicht, ob meine Mutter etwas von meiner Zukunft ahnte, wenn sie mich für meine permanenten Flunkereien anherrschte: "Du lügst ja wie gedruckt!".

Aber damit hat sich's ja nun auch in nächster Zukunft. Wer druckt bald überhaupt noch? Und ab wann macht es dann noch Sinn, mit Gedrucktem Lügen zu verbreiten? In einer Zeit, in der jeder mit Macht, seine eigene Internet-Plattform gründen und betreiben kann. Die eigene, kreativ mit KI gestaltete - von der Lüge so nicht mehr zu unterscheidende - Wahrheit ist ja in Sekunden-Schnelle weltweit verbreitet. Viel schlimmer noch, sie ist dann ja auch kaum mehr zu ahnden...

Da zählt ja wohl kurze Zeit später noch nicht mal mehr ein "aktenkundiger" Chat-Verlauf wie kürzlich, als Minister der aktuellen Trump-Administration bei der Besprechung einer militärischen Operation vergaßen, dass ein Print-Journalist zugeschaltet war.
https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/sicherheitspanne-usa-chat-jemen-reaktionen-100.html

Der konnte das dann in seinem Artikel noch so geschickt verklausulieren, damit ihm keine Geheimnisverrat vorzuwerfen sei: Die heftige Gegenwehr mit Verbalinjurien und Verleumdungen der Social-Media-Truppe um Trump ließ sogar den dann durchgeführten Angriff auf die Huthi-Miliz verblassen.

Quelle: pixabay
Darf dieser Lügenbeutel sich alles erlauben,
weil er NATO-Partner und Russland so nahe ist?

Also liebe Mutti - wo immer Dein Geist herumschwebt - wenn Du Dich erinnerst, wie toll die Türkei damals bei unseren Reisen noch war, Du wirst nicht glauben, wie Erdogan heute seine Lügen zur einzig geltenden Wahrheit macht.

Heute würdest Du wohl schimpfen: "Der lügt ja wie gepostet!"


https://www.tagesschau.de/faktenfinder/jdvance-musk-audio-100.html

Montag, 24. März 2025

Trump hat keine Eier

Das hat uns gerade noch gefehlt! Mitten in einer Phase, in der er uns nahezu täglich auf die Eier bzw. -Stöcke geht, bittet Donald Trump ausgerechnet uns, der seine Liebe zu Europa davon abhängig macht, wie sehr wir ihn fürchten, ehren, aber auch respektieren, als armer Nachbar, ihm mit Eiern auszuhelfen. Er klopft an die Türen derjenigen denen er nahezu alle früheren Ami-Segnungen verweigert - um einen Eier-Engpass zu überwinden, der sein again greates America in eine unerwartete Krise zu bringen droht.

Als seien wir nicht von der Vogel-Grippe betroffen. Dabei müssen wir doch schon jetzt im Vorgriff auf die Billion Schulden jedes Ei dreimal umdrehen, ehe wir es resigniert wieder zu den anderen zwei in den Eischrank zurück stellen, um eine Notreserve zu haben...

Quelle: Berliner Morgenpost
Ja, wenn er im Bio-Unterricht gepennt
und wegen Ostern auf falsche Lieferanten gesetzt hat
ist die Eierkrise eindeutig weißeshausgemacht!

Ich erinnere mich noch gut daran, dass in meiner frühesten Kindheit ein Ei zum Frühstück ein Luxus war, den die Eltern nur Sonntags der Familie gönnten. Erst mit den Amis in der Münchner Nachbarschaft wurde das Frühstücks-Ei generell zur Regel, weil wir ja nicht schlechter dastehen wollten. Mir klingt immer noch der Ruf meiner Mutter in den Ohren, der von da an immer durchs Haus schallte, so wir uns unter einem Dach aufhielten: "Hart oder weich?"
Spiegel-Eier mit Speck - wie sie uns aus den  Nachbarhäusern in die Nase stiegen, galten da in unserer Familie immer noch als Hauptmahlzeit. 

Quelle: Marley's Menue

Was die US-Hotel-Gastronomie alles mit Eiern anstellte, wurde mir erst im Verlauf meiner vielen Reisen durch diverse Bundesstaaten klar. War es bei den ersten noch das verbal vorgetragene Angebot von: boilt, fried und dann sunny side up, over easy oder scrumbled. Gegen Ende meiner Reisen in den eigentlich unbezahlbaren Hotels gab es dann eine Menü-Karte für die angebotenen Eier-Specials. Meist mir der von Trump hätte stammen könnenden Lobpreisung "brought to its perfection". Und dann im "Tortilla Flat": uevos rancheros, tortillas bandidos,

Dann kam durch einen Berechnungsfehler die Eigelb-Cholesterin-Krise. Plötzlich bestellten gestandene Mannsbilder mit Colt an der Hüfte nur noch Omelette aus Eiweiß.

Quelle: Technik-Museum online
Im aktuellen Eier-Krisen-Trend sind nur noch die Veganer gut dran: Sie kommen mit ihrem aus Pulver hergestellten Rührei und dem wie Speck aussehenden Tofu-Scheiben ohne beunruhigenden Preisvergleich klar. Bei Straßen-Interviews in New York sagten einige, sie wollten sich Eier auch fürs Frühstück zuhause nicht mehr leisten. Kein wunder wenn ein Dutzend im Karton bis zu 13 Dollar 80 kostet. Auf dem Land wären sie noch für 48 Cent - also einen halben Euro zu haben.

Mit dem Preis unterscheiden sie sich bald nicht mehr von den Deutschen Preisen. Meine Schnellerhebung vom Freitag erbrachte Schwankungen von  0,27 € im Supermarkt bis 0,48 € für Bio-Eier vom Markt. Und frohlocken müssen wir deshalb noch lange nicht. Denn auch bei uns deuten sich durch die Massen-Keulerei wegen der Vogel-Grippe schon Engpässe an, die dramatischer werden könnten, wenn wir auch noch die Rednecks mit ihnen füttern, um gut Wetter für den Zoll auf die dringend benötigten Harleys und Bourbon-Whiskys zumachen. Aber Schwamm drüber, wir haben ja bei zusätzliche atomarer Ausgrenzung in München-Garching notfalls in unserer Nähe immer noch das Atom-Ei als "schnellen Brüter".

Quelle: BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN
Übrigens - wer's wissen will: Als bekennender Agnostiker beantworte ich natürlich die Frage, was zuerst da war: Die Henne oder das Ei? Eindeutig mit: die Henne. Das war nämlich der erste Akt der "Ehuhnzipation". Den Nachwuchs nicht lang im Pürzel mit herum schleppen, sondern ab damit - und gleich samt Brut-Container ins Nest!

Dazu noch mein ultimativer, hoffentlich nicht auf die Eier gehender, Anti-Eierkrisen-Tipp, der allerdings auch nicht das Gelbe vom Ei wäre:
Weniger Küken schreddern, mehr Hähnchen am Leben und Sex haben lassen, mehr natürliche Aufzucht und gezielterer Anti-Viren-Schutz - dann klappt es auch wieder mit mehr Eiern für den Nachbarn...

Quelle: DIE ZEIT




Freitag, 21. März 2025

In banca rotta

Ein  Jahr lang hat mich eine nette Dame von der BARMER in regelmäßigen Abständen angerufen und nach meinem Befinden gefragt, und ob sie mir bei irgendetwas helfen könne. Obwohl die Krankenkasse von mir und meiner Frau nur noch den gesetzlichen Anteil von unserer Rente einzieht, fühle ich mich dadurch sehr wertgeschätzt. Seit ich mein erstes, eigenes Geld verdient habe, bin ich der Ersatzkasse treu geblieben, und habe als Unternehmer bisweilen  ohne Reue mit meiner Frau zusammen in etwa in der Größenordnung eines Lehrergehalts weiter gezahlt, ohne den günstigeren Verlockungen Privater zu erliegen. Wenn ich richtig rechne, bin ich bald 60 Jahre damit sehr gut gefahren...

Jetzt - wie Dr. Faust sagen würde - komme ich zu des Pudels Kern. Genauso lang bin ich Kunde bei meiner Bank, die einst Bayrische Vereinsbank, dann HypoVereinsbank hieß und nun zum in Italien beheimateten UniCredit-Konglomerat oder sollte ich besser sagen UniCredit-Kraken gehört. Wie auch immer: Sie haben an mir mehr verdient, als ich je in die Krankenkasse eingezahlt habe, ohne sich besonders für meine Befindlichkeiten zu interessieren. Dass ich nach mehreren, falschen Ratschlägen dennoch nicht die Bank gewechselt habe, ist meiner Trägheit in Bank-Angelegenheiten geschuldet - und dem vermeintlichen italienischen Momenten in meinem Leben.

Ui, toll dachte ich mir nämlich im Hinblick auf unser Teilzeit-Leben in Italien, und eröffnete auch dort bei dieser Bank ein Konto. Natürlich glaubte ich -  beim vollcomputerisierten Banking - dann korrespondieren die Konten ja vernetzt! Nein, als EU-Bürger musste ich mir komplizierte Regeln für Ausländer-Kontenr gefallen lassen. - Auch in puncto Kurzzeit-Dispo. Aber weit gefehlt! Reichte das dorthin überwiesene Geld mal nicht, wurde das automatische Abbuchen einfach gestoppt und in folge dessen, Strom, Wasser Telefon etc. abgestellt. Was waren das für unnütze Gänge, bis alles wieder lief. Im Gegenzug wurde aber jede minimalste Dienstleistung mit absurden Beträgen abgebucht. Selbst die Konto-Auslösung - weil alle Überweisungen dann sicherer von Deutschland vorgenommen wurden, kostete noch mehr als ein Abendessen im Restaurant. Viel Geld für servizio nullo!
Quelle: Wikipedia

Währenddessen schluckte diese Bank mit ihren kultivierten Mafia-Allüren weltweit ein Kredit-Institut nach dem anderen und reduzierte durch radikale Schließung von Filialen die Service-Leistungen auf Null. Was nutzten Beschwerden? Die verbliebenen Angestellten, saßen ja selbst immerfort auf dem Schleudersitz.  War die Filiale der HypoVereinsbank noch eine Ecke zu Fuß vom Glashaus entfernt, kommen wir in unserem Alter kaum noch zu unserer heutigen Filiale. Die ist nur mit einer Auto-Fahrt von zehn Minuten zu erreichen. wenn es denn dort genügend Parkplätze oder überhaupt die kompetente Personalstärke gäbe, dass ein Besuch ohne lange, nervige Wartezeiten Sinn machte.

Inzwischen erledigen unsere Kinder das Computer-Banking für uns, weil wir Angst haben, mal die falsche Taste oder Tan zu erwischen und damit einen Hack auszulösen. Seit einigen Wochen liegt nun ein mehrseitiges Schreiben auf meinem Schreibtisch, indem uns - von einem Computer-Programm verfasst - haarklein erläutert wird, was unser Depot an Gebühren abbucht. Das Depot zeigt aber nur einen auf Nullwert geschrumpften Bestand von Conergy-Aktien und wurde eigentlich noch in der alten Filiale im Beisein unserer "Bank-Beraterin" gekündigt. Die sich ihre Stelle damals schon mit einer Kollegin teilen.

Natürlich habe ich sofort die im Schreiben  aufgeführte Telefon-Nummer angerufen, um auf den Fehler aufmerksam zu machen. Aber da musste ich mich mit einem Computer unterhalten, der mich zunächst bis auf meine Unterhosen-Größe und verklausulierte mir nichts sagende Begriffe zum leeren Depot befragen wollte. Gut, dass es ja noch immer unsere Bankberaterin gibt, mit der das ja persönlich zu klären wäre.

Aber wenn man da mal das Glück hat, die für alle Filialen zwischen geschaltete Gesamtzentrale zu überwinden, meldet sich nur der AB und verspricht baldigen Rückruf, der nach einem halben Dutzend versuchen bis zu diesem heutigen Post immer noch nicht erfolgt ist.

Quelle: FINANCE Magazin
Übernahme in Schatten-Gesellschaft:
2009 musste der Steuerzahler diese
Bank noch durch eine 25prozentige
Aktien-Übernahme retten
Natürlich muss ein blöder Rentner wie ich Verständnis haben, denn die UniCredit befindet sich mit allen verfügbaren Mitteln mitten  im Schluck-Würg-Übernahme-Kampf mit der Commerzbank. In dem die Deutsche Bank, die gerade Tausende Stellen abbaut, ein gewichtig Wort mitsprechen, wenn sich nicht sogar schützen möchte.

Ich kann mich noch gut daran erinnern wie meine Mutter und mein Großvater, wenn ich sie als Steppke begleitete, in den Filialen der DB noch wegen ihres vergleichsweise eher bescheidenen Aktienpaketes hofiert wurden. 

Was ist aus dem seriösen "Bank-Beamten" von einst geworden?

Quelle: private banking magazin
Banken-Schluckspecht:
UniCredit-Hai Andrea Orcel.
Mit so einem Lächeln verkauft
er wohl auch einer blinden Oma
einen pinken Ferrari

Aus dem Italienischen haben wir ja den Begriff "bankrott" übernommen. Nur lässt sich der auch doppelsinnig übersetzen: aaaaa
"In banca rotta" könnte aus meiner heutigen Kleinkunden-Perspektive auch als "in verrotteter Bank" verstanden werden...