Freitag, 6. März 2026

Machen die Mullahs mobil?

Wieso kreuzt ein iranisches Kriegsschiff vor Sri Lanka? Und wieso stand es derart unter Satelliten-Beobachtung, dass es ein U-Boot der US-Marine stellen und weit ab vom eigentlichen Krieg in die Luft jagen konnte? Wird das die Renaissance einstiger Kanonenboot-Politik?

Die Fachleute staunen, und die Laien wundern sich - wie bei vielem im aktuellen Krieg zwischen Israel, den Vereinigten Staaten und dem Iran. Zum Beispiel über die Widersprüchlichkeit zu einem offenbar auf Eis gelegtem Völkerrecht:
Vor ein paar Wochen noch waren die Angreifer  empört wegen der blutig nieder geschlagenen Proteste und den Tausenden die dabei vom Regime auf offener Straße ermordet wurden. Unter anderem war gerade das ja einer der vorgeschobenen Anlässe für den Angriff. Seither fliegen die Drohnen und Raketen jede Menge Angriffswellen, die nicht nur in Teheran großflächige Zerstörungen hinterlassen und Zivilisten ohne Schutzeinrichtungen töten. Der Rote Halbmond meldete bis gestern bereits über 4000 zerstörte zivile Einrichtungen. Dabei hat doch die gezielte Tötung des Ayatollahs und seiner Elite bewiesen, dass die USA in der Lage sind, die entscheidenden Figuren mit gezielt sezierenden Treffern aus dem Spiel zu nehmen.
Das herum Eiern, ob Netanjahu nur die USA vorauseilend in diesen Krieg gezogen hat oder  nicht, zeugt ja eher davon, dass es zum angestrebten Kriegs-Ziel keinen einheitlichen Plan gibt. Der könnte von der totalen Vernichtung bis hin zu einem Status Quo wie im Vorgehen gegen Venezuela reichen. Soeben hat die Mehrheit der US-Republikaner im Senat sowie im Repräsentantenhaus diese Planlosigkeit von ungewisser Dauer auch noch mit einer Art plein povoir abgesegnet.

Quelle: Deutschlandfunkt
Vom GRÖFAZ (Größter Feldherr aller Zeiten)
zum GRÖLAZ (Größter Loser aller Zeiten?

Der schon immer eingeengte Blick amerikanischer Außenpolitik ist ja in der Betrachtungsweise Donald Trumps im Bezug auf den Rest der Welt eher zu engen Sehschlitzen geworden. Gut, dass er die blutige Nase, die er sich in Afghanistan eingefangen hat, da noch auf seinen Vorgänger Joe Biden schieben konnte. Doch schon da hat sich ja gezeigt, dass technologische Überlegenheit und überlegenes Waffenarsenal allein nicht reichen, um islamische Opferbereitschaft zu besiegen. Trump wird von  der US-Doktrin "keine Bodentruppen zu entsenden" bald Abschied nehmen müssen.

Ich bin ja weder Experte noch Verschwörungs-Theoretiker - aber könnte nicht folgendes geschehen?
Ein ergebnisloser Eingriff in die Machtverhältnisse des islamisch gepolten Nahen Ostens macht die Mullahs erst recht mobil. Der tief wurzelnden Hass auf Israel und die USA wird derart mit vergossenem Blut getränkt, dass die Glutnester, die bis Indonesien und den Philippinischen Archipel reichen, durch gezieltes gleichzeitiges Pusten der Prediger zu Flächenbränden werden könnten?

Vorgestern erreichten erste ballistische Raketen beinahe schon die NATO-Außengrenze in der Türkei. Waren das vielleicht sunnitische Kurden, die immer noch ein vereintes Kurdistan anstreben, das nicht über Syrien, die Türkei und den Iran verteilt ist? Wieso hat die Hamas ihre Waffen noch nicht abgegeben, und schieben Israelische Spezial-Operationen den Gaza-Wiederaufbau auf die lange Bank? Wieso wird gegen die Zwangs-Landnahme israelischer Siedler auf den Golanhöhen der Palästinenser nicht angegangen? Just in dem Moment des beginnenden Krieges greift die vermeintlich geschwächte Hisbollah wieder an und zwingt Israel derart dagegen vorzugehen, dass dem bankrotten Libanon bald nichts bleibt, als sich zu wehren. In dem sich vermeintlich berappelnden Syrien und dem nicht viel besser da stehenden Irak werden Teile immer noch vom IS infiltriert, wenn nicht gar kontrolliert. Die proiranischen Huthi sind vom Jemen aus wieder gegen Schiffe im Roten Meer aktiv.

Quelle: www.fr.de
Wehe, wenn sie los gelassen:
Allein die pro iranischen Huthi-Rebellen
biteen 350.000 bewaffnete und
opferbereite  Kämpfer auf

Sie allein bieten schon 350.000 schwer bewaffnete Kämpfer auf, denen keiner Herr wird. Was wird aus dem Konflikt zwischen den Afghanischen Taliban und Pakistan? 240 Millionen Pakistani sind Muslime, und Pakistan ist eine Atom-Macht, die über mehr als 150 Sprengköpfe verfügt...

Das von den USA gerade entdeckte Potenzial Afrikas wird von der Sahelzone bis nach Zentral-Afrika von einem Dutzend Islamischen Gruppierungen terrorisiert, die vom IS strukturiert und klammheimlich von Russland alimentiert werden.

Mal angenommen, durch die Vernetzung mit dem keinesfalls verschwundenen IS stehen alle islamischen Rebellen konzertiert bis hin zur Abu Sayyav in Fernost  auf einmal gegen US-Einrichtungen auf. Dann sind die nur 190.000 Mann iranische Revolutionsgarde Trumps kleinstes Problem.

Trump kann sein riesiges Potenzial von 2,3 Millionen (inklusive 790.000 Reservisten) Soldaten eben nicht überall synchron einsetzen. Macht er das, riskiert er, dass Putin mit der kompletten Einnahme der Ukraine das Tor zur NATO einreißt, und China sich im "gleichen Atemzug" Taiwan einverleibt. Dann wäre Potus nicht GRÖFAZ sondern GRÖLAZ. Und andere bestimmten die von ihm eigensinnig angestrebte  "neue Weltordnung". Es sei denn. einer dieser grenzdebilen, selbstverliebten, narzisstischen Herrschern käme auf die Idee, in Endzeitstimmung den Buzzer zu betätigen...

Mittwoch, 4. März 2026

Wie aus Persien der Iran wurde

 Im Prinzip lassen sich der Iran und das frühere Jugoslawien gut mit einander vergleichen. Beiden brodelnden Vielvölker-Staaten hielten jeweils Autokraten den Deckel drauf. Bei den Persern war das Shah Resa Pahlavi sowie die Ayatollahs und bei den Jugoslawen Josip Broz Tito. So lange der Deckel mit Gewalt gedrückt wurde, gab es eine Hegemonie, die im äußeren Erscheinungsbild den trügerischen Eindruck von Befriedung in Einigkeit bot. Und die wollte zumindest beim Shah niemand wirklich infrage stellen.

Ich erspare mir hier den Rückblick auf die Vertreibung des Schahs durch die Mullahs und was nach dem Tod Titos im verheerenden Balkan-Krieg der 1990er gipfelte. Aber vermutlich bin ich einer der wenigen, die beide Länder aus der Perspektive eines Zehnjährigen und später als Berichterstatter im Wandel minutiös erlebt haben (Ich verweise auf meine

Quelle: Wikipedia
Auch die Rudimente in Perspolis
belegen  die vielfältigen Ethnien
des heutigen Iran

semifiktiven Erzählungen "Sarajewo" vom 2. September 2013 und "JoJo" vom 3. Juni 2013. Letztere soll aus aktuellem Anlass verdeutlichen, was den USA bei längerem Krieg mit dem Iran durch die Vernetzung der Ayatollahs erwarten könnte.)

1935 entschied der Shah den  aus seiner Sicht unzutreffenden Namen Persien durch den Namen Iran zu ersetzten, Eine Verkürzung die auf das Wort Ariana für "Land der Arier" zurück ging. Seither haben die  rund 80 Millionen Untertanen dieses riesigen Reiches nicht annähernd so etwas wie Demokratie erlebt. Aktuell gibt es sogar nicht wenige Experten, die skeptisch sind, ob die "Perser", die es ja so gar nicht als Ethnie gibt, nach dem Kriegsziel im Sinne der Amerikaner überhaupt "Demokratie können"

Ganz kurz meine persönliche Erinnerung: Eigentlich wollte die ganze Familie im Jahr 1959 die Reise im VW-Käfer, die beim Dienstherren meines Beamte-Vaters schon umstritten genug war, bis Teheran fortsetzen. Aber wir kamen nur bis Täbris. Die Pässe wurden uns bei der Anmeldung im Hotel nicht nur einbehalten, sie landeten in der Nacht noch beim Stadtkommandanten.

Quelle: Täbris
Damals 1959 war Täbris rund um
den Shahgoli Park noch überschaubarer
Der residierte in einem Palais inmitten eines künstlichen Bassins. Wir wurden in einem für mich damals riesigen Ami-Schlitten von Sicherheitsleuten abgeholt. Von dem, der neben mir saß, landete die Hand direkt und die gesamte Fahrt lang in meiner kurzen Hose. Ich war schockerstarrt und machte keinen Mucks, weil mein Vater uns vorher Anweisungen gegeben hatte, nur nichts zu sagen, aber auf keinen Fall von "Persien" zu sprechen.
Der Stadtkommandant sprach eine Mischung aus Englisch und Deutsch, und er lobpreiste Adolf Hitler als großen Mann. Wir schwitzten nicht nur wegen der Temperatur. Als wir nach langem Monolog endlich unsere Pässe mit einem riesigen Iranischen Stempel zurück bekommen hatten, packten wir im Hotel für die sofortige Rückreise in die Türkei unsere Sachen. Vor meinem Bett lag - wie um sich für immer in meinem Gehirn einzubrennen - ein großer platt getretener Skorpion.

Ein Jahr später auf dem Privat-Gymnasium saß ich neben Goli Aqsa (phonetisch eingedeutscht), einem Persischen Mädchen, zwei, drei Jahre älter als ich und eigentlich schon eine junge Frau. Sie war die Tochter eines gerad vor dem Shah-Regime samt Familie geflohenen Chirurgen. Wie damals nicht wenige Landsleute hatte sie eine internationale deutsche Schule besucht, und ich - durch die noch frischen Erinnerungen - war für sie eine Art Bestätigung, dass ihr Papa das richtige getan hatte.
Quelle: Dolomitenstadt
Wer sie vereinzelt trifft,
findet die Belutschen friedfertig 
und gastfreundlich


Quelle: Wikipedia
Wer wäre denn in der Lage,
zu verhindern, dass sich Farsen
und Kurden oder all
die anderen Ethnien nicht wieder
an die Gurgel gingen?
Wieso ich gerade jetzt in Erinnerungen krame. Ich weigere mich, zu glauben, dass alle Exil-Perser aus jener Generation und ihre Kindeskinder wirklich wieder einen Shah haben wollen. Aber blühte dem Iran nach Beendigung der Kriegshandlungen womöglich ein Zustand ohne Integrationsfigur an der Spitze könnte es "Postjugoslawische Verhältnisse" geben. Da käme es zum Ausbrechen den alten Konflikte und um historisch schon immer angestrebte autonome - eben selbst bestimmte Unabhängigkeit: Schiiten gegen Sunniten, Farsen gegen Kurden, Luren gegen Belutschen, Araber gegen Turkmenen. Angeblich steht nichts von einem Konzept zur Befriedung der Stämme im 190seitigen Programm für die "Machtübernahme" des Pahlavi-Sohnes. Was darauf hinaus liefe, dass die, die diesen Krieg begonnen haben, für Irans Zukunft gar nicht an demokratischen Verhältnissen interessiert sind...

Womöglich könnte das ganze ein Krieg mit offenem "Venezuela-Ende" werden.


Montag, 2. März 2026

Trügerische Erleichterung

Ein Regime, das unzufriedene, friedlich protestierende Bürger*innen radikal umbringen lässt, Kinder bei kriegerischen Auseinandersetzungen als "Minenhunde" vor die Front schickt und Andersgläubige foltert oder gleich zum Tode verurteilt, provoziert einen gewaltsamen Wechsel. - Aber der sollte eigentlich von einer intakten Weltgemeinschaft vollzogen werden.

Quelle: Tagesspiegel
Zwei Ego Shooter,
die gewiss nicht als
"moralischen Instanzen"
betrachtet werden können

Dass ausgerechnet zwei Autokraten mit ihrer Befehlsgewalt und überpowerten  Streitkräften diesen nun - wie angekündigt -  eingeleitet haben, verschafft nur eine trügerische Erleichterung. Zweifelsfrei haben sowohl Donald Trump als auch Benjamin Netanjahu völkerrechtlich einigen Dreck am Stecken. Ihre Rechtfertigungen und Narrative für diesen "Präventiv-Schlag" gegen den von Krisen durch die Herrschaft der Mullahs ruinierten Iran als Bedrohung für die Welt, hätten vermutlich auf Dauer nicht wirklich stand gehalten.

Quelle: The Guardian
Wer ihn und seine führenden
Handlanger so "mikroinvasiv"
killen konnte, hätte doch
keinen Krieg anfangen müssen.
Für wen also das Exempel?
Der US-Uno-Botschafter
ließ tief blicken, als er
von der falschen Moral der
Vereinten Nationen schwadronierte

Bislang haben die Gemeinschaftsaktionen der beiden Kriegstreiber jedenfalls nichts hinterlassen als Trümmer und noch mehr Tote. Bizarr wird das allerdings, gleich einen neuen Schah als Führer eines derart gebeutelten Staates quasi als CIA- Popanz in Stellung zu bringen. Sind denn alle so jung oder historisch unbedarft, dass sie vergessen oder nicht erfahren haben, wie der Vater Pahlevi das einst so reiche Persien nicht nur schamlos ausgebeutet hat, sondern auch durch seinen SAVAK unterdrücken ließ. Dessen Schergen waren dokumentiert auch nicht weniger brutal als die Revolutionsgarden. Aber wo waren damals die Öl-Profiteure? Die Ayatollahs konnten doch nur die Macht ergreifen, weil der Westen sie zuvor im Pariser Exil aufgepäppelt hatte...

Meist kommt nichts besseres nach, vermutet der altbayrische Volksglauben. Aber wann hätte der Glaube nicht immer auch den Schrecken im Gepäck gehabt?

Warten wir es ab, wie der Konflikt zwischen Afghanistan und Pakistan, der Ukraine-Krieg, sowie der Wiederaufbau von Gaza und Syrien weiter gehen. All die militanten Mullahs mit ihrem "Heiliger Krieg" sind ja nur bei oberflächlicher Betrachtung verschwunden.
Wir bleiben - wie hier schon beschrieben - nur weiter die einflusslosen Zaungäste des Horrors.

Quelle: DIE ZEIT
In Teheran warten sie auf das Ende.
So oder so wird es keines
ohne Schrecken sein



Donnerstag, 26. Februar 2026

Kein Schaltjahr, aber immer noch Zeit, den Schalter umzulegen

Seit vier Jahren terrorisiert Russland die Ukraine. Das ist eben keine "Spezialoperation" mehr, die fehl geschlagen ist, sondern es ist, was es von Anfang an war, ein Krieg, der bislang wohl einer halben Million Menschen - Soldaten wie Zivilisten - das Leben gekostet hat. Von der Zerstörung ganzer Städte und zum Überleben wichtiger Infrastruktur ganz zu schweigen. Aber das lesen wir täglich, während weiter gelitten wird, ohne dass ein Ende des russischen Terrors abzusehen ist.

Wäre der selbsternannte Friedensstifter im Weißen Haus so Konsequent wie bei der Entführung Maduros und nicht so verseessen darauf, einen Deal mit Putin zu machen, der ihm weitere Millionen in sein Privatvermögen schwemmt, hätte er längst ein Machtwort mit Folgen sprechen können. Aber selbst im Raketen-Zeitalter sind die USA nicht nur geographisch so weit wie nie zuvor von Europa entfernt. Auch von keiner US-Administration zuvor war der Hass auf den kleinen aber wirtschaftlich so mächtigen Staatenbund derart offensichtlich. Wer weiß schon, was POTUS mit Putin beim Treff in Alaska wirklich ausgehandelt hat.

Für unsere Politiker in der "Alten Welt" wäre es also dringend angeraten, den Weg endlich frei zu machen, um eigene Power unabhängig in Stellung zu bringen. Aber da wird gezögert und blockiert. Dass ausgerechnet jene EU-Länder, die die Russische Okkupation schon erlebt und erst durch wirtschaftlichen Druck aus dem Westen auch überlebt haben, Putin in die Karten spielen, muss abgestraft werden: Erst durch Streichung aller Zuwendungen und im zweiten Schritt durch Ausschluss aus der Gemeinschaft.

Nirwana oder eigenes Profil:
Die EU muss umschalten

Die EU hat Machtpotenzial, das sie eindeutig nicht ausreizt. Je länger der Krieg in der Ukraine dauert und je mehr im Umgang mit den Vereinigten Staaten der Weichspüler eingesetzt wird, desto mehr wächst die Zahl der Dinge, die wir in beiden schon weitgehend beerdigen mussten, um die von Trump geforderten militärischen Militärausgaben zu stemmen:
Friedens- und Klimapolitik, wirtschaftliches Wachstum, Souveränität bei der Energie-Versorgung

Wenn wir warten und hoffen, dass es im nächsten Schaltjahr 2028 keinen Trump oder einen seiner Paladine als US-Präsidenten mehr gäbe, könnte es nicht nur zu spät für Europa sein, sondern auch für die gesamte "alte Weltordnung".

Die Geschichte zeigt kurioser Weise, dass Schaltjahre politische Verhältnisse immer wieder verändern. Es blieben noch drei Jahre Zeit, den Schalter umzulegen.

Paint-Skizze Claus Deutelmoser

Hier, was die KI in punkto Schaltjahre und Politik zusammen fasst:

Ja, Schaltjahre haben direkte und indirekte politische sowie wirtschaftliche Auswirkungen, auch wenn diese oft eher struktureller Natur sind als auf Aberglauben zu beruhen.

Wahljahre (US-Fokus): In den USA fallen die Präsidentschaftswahlen traditionell auf Schaltjahre (alle vier Jahre). Dies führt zu einer Konzentration von politischer Aufmerksamkeit, Kampagnen und strategischen Entscheidungen in diesen Jahren.

Wirtschaftliche Effekte: Ein Schaltjahr hat 366 statt 365 Tage. Dieser zusätzliche Arbeitstag (29. Februar) kann zu einer leicht erhöhten wirtschaftlichen Aktivität führen, da mehr Zeit für Produktion und Konsum zur Verfügung steht.

Haushaltsplanung: Da Schaltjahre einen zusätzlichen Tag enthalten, müssen Regierungen und Unternehmen ihre Haushaltspläne, Gehaltszahlungen (insb. bei Stundenlöhnen) und Finanzprognosen anpassen.

Historische Manipulationen: In der römischen Zeit wurden Schaltjahre (bzw. Schalttage) von Pontifexen oft manipuliert, um die Amtszeit von politischen Verbündeten zu verlängern oder die der Gegner zu verkürzen.

Symbolik und Tradition: Der 29. Februar ist historisch mit Bräuchen verbunden, in denen Geschlechterrollen umgekehrt wurden (z. B. Frauen machen Männern Heiratsanträge), was zuweilen als "Bachelor's Day" bezeichnet wird. 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Schaltjahre primär als politisch-wirtschaftliche Zyklen (insb. durch Wahlen und Budgetanpassungen) wirken. . 

Mittwoch, 25. Februar 2026

Ist der Bot der Zauberlehrling von heute?

Dieser Tage las ich in verschiedenen Beiträgen die Warnung, die anstehenden Landtagswahlen in Baden-Württemberg könnten durch sogenannte Bots manipuliert werden. Einer wie ich, der ja nur einen kleinen Teil der Möglichkeiten seines Smartphones zu nutzen in der Lage ist, musste sich da natürlich sofort schlau machen. Zumal ja meine viel tiefer in der Materie steckenden Kinder mich schon länger damit necken, die rapide gestiegenen Zugriffe auf mein Blogs seien allein den Bots geschuldet.

Quelle; Assono GmbH
Server-Architektur  Chatbot
https://www.assono.de/blog/chatbots-einblicke-in-die-funktionsweise

Vermutlich wissen die meisten meiner Leserinnen und Leser schon, was für mich blanker Horror war: Mit Bots geht im Netz nahezu jegliche Manipulation - vor allem aber in den Social Media, die ich aus Mangel an Vertrauen schon immer gemieden habe. In Chatbots seien sogar KI-generierte Stimmen von Politikern in konterkariertem Sinne allein durch Keywords anderer User in der Gruppe abrufbereit. Nachdem offenbar auch das Fälschen von Video-Clips mittlerweile ein "Kinderspiel" geworden zu sein scheint, frage ich mich, ob die "Geister, die sie riefen" überhaupt noch einzufangen seien.

Und da fiel mir das zum auswendig Lernen in der Schule meist gehasste Gedicht unseres Altmeisters Johann Wolfgang Goethe ein: Der Zauberlehrling!
Seine verklausulierte Botschaft vom Juli 1797, dem so genannten "Balladenjahr", war so treffend wie heute. Und deshalb meine Frage: Was, wenn der Menschheit am Ende die Zauberformel vorbehalten wird, die uns aus dem Daten-Schlamassel befreit? Unter diesem Gesichtspunkt empfehle ich meinen geschätzten Leserinnen und Lesern, den "Zauberlehrling" noch einmal zu rekapitulieren.

Ich habe schon mal mit einer "Neu-Verdichtung" angefangen. Ein Sakrileg. Ich weiß. Aber wenigstens irgendwie Galgenhumor, wenn man das durchzieht und zu ende denkt:

Quelle: wikipedia



Hat der alte Daten-Meister
Sich doch einmal wegbegeben!
Und seine Bots als meine Geister
Sollen nun nach meinem Willen leben.
Seine Programme und Werke
Merkt ich, und den Brauch,
Und Bots meiner Geistesstärke
Tun nun Wunder auch.

Walle! walle
Manche Strecke,
Dass, zum Zwecke,
Datenraub fließe,
Und mit kaum kontrollierter Menge,
Zu dem Bösen sich ergieße.

Und nun kommt , alte Daten-Stränge,
Ext die geschützten Program-Hüllen!
Sind schon lange schlecht gewesen:
Nun erfüll Bot meinen Willen!
Auf zwei Beinen stehe,
Oben sei ein Knopf,
Eile nun und gehe
Und flicht 'nen Daten-Zopf!

Walle! walle
Manche Strecke,
Dass, zu meinem Zwecke,
Neuer Inhalt fließe,
Und mit reichem vollem Schwalle,
Zum Chaos sich ergieße.


Montag, 23. Februar 2026

Vergiss es!

Darf sich einer, in dessen Umfeld ein geliebter Mensch jeden Tag ein Stückchen weniger auf dieser Welt ist, über den eigenen Gedächtnisverlust lustig machen? Ja, das muss er sogar, wenn er sich für den Rest seiner Tage nicht mit möglichen, weiteren Verlustängsten herum schlagen möchte,

Demenz, Alzheimer oder Hirnverkalkung nehmen in unserer Gesellschaft deshalb so rasant zu, weil wir alle älter werden, als das Verfallsdatum ursprünglich von Mutter Natur vorgesehen war. Inzwischen ist fast täglich von neuen Medikamenten zu lesen, die den Gedächtnisverlust verlangsamen oder gar erträglicher machen. Aber das ändert doch am gegebenen Ablauf eines Lebens  nichts: Vor dem Sterben kommt oft eben das Vergessen.

"Natürlich kann man mal etwas vergessen", beruhigt uns ein TV-Werbespott und preist ein frei verkäufliches Produkt an, das vermeintlich die Durchblutung der Gehirnzellen verbessert. Aber Vergesslichkeit ist natürlich, und sie ist vor allem von den Genen abhängig. Da helfen Denksport-Aufgaben und kognitive Spiele, um daraus einen Vorteil zu nutzen. In meinem Umfeld werden und wurden die Frauen immer drastisch älter als die Männer. Die Mutter einer Freundin meiner Frau ist gerade 102 geworden. Sie erkennt immer noch sofort die Stimme wenn die Fürsorglichste ihr telefonisch zum Geburtstag gratuliert. Die alte Dame wohnt selbst bestimmt im eigenen Haus.

Quelle: Alzheimer Forschung
Initiativ.eV
Währenddessen die legendäre Tante B. in ihrer Wohnung zwar rund um die Uhr betreute wird, aber bei den Begegnungen tagesaktuell mit ihrer persönlichen Gegenwart immer aufs Neue programmiert werden muss. Aber sie hat weder ihren Humor noch ihre Lust auf Leckereien verloren. Jedoch wird sie traurig, wenn sie Dinge aus ihrer Erinnerung hervor kramen will. Mich zum Bespiel muss sie jedes mal neu identifiziert bekommen, obwohl ich sie genauso lange kenne, wie meine Frau. Das Leben bleibt ungerecht - selbst wenn einem die von allen gewünschte lange Verweildauer gewährt wird.

Mein Leben ist geprägt von einer Ehepartnerin die mich von Beginn an durch ihre Vergesslichkeit genervt hat. Aber weil sie gleichermaßen im Vergessen wie im Vergeben stark ist, macht es uns heute nichts aus, dass wir uns gegenseitig über unsere Schusseligkeit lustig machen. Da kam es gestern beim schlafen gehen zu folgendem Dialog:

Sie: "Du musst mich morgen unbedingt daran erinnern, dass ich zur Apotheke und zum Drogeriemarkt gehe. Ach ja, und die Butter ist aus!"

Ich: Ok. ich mache drei Knoten in die Bettdecke. Aber was, wenn morgen früh vergessen habe, wofür ich die gemacht habe?

Sie: Ach vergiss es!

Quelle: pinterest

Freitag, 20. Februar 2026

Wer war Weißler?

Quelle: wikipedia
Eigentlich ein Treudeutscher
Lebenslauf - bis die
Nazi-Herrschaft begann:
Dr. Friedrich Weißler
(1891 - 1937)
als Präside der
Sängerverbindung Ascania 1911
Friedrich Weißler wurde am 20. Februar 1937 schwer gezeichnet in einer arrangierten Selbstmord-Szene aufgefunden, nachdem er wohl zwei Tage lang gedemütigt, getreten und über einen längeren Zeitraum weiter schwer misshandelt worden war. Sein offizieller Tod wurde auf den 19. Februar datiert. Der Ort des Verbrechens: Das KZ Sachsenhausen. Die Täter SA-Männer.

Weißlers Martyrium begann damit, dass er bei einem von ihm als Richter geführten Gerichtsverfahren 1933 einen SA-Mann mit einem Ordnungsgeld von 3 Reichsmark belegte, weil der verbotener Weise in seiner Uniform vor Gericht erschienen war. In der Folge wurde Weißler wenig später in seinem Büro überfallen, auf einem Balkon dem herbeigerufenen Pöbel präsentiert, der miterlebte, wie er gezwungen wurde, die Hakenkreuz-Fahne zu grüßen. Statt die Schergen zu bestrafen wurde Weißler am 4. August  1933 vom Dienst suspendiert. Begründung war eine zuvor ermittelte "jüdische Herkunft".

Dabei war schon Weißlers Vater, der bizarrer Weise den Vornahmen Adolf trug und Mitbegründer des Deutschen Notarvereins war, schon seit Ende des 19. Jahrhunderts bekennender Christ. Demnach hatte er seine drei Söhne, von denen Friedrich der jüngste war, evangelisch taufen lassen.
Dr. Friedrich Weißler war gewissermaßen ein Vorzeige-Untertan, der sich bei Beginn des Krieges freiwillig zum Militär meldete und sein Ende 1918 immer noch als Frontsoldat im Range eines Leutnants erlebte. Er gehörte als Burschenschaftler der Sängerverbindung Ascania an und trat später der Akademisch-Musikalischen Verbindung Akaria bei. Auch seine juristische Karriere war vorbildlich. Schon am 29. August 1932, im Alter von 41 Jahren erfolgte seine Ernennung zum Landgerichtsdirektor in Magdeburg.

Quelle: Christianity Today
Karl Barth
(1886 bis 1968)
Lange bevor andere zivilen Widerstand leisteten, arbeitete Weißler, der nach seiner Suspendierung unter anderem Leiter der Kanzlei der "Bekennenden Kirche" war, mit Karl Barth und Martin Niemöller zusammen. Dass er Mitverfasser einer Denkschrift war, die alle Makel des Nationalsozialismus anprangerte, wäre ihm vielleicht noch nicht zum Verhängnis geworden. Doch die diskret am 4. Juni 1936 in der Berliner Präsidialkanzlei überreichte Sichtweise der Kirchen-Politiker wurde durchgesteckt und erweckte mit einer Veröffentlichung in den Basler Nachrichten im Sommer der Olympischen Spiele das Interesse der Welt-Öffentlichkeit. Das mussten die Nazis gewissermaßen als Hochverrat betrachten. Ohne Sondergerichtsverfahren landete Weißler klammheimlich in Sachsenhausen...
Quelle: Society of Classic Poets
Pastor Martin Niemöller
(1892 - 1984)

 Seine Schweizer Nationalität schützte Karl Barth. Martin Niemöller überlebte nicht nur das KZ Dachau, sondern 1945 auch noch die Verschleppung nach Südtirol als Geisel eines SS-Sonderkommandos.